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Rassismus in Deutschland: Hört uns endlich zu
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Rassismus ist ein alltägliches Problem in Deutschland. Dank Özil und #MeTwo wird endlich offen darüber debattiert. Doch anstatt zuzuhören, versuchen manche, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen.

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sternenforscher 01.08.2018, 10:04
150. 0,01% der Deutschen sind offen rassistisch

Das ist meine Schätzung. Es gibt sicherlich neben dieser Gruppe weitere rassistische Züge. Aber, wo fängt Rassismus an und wo ist eigene Meinung erlaubt? Oder wo sind Vorurteile erlaubt? Ist jetzt von jetzt auf gleich, alles verboten, ja alles rassistisch? Ich verstehe es nicht! Der Deutsch-Türke soll also heute als Deutscher angesehen werden und ist selbst stolz auf seine türkischen Wurzeln? Wie geht das zusammen? Verbietet man den Deutschen eine Ausdrucksweise die sich die Betroffenen erlauben dürfen? Verstehe ich nicht! DAS ist für mich kein Rassismus. Rassismus sind Benachteiligungen, Beleidigungen, Hetze - absolut richtig! Man muss aber auch sagen, dass die 0,01% IMMER präsent sein wird.

Das Problem liegt aber nicht bei den 0,01%, das Problem ist die Pest des 21. Jahrhunderts: die sozialen Medien. Ein M. Özil ist insbesondere hier angefeindet worden - und auf einmal ist ganz Deutschland rassistisch. DAS ist es was ich nicht akzeptiere und was ich wegwischen will. Die 0,01% werden auf einmal über ganz Deutschland gezogen. Ich glaube z.B. dass die Verhältnisse, Repressionen, Verfolgung in der Türkei um ein vielfaches schlimmer ist als hier in D.

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philosophus 01.08.2018, 10:07
151. @Pnanquadrat...

Sie schreiben: "Nur bei vielen muslimischen Einwanderern klappt das nicht, denn es fehlt vielen alleine schon der Wille, die Sprache ihres Gastlandes zu lernen oder einheimische Gesetze über die der Scharia zu stellen."... Ich stimme Ihnen vollkommen zu. Italiener, Griechen, Portugiesen, Jugoslaven hatten nie ein Intergrationsproblem. Ich als griechischer Student in Berlin, hatte NIE Intergrationsprobleme gehabt. Meine Herzensfreunde waren Deutsche, wir haben uns auf Anhieb verstanden, wir haben zusammen gefeiert, gesungen, geweint... meine liebe Frau ist sogar aus Berlin und leben in Griechenland. Bei muslimischen Kommilitonen hatte ich auch ein Gefühl (obwohl die meisten gute Freunde waren) dass es zwischen uns "etwas" da war. Jetzt weiss ich es: Dieses "zwischen" hat einen Namen - es heisst Religion... das "färbt" die Menschen ab... leider !...

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Torsten76 01.08.2018, 22:41
152. Kein Rassismus

Sie beklagen in ihrem Artikel, dass die Menschen Ihnen und anderen , die Rassismus erleben, nicht zuhören und versuchen, die Probleme zu verstehen, sondern stattdessen reflexartig in eine Abwehrhaltung verfallen und versuchen, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen.

Mit letzterem haben Sie durchaus recht. Nur die Ursache scheinen Sie nicht zu sehen.

Die wenigsten Menschen werden nämlich bestreiten, dass es in Deutschland tatsächlich nach wie vor häufig Rassismus gibt und dass dieser entsprechend auch von vielen Menschen erlebt wird. Auch werden fast alle Menschen anerkennen, dass es sich um ein großes Problem handelt - sehen wir mal von AFDlern oder ähnlichen Menschen ab.

Das Problem in ihrer Logik ist aber, dass sie Dinge auch fälschlicherweise zu Rassismus stilisieren und das löst - verständlicherweise - bei Nicht-Rassisten inzwischen eine Abwehrreaktion aus.

