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Rassismus in Deutschland: Hört uns endlich zu
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Rassismus ist ein alltägliches Problem in Deutschland. Dank Özil und #MeTwo wird endlich offen darüber debattiert. Doch anstatt zuzuhören, versuchen manche, die Debatte ins Lächerliche zu ziehen.

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remixbeb 30.07.2018, 17:25
30. nicht einfach..

.. Ich bin als Sohn eines Deutschen und einer Italienerin hier geboren. Und auch ich kann sagen, obwohl ich nur zur Hälfte "Migrationshintergrund" habe, war es in der Kindheit in einem kleineren Dorf nicht einfach. Ganz egal, ob mein Vater deutsch war, ich hier geboren und wir zuhause größtenteils deutsch sprachen, war ich in der Grundschule der Spaghettifresser. Lehrer fragten mich, wenn es um Italien ging, wie es denn "bei uns" so sei etc etc. Oder klarer ausgedrückt: Tag für Tag wurde mir verdeutlicht, dass ich "anders" sei und eben nicht komplett dazu gehöre. Nach den Verletzungen, weil es für ein Kind nicht sehr einfach ist, mit so etwas umzugehen, stellte sich der Trotz ein in der Jugend. Nach dem Motto: wenn ich nicht dazu gehören darf, dann tu ich das auch nicht und möchte es auch nicht. Und auch heute mit 40 habe ich diesem Land gegenüber ein ambivalentes Verhältnis. Ja! Es ist mein Land und ich lebe gerne hier.. Die Erfahrungen aus der Kindheit haben aber ihre Spuren hinterlassen. Von dem her kann ich mir allzu gut vorstellen, wie es Menschen geht, bei denen beide Elternteile aus einem anderen Land kamen oder sogar eine andere Religion haben. Lustigerweise war es beispielsweise bei einer 3 wichtigen Reise in die USA genau umgekehrt. Mehrere Leute konnten gar nicht fassen, dass ich KEIN Amerikaner bin. Das zeigt, einen klaren Unterschied. Und solange es hier so ist, wie es ist, wird sich meiner Meinung nach ein Teil der Menschen mit Migrationserfahrung in der eigenen Familie nur bedingt mit diesem Land identifizieren. Traurig aber wahr..

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EconomistGI 30.07.2018, 17:25
31. Alles richtig, aber der Anlaß der Debatte ist höchst fragwürdig

Zur Erinnerung: Die aktuelle Debatte wurde ausgelöst durch Özils Rassismusvorwürfe in seinem Rücktrittsschreiben - und letztendlich durch Özils Unterstützung via Foto-Op (ob nun willentlich oder nicht) eines ausgewiesenen Rassisten und Autokraten, der Kurden, Andersgläubige, und generell Menschen, die seinem Allmachtsanspruch entgegentreten, als Menschen zweiter Klasse behandelt. Es gibt viel Rassismus auch in Deutschland, keine Frage, aber ein Mensch (Özil), der durch sein Verhalten den Rassisten in der Türkei wie in Deutschland Futter gibt, hat mMn das Recht verloren, diesen Rassismus zu kritisieren.

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uwe.strebel 30.07.2018, 17:26
32. Rassimus ist ein totalitärer Begriff - wie auch Relativismus

Sehr geehrte Herr Kazim – ich möchte Sie in aller Höflichkeit bitten nicht mehr von „Rassismus“ zu sprechen, denn dies ist ein unsäglicher totalitärer Vorwurf! Um Ihnen meinen Standpunkt zu erhellen möchte ich Sie an Konrad Lorenz und Albert Schweizer erinnern. Lorenz schreibt:
„Im Besonderen hängt gegenwärtig die große Entscheidung wohl von der Frage ab, ob wir bestimmte, durch den Mangel einer natürlichen Auslese entstehende Verfallserscheinungen an Volk und Menschheit rechtzeitig bekämpfen lernen oder nicht. Gerade in diesem Rennen um Sein oder Nichtsein sind wir Deutschen allen anderen Kulturvölkern um tausend Schritte voraus.“
Oder:
„Versagt diese Auslese, mißlingt die Ausmerzung der mit Ausfällen behafteten Elemente, so durchdringen diese den Volkskörper in biologisch ganz analoger Weise und aus ebenso analogen Ursachen wie die Zellen einer bösartigen Geschwulst […] Sollte es mutationsbegünstigende Faktoren geben, so läge in ihrem Erkennen und Ausschalten die wichtigste Aufgabe des Rassepflegers überhaupt“ Es sind Zitate von Konrad Lorenz – nachzulesen auf Wikipedia! Zur Erinnerung Konrad Lorenz gilt als einer der besten Wissenschaftler des 20-ten Jahrhunderts. Er hat zusammen mit Karl Raimund Popper Bücher veröffentlicht. (Popper hat die Erkenntnistheorie von Immanuel Kant an die wissenschaftlichen Erkenntnisse der ART von Albert Einstein angepasst - insbesodere im Hinblick auf synthetische Urteile a priori) Konrad Lorenz spricht von einer Auslese die notwendig ist um die einzigartige Stellung des Deutschen Volkes zu erhalten. Solche Aussagen sind für sie „Rassismus“ und Ende der Diskussion – für Goebbels war E=mc² Relativismus – Ende der Diskussion! Das ist eben ein totalitärer Ansatz sich mit Theorien von Einstein oder Lorenz NICHT auseinanderzusetzen. Das sich die Bevölkerung vehement gegen die Zuzug kulturfremder wehrt ist nachzuvollziehen – denn der sogenannte „Alltagsverstand“ irrt eigentlich nicht, da er bei jedem kleinen Fehler von der Wirklichkeit korrigiert wird; Denn das Leben bestraft nicht nur den, der zu spät kommt, es bestraft auch den der kleinste Fehler macht“ Wie man die Relativitätstheorie von Albert Einstein fortlaufend überprüft (gerade letzte Woche hat sie sich wieder bewährt!) sollte man auch die Rassentheorien eines Konrad Lorenz fortlaufend überprüfen.

