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Reaktion in den Medien: Warum die Briten über Gaddafis Tod jubeln

"Das ist für Lockerbie", titelte die britische "Sun" zum Tod Muammar al-Gaddafis - und zeigte ein Bild*seines geschundenen Leichnams. BBC-Korrespondent Stephen Evans erklärt die Wut der Briten auf den libyschen*Despoten - und*warum markige Schlagzeilen in Großbritannien Tradition haben.

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wika 21.10.2011, 18:19
1. Schon mal überlegt …

… welcher Jubel in anderen Ländern losbrechen würde wenn da die Schlagzeile käme: „George W. Busch bei Drohnenangriff getötet“ … Link? Und schon stellen wir fest, man kann die Perversion noch weiter befördern. Dabei spielt es auch keine Rolle ob wir fürs Gute oder Böse töten … es findet sich immer die andere Seite der Medaille dazu. Und es beweist, dass auch unsere vermeintlich „Guten“ hier nicht besser sind.

Und für diese Geschichte gibt es wahrlich keinen Grund zum Jubel, allenfalls hat sie uns gezeigt, dass die vorgeblichen Freiheitskämpfer, die Dank NATO zu diesem Glück kamen, nicht weniger fragwürdig sind als jener den sie da kurzerhand zur Strecke gebracht haben. Hier kann also die westliche Demokratie feste mitfeiern, sie hat es billigend in kauf genommen und durfte ahnen das es so kommt.

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syracusa 21.10.2011, 18:20
2. Thema verfehlt! Keine Geschmackssache, sondern eine des Strafrechts!

Zitat von Artikel
Welche Wirkung wird diese Titelseite auf die Briten haben? Es gibt keine Umfragen zu diesem Thema. Es wird Menschen geben, die die Aufmachung der "Sun" geschmacklos finden - genauso, wie viele Deutsche die Darstellung des toten Gaddafis in der "Bild"-Zeitung für geschmacklos halten werden.
Der Spiegel-Autor stellt diese nach deutschem Recht schon fast strafbaren Verletzungen der Menschenwürde und Volksverhetzungen als reine Geschmackssache dar. Tatsächlich aber wird damit nicht nur der Geschmack einfach gestrickter Leser getroffen, sondern wird dieser verstärkt und in weitere Bevölkerungskreise getragen. Die Folgen solcher Art von "Journalismus" sollten seit den Zeiten des Stürmer bekannt sein.

In der angelsächsischen Rechtstradition hat Meinungsfreiheit einen höheren Stellenwert als Menschenwürde. Ich bin froh darum, dass das bei uns nicht der Fall ist.

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TomRohwer 21.10.2011, 18:54
3. #1

Zitat von syracusa
Der Spiegel-Autor stellt diese nach deutschem Recht schon fast strafbaren Verletzungen der Menschenwürde und Volksverhetzungen als reine Geschmackssache dar.
In der "Sun"-Berichterstattung ist nichts, aber auch gar nichts zu finden, das auch nur ansatzweise nach deutschem Recht strafbar wäre.

Zitat von
In der angelsächsischen Rechtstradition hat Meinungsfreiheit einen höheren Stellenwert als Menschenwürde. Ich bin froh darum, dass das bei uns nicht der Fall ist.
Die Meinungsfreiheit ist ein entscheidender Bestandteil der Menschenwürde.

"Menschenwürde" ist davon abgesehen ein Konstrukt, das weder in der US-Verfassung noch der französischen Verfassung noch sonst irgendwo in einer Verfassung auf dieser Welt vorkommt.

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TomRohwer 21.10.2011, 18:56
4. #2

Zitat von
Die Erschießung eines Polizisten ist immer eine ernste Sache, doch die Erschießung einer Polizistin wird von den Briten noch ernster genommen.
Warum nennt man es nicht so, wie es tatsächlich war?

Die Polizistin Yvonne Fletcher wurde nicht "erschossen", sondern von einem Mitarbeiter der libyschen Botschaft kaltblütig und hinterhältig ermordet.