Sie schreiben - in einem Nebensatz und ganz selbstverständlich - das Ganze sei "angestoßen durch den Umgang mit dem Fußballer Mesut Özil" - so als sei völlig klar, dass es sich hier um ein Beispiel von Rassismus handelt. Dem ist aber nicht so, auch wenn sich gerade der Spiegel nach Kräften bemüht, dies so darzustellen. Bei Mesut Özil handelt es sich nicht um einen Politiker o.ä., sondern einfach um einen Fußballer. Sein ganzer Ruhm basiert einzig darauf, dass es Menschen gibt, die ihn als Fußballer mögen, Fans eben. Das ist eine hochemotionale Sache. Es ist völlig normal, dass es Fußballer gibt, die viele Fans haben, und andere nicht. Genauso ist es normal, dass Fußballer, die vor kurzem noch hochgejubelt wurden, dies plötzlich nicht mehr werden. So ist das im Sport. Das hat mit der Herkunft gar nichts zu tun. Bei Özil gibt es z.B. viele Gründe, weshalb seine Popularität zuletzt gesunken ist: seine schwache Leistung, sein mangelnder sichtbarer Kampfgeist, sein völlig unangebrachtes Foto mit Erdogan und seine anschließendes Verhalten dazu. Jemand, der nun beschließt kein Fan mehr zu sein, ist darin völlig frei. Er muss dies nicht mal begründen.

Jetzt allen Menschen, die sich in der aktuellen Situation negativ über Özil geäußert haben, Rassismus zu unterstellen, ist einfach nur absurd. Damit beleidigen Sie unzählige Menschen und sorgen auch für eine Solidarisierung untereinander. Sie gehen sogar noch weiter und unterstellen, man würde diese Debatte ins Lächerliche ziehen damit Menschen wie Sie "gefälligst den Mund halten und dankbar sein sollen, dass man uns in Deutschland leben lässt". Wie soll man denn auf so einen absurden Vorwurf noch reagieren, außer mit "ins Lächerliche ziehen"? Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie mit solchen Artikeln die Menschen in Scharen in die Arme der AFD treiben? Am Ende sprechen Sie sogar noch von Deportieren und Töten von Menschen, von Gaskammern und Galgen. Es ist nicht so recht klar, was sie sich mit diesen Sätzen eigentlich gedacht haben und ob Sie sich - mit Verlaub - dabei überhaupt etwas gedacht haben. Aber irgendwie scheint es Ihnen darum zu gehen, über eine längere Kette die Özil-Kritiker irgendwie dann doch zumindest ein bisschen in die Nähe des Holocausts zu rücken. Ich glaube, ein weiterer Kommentar erübrigt sich.

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schudeso 02.08.2018, 14:14
153. Rassisten und Antisemiten

Ich habe in Duisburg und Köln mit türkischen Nachbarn gelebt - und gut zusammen gelebt. Aber alle hatten eines gemeinsam: Beziehungen mit Nichtmoslems wurden akzeptiert, solange es kein weibliches Mitglied des eigenen Kulturkreises war. Ein allgemeiner und aggressiver Antisemitismus gehörte zum guten Ton.

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schudeso 02.08.2018, 14:21
154.

Zitat von annoo
Und was glauben Sie, wie es jemanden nervt, der nicht nur von der Debatte persönlich betroffen ist, sondern ZUSÄTZLICH noch von Anfeindungen? Von mir bekommen Sie kein Mitleid für ihre gefühlte Überdrüssigkeit. Und auch keinen Freischein dafür genervt sein zu dürfen wenn Andere darüber berichten, wenn ihnen Unangenehmes widerfährt. Ich erwarte von niemandem Empathie der dazu nicht in der Lage ist, aber vielleicht wäre dann einfach mal angebracht, die Klappe zu halten? Sie müssen sich dazu nicht äußern, sie sind ja, wie Sie geschrieben haben, nicht Betroffen. Sie haben den Luxus, sich zu äußern, wenn Ihnen danach ist, sind sich aber nicht im Klaren, dass es wirklich ihr Luxusproblem ist.
Auch Gääähn! Ich habe schon erlebt, dass jemand als Rassist bezeichnet wurde, weil er nicht zugelassen hat, dass sich ein Neubürger an der Supermarktkasse vordrängeln wollte. Ersparen Sie uns Ihre Moralkeule und verbieten Sie uns nicht den Mund.

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wasnu23 02.08.2018, 16:41
155.