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deraushh 30.07.2018, 17:27
33. ja sie haben recht,

aber die Diskussion sollte anders geführt werden. Ja, Diskriminierung und Rassismus ist schlimm, dass sieht die große Mehrzahl der Deutschen so. Jetzt mit Vorwurf und Erwartungshaltung kommen erreicht man (sie) das Gegenteil. Nur kommt es so rüber, als sei der Deutsche an sich so. Das sagt zwar keiner bzw sie, aber es kommt so rüber. Das irgendwann der letzte "Biodeutscher" nicht mehr zuhört wundert mich dann nicht. Ich finde die Diskussion zu einseitig und zu undifferenziert. Einseitig, weil sie überhaupt nicht alle Seiten einschließt. Sie sollte einfach ehrlich geführt werden. Sie wird unangenehm für alle beteiligten sein, denn alle Gruppen ob "nicht Deutsche" oder "Deutsche" haben Rassismus, Diskriminierung und Beleidigungen erlebt. Und diese Diskussion wäre ehrlich und alle würden zuhören. Der Erfolg ist dann messbar bzw spürbar, dass weiß ich aus beruflicher Erfahrung.

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annoo 30.07.2018, 17:27
34.

Zitat von Bulle Geiger
Nein, nein, Cacau kann - ja darf - nicht Recht haben, wenn er strukturellen Rassimus in DE verneint, das geht doch nicht!
wollen Sie damit sagen, dass wenn Cacau (der übrigen christlichen Glaubens ist!) keinen rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist - sehr schön für ihn übrigens! - dass es deshalb strukturelle rassistische Anfeidungen generell nicht gibt? So naiv können Sie doch gar nicht sein, das zu glauben.

Und dass Sie die Erfahrung eines Einzelnen über alle wissenschaftlichen Untersuchungen zur strukturellen Diskriminierung stellen und das Thema leugnen ist fast schon ein Beweis für die vorhandene Diskriminierung. Und bestätigt quasi auch genau das, was der Autor schreibt, nämlich dass Betroffenen die Erfahrungen abgesprochen werden.

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mcmercy 30.07.2018, 17:30
35.

Ich bezweifel, dass gerade Özil als Beispiel für Rassismus durchgeht. Er wurde nicht angegriffen weil er türkischer Abstammung ist, sondern weil er sich mit einem Diktator fotografieren lässt. Ich glaube hätte ein Thomas Müller sich mit Erdogan getroffen hätte er dieselbe Kritik einstecken müssen.

Klar es gibt Rassisten, die werden ihre Meinung auch nicht ändern, wenn man Sie Rassisten nennt, im Gegenteil. Ich denke damit muss man leider leben, die gibt es überall mal mehr mal weniger. Man kann das in der Presse thematisieren aber das hilft meiner Meinung nach nicht weiter. Immer da, wo es konkret wird, kann man aber einschreiten nicht mit Aufschrei, sondern mit sachlicher ruhiger Diskussion.

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DerDifferenzierteBlick 30.07.2018, 17:30
36. Mir fehlt die Differenzierung von allen Seiten

1. Rassismus ist ein grundlegendes Problem menschlicher Gesellschaften. Im historischen Vergleich lässt sich hier zwar eine Verbesserungen wahrnehmen, allerdings gibt es Rassismus immer noch in allen Gesellschaften. Im globalen Vergleich gehört Deutschland mit Sicherheit zu den liberaleren Ländern.

2. Gerade im aktuellen Kontext, siehe Flüchtlingskrise, siehe AFD, siehe die technische Entwicklung des Internets und der sozialen Netzwerke, ist es leider gegeben, dass eine sehr laute, rechte Minderheit medial eine enorme Wirkung erzeugt. Die Aufgabe der Medien und der Betroffenen sollte sein, nicht von der Lautstärke dieser Minderheit auf die Mehrheit zu schließen.

