Forum: Kultur
Rechtes Denken im Pop: Eine Art Endkampf
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"Atemlos durch die Nacht" zeuge von Pop, der von nichts gewusst haben will, während die Gesellschaft nach rechts rückt - der Kulturpublizist Georg Seeßlen reiht in seinem neuen Buch steile Thesen aneinander. Überzeugend?

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jot-we 21.05.2018, 10:51
1. Ending of sending?

Kein Ende in Sicht beim Pop? Ach was. Wie Homer Simpson schon sagte (und der sollte es schliesslich wissen): Pop ist tot und zwar bereits seit 1974! Na gut, es hat statt Pop Rock gesagt, aber ist doch eh alles dasselbe. Jedenfalls laut dem Kanon der Westlichen Werte. Was bleibt also? Das Warten auf das nächste Dicke Ding, das bleibt. Und da laut den Auguren des Wandels das Ende des Kapitalismus nicht mehr lange auf sich warten lässt, kann es ja nicht mehr allzu lange dauern ...

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mucki007 21.05.2018, 11:17
2. Nervig

Genau solche Artikel und Meinungen sind es, die heutzutage den Menschen auf die Nerven gehen. Kann ich denn nicht einfach mal Musik hören, egal welche Richtung, ohne alles gesellschaftskritisch zu hinterfragen? Einfach in der heutigen Zeit Spaß an irgendwas haben, ohne sich Gedanken über political Korrektness machen ?

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Das dazu 21.05.2018, 11:30
3. Wie sieht es im Hirn eines solchen Menschen nur aus?

Solch schräge Theorien, Argumente und Meinungen.
Der Hr. Seeßlen sollte mal zu einem Doc gehen, wenn er hinter allem und jedem den Klassenkampf und die Unterdrückung vermutet. Man kann über Helene Fischer streiten, ist auch nicht meine Musik.
Aber das sie die Aufgabe habe, den Menschen Zuversicht zu geben, ist extrem steil.
Musiker wollen meit mit ihrer Musik die Menschen unterhalten. Und Geld verdienen.
Beides schafft die Fischer gut.
Mehr da rein zu interpretieren, ist krank.

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markrenton 21.05.2018, 12:10
4. ... alles andere ist nur Pop

Vor Jahren hat der ZDF in seiner Sendereihe History eine interessante Doku über deutschen Schlager (ca 1900 - 2009) herausgebracht, die sehr anschaulich das Wechselspiel zwischen Gesellschaft und Musik illustrierte. Wenn man diese Dynamik mit berücksichtigt, wird einem schnell klar wie kurzsichtig die hier dargestellten Beobachtungen sind. Schlager- und Popmusik lebt von einer hohen Verbreitung und guten Verkaufszahlen (daher MusikINDUSTRIE) dadurch kann sie auch zu einem identifikationsstiftenden Mittel werden: Die Musik der 60er, 70er, 80er und 90er war hedonistischer und freiheitssuchender, da die Leute einen Kontrast zu den noch vorherrschenden bürgerlichen Konventionen und den Schrecken des Kalten Krieges gesucht haben. Parallel dazu kann man sich auch die erfolgreichen Filme aus diesen Jahren ansehen, die sich analog entwickelten. Seit dem 11. September ist die Stimmung im Westen umgeschlagen und zusammen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich eine art Neo-Biedermeier entwickelt, wo sich ein Großteil der Bevölkerung nur noch Stabilität und Sicherheit wünscht. Siehe dazu die Renaissance der sogenannten preussischen Werte und Nostalgie nach den 80ern und 90ern. Hinzukommt, dass die Gesellschaft so wie die Eltern - die alten Rebellern der 60er, 70er und 80er Jahre, nur wenig Potential liefern, um sich dagegen aufzulehnen. Zu verständnisvoll. Da helfen nur noch griffe in deren Taboo-Kiste (Frei.Wild, Kollega... etc) Was Herr Seßleen geflissentlich übersieht ist die hoher diversifikation des Musikangebots: Noch nie war es so einfach eigene Musik zu veröffentlichen oder an unbekannte Künstler heranzukommen - Musik wird individueller und spezifischer. Das dies gegen den überholten Klassengedanken (Den Brecht'schen Arbeiter ist ein Fabeltier) von Herrn Seßleen geht, ist schade. Kurzum... Nein, es ist nicht das Ende. Nur eine Phase. Musik spiegelt die Gesellschaft und liefert wie der Tamborine Man nur das, was wir wollen:)

Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei,
Auf jeden Winter folgt auch wieder ein Mai.
Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei,
Erst geht der Hitler und dann auch die Partei

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phrasensport 21.05.2018, 12:25
5. Viel Lärm um Nichts.

