Forum: Kultur
Rechtsextremismus: Nehmt die Besorgten endlich ernst!
DPA

Viele Menschen trauen sich nicht einmal mehr mit dem Zug durch ostdeutsche Bundesländer zu fahren - und das nicht erst seit Chemnitz. Hört diesen Menschen endlich zu. Und handelt.

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luhmennmerit 28.08.2018, 17:40
190.

Zitat von mariakar
abends und nachts auch nicht mehr mit der S-Bahn nach Hause. Aber nicht wegen igendwelchen Rechten, sondern wenn ich auf dem Bahnsteig stehe, denke ich, ich könnte auch auf einem Bahnsteig im Nahen Osten stehen. Ein mullmiges Gefühl als Frau mit heller Hautfarbe und blonden Haaren. Übrigens waren wir vor kurzem in Sachsen. Wir haben weder viele Fremde noch Neo- Nazis gesehen. Die Leute begegneten uns freundlich und aufgeschlossen, obwohl deutlich zu hören war, dass wir aus dem Westen kamen. Also frage ich mich, was so ein Kommentar soll.
Was der Kommentar soll?? Die Ängste all derer zum Ausdruck bringen, die nicht so blond- und bluaäugig sind wie sie und trotzdem ein Recht haben, unbehelligt in diesem Land leben zu dürfen. Oder die die falsche Kleidung tragen (St. Pauli-Shirt genügt, um von Rechten bedroht zu werden). Die Menschen in Ihrem Freundeskreis haben, die ins Feindbild der gewalttätigen Hooligans passen - und sich um deren Sicherheits sorgen. Ein "mulmiges" Gefühl ist durch nichts begründet und nur Beweis, dass sie zu Vorurteilen neigen und zu wenig Kontakt zu Menschen aus anderen Ländern haben.

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bandelier 28.08.2018, 17:44
191. Nein, Herr Gauland,

"Ihr" Deutschland wollen wir nicht zurück, weil wir es lange überwunden haben und die Vorzüge einer freien offenen Gesellschaft schätzen. Dennoch ist es fatal, dass die Politiker sich seit vielen Jahren den teilweise berechtigten Sorgen der Bürger verweigern. Sie haben damit den Humus für die AfD bereitet, bestätigen jedoch auch die Neonazis in ihrer Annahme, dass sie das Recht haben, "sich zu wehren". Wir haben Probleme mit den neuen Zuwanderern, allerdings auch mit hier seit langem existierenden muslimischen Parallelgesellschaften, die immer unter den Teppich gekehrt wurden, um uns "nicht zu beunruhigen". Wir waren längst unruhig, was jedoch geflissentlich übersehen wurde. Diejenigen, die über unser Wohl und Wehe per Mandat entscheiden, erleben die Probleme des Zusammenlebens aufgrund ihrer privilegierten wirtschaftlichen und Wohnsituation gar nicht erst, sind folglich ziemlich ahnungslos, erteilen uns aber gute Ratschläge. Sind wir da beratungsresistent, aus guten Gründen, wird festgestellt, dass man Sachverhalte "nicht richtig erklärt habe", sprich wir werden für dämlich erklärt. Man spricht Politiker direkt und korrekt an, erhält in mehr als 90% nicht einmal eine Antwort. Das ist beschämend und macht ohnmächtig. Die Folgen sind im Osten zu beobachten. Und Politik ist immner noch ahnungslos wie ein Neugeborenes, allerdings empört und entsetzt. Nein, ich will das Verhalten extremer Menschen nicht rechtfertigen, versuche nur, eine Erklärung dafür zu finden. Politik sollte das ebenfalls mal versuchen, um dann vielleicht endlich einmal vernünftig reagieren zu können.

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luhmennmerit 28.08.2018, 17:44
192.

Zitat von fat_abbot@web.de
Beste AFD-Rethorik... Diffuse Behauptungen, es wäre da und da gefährlich, gewürzt mit dem ein oder anderen Einzelfall und dann fordern, den "Besorgten zuzuhören"...ist das hier sarkastisch gemeint oder wollen Sie nur provozieren? Anders kann ich diesen Artikel nicht auffassen!
Wie sie an den Kommentaren lesen kann man den Artikel sehr wohl anders als sarkastisch auffassen. Viele Menschen haben genau die geeschlderten Befürchtungen. Freunde von mir - und ja stellen sie sich vor, ich habe Freunde nicht-arischen Aussehens - sind allein wegen diesem im Osten wiederholt bedroht und bepöbelt worden.

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ddfrog 28.08.2018, 17:45
193.

Um sich ein Urteil über eine Region zu machen, muss man dort länger leben (gilt auch für andere Regionen). Pauschalverurteilungen, die auf Hörensagen und TV-Berichten basieren, bringen gar nichts. Ich bin schon in vielen Städten Deutschlands ÖPNV gefahren - es gibt bzgl. Sicherheitslage kaum einen Unterschied zwischen Ost und West.