3. Durch die von Mesut Özil massiv und pauschal vorgetragenen Rassismus-Vorwürfe (gegen eine relevante Zahl an Personen im DFB und der Gesellschaft), die er leider nicht begründet hat und die von anderen Personen mit Migrationshintergrund scharf zurückgewiesen wurden, wurde leider die Debatte zu diesem wichtigen Thema von vornherein durch diese offensichtlich unsinnigen Vorwürfe belastet. Dadurch hat sich diese wichtige Debatte in den Augen vieler leider leicht angreifbar gemacht. Ein besser begründeter Anlass wäre sehr viel zielführender gewesen und die Verteidigung dieses schwachen Anlasses verschärft das Problem nur.

4. Die beste Strategie wäre, die genannten Fakten richtig einzuordnen, dass nämlich die Vorwürfe in diesem Fall wohl nicht begründet sind und dass es bezüglich des Rassismus nicht pauschal um Anschuldigungen an das ganze Land geht, aber dass es sehr wohl in vielen Fällen in Deutschland täglich Rassismus gibt, den man gerade in der aktuellen Zeit unbedingt ansprechen und massiv bekämpfen sollte. Ähnliches gilt für die damit zusammenhängenden Probleme der Diskriminierung und der leider zunehmenden verbalen Eskalation.

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lachina 30.07.2018, 17:32
37. Dazu

""Wir sind in der Regel freundlich, offen und hilfsbereit, auch und vielfach gerade bei Zuwanderern und erst recht bei deren Kindern", lobt er weiter. Und dann folgen gleich zwei gut gemeinte Ratschläge an die Migranten: Sie sollten sich "nicht einigeln, sondern auf uns zugehen". Außerdem sollten sie "Respekt für unsere Lebensweise zeigen", dann erreichten sie "unsere Herzen viel leichter, als wenn sie unsere Werte spürbar ablehnen".
passt nicht, dass viele junge Menschen über Rassismus-Erfahrungen schreiben, die aufs Gymnasium gehen, gerne auch "Elite". Die sind nicht eingeigelt!

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newest_2 30.07.2018, 17:32
38. Großes Rätsel für alle:

Wieso gibt es kein Problem bei (ehemaligen) Russen, Portugiesen, Jugoslawen, Italienern etcetc.
Und auch nicht bei Vietnamesen( die ohne Sprachkenntnisse nach DDR-Ende in einem völlig fremden Land und System gestrandet waren) Nach 25 Jahren sind deren Kinder oft die Klassenbesten..
Also: Warum hat nur eine Gruppe ein Problem?!?
Wie wär’s mal mit: Selbstkritik? Schon vin gehört?!
Ach nee, die anderen sind an allem schuld. Ja klar.

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cobaea 30.07.2018, 17:33
39.

Zitat von schreckgespenst
Lieber Herr Kazim, Sie unterliegen, genau wie z.B. Staatssekretärin Chebli, einem Missverständnis bzw. geben die Realität falsch wieder. Außer einige wenige rechte Dumpfbacken hat niemand ein Problem mit Ärzten, Ingeneurinen etc., die aus Einwandererfamilien stammen bzw. zugewandert sind. Das Narativ, solange Frauen mit Kopftuch niedere Arbeiten verrichtet haben, war das Kopftuch okay, ist einfach nicht richtig. Wenn die Mehrheitsgesellschaft Probleme sieht, dann aufgrund von Rückschritten in der Integration von Zuwanderern. Bei bestimmten Migrantengruppen sinkt z.B. die Beschäftigungsquote mit fortschreitender Generation. Türkischstämmige Migranten der dritten Generation sind häufiger arbeitslos als ihre Großväter bzw. Großmütter.
Es mag ja sein, dass es in Ihrer Umgebung nie und nirgends offenen oder unterschwelligen Rassismus gibt. Das heisst aber nicht, dass es ihn überhaupt nicht gibt. Und, dass Sie "mit Ärzten, Ingenieurinnen etc. aus Einwandererfamilien" keine Probleme haben, heisst nicht, dass die Betroffenen auch keine haben. Fragen Sie mal Ärzte, die z.B. aus dem Iran oder Indien stammen, wie oft Patienten im Krankenhaus finden, sie wollten jetzt einen "richtigen Arzt" oder die entsprechende Ärztin maximal als Pflegerin oder Krankenschwester akzeptiert wird.

Dass es in der ersten Ausländergeneration weniger Arbeitslose gab als in der heutigen Gesellschaft, hat nichts mit schlechterer, sondern mit besserer Integration zu tun. Die 1. Generation durfte ja nur einreisen, wenn sie eine Arbeitsstelle vorweisen konnte bzw. wenn die Wirtschaft ausländische Arbeitskräfte angefordert hatte. Logischerweise waren die dann nicht arbeitslos. Wären sie es gewesen, hätte man sie postwendend heimgeschickt. Die heutige Generation ist zum grossen Teil hier geboren, hier ausgebildet und muss sich hier - wie alle anderen - erst einen Arbeitsplatz suchen. Das aber ist schwieriger, weil eben bevorzugt Leute mit "treudeutschen" Namen vorgezogen werden.

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