Mit genug Zeit, Rhetorik und Fantasie könnte ich selbst WIZO zu einer rechten Band machen. Was hier in den Pop hereininterpretiert wird, ist genauso belanglos wie der Pop an sich. Pop hatte den Menschen noch nie etwas zu bieten, außer die seichte Beschallung eines seichten Lebens. Rock, Ska, Klassik, Jazz, Heavy Metal - von mir aus auch Techno, konnten bestimmt Gefühle begleiten und dem Geist etwas abverlangen. Pop dagegen, ist einfach Kaugummi für die Seele - nicht mehr und nicht weniger. Pop verdient es nicht, Gutes oder Schlechtes darin zu vermuten - Pop ist einfach nur da...

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Leser161 21.05.2018, 12:27
6. Interessant

Interessante Theorien, denen ich zustimmen kann. Es fehlt halt an einer linken Stimme zu Vertretung des kleinen Mannes. Einer linken Stimme die Linkssein ernst nimmt und deren Linkssein sich nicht in Almosen für die Ärmsten beschränkt oder deren Linkssein nur der Gewissenberuhigung dient. Sondern eine linke Stimme deren Linkssein im Herzen der Gesellschaft, beim kleinen Mann auf der Strasse, beginnt. Und die niemanden ausschliesst auch nicht den sog. Abgehängten aus Sachsen der nicht hipp genug ist um in Berlin was mit Medien zu machen und der laut aktueller Lesart einfach nur selber Schuld ist an seiner Misere. In diese Lücke stossen die neuen Rechten die zwar klingen als wenn sie für den kleinen Mann sprechen, bei denen die konkreten wirtschaftlichen Aktivitäten einzelner Protagonisten jedoch eine ganz andere Sprache sprechen.

Es ist halt die Frage ob man das will. Im Moment scheint man sich ja ganz nett eingerichtet zu haben in der politischen landschaft. Hier die guten Demokraten. Da die bösen rechten. Und alle leben ganz gut von unsere Steuern.

Bloss die SPD muss sich sorgen machen. Vielleicht wird die SPD die Chance erkennen und ergreifen.

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ericstrip 21.05.2018, 12:29
7. Aus der Reihe...

..."Bücher, die die Welt nicht braucht". Weder sind Popmusiker die besseren Politiker (i.d.R. das Gegenteil), noch ist es (zum Glück) die Funktion von Popmusik, Bewegungen zu erschaffen. Die Auseinandersetzung mit Popmusik war schon immer eine private, egal ob jemand auf dem Schützenfest Helene Fischer mitgröhlt oder der stille Nerd zuhause Smiths-Texte auswendig lernt und auf seinen persönlichen Weltschmerz bezieht. Auch die Subkulturen entstanden vor allem, um einen Halt in einer gleichgesinnten Gruppe zu finden und sich von den Eltern abzugrenzen. Es geht bei Musik um das persönliche Gefühlsmanagement, nicht um die Revolution.

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Zaphod 21.05.2018, 19:16
8. Selbstbestätigung in der Belanglosigkeit

Es gibt eine Tendenz der Mainstreamradio-Lieder die eigene Jugend und die eigenen Erinnerungen zu verklären. Exemplarisch ist dafür Immer noch fühlen von Revolverheld. Es wird eine vollkommen belanglose Mittelklasse Jugend ohne große Rebellion und ohne große Ideale verklärt dargestellt. Damit sollen die Leute einfach ihr So-Sein akzeptieren, anstatt zu hinterfragen. Manchmal sind die Lieder auch auf den ersten Blick auch etwas kritischer, wie z.B. Wenn sie tanzt von Herrn Giesinger - aber auch in diesem Lied akzeptiert die Sprecherin letztendlich ihre Situation.

Es fehlt der Drang zur Veränderung, zum Träumen, zum Ausbrechen. Allerdings wäre es auch töricht, wenn die Radioformate ihre ZuhörerInnen in den Büros und Werkshallen dazu auffordern würden, endlich einmal zu leben. Da ist es doch besser, der Masse mit sanften Melodien zu suggerieren, dass alle gut ist, so wie es ist!

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hadriani 21.05.2018, 21:12
9. Pop-Musik ...

ist erstmal Unterhaltung. Aber wenn ich dann Texte höre wie Andreas Berg "Du hast mich tausend mal belogen ... Ich würd es wieder tun
Mit dir, heute Nacht" dann frage ich mich schon weshalb Frauen sich mit solchen Aussagen verarschen lassen. Und es gibt auch gute, geile Texte in Schlagern, z.B. Nina Hagens "Du hast den Farbfilm vergessen", da wird einfach eine strunznormale Geschichte selbstbewußt gesungen. Und wenn ich schon bei der Hagen bin ... mal die Texte von ihr von früher anhören, wie "Superboy", rattengeile Musik mit cleveren Texten. Es geht also ach anders

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