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Referendum in der Türkei: Wie antwortet man auf "evet"?
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Die türkischen Wähler in Deutschland haben mehrheitlich für Erdogan votiert. Wie soll die hiesige Mehrheitsgesellschaft darauf reagieren? Alle rausschmeißen? Lächerlich machen? Ignorieren? Besser nicht.

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zeisig 19.04.2017, 14:51
200. Jakob Haschke # 185 trifft es auf den Punkt.

"Selbst, und vorallem, die jungen Türken in der 3. Generation sind in erster Linie stolze Türken. Die ethnokulturellen Bindungen sind offenbar viel stärker als irgendwelche seichte Integration-Rhetorik. "
Genau so ist es. Das mit dem Stolz, dieses Gen haben wir als Deutsche nicht, oder kann sich hier jemand vorstellen, von sich selbst als "stolzem Deutschen" zu sprechen ? Nein, das muß nicht sein. Aber das ist eben der Unterschied und liefert die Erklärung für das Mißverständnis zwischen unseren Kulturen. Ethnokulturelle Bindungen sind offenbar wichtiger als Integration um jeden Preis.

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olli08 19.04.2017, 14:55
201. Ja ...

Zitat von biber01
Bezeichnend finde ich, das es auch in der dritten Generation keine jungen Türken mit zumindest einem deutschen Vornamen gibt.
... das trifft es!
Zu einer gelungenen Integration gehören definitiv zwei Seiten, und wer WIRKLICH in ein Land einwandern will, der assimiliert sich aktiv.
Wie z.B. bei ehemaligen USA-Einwanderern: Ratz-fatz verschwanden Umlaute (und andere Hemmnisse) aus den Nachnamen und die Kinder der nächsten Generation bekamen kompatible Vornamen, schließlich wollte man dazu gehören!
Wer hingegen weiterhin sein eigenes Süppchen kochen will, der geht irgendwann wieder in die "Heimat", oder baut sich seinen eigenen Zoo. Dann darf er sich aber auch nicht beschweren, dass er begafft wird ...

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wolly21 19.04.2017, 15:55
202. Das ganze

ist doch ein Sturm im Wasserglas.
Von 1,4 Mio wahlberechtigten (Deutsch-)Türken sind knapp 50% zur Wahl gegangen, also weniger als 700.000. Davon haben 63% mit JA gestimmt, also etwa 440.000, also 0,55 % der Einwohner Deutschlands.
Wie viele "Doppel-Paßler" dabei sind, ist nicht bekannt.
Offenbar ist für diese Menschen die in Deutschland praktizierte Demokratie nicht so "prickelnd".
Na und? Lohnt sich dafür dieser ganze Hype??
Und mit der Türkei des Erdogan werden wir deswegen auch keinen Krieg beginnen, nicht einmal die Zollunion kündigen.
Daß in der Türkei Unrecht geschieht ist unbestritten. Das geschieht aber auch im Iran, in SaudiArabien,...... Und mit diesen treiben wir ja auch regen Handel.
Und in dem Nato-Mitglied USA gibt's auch die Todersstrafe, wird auch praktiziert. Rausgeworfen wurden USA deswegen nicht.

Also kommt mal alle wieder runter von "Eurer Palme"!

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vera gehlkiel 19.04.2017, 15:57
203. @olli08

