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Rassismus in Deutschland: Hört uns endlich zu
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Rassismus ist ein alltägliches Problem in Deutschland. Dank Özil und #MeTwo wird endlich offen darüber debattiert. Doch anstatt zuzuhören, versuchen manche, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen.

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kleinsteminderheit 30.07.2018, 19:10
100. Und wenn ihr das noch wochenlang hypt, ich ziehe mir diesen Schuh nicht an!

Rassist ist ein verletzender, ehrabschneidender Begriff. Und zwar für viele Deutsche, die aufgrund einer völlig inflationären Nutzung dieses Begriffs verunglimpft werden. Die wenigen Male, zu denen ich diese Erfahrung machen musste, glaube ich nicht, dass ich mein Gegenüber wegen seiner Herkunft anders behandelt habe als irgendeinem Biodeutschen. Ich habe nur Verhalten kritisiert, bin nicht auf die rechtswidrigen Vorstellungen meines Gegenübers eingestiegen oder habe meine Zustimmung zu Dingen verweigert, die für mich oder meinen Arbeitgeber von Nachteil wären. Zack war ich in der Täterrolle und mein Gegenüber stilisierte sich zum Opfer. Erklären war dann sinnlos. Es ist bequem das ewige Opfer zu sein. Dann muss man sich nicht mit Gesetzen, Regeln und Gepflogenheiten auseinandersetzen, denn nur das Gefühl der Benachteiligung, die Verletzung von Ehrbegriffen, die wir nicht kennen oder eine ganz normale zwischenmenschliche Antipathie berechtigen offenbar dazu, mich zu beleidigen. Schaltet mal nen Gang runter. Es gibt Rassisten in Deutschland und gegen die müssen wir zusammen etwas tun. Das gelingt aber nicht, wenn jeder, der Individuelles Verhalten kritisiert, nicht zu allem ja sagt oder auch nur nach der Herkunft fragt, mit Identitäten, Altnazis oder Brandstiftern in einem Topf geworfen wird.

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interessierter Laie 30.07.2018, 19:11
101. sehr geehrter Herr Kasain

ich rate Ihnen, nicht über früher zu reden. Dazu sind Sie entschieden zu jung. Wenn Sie einen Eindruck davon möchten, schauen Sie sich Mal Ekel Alfred an - egal welche Episode. Oder denken Sie Mal darüber nach, warum so viele Migranten in bestimmten Wohngegenden untergekommen sind. Soviel ist sicher: Freiwillig war das nicht. Es ist tatsächlich viel besser geworden. Für einige Gruppen allerdings noch viel besser, als für türkischstämmige. Mandolinenschlosser, Spaghettifresser oder ähnlich abfällige Bezeichnungen für Italiener hört man heute wohl kaum noch.

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sw-grisu 30.07.2018, 19:18
102. Wohl noch nie wo anders gewesen ...

Als Kind der 60er Jahre wuchs ich im Rahmen der gesellschaftlichen Entnazifizierung auf. Die Rassismus- und Nazikeule funktionierte bei mir bis Anfang 20. damals kam ich zum ersten Mal in die USA. Seither weiß ich, dass Deutschland kein rassisches Land ist! Dieses Bild wurde danach von Land zu Land immer mehr gefestigt. Und es macht keinen Unterschied ob das Land Multikulti oder Unikulti lebt.

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Bananenschale 30.07.2018, 19:21
103. Richtig und falsch

Es geißt: "Oder es wird behauptet, als 'Biodeutscher' oder 'autochthoner Deutscher' könne man schließlich auch nicht in bestimmte Viertel deutscher Städte gehen, ohne Gefahr zu laufen, von Migranten angegriffen zu werden - noch einmal: Als ob das eine Problem das andere rechtfertigte."

Richtig. Nur das andere wird fast nie thematisiert. Und das seit vielen Jahrzehnten nicht. Natürlich gibt es einen Zusammenhang über die sozialen Lage der Migranten und ihren Nachkommen mit der Wohnraumfrage. Rassismus spielt auch eine Rolle. Nur in entprechendne Stadtvierteln können Personen mit seltenen oder orientalischem Namen überhaupt eine Wohnung mieten. Landflucht verschärft die Situation. Parallelwelten sind das Ergebnis.

Was mich stört, ist daß Dinge immerzu gleichgesetzt werden, die zu unterscheiden und deren Wechselbeziehungen zu betrachten sind. Tatsächlich wird jeder ausgegrenzt, der iregendwie stigmatisiert ist. Oder will jemand allen Ernstes den sozialen Rassismus gegenüber HartzIV-Empfängern bestreiten? Was steckt anthropologisch hinter dem Rassismus? Grundsätzlich sollten man den Rassismus bei Personen verorten. Im Weiteren schaut man auf die Wechselbeziehungen verschiedener Dinge. Die resultieren zu dem, was gerne vorwegnehmend als Rassismus der Gesellschaft / in der Gesellschaft bezeichnet wird.