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Takeshi 21.10.2011, 19:02
5. Das ist für Lockerbie

Was für eine Verblödung der britischen Bevölkerung.
Großbritannien war ein wichtiger Rüstungslieferant des Gaddafi-Regimes und der Politikerbrut war Lockerbie, genau wie unserer Brut, schei... egal, hauptsache die Kohle stimmt.

näheres siehe z.B.link.
http://www.sueddeutsche.de/politik/b...dafi-1.1063791

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dr3w 21.10.2011, 20:07
6. Dreimal falsch

Zitat von TomRohwer
In der "Sun"-Berichterstattung ist nichts, aber auch gar nichts zu finden, das auch nur ansatzweise nach deutschem Recht strafbar wäre.
Sie antworten auf einen Post, der Verletzungen der Menschenwürde und Volksverhetzungen erwähnt. Beide sind in Deutschland strafbar.

Zitat von TomRohwer
Die Meinungsfreiheit ist ein entscheidender Bestandteil der Menschenwürde.
Ist sie nicht, sie ist ein in der Verfassung geregeltes Recht.

Zitat von TomRohwer
"Menschenwürde" ist davon abgesehen ein Konstrukt, das weder in der US-Verfassung noch der französischen Verfassung noch sonst irgendwo in einer Verfassung auf dieser Welt vorkommt.
Dann sind Sie beim Lesen Ihrer eigenen Verfassung anscheinend nicht besonders weit gekommen. Grundgesetz, Paragraph 1:

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

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syracusa 21.10.2011, 20:20
7. @TomRohwer: Menschenwürde als Verfassungsprinzip

Zitat von TomRohwer
Die Meinungsfreiheit ist ein entscheidender Bestandteil der Menschenwürde.
Da Meinungsfreiheit und Menschenwürde zwei voneinander unabhängige Rechtskonstrukte sind, können diese auch in Konflikt zueinander geraten. Im Streitfall ist es dann Sache eines Gerichts zu entscheiden, welches Rechtsgut im Einzelfall Vorrang hat.

Zitat von TomRohwer
"Menschenwürde" ist davon abgesehen ein Konstrukt, das weder in der US-Verfassung noch der französischen Verfassung noch sonst irgendwo in einer Verfassung auf dieser Welt vorkommt.
Das ist kaum zu fassender Unsinn und hoffentlich nur Ihrer mangelhaften Bildung geschuldet. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte formuliert schon in Artikel 1 den Begriff der Menschenwürde. Unsere eigene Verfassung formuliert das ebenfalls in Artikel 1, und stellt darin die Menschenwürde als unantastbar über alle anderen Rechtsgüter.

Die Menschenwürde als Verfassungsprinzip ist in vielen zivilisierten Staaten bekannt:http://de.wikipedia.org/wiki/Mensche...assungsprinzip

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Marcus_XXL 21.10.2011, 20:24
8. Warum zeigen sie keines dieser Bilder?

Warum zeigen die Zeitungen nicht die Fotos der durch NATO Bomben zerfetzten Kinderkörper. Grauenvolle Bilder die sich im Kramkenhaus in Sirte abspielten. Warum zeigen sie keines dieser Bilder? Weil es die andere Seite der coolen Turnschuh Rebellen zeigt?

Warum zeigen Sie keine Bilder von Berlusconi und Gaddafi? Die beiden Herren waren noch vor 12 Monaten dicke Kumpel. War Gaddafi damals noch kein Diktator und Schlächter?

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beboso 21.10.2011, 20:28
9. Lockerbie-Vorfall in der Literatur

Zitat von sysop
"Das ist für Lockerbie", titelte die britische "Sun" zum Tod Muammar al-Gaddafis - und zeigte ein Bild*seines geschundenen Leichnams. BBC-Korrespondent Stephen Evans erklärt die Wut der Briten auf den libyschen*Despoten - und*warum markige Schlagzeilen in Großbritannien Tradition haben.
Die Herren Zeitungsschreiberlinge aus Großbritannien sollten sich vielleicht mal zur Lockerbie-Sache kundiger machen, z.B. bei ANDREAS VON BÜLOW, Im Namen des Staates (Piper,München, Zürich 2008). Dort wird nachgewiesen, dass von bestimmten, als PANAM-Mitarbeiter getarnten, westlichen Geheimdienst-Leuten am Absturzort Beweismittel beseitigt wurden, deren weiterer Verschluß durch Thatcher und Bush festgelegt wurde. Bis heute gibt es auch keinen endgültigen Beweis zur Verschuldung der Katastrophe. Seltsamerweise wurde der Internationale Gerichtshof in Den Haag von Repräsentanten westlicher Regierungen vor einer „ in die Tiefe gehenden Untersuchung des Lockerbie-Vorfalles“ gewarnt.

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