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Rassismus-Satire "Der Verräter": Wirklich? Die Sklaverei wieder einführen?
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Ein ungeheuerliches Szenario spielt sich in Paul Beattys Roman "Der Verräter" in L.A. ab: Die schwarze Hauptfigur wird Sklavenhalter. Anmaßender, überdrehter Humor, der als Weckruf wirken soll.

chris wolfy 11.11.2018, 08:54
1. der Ausverkauf

Geehrtes Forum,
Habe dieses literarische Werk als on-line Version bei seinem Erscheinen in American English 2015 erworben. Der Originaltitel ist "The Sellout". Ich erlaube mir anzumerken dass dies meiner Meinung nach den Inhalt besser trifft. Der Booker Price wurde, so denke ich, auch weniger des politischen Inhalts wegen verliehen sondern mehr in Anbetracht der Sprachgewalt- diese steht in Passagen einem Shakespeare in nichts nach.
MfG

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Koana 11.11.2018, 09:11
2. Ungeheuerlich?

Vielleicht für Leute wie uns, die wir in mehr oder weniger schicken Konsumkäfigen gehalten werden.
Ja, wir lassen uns gerne so halten, bringt oft jede Menge Spaß, u.a. auch solche Bücher als ungeheuerlich, als amüsante Satire, als sozialkritisch, als wie auch immer, nur nicht real, empfindend, lesen zu können.

Nur, sorry, wir sind ein winziger privilegierter Teil im Sklavenstall des globalisierten Menschenhaufens, und wir lassen die Sklavenhalter gewähren, da sie uns so köstlich füttern.

Das Buch wird niemanden aufwecken, es wird nur unterhalten, der Autor will vor allem eines, hohe Auflage, damit seine Konsumpower passt.

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reichsvernunft 11.11.2018, 09:19
3. KI Kapitalismus

Ich frage mich immer, warum das strukturell so schwer zu verstehen ist. Kapitalismus bevorzugt die ökonomisch stärkeren, die, die im System etabliert sind. Das ist überall so. Das Resultat ist eine größere Hürde zum "Erfolg" - sei dieser einfach nur leben und arbeiten zu "dürfen" für Gruppen, die durch die Geschichte einen Nachteil dabei erfahren haben sich zu etablieren. Seien das nun Schwarze in den USA, Ossis und "Gastarbeiter" in Deutschland, Migranten und "Flüchtlinge" von heute in 20 Jahren oder Frauen überall. Seit erkannt und bekannt wurde, dass Algorithmen bei der Personalauswahl rassistisch und sexistisch sind, kann man wohl kaum noch einen Zusammenhang zum "Alltagsrassismus" herstellen. Das ist schlichte Volkswirtschaft. Und dann erst wird dem ganzen ein Diskriminierungskostüm übergestülpt, das die betroffenen provoziert, die Medien greifen vor Allem die Extreme auf, die nicht betroffenen werden provoziert und die Gesellschaft polarisiert sich. Als einziger Lösungsansatz wird nutzloses Getue präsentiert - Formulare und Titel "gendern"? Fernsehwerbespots mit Multi-kulti "message"? Oder im erwähnten Fall, "sensitivity training" und "african american" statt "black" oder "negro"? Wow, klar, das wird helfen. Und warum? Weil die wirklichen Probleme anzugehen, die ökonomischen Hintergründe, von der korrupten, westlichen Politik nicht gewollt ist. Das Kapital mag Diskriminierung. Nicht nur lenkt die Debatte von den wirklich gefährlichen Strukturen ab, so dass diese bestehen bleiben, die Normalbürger aller Schichten zerfleischen sich gegenseitig und reduzieren damit ihre Fähigkeit sich zu organisieren. Obendrein sind ausgegrenzte Gruppen gut um den Wert von Arbeit und Ausbildung zu senken - wenn der sprichtwörtliche N_ger für die Hälfte das gleiche Leistet, drückt er den Preis und alle machen mit, weil sie froh sind nicht selbiger zu sein. Ich habe das Buch nicht gelesen, aber der Zusammenfassung entnehme ich, dass, mal wieder, Schuld, Alltagsrassismus und die lautstarke Meinung einiger Zurückgebliebener, zusammengeworfen wird mit dem sozialtoxischen Juggernaut der entfesselten Marktwirtschaft (a-soziale Martkwirtschaft?) und die Linien wieder weiter verwischt. Damit tut man niemandem einen Gefallen. Außer denen, die profitieren und immernoch immer schneller, immer reicher und damit auch immer einflussreicher werden. Achje. Jetzt kommt bestimmt gleich die Kommunistenkeule. Wenn man eine soziale Marktwirtschaft mit nicht allzu korrupter Führung will, ist man schließlich auch ein Jünger Stalins...

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toll_er 11.11.2018, 09:52
4.

Zitat von Koana
Vielleicht für Leute wie uns, die wir in mehr oder weniger schicken Konsumkäfigen gehalten werden. Ja, wir lassen uns gerne so halten, bringt oft jede Menge Spaß, u.a. auch solche Bücher als ungeheuerlich, als amüsante Satire, als sozialkritisch, als wie auch immer, nur nicht real, empfindend, lesen zu können. Nur, sorry, wir sind ein winziger privilegierter Teil im Sklavenstall des globalisierten Menschenhaufens, und wir lassen die Sklavenhalter gewähren, da sie uns so köstlich füttern. Das Buch wird niemanden aufwecken, es wird nur unterhalten, der Autor will vor allem eines, hohe Auflage, damit seine Konsumpower passt.
Ach, Ihre Verbitterung in Ehren. Falls Sie sich in einen Käfig eingesperrt fühlen und köstlich gefüttert werden, ok. Aber mit Ihnen lasse ich mich nicht in einen Sack stecken, wenn Sie von WIR faseln.
Haben Sie das Buch gelesen? Und auch wenn, ist es eine ungemein arrogante Unt5erstellung, dem Autor nur den Blick auf hohe Auflagen zu bescheinigen. Kosumpower! Ihr verbaler Werkzeugkasten ist wahrlich gut bestückt. Ein Vorschlag zur Güte: Machen Sie mal einen ausgedehnten Spaziergang durch den Herbstwald. Das lässt Sie vielleicht wieder von Ihrem Tripp runterkommen.
Ich habe das Buch auf englisch gelesen, habe mich gut unterhalten gefühlt und viele, viele Ansatzpunkte zum Nachdenken gefunden. Wer das nicht finden will, der macht halt auf Mitleid im Käfig.

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