Forum: Kultur
Rettung der E-Gitarre: Neue Helden für alte Saiten
ACT/ Laurent Edeline

Gitarrengötter wie Clapton und Santana sind alt geworden, Hersteller wie Gibson und Fender schreiben rote Zahlen. Da wird doch glatt der Jazz zum Retter für das Heldeninstrument der Rockmusik.

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tcdk 20.07.2017, 15:46
70. Dann kennen Sie aber nicht...

...die deutscheste Musik überhaupt: Piratenmetal!

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Knossos 20.07.2017, 16:39
71.

Zitat von tcdk
...die deutscheste Musik überhaupt: Piratenmetal!
Ja, das stimmt. Das Sub-Genre kenne ich nicht. Und weil in der Gegend, in der ich mich befinde, sämtliches Streaming geblockt ist, kann ich es mir leider auch nicht anhören.

Allerdings sagt Wikipedia, es handele sich um einen Ableger des Heavy metal. Damit wäre es doch "nur" wieder Kind von Black Sabbath, Uriah Heep und co., statt rockiger Nachfahre bayerischer Schuhplattler oder ostfriesischer Seemannslieder.

Zugegeben die Ursuppe heutigen Rocks aus den Südstaaten und die reiche Melodik der Briten hatten es nicht so weit bis zum Zackigen eines B.B. King oder von Lynyrd Skynyrd, aber ich höre in etlicher Folksmusik und sogar in der Klassik Spurenelemente des Rock (von denen Manches in der Tat übernommen worden ist).
Es wäre sehr interessant gewesen zu hören, wie sich aus den diversen Traditionen jeweils Modernes und Eigenständiges entwickelt hätte.

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charlybird 20.07.2017, 16:54
72. Das Fundament

Zitat von Knossos
Angelsächsisch ist ja bereits das gitarristische Fundament populärer Musik. Schließlich schwappten die Vorbilder von Großbritannien und USA aus über den Planeten. Sehr verständlicher Weise alle Welt animierend. Jedoch meiner Ansicht nach von daher bedauerlicher Weise, daß ich es für wünschenswert gehalten hätte, wenn Ethnien aus eigener Volkslala Modernes entwickelt hätten, statt nachzubilden, was Anderer Originale doch bereits am besten verkörpern. Nicht erst zu reden von unsäglicher Rap-Epidemie und nachgemachten US-Ghettokids sämtlicher Kontinente. Als ob musikalischer Analphabetismus cool wäre.
populärer Musik ist ihre Beliebtheit und nicht irgend ein ihr zugeschriebenes Instrument. Die Beispielliste würde den Rahmen sprengen.
Alles andere sind wechselnde Feinheiten und Symbole. Der persönliche Geschmack, der niemals immer getroffen werden kann, selbst von genial begabten Künstlern nicht, ist ein eigenes Universum und in der Musik entweder ein emotionaler Fundus, ein rationaler Klangbauplan oder manchmal auch beides, je nach Begabung und Ohr.

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Ezechiel 20.07.2017, 16:58
73. Heute sind Andere die Stars.

Zitat von adal_
Auf das Ergebnis kommt es an, nicht auf das Instrument. Und Virtuosität, die sich an sich selbst aufgeilt oder Musik als quasi sportlichen Wettkampf auffasst, ist eh peinlich.
Heute sind die Leute die Stars, die Platten auflegen und beim Abspielen mit der Plattenspielernadel drauf herum kratzen. Das ist einfacher als ein Instrument zu lernen und ordentlich zu üben. Für die Zuhörer hat es den Vorteil, dass sie sich dem Gedanken hingeben können, wenn ich das wollte, könnte ich das auch. Wenn jemand auf der Bühne ein tolles Gitarren-, Schlagzeug- oder Basssolo hinlegt, kommen solche Gedanken nicht auf.

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Knossos 20.07.2017, 18:35
74.

Zitat von charlybird
populärer Musik ist ihre Beliebtheit und nicht irgend ein ihr zugeschriebenes Instrument. Die Beispielliste würde den Rahmen sprengen. Alles andere sind wechselnde Feinheiten und Symbole. Der persönliche Geschmack, der niemals immer getroffen werden kann, selbst von genial begabten Künstlern nicht, ist ein eigenes Universum und in der Musik entweder ein emotionaler Fundus, ein rationaler Klangbauplan oder manchmal auch beides, je nach Begabung und Ohr.
Ich hätte der Vollständigkeit halber wohl "gitarristische und sonstige Fundament" schreiben sollen. Ansonsten scheinen Sie mir ja Recht zu geben. Eine größere Vielfalt musikalischer Evolution hätte kaum geschadet. Daß internationale Hitlisten aus Derivaten angelsächsischen Vorbilds bestehen, ist weder eigenständige Entwicklung noch Erweiterung.