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flownie 28.08.2018, 17:50
194. Allen Besorgten zuhören...

Ich denke, es wird schwierig bis unmöglich, einen Rechtsradikalen Nazi mittels Argumenten oder Vernunft umzustimmen. Ich glaube schlicht, dass diese Menschengruppe am Besten ignoriert werden muss. Und das wichtigste ist, dass diese Gruppe nicht ständig wächst. Und das tut sie anscheinend.

Kriminalität von Flüchtlingen wird von vielen Menschen anders wahrgenommen. Für sie ist es erschreckend, dass Menschen, die eigentlich dankbar sein sollten, so handeln. Ob dieser Gedanke nun gut oder schlecht ist, spielt keine Rolle. Vielen Bürgern geht es wohl so. Es ist auch egal, ob es eine Statistik gibt, die mehr Kriminalität unter Flüchtlingen belegt oder widerlegt. Viele Menschen empfinden eine Angst gegen das Fremde, weil die Einwanderung zu schnell und zu stark war (nach Ihrem Empfinden).

Die kann man nun auch in den Nazi-Topf schmeissen oder die Ängste als völlig diffus und unbegründet abtun. Es ändert nichts an der Tatsache, dass diese Ängste existieren. Genau wie die im Kommentar beschriebenen Ängste vor Rechtsradikalen.

Merkels übliche Taktik "Kopf in den Sand und hoffen dass sich das von alleine löst" wirkt einfach nicht mehr. Man muss nun eine öffentliche Diskussion darüber führen können, was tun gegen Rechte Gewalt ohne die ewigen Schuldzuweisungen "die hatten aber einen Grund" oder "unter den Flüchtlingen gibt es keine Kriminellen".

Es müssen nun (auch auf SPON) beide Ängste angesprochen und Lösungen diskutiert werden. Auch wenn es schmerzt, mal jeweils die Gegenargumente zu betrachten.

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spmc-12355639674612 28.08.2018, 17:50
195. Sachsen und der Hass auf Fremde

Ich persönlich wundere mich seit einiger Zeit über die Pegida, die Wut- und Hutbürger und die Nazihorden, die in Sachsen immer wieder ihren Hass auf alle kundtun, die irgendwie fremd oder "unsächsisch" aussehen. Am meisten wundere ich mich aber über "normale" Bürger, die diesem braunen Matsch nicht entschiedener entgegentreten. Allen Bewohnern Sachsens sollte klar sein, dass sich mit solchen Umtrieben keine positive Stimmung für Sachsen erzeugen lässt.
Sachsen hatte nach der Wiedervereinigung einige Jahre lang einen Durchhänger, entwickelt sich aber seit mehr als einem Jahrzehnt wieder recht positiv, besonders im Umfeld der großen Städte. Viele Menschen profitieren inzwischen von den Migranten, die ins Land gekommen sind, z. B. die Besitzer von Immobilien, die diese nach langen Jahren hoher Leerstände wieder besser vermieten können, wenn auch vielleicht nur an die Landratsämter.
Streitereien gab und gibt es auf Volksfesten immer wieder. Dass dabei jemand sein Leben verliert, darf nicht sein und ist extrem bedauerlich. Trotz allem ist dies jedoch ein Einzelfall und darf nicht dazu dienen, Hass gegen bestimmte Gruppen zu schüren. Alle, die bei Zusammenrottungen wie in Chemnitz herumkrakelen, sollten sich das immer wieder vor Augen führen.

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Nania 28.08.2018, 17:51
196.