Wenn Özil den Rassismus beim DFB beklagt, kann ich das natürlich nicht beurteilen. Nur habe ich den Verdacht, daß die Befindlichkeit von Özil niemanden dort interessiert und man dort in beide Richtungen opportunistisch handelte. Daß die Befindlichkeit eines Fußballers beim DFB niemanden interessiert, trifft aber jeden Fußballer und nicht bloß solche mit Migrationshintergrund. Im Ergebnis entsteht aus der Sicht Özils ein Rassismus, der so gar nicht gegeben sein muß.

Entscheidend bei dem Rassismus gegenüber Orientalen sind unterschiedliche assoziative Sprachbilder. Der selbse Satz, das selbe Wort ist mit ganz andern Weiterungen unterlegt. Von einer spezifisch dt. Kultur kann kaum die Rede sein. Es sei denn, man wollte die Abwesenheit von Kultur als Kultur bezeichnen. Darum hilft das Narativ von "kulturellen Unterschieden" nicht weiter; es wird vielmehr damit versucht die Aufschlüsselung der assoziativen Sprachbilder im Einzelnen zu unterlaufen.

Die Diskussion um den Rassismus hat für mich den scharfen Beigeschmack eines sozialen Chauvinismus von oben nach unten mit der klaren Absicht, die Thematisierung der eigentlichen Probleme ( Wohnraum, Arbeit, gerechter Lohn Infrastruktur usw. ) im Einzelnen zu unterbinden und den sozialen Abstand zu zemtentieren. Ich bin Rassist, weil ich so heiße. Denn soviel ist mir klar geworden: Meine Überlegungen interessieren niemanden.

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cave68 30.07.2018, 19:22
104. Wundert dies?

"Die Erfahrungen die wir schildern, werden in Frage gestellt (Wer sagt uns dass das wahr ist)."

Ja Herr Kazim, wer sagt uns wirklich,dass alle mit ihren Berichten in solch einem Hashtag die Wahrheit sagen oder nicht doch übertreiben oder sich gar nur wichtig machen wollen?
Schon bei der #metoo Debatte haben sich nicht wenige gewundert warum plötzlich Hunderte aus ihren Löchern gekrochen kamen und über Missbrauch berichteten die angeblich schon Jahre zurückliegen?

Diese Aussagen n solchen Hashtags sind halt eben genauso wenig verifizierbar als wenn die Gegenseite immer wieder mit dem Argument kommt,dass "sie ja Massen von Frauen kennen die sich nicht mehr vor die Tür trauen,weil sie von Migranten oder Muslimen angepöbelt oder angefasst wurden".
Wenn man sich dann noch mit der "Symbolfigur" eines solchen Hashtags einen solchen Fehlgriff leistet wie in diesem Fall Özil (oder bei der #metoo-Debatte mit einer Gina-Lisa-Lohfink) soll man sich nicht wundern ,dass man sich in Sachen Glaubwürdigkeit einen Bärendienst erweist.
In einem anderen Artikel wurden dann noch der Protest von Pussy Riot genannt.
Ich bin mit Sicherheit kein Rassist und werde auch nie die AFD oder sonstige radikale Parteien wählen...aber die Gegenbewegung gibt mir mit solchen schrillen und unglaubwürdigen einfach nur ein jämmerliches Bild ab....zur Überzeugung,dass sich irgendetwas ändern muss taugt dies mit Sicherheit nicht auch wenn ich sicherlich nicht verneine dass es Rassismus gibt.

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charlybird 30.07.2018, 19:26
105. Verehrter SPON,