Geschmack scheint sich derweil aus Horizont und Frequentierung zu ergeben. Letzteres stellten zu prägender Zeit halt die Soldatensender der Army, sowie das Welt-TV die kulturelle Sehnsucht nach Bonanza und Fury. (Und wo die Musik als "dekadent" verboten war, lauschte die Jugend heimlich über MW-Empfänger, notierte sich Texte und spielte nach.) Ein Glück für die Welt, daß es sich gleichzeitig und meist um geniale Musik handelte. Und schon ab Ende der Siebziger wiederum ihr Pech, als die Medien montonone Kakophonie übernahmen.
Pech auch, daß jeweils Heimisches als uncool galt und sich nicht in die Neuzeit hinein entwickelte. Ob mit Posaune, Zither oder Gitarre.

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germ 20.07.2017, 20:19
75. Füllmaterial

Zitat von Knossos
Angelsächsisch ist ja bereits das gitarristische Fundament populärer Musik. Schließlich schwappten die Vorbilder von Großbritannien und USA aus über den Planeten. Sehr verständlicher Weise alle Welt animierend. Jedoch meiner Ansicht nach von daher bedauerlicher Weise, daß ich es für wünschenswert gehalten hätte, wenn Ethnien aus eigener Volkslala Modernes entwickelt hätten, statt nachzubilden, was Anderer Originale doch bereits am besten verkörpern. Nicht erst zu reden von unsäglicher Rap-Epidemie und nachgemachten US-Ghettokids sämtlicher Kontinente. Als ob musikalischer Analphabetismus cool wäre.
"Nicht erst zu reden von unsäglicher Rap-Epidemie und nachgemachten US-Ghettokids sämtlicher Kontinente. Als ob musikalischer Analphabetismus cool wäre."

Hätte auch von mir sein können. Nichts gegen Rap, kann es auch geben - aber ständig und nur noch?! Das müsste sich doch eigentlich schon totgelaufen haben. Genauso schlimm diese ständigen nervenden Einzeltöne oder Tonreihungen als musikalisches "Füllmaterial".
Wegen diesem Rapgenerve bin ich ein Helene Fischer Fan geworden. Ich mag nun mal Melodien. Musik ohne Gesang interessiert mich nicht - natürlich mit der berühmten Ausnahme.

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daniellamar 20.07.2017, 22:42
76. Gitarre out?

ich hab vor 6 Monaten angefangen E-Gitarre zu spielen und das macht sehr viel Spass. Die Gitarre ist ein Einstiegsmodell von Ibanez und wurde in vielen Gitarrenforen gelobt. In Zeiten von Inernet kann man sich das selbst beibringen, Youtube ist voll mit Anleitungen.
Bezüglich Gitarrenheldinnen habe ich vor Kurzem Tina S entdeckt. Diese junge Frau dürfte eine schillernde Karriere vor sich haben. Eine weitere Endteckung auf Youtube nennt sich Ape Machine. Diese Band trifft so ziemlich genau meinen Geschmack. Laut Wikipedia nennt sich dieses Genre Heavy Rock/Stoner Rock. Ob man daraus wohl auf die Vorlieben der Hörer dieser Musik schliessen kann??

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Aberlour A ' Bunadh 21.07.2017, 10:13
77. Die Gitarre in der Rockmusik

