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Rassismus in Deutschland: Hört uns endlich zu
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Rassismus ist ein alltägliches Problem in Deutschland. Dank Özil und #MeTwo wird endlich offen darüber debattiert. Doch anstatt zuzuhören, versuchen manche, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen.

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AZ1 30.07.2018, 16:44
1. justiziabel?

Herr Kazim, neben der strukturellen Diskriminierung sprechen Sie vor allem verbale Diffamierung an. Die Beispiele sind wirklich erschreckend (und wohl keine Ausnahmen -- ich habe Ähnliches von anderen gelesen). Aber sie könnten das leichter zu lösende Problem sein. Meine Fragen dazu: Sind die Diffamierungen nicht zum Teil justiziabel? Welche, und welche nicht? Und gedenken Sie, Anzeige zu erstatten, bzw haben Sie das bereits getan? Falls nicht, warum nicht? So oder so wünsche ich viel Erfolg bei diesem Kampf!

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Sopherl 30.07.2018, 16:45
2. Nicht vorstellbar!

Vielen Dank für diesen Artikel. Vielleicht öffnet er ja wenigstens Mal einem die Augen. Als Mensch ohne Migrationshintergrund ist es überhaupt nicht nachvollziehbar wie es vielen Menschen in Deutschland täglich ergeht. Es wird höchste Zeit etwas gegen diese Dumpfbacken und ihre Parolen zu unternehmen! Herr Seehofer, ihr Job!!

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gogru 30.07.2018, 16:51
3. Ich höre zu

Ich bin mir sicher, Ihre Erfahrungen werden von vielen geteilt.
Es gibt die strukturelle Benachteiligung, aber ich meine sie wird weniger.
In der Bank in der ich arbeite, was es vor 20 Jahren noch etwas besonderes wenn der Kollege Türke war, heute ist es alltäglich.
Und nicht nur bei sogenannten niederen Tätigkeiten.
Ich glaube auch nicht, das Ihre Beobachtung, seit die zweite und dritte Generation teilhabe fordert stören uns die Kopftücher und gar die Religion der Einwandererkinder. Es ist eben auch so, als die erste Generation Türken nach Deutschland kam, trugen sie kaum Kopftuch.
Es war nicht der Islam das Problem, aber die sogenannten grauen Wölfe.
Natürlich gibt es keinen strukturellen Rassismus gegen Deutsche, wie sollte es auch in Deutschland.
Aber wie ist es denn mit Ehen zwischen Deutschen und Türken?
Ich kenne einige türkisch-deutsche Ehepaare, keines in dem der deutsche Partner vorbehaltslos bejubelt wurde (wegen des deutsch seins). Während die Deutschen es toll multi kulti fanden.
Oder wie ist es, wenn man als Kind als einziges Deutsch an einer Schule ist und von den Mitschülern deshalb gemobbt wird?
Meinen Sie echt, für das deutsche Kind ist es weniger schlimm als für ein türkisches oder nordafrikanisches Kind??
Ich bin dafür, über Rassismus zu reden. Rassismus gegen Afrikaner jeglicher Hautfarbe, Türken und allen anderen Menschen.
Aber auch der Rassismus der Einwanderer stört das Zusammenleben.

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C.Rainers 30.07.2018, 16:56
4. Mag ja sein

und geteiltes Leid ist halbes Leid, trotzdem nervt mich diese Debatte als absolut „Nichtbetroffenen“ an. Bei mir zumindest wird das Gegenteil erreicht. Außerdem genau wie bei der meToo Kampagne ufert das immer mehr aus und jeder der meint mal scheel von der Seite angesehen worden zu sein , ist ein Opfer von Rassismus

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schreckgespenst 30.07.2018, 16:58
5. Blubb

Lieber Herr Kazim,
Sie unterliegen, genau wie z.B. Staatssekretärin Chebli, einem Missverständnis bzw. geben die Realität falsch wieder. Außer einige wenige rechte Dumpfbacken hat niemand ein Problem mit Ärzten, Ingeneurinen etc., die aus Einwandererfamilien stammen bzw. zugewandert sind. Das Narativ, solange Frauen mit Kopftuch niedere Arbeiten verrichtet haben, war das Kopftuch okay, ist einfach nicht richtig.
Wenn die Mehrheitsgesellschaft Probleme sieht, dann aufgrund von Rückschritten in der Integration von Zuwanderern. Bei bestimmten Migrantengruppen sinkt z.B. die Beschäftigungsquote mit fortschreitender Generation. Türkischstämmige Migranten der dritten Generation sind häufiger arbeitslos als ihre Großväter bzw. Großmütter. Auch bestehen z.B. in dritter Generation erhebliche Sprachprobleme, die bei anderen Einwanderergruppen bereits ab der ersten (!) Generation seltener in dieser Form auftreten.
Aus der Kritik an diesen Zuständen wird dann eine (rassistische) Ablehnung konstruiert. Witzigerweise auch von Personen, die trotz/wegen ihrer Migrationsgeschichte eine steile Karriere hingelegt haben. Insbesondere wird einem Land Rassismus vorgeworfen, dessen Bevölkerung einen Migranten der zweiten Generation zum Ministerpräsidenten gewählt hat, einen Migranten der zweiten Generation als Parteichef einer Bundestagspartei gut fand und einige Migranten an der Spitze der größten Konzerne "eträgt".