Zitat von Actionscript
Es wird Zeit, das Anhängsel "mit Migrationshintergrund" abzuschaffen. Allein das ist schon Diskriminierung, und die wird vom Staat gefördert. Jemand, der in Deutschland geboren und aufgewachsen ist, spricht natürlich Deutsch und ist demnach Deutscher. Wie in den USA sollte es auch in Deutschland so sein, dass automatisch die Staatsbürgerschaft gegeben wird.
Tja, viele Migranten sind aber derart stolz auf ihre Migrationshintergrund, dass sie diesen aus identitätsstiftenden Gründen gar nicht abgeben wollen. Sie vereinfachen den Sachverhalt also unberechtigt. Für die meisten Menschen, die ich kenne und die eine Migrationsgeschichte haben, ist diese ursprüngliche Herkunft so wichtig, dass sie sie stets als Sehnsuchtsort mit sich tragen.

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annoo 04.08.2018, 15:23
156. wer ist eigentlich "uns"?

Zitat von schudeso
Auch Gääähn! Ich habe schon erlebt, dass jemand als Rassist bezeichnet wurde, weil er nicht zugelassen hat, dass sich ein Neubürger an der Supermarktkasse vordrängeln wollte. Ersparen Sie uns Ihre Moralkeule und verbieten Sie uns nicht den Mund.
Die Geschichte, wenn sie sie richtig gedeutet haben, ist unschön. Aber weshalb erzählen Sie sie? Sie wollen uns mitteilen, dass Sie einen Menschen getroffen haben, der mit über- oder falsch reagiert hat? Echt jetzt? Und weil Sie Zeuge einer angeblichen Fehldeutung dessen waren, darf niemand Rassismus anprangern? Absurd dieses Beispiel... Aber eigentlich wollten Sie was ganz Anderes damit erreichen, Sie wollten durch die Blume sagen, dass die Neubürger sich allesamt nicht an unsere sozial akzeptierten Regeln halten wie zum Beispiel das in der Schlange anstehen. Ertappt? (Tatsächlich nehme ich die Neubürger als extrem vorsichtig wahr - aber bemühen Sie ruhig Vorurteile, ob sie stimmen oder nicht.)

Und by the way, ich komme so lange mit der Moralkeule, so lange es Schreiber gibt, die als Nichtbetroffene Probleme Anderer (egal ob Migration, Rassissmus, Sexismus) als nichtig oder unwahr erklären wollen. Überheblichkeit schützt halt vor Kritik nicht.

Ja, uns offen ist auch noch die Frage, wer eigentlich "uns" ist. Wenn Sie denken, das "wir", das Sie implizit verwenden, bemächtigte Sie zur Überlegenheit, da muss ich Sie enttäuschen. Überlegen ist, wer souverän ist, wer der Differenzierung fähig ist und nicht wer auf den Schwächsten herum trampelt.

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annoo 04.08.2018, 15:32
157.

Zitat von wasnu23
Tja, viele Migranten sind aber derart stolz auf ihre Migrationshintergrund, dass sie diesen aus identitätsstiftenden Gründen gar nicht abgeben wollen. Sie vereinfachen den Sachverhalt also unberechtigt. Für die meisten Menschen, die ich kenne und die eine Migrationsgeschichte haben, ist diese ursprüngliche Herkunft so wichtig, dass sie sie stets als Sehnsuchtsort mit sich tragen.
Ob jemand ein anderes Land/einen anderen Ort als Sehnsuchtsort hat, als seine aktuelle Heimat, das ist ein höchst individueller Aspekt. Das kann sicher nicht verallgemeinert werden. Abgesehen davon, dass das eine temporäre Betrachtung ist - eine gewisse Zerissenheit zeichnet einen Großteil Aller aus, die ihre Heimat verlassen haben.

Ich wohne jetzt bald schon ein Viertel Jahrhundert in Berlin (komme aus Süddeutschland) und weiß trotzdem nicht, ob ich in ferner Zukunft in meiner "neuen Heimat" begraben sein möchte oder doch bei meinen "Wurzeln", meinem Geburtsort. Wieso sollten Migranten nicht auch ähnlich zerrissen sein dürfen wie ich? Meine ursprüngliche Herkunft ist mir wichtig, aber auch mein aktueller Wohnort auch. Heimat ist halt ein recht dehnbarer Begriff.

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