Falsch. Die E-Gitarre in der Rockmusik muss als Verlängerung des Gemächts interpretiert werden. Darum hängt sie auch bei den meisten Rock-Gitarristen relativ tief, manchmal auf Kniehöhe (Jimmy Page). Cool. Schauen wir uns dagegen das Bild des obigen Jazz-Gitarristen an. Die E-Gitarre wird auf Brusthöhe gespielt, bei manchen hängt sie fast unter dem Kinn. Der Daumen befindet sich wie bei einer klassischen Gitarre HINTER dem Griffbrett, dadurch können die restlichen vier Finger optimal kontrolliert und mit maximaler Geschwindigkeit über das Griffbrett hudeln. Optimale Bespielbarkeit ist gewährleistet. ABER COOL SIEHT DAS NICHT AUS. Womit wir wieder beim Rock 'n' Roll wären. Einige Rock-Gitarristen tragen die Gitarre definitiv jazzmäßig zu hoch (Rik Emmett, Triumph). Eine Störung im Detail. Grenzwertig: Ritchie Blackmore. Besser: Brad Whitford von Aerosmith ("Sein Gitarrenspiel sieht längst nicht so gut aus, wie es in Wirklichkeit ist"). Optimal: Joe Perry wieder von Aerosmith ("Sein Spiel sieht weitaus besser aus, als es in Wirklichkeit ist"). Es gibt also unter optischer (sexistischer?) Betrachtung eine Optimalpostition der E-Gitarre in der Rockmusik. Es geht (oder ging?) also bei der E-Gitarre in der Rockmusik immer auch um INDIVIDUELLEN Ausdruck und sexuelle Befreiung. Oder einfach nur um Rock 'n' Roll. Abschließend noch zu Hendrix. Warum sollte ein begnadeter Rockgitarrist - der als Linkshänder eine normale Rechtshänder-Stratocaster falsch herum spielen konnte und dabei die Saitenbespannung des Rechtshändermodells beibehielt!!!!!!!! - am Computer herumtüfteln? Was nicht heißen soll, dass er nicht Computersamples in die Musik integriert hätte. Alles was wir wissen ist, dass sich Hendrix kurz vor seinem Tod für die Verbindung von Rock und klassischer Musik begeisterte. Hier sah er eine mögliche Quelle zukünftiger Inspiration. Das kann natürlich auch dem Zeitgeist geschuldet gewesen sein, denn um 1969/1970 herum hatten diesbezügliche Innovationen von Deep Purple (oder besser Jon Lord) und Keith Emerson (Nice/ELP) für aufsehen gesorgt. Es gab sogar handfeste Gerüchte, dass Hendrix bei Emerson, Lake & Palmer einsteigen würde. Emerson und Hendrix kannten sich von Jam-Sessions und einer gemeinsamen Tour 1967. Das Projekt realisierte sich u.a. auch aus namenstechnischen Gründen nicht. Denn aus "ELP" wäre "HELP" geworden. Ein uncooler Name. Womit wir wieder bei der Essenz des Rock 'n' Roll wären.

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Aberlour A ' Bunadh 21.07.2017, 10:28
78. Anmerkung zu Beitrag 77

Dieser war eigentlich als Antwort auf Beitrag nur 11 von "Taugur" gedacht. Ich habe mal wieder zu viel gelabert. Sorry. Dadurch ist die Einbindung verlorengegangen.

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charlybird 21.07.2017, 12:35
79. Na ja,

das mit der Bespielbarkeit ist durchaus ein Faktor, aber kein zwingender wenn man das Ding recht tief bedient, denn es gibt diverse Gitarristen und Gitarristinnen, deren unglaublich virtuose Spielweise einfach mit der Lehrmeinung der optimalen Haltung des Instruments kollidiert. Die Stilistik ist hier oft von entscheidender Bedeutung.
Wenn man spielt wie George Benson, kann man die Klampfe nicht wie Eddie van Halen halten und umgekehrt.
Und das mit dem Daumen ist eine Notwendigkeit bei der klassischen Gitarre, bei der E-Gitarre ist das schnurzenpiepegal. Im Gegenteil, der Daumen kann noch für den Bass eingesetzt werden und viele ''Kinngitarristen'' machen das auch, genauso wie es eine Menge Kniekehlenrocker nicht tun, weil es auch eine gewisse Übung erfordert.
Aber schauen Sie sich alte Fotos der Beatles an, George und John haben ihre Instrumente fast unterm Kinn und dann fängt das mit der Sexsymbolik im allgemeinen schon an zu wackeln.
Dennoch, Rockstars verkörpern generell eine gewisse Sexsehnsucht und die E-Gitarre wird sicherlich lasziver eingesetzt, als bspw. eine Querflöte oder Hammondorgel, obwohl der von Ihnen zitierte K.Emerson es auch mit seinen beiden gegenüberstehenden getrieben hat. :-)
Aber die absolut passionierten Musiker würde ich da mal außen vor lassen. So einfach ist es denn doch nicht und die Zunahme an tollen Gitarristinnen und auch Bassistinnen, ein erster Meilenstein war hier zB. Jennifer Batton, höhlt Ihre These noch weiter aus. Ein Damengemächt gibt’s ja nun mal ( noch )nicht.
Und Keith Richards, der seine Gitarre ja fast immer im Schritt hängen hat, nutzt das sicherlich schon lange nicht mehr als die sexistische Veredelung seines Rockherodaseins, aber ich bin keine Frau. :-)

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