Zitat von divStar
.. JA - es gibt in Deutschland ein Problem von rechts. Aber so schlimm ist es erst geworden seit dem Merkel unkontrolliert Flüchtlinge ins Land lässt. Ich hätte in einem Zug, in dem vorwiegend Flüchtlingsgruppen sitzen, auch Angst mitzufahren - dabei bin ich ebenfalls mal ein Asylsuchender gewesen. Übrigens würde das auch für eine Gruppe, die man relativ "eindeutig" als rechts ansehen könnte, genau so gelten. Das Problem sind nicht Migranten per se - ich hatte nämlich so gut wie nie das Gefühl rassistisch angegriffen zu werden (ob verbal oder physisch). Es sind halt oft immer die gleichen Gruppen, die initial für Unruhe sorgen und dann relativ mild davonkommen. Davon haben viele Menschen, die hier geboren sind, die Nase voll. Die Gäste sollten sich wie Gäste benehmen. Und Gäste, die sich nicht zu benehmen wissen, werden rausgeworfen - so ist es in jedem Lokal der Welt. Warum sollte es bei einem Land anders sein? Ich befürchte, dass Chemnitz erst der Anfang war. Und es herrscherisch - im Merkel-Stil - zu verurteilen ohne dabei die Gegenseite ebenfalls und mindestens genau so in die Pflicht zu nehmen und mit Konsequenzen zu drohen, ist blauäugig und naiv. Solange dies so ist, wird es keine Ruhe geben. Da ist es mir auch vollkommen egal, dass die AfD eigentlich ein sonst mieses Parteiprogramm hat. In Sachen Flüchtlingskrise gibt es politisch keine Alternative (die NPD ist mir viel zu extrem).
Sie haben Unrecht. Die Probleme mit Rechtsextremisten in Sachsen gibt es nicht erst seit 2015. Schon in den 90ern war der Rechtsextremismus in vielen ostdeutschen Bundesländern ein gravierendes Problem, das ist wissenschaftlich immer wieder, und wieder, und wieder aufgearbeitet worden, aber vor allem die Landesregierungen haben sich darum gedrückt, etwas zu tun. Die Strukturen konnten - um da ganz kurz drauf einzugehen - während der DDR-Zeiten prima wachsen, denn laut Staatsdoktrin gab es damals in der ganzen DDR keine Nazis und Neonazis. Das war und ist Unsinn, hat aber dazu beigetragen, dass es keine Aufarbeitung der Nazivergangenheit gegeben hat und auch keine Auseinandersetzung mit den aufkeimenden rechten Zellen, die dann nach der Wende von erfahrenen Funktionären vor allem aus dem Westen organisiert und geführt wurden.
Die rechte Szene in Ostdeutschland ist nicht neu. Sie ist nicht wegen Merkel entstanden. Sie existiert schon seit Jahrzehnten und hat aktuell, ähnlich wie in den 90ern (Rostock-Lichtenhagen, schon vergessen?) Oberwasser.

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My5Cents! 28.08.2018, 17:53
197.

Zitat von muellerthomas
In Sachsen offenbar nicht: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155167/umfrage/entwicklung-der-bevoelkerung-von-sachsen-seit-1961/ Thüringen auch nicht: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155172/umfrage/entwicklung-der-bevoelkerung-von-thueringen-seit-1961/ Und Sachsen-Anhalt auch nicht: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155169/umfrage/entwicklung-der-bevoelkerung-von-sachsen-anhalt-seit-1961/ McPomm ebensowenig: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/155151/umfrage/entwicklung-der-bevoelkerung-von-mecklenburg-vorpommern-seit-1961/
Klasse Idee - da gibt es leider nur ein Problem: mit Tatsachen und nüchternen Zahlen lassen sich subjektives Empfinden und emotionale Aufgestautheit leider nicht einfangen. Das Grundproblem zur Zeit ist und bleibt: Irrationalität ist lauter als Rationalität. Emotionalität lauter als Sachlichkeit.

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Ehrich 28.08.2018, 17:57
198. Eine Chance verpasst

Ich befürchte, dass die schweigende Bevölkerungsmehrheit sehr wohl Vorbehalte gegen die Zuwanderung hat.
Anstatt diese Menschen wie rechte Idioten zu behandeln, sollten die Meinungsmacher, auch im Spiegel, den zulässigen Diskussionsrahmen ein wenig an das tatsächliche Spektrum anpassen.
Ich denke nämlich nicht, dass es in D mehr als 50% Nazis gibt.
Ich gebe aber zu, dass meine Wahrnehmung als Hamburger seit meinen Erfahrungen vom G20 ein wenig getrübt ist. Soviel zum Thema "besorgter Bürger".

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Dokoqueen 28.08.2018, 17:58
199. Die Sorgen vor Überfremdung KANN man nicht ernst nehmen

...denn die sind einfach dummes Zeug!
Wenn ich das schon immer lese...Überfremdung, Massenzuwanderung und ähnlichen Mist, dann wird mir schlecht.
Es GIBT keine Überfremdung, schon gar nicht im Osten, wo doch wirklich nur ein paar wenige Migranten leben. Ich wohne selber in Potsdam und sehe hier nur verschwindend wenige Migranten.
Mittlerweile kommen doch wirklich nur noch ein paar Leute nach Deutschland. Wenn wir es nicht einmal schaffen, diese wenigen Menschen aufzunehmen, sollten wir uns schämen.
Ich fahre regelmäßig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in Berlin und Brandenburg herum und ich hatte echt noch nie Ärger mit einem ausländischen Mitbürger. Die einzigen Leute, mit denen ich vor einigen Tagen in der Bahn (Rostock - Berlin) echt Stress hatte, waren 2 junge, betrunkene Neonazis, die während der gesamten Fahrt den Zug mit Nazimucke beschallten und die Bitten ihrer Mitreisenden, doch bitte wenigstens leiser zu drehen, nicht nur ignorierten, sondern statt dessen noch lauter stellten. Und JA, vor denen hatte ich Angst und am Ende, nachdem alles freundliche Zureden nichts half, hab ich einfach die Klappe gehalten und war froh, als die endlich ausstiegen.

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