Zitat von olli08
... das trifft es! Zu einer gelungenen Integration gehören definitiv zwei Seiten, und wer WIRKLICH in ein Land einwandern will, der assimiliert sich aktiv. Wie z.B. bei ehemaligen USA-Einwanderern: Ratz-fatz verschwanden Umlaute (und andere Hemmnisse) aus den Nachnamen und die Kinder der nächsten Generation bekamen kompatible Vornamen, schließlich wollte man dazu gehören! Wer hingegen weiterhin sein eigenes Süppchen kochen will, der geht irgendwann wieder in die "Heimat", oder baut sich seinen eigenen Zoo. Dann darf er sich aber auch nicht beschweren, dass er begafft wird ...
Das leuchtende Beispiel USA für die Art gelungener Integration, die sie meinen, ist aber nun wirklich an den Haaren herbeigezogen! Egal, ob man die Iren dort nimmt, die Italoamerikaner, die Latinos - alle haben sie eine ausgeprägte Subkultur, sogar ihre eigenen Paraden! Singen nicht nur die alten Lieder und heiraten im überkommenen Stil, in dem sie auch beerdigt werden, sondern bringen sogar ihre eigenen Megastars hervor (J-Lo! - das ist die mit dem Hintern, der Männer angeblich so unglaublich verrückt macht, achten sie da mal genauer auf die Texte). Ob Lousinana Cajun-Kultur oder Woody Allens beständiges Herausstreichen der Tatsache, dass er New-York-Jude ist, wovon bei ihm die ganze Kunst grösstenteils lebt - dort leben alle, zum Teil mit viel Ironie, aber oft auch sehr ernst gefasst, komplett ihr Anderssein aus. Werden den ganzen Tag lang Witze über die anderen und über sich selbst gemacht, verfügt jede Gruppierung über einen Haufen von Spitznamen für die anderen, etc. Der "American Way of Life", das bedeutet voll und ganz, und nach wie vor, wie Sinatra es sah, und sang: I did it my way! Das liegt einfach daran, weil man sich dessen bewusst ist, selbst auch ein Migrant zu sein - weil man noch weiss, wieviel Power das den Grosseltern damals gebracht hat. Dort besetzt man es positiv, wenn jemand seine alte Heimat verherrlicht!

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Bondurant 19.04.2017, 16:46
204. Allerdings

Zitat von vera gehlkiel
Das leuchtende Beispiel USA für die Art gelungener Integration, die sie meinen, ist aber nun wirklich an den Haaren herbeigezogen! Egal, ob man die Iren dort nimmt, die Italoamerikaner, die Latinos - alle haben sie eine ausgeprägte Subkultur...
sind sie trotz Subkultur in der Regel amerikanische Patrioten und sprchen gern und mit Inbrunst den Treueeid auf die Vereinigten Staaten. So etwas finden Sie in "unseren" Subkulturen eher nicht.

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derjonny 19.04.2017, 16:48
205. Usa

zu Nr. 203 vera gehlkiel
Und obwohl die Zustände in den USA so sind wie sie sind, ist dieses Land immer noch mit Abstand die führende Wirtschaftsnation der Welt. Ob trotz oder genau wegen dieser kulturellen Vielfalt und dem nicht umerziehen lassen wollen der amerikanischen Gesellschaft lasse ich mal andere beurteilen.

Fakt ist, dass die USA genau mit ihrer grundsätzlich liberalen Einstellung gegenüber verschiedensten Einwanderergruppen bisher sehr gut gefahren sind. Das zwangsläufige Fehlen einer mehrheitlichen "Leitkultur" in einem Land, das sich nach der Unabhängigkeit über 150 Jahre lang aktiv um Zuwanderung bemühte, hat diesen Umstand sicherlich begünstigt, da den Menschen ohne Leitkultur zwangsläufig mehr Toleranz abverlangt wird und sich so weniger xenophobe Gruppierungen bilden konnten.

Vor allem letztere sind es, die genau ihre Lebensweise jedem einzelnen in der Nachbarschaft aufzwingen wollen und dort Probleme sehen, wo entweder keine sind oder die wahren Ursachen für die Konflikte, wie z.B. mangelnde Polizeikräfte oder schlechte/fehlende Schulbildung nicht anerkennen wollen. Wer die Umerziehung nach dem eigenen Vorbild verweigert wird eben ausgegrenzt, diskriminiert und als Musterbeispiel gescheiterter Integration betrachtet.

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