das Video in diesem Kontext sollten Sie herausnehmen. Diese Geschichte ist längst Geschichte, hat sich damals in halbwegs akzeptiertes Wohlgefallen aufgelöst und liegt mittlerweile beim Staatsanwalt wegen Betrug und Missbrauch öffentlicher Gelder, soweit ich informiert bin.
Zu Herrn Kazim, ja Fremdenfeindlichkeit ist schlimm, es gibt sie mit jeder Menge dazugehöriger Vorurteile und Diskriminierungen.
Und es gibt die widerlichen Poggenburger, Gauländer und Höckes und wie sie noch alle heißen.
Dagegen braucht es wirklich Aufstände der Anständigen, die sich oft und Gott sei Dank immer wieder formieren, manchmal vielleicht nicht mehr stark genug.
Da hätten wir dann strukturelle Bildungsprobleme, aber das haben wir ja schon erkannt.
Man könnte schelmisch fragen, ob Özil das auch so sieht.
Aber, diskriminiert werden übrigens neben wohnungs-und jobsuchenden Ausländern auch Behinderte, Kranke, Obdachlose, Hartz 4 Empfänger, Schwule, Lesben, nicht gesellschaftskonforme Menschen allgemein und oft auch Menschen, die nicht mal mehr der Meinung, welche auch immer, des Diskriminierenden sind und manchmal sogar Deutsche, die unverschämterweise einen Autofahrer mit Migrihu für ein zu lautes und peinliches Auto kritisiert haben, wie mich gestern Abend.
Aber das macht nichts, denn bevor es körperlich wird, bin ich lieber der Rentnerpenner, wenn es der Schärfe der Rasierklingen unter den Achselhöhlen der deutschen Mihigrus beim stolzen Cruisen in den Szenevierteln nützt.
Und immer wenn ich das sehe, entlockt das keine Fremdenfeindlichkeit bei mir, aber ein kräftiges Witzchen, welches an einer Diskriminierung entlang schrappen könnte, schon. :-)
Glauben Sie mir aber trotzdem, ich nehme das Thema schon ernst.

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radioactiveman80 30.07.2018, 19:28
106. Mich irritiert etwas an diesem sog. Debattenbeitrag

In der Einleitung heisst es: "Doch anstatt zuzuhören, versuchen manche, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen." Für mich klingt das, als ob der Leser vor zwei Möglichkeiten gestellt wird: Höre zu, nehme mich ernst - oder ziehe #meetwo ins Lächerliche. Aber dazwischen liegt so vieles mehr, und vieles davon wird sachlich, aber bestimmt auch hier im Forum genannt: Kritik an Özil, die sich ausschließlich mit seinem Verhalten befasst, nicht mit seiner Herkunft. Der Verweis darauf, dass Fremdenfeindlichkeit kein alleiniges deutsches Problem ist. Dass gerade der Islam überproportional häufig die Integration verweigert. Dass derartige Unterstellungen bei kriminellen Migranten nicht zugelassen werden. Herr Kazim, es gibt soviel mehr als Schwarz oder Weiss, viel mehr als nur Teddybären werfen oder Molotowcocktails. Eine Debatte ist nur dann eine Debatte, wenn man Gegenpositionen auch als solche akzeptiert. Dass Herr Kazim eine antirassistische Haltung einnimmt, ist aller Ehren wert. Aber davon gibt es m.E. hierzulande viel mehr Menschen als die Berichterstattung auf SPON es uns in den letzten Tagen suggeriert Ich hoffe nur auf etwas Ausgleich am Donnerstag - Fleischi, übernehmen Sie!

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aftereffectsclass 30.07.2018, 19:32
107. Endlich zuhoeren - warum dann alles auf englisch??

Ich bin gerne offen fuer jede Diskussion und dieses Thema ist sehr wichtig zu debattieren. Warum ist dann aber jeder Beitrag auf #MeTwo auf englisch? Warum hat Herr Oezil sein Statement auf englisch verfasst? Warum erwaehnen Sie dies nicht in Ihrem Beitrag? Warum verschluesseln die Betroffenen ihre Erfahrungen in einer anderen Sprache? Soll dies ein ehrlicher Versuch sein, einen offenen Dialog mit Deutschen anzufangen? Soll es diejenigen erreichen, die die Ursache des Uebels sind oder nur eine gebildete Elite, die des englischen maechtig ist? Warum so eine wichtige Diskussion ueber Ausgrenzung auf eine art und weise fuehren, die selbst ausgrenzt?

So sehr ich diese Debatte als wichtig und notwendig empfinde, haengt daran doch ein Hauch von Unehrlichkeit. Geht es vielleicht auch darum, die Anzahl der Clicks zum maximieren? Soll es mehr international Wellen schlagen als sich einer weniger spektakulaeren direkten Diskussion mit Deutschen zu widmen?
Klingt "Racism in Germany" nicht doch viel cooler als "Alltaegliche Anfeindungen gegenueber Migraten" in Deutschland? Man sollte sich bewusst sein, dass "Racism" in jedem Land anders interpretiert wird. Hier in den USA ist Racism wenn ein weisser Polizist wieder mal einen fliehenden schwarzen in den Ruecken schiesst und dann freigesprochen wird, wenn wieder mal sofort die Polizei gerufen wird da ein farbiger auf einer oeffenlichen Bank eingeschlafen ist, oder ein schwarzer schon wieder in eine Polizeikontrolle geraet.....