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Bulle Geiger 30.07.2018, 17:03
6. das ist...

wieder mal typisch - in zweierlei Hinsicht: zum einen scheint es für den Spiegel kaum erträglich, dass die Debatte um #ich2 einfach nicht in Gang kommen will - im Gegenteil, dass sogar andere Medien es wagen, gegenzusteuern und nicht den moralischen Zeigefinger heben. Nein, nein, Cacau kann - ja darf - nicht Recht haben, wenn er strukturellen Rassimus in DE verneint, das geht doch nicht! "Also bringen wir jetzt jeden Tag zwei bis drei moralinsaure Artikel zum Thema, wäre doch gelacht!" - so oder ähnlich denkt man wohl beim Spiegel.
Zum anderen dann wieder der Herr Kazim... vielleicht ist es schwer nachzuvollziehen, aber Ihre gesammelten Geschichten (die - sorry - tw. mehr als hanebüchen klingen) werden nicht dazu führen, dass sie eine grundsätzliche Debatte anstoßen, im Gegenteil - wenn Sie endlich mal akzeptieren würden, dass das was sie als "strukturellen Rassimus" bezeichnen, auf Erfahrung und Lebenswirklichkeit basiert - und dass die Menschen in diesem Land mehrheitlich dies nicht mehr hinnehmen wollen, dann wäre vielen geholfen.
In anderen Worten, einfach dargestellt: die Kritik an menschlichem Fehlverhalten ist immer Kritik, nie Rassimus.

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Actionscript 30.07.2018, 17:03
7. "mit Migrationshintergrund"

Es wird Zeit, das Anhängsel "mit Migrationshintergrund" abzuschaffen. Allein das ist schon Diskriminierung, und die wird vom Staat gefördert. Jemand, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, spricht natürlich Deutsch und ist demnach Deutscher. Wie in den USA sollte es auch in Deutschland so sein, dass automatisch die Staatsbürgerschaft gegeben wird.

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Planquadrat 30.07.2018, 17:04
8. Als

die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen, gab es auch Zeitgenossen, die sie alles andere als freundlich begrüßt haben. Dann aber gingen wir gerne in die italienischen, spanischen, griechische, jugoslwische oder portugiesische Lokale und lernten das leckere Essen und die tolle Gastfreundschaft kennen. Diese Menschen hatten sich schnell integriert und blieben trotzdem auch ihren Traditionen treu, genau wie es deutsche Einwanderer auch in ihrer neuen Heimat auch taten.
Nur bei vielen muslimischen Einwanderern klappt das nicht, denn es fehlt vielen alleine schon der Wille, die Sprache ihres Gastlandes zu lernen oder einheimische Gesetze über die der Scharia zu stellen. Deshalb ist es kein Wunder wenn es jetzt plötzlich wieder zu diesen Diskussionen über Rassismus kommt.
Integration ist eine Bringschuld die man von Menschen erwartet, die irgendwo eine neue Heimat finden.
Wenn in den USA der "Oath of Allegiance to the United States" abgelegt wird, ist das ein echtes Ereignis an dem die Neubürger voller Stolz teilnehmen. Das ist der eklatante Unterschied zu Deutschland, hier wird der Pass gerne wegen seiner Annehmlichkeiten angenommen, auch weil man dann nie mehr ausgewiesen werden kann, aber sonst bleibt man bei seinen türkischen oder arabischen Wurzeln und hat kein Interesse sich zu integrieren. Natürlich trifft das nicht auf alle zu, aber auf einen großen Teil der Muslime schon.

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waste.bin 30.07.2018, 17:05
9. Alltäglicher Rassismus

Man müsste nicht darauf hingewiesen werden, wenn man die Ohren und Augen offen hielte. Abfälliges, rassistisches Verhalten ist alltäglich. Möglicherweise ist eine Person, welche Ziel dieser Herabwürdigungen ist, empfindlicher, als die passiven Zuschauer.

Eines sei dazu gemerkt: meiner Meinung nach ist es zwar das Gewand des Rassismus, letztlich aber trägt dieses Gewand die tiefe Sehnsucht nach einer durchgeregelten, freiheitsarmen und gleichförmigen Welt der Blockwarte und Gleichgeschalteten. Denen jedoch sei gesagt, wenn der Mob mit den anderen fertig ist, werdet ihr dran sein. Dann sind es wieder die Langhaarigen, die Penner, die Faulenzer, die Studenten, die Kommunisten.

Offensichtlich geht es der spiesserdeutschen Seele nur gut, wenn sie sich über andere erheben kann. Je tiefer man selbst im Dreck steckt, je heftiger muss man die anderen nach unten drücken. Das wertet die eigene Person nicht auf, immerhin aber eine andere ab, was den Abstand dennoch vergrößert.

Ich bin erschüttert, mit welcher Breite sich dieses Gehetze in allen Bereichen meines Lebens breit macht. Freunde, Familie, Kolleginnen und Kollegen.

Eine Schande.

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