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NochEinBesserwisser 30.07.2018, 19:33
108. #TheyOne

Mit Verlaub sehr geehrter Herr Hazim, aber das was Sie und ihre #MeTwo-Mitstreiter versuchen ist tatsächlich lächerlich und, noch schlimmer, dies macht die Rechtspopulisten bis Rechtsextremisten noch stärker. Schade :-(
Ich bin selber Ausländer und lebe seit insgesamt 20 Jahren gut und gerne in Deutschland. Ich sage Ihnen und alle andere #MeTwo-ler nur eins: zur Diskriminierung, wie zum Streiten, gehören immer 2.
Lass #MeTwo in #TheyOne umwandeln, dann ist das „Problem“ gelöst. Aber nein, Sie wollen doch von der Diskussion profitieren. Sie arme, diskriminierte Bürger mit Migrationshintergrund.
Man hat bereits eine Frauenquote. Bald werden die #MeTwo-ler sagen, dass man auch eine Ausländerquote braucht. Positive Diskriminierung, eben.
Ausländer zu sein hat mehrere Nachteile: die Familie und viele Freunden sind weit weg, man hat Schwierigkeit sich gut auszudrucken, man fällt auf (im positive und negative Sinn), usw. Aber es gibt auch mehrere Vorteile.
Ich habe einen guten Freund, der in der ehrmaligen DDR ausgewachsen ist. Er hat mir einmal gesagt, dass wir Ausländer zusammenhalten sollen. Ich habe spontan geantwortet, dass ich noch zurück zu meiner Heimat gehen könnte, wenn ich die Nase voll hätte, aber er…
Herr Özil und andere Bürger mit Migrationshintergrund wollen die Vorteile, wie z.B. Geld um Fotos mit „seinem“ Präsident zu machen, aber sie wollen die Nachteile nicht.
Ja Rassismus ist leider menschlich. Gibt es sogar in Deutschland. Ich weiß, wie rassistisch Türken sein können und ich kann die Lage in Pakistan diesbezüglich mir gut vorstellen.
Aber Deutschland hat eine grauselige Vergangenheit bezüglich Rassismus. Vielleicht kann man als Bürger mit Migrationshintergrund davon profitieren…
Das ist mehr als lächerlich – das ist erbärmlich.

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zaunreiter35 30.07.2018, 19:38
109. Sie haben Unrecht, Herr Kazim.

Wenn ich hier die div. Beiträge von Bürgern mit ausländischer Abstammung lese, dann geht es doch im Prinzip um die Mitbürger moslemischen Glaubens, die diesen wie eine Monstranz vor sich hertragen (schönes Bild ;-) ).
Unsere Vorfahren haben in langen Kämpfen den Einfluss der beiden Kirchen aus dem Leben des Einzelnen oder seiner Familie zurückgedrängt. Gut man lässt sich firmen oder konfirmieren und wird dann "U-Boot-Christ" und geht noch an Heiligabend in die Kirche. Und tritt dann aus der Kirche aus um Kirchensteuer zu sparen.
Da ist dann schon eine Muslima oder ein Muslim, die den Glauben ÜBER das Grundgesetz stellen, sehr suspekt.
Meine spirituellen Vorfahren (ich bin weder Christ, noch Jude, noch Moslem) waren Kopfjäger. Deren Grundsatz war: "Meine Heimat ist dort, wo die Schädel meiner Feinde an der Wand hängen!". - Ist natürlich mit dem Grundgesetz und dem modernen sozialen Zusammenleben nicht vereinbar. Ist ja logisch.
Btw. - Ihrem Kollegen Augstein nebenan im neuen Artikel müsste man auch erst mal ins Stammbuch schreiben, das Konkordat mit Hitler und die Kirchensteuer zu beseitigen. Erst dann kann man auch den Islam reformieren. Eine Religion aus der Wüste des Frühmittelalters kann natürlich nicht hier erfolgreich sein. Dazu müsste man die Aufklärung zurückdrängen. Außerdem unterwerfe ich mich keinem Gott. Denn nichts anderes bedeutet ja Islam.

Dann jetzt noch zu Özil, Herr Kazim. Diese #metoo-Debatte ist doch scheinheilig. Die wird nur geführt, weil ein überbezahlter Fußballer mit einem begrenzten Intellekt sich auf seine Berater verlies und Deutschland des Rassismus bezichtigte, obwohl er wusste, dass er sich da - im übertragenen Sinne - von einem Verbrecher die Augen küssen liess. Der Deniz Naki hat ihm ja einen offenen Brief geschrieben, auf den dieser nicht antworten wird und sein Schweigen folgen lässt. Ebenso hat ihm ja auch Arik Ünsal Falschheit vorgeworfen.
Die Türkei hat auch Rassismus gegenüber Kurden und Aleviten. Das darf man nicht verschweigen.

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