Forum: Kultur
Rückgabe der Cape-Cross-Säule an Namibia: Das Kreuz mit den Kulturschätzen
Thomas Bruns/ DHM

Deutschland gibt ein mehr als 500 Jahre altes Steinkreuz an Namibia zurück. Ist das ein Schritt, um deutsche Kolonialverbrechen wiedergutzumachen? Da gehen die Meinungen auseinander.

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Mehrleser 17.05.2019, 11:24
1.

Müsste der Steinklotz nicht nach Portugal heimgeführt werden?

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jdm11000 17.05.2019, 11:31
2. Geraubte Kunst?

Wenn heute von "geraubter Kunst" gesprochen wird, entsteht gleichzeitig der Gedanke, daß alles "geraubt" worden sei. Ob dem tatsächlich so war, wird sich nicht in jedem einzelnen Fall tatsächlich feststellen lassen. Was ist aber mit der geraubten Kunst der Sowjetunion und anderer Staaten, die in Deutschland seit Jahrhunderten ihr Unrecht trieben? Wie Frankreich, Schweden, Dänemark oder Polen usw? Da schreibt natürlich niemand etwas, weil politisch nicht gewollt und gerade der Linksorientierte SPON wird dieses Thema ganz bestimmt nicht aufgreifen. Dabei gehen derzeit ganze Bibliotheken in der Ukraine und Rußland einfach nur unter - weil niemand sich dieses Themas annimmt, annehmen will. Auf der anderen Seite wird dann geraubte Kunst ohne Wenn und Aber in eben jene Länder zurückgegeben. Es ist eine Schande, daß wir immer noch unser Haupt in Sack und Asche drücken, anstatt richtig zu verhandeln und eben nicht alle Möglichkeiten nutzen. Dann ist es auch kein Wunder, wenn zB Griechenland von uns Milliarden Zuschüsse erhält und nach ein wenig Erholung von uns dann auch noch Ersatz für den 2. Weltkrieg fordert.

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isi-dor 17.05.2019, 11:32
3. Man muss differenzieren, auch wenn es politisch nicht opportun scheint

Zitat von Mehrleser
Müsste der Steinklotz nicht nach Portugal heimgeführt werden?
Dachte ich eigentlich auch. Das Padrao hat mit dem heutigen Namibia überhaupt gar nichts zu tun, zumal es dortige Politik ist, sämtliche kolonialen Hinterlassenschaften und Denkmäler rigoros zu zerstören.
Am Kreuzkap stehen zudem 2 Replika, die von der Kolonialmacht dort aufgestellt wurden und die dann ja wohl heute der Bundesrepublik Deutschland gehören. Wäre das Ding, um das es hier geht, damals nicht nach Berlin gebracht worden, es wäre längst dem Sand der Wüste zum Opfer gefallen.

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isi-dor 17.05.2019, 11:43
4.

Die Steinkreuze sind die Merkmale des portugiesischen Kolonialismus und des Sklavenhandels schlechthin. Sie sollten auf ewig bezeugen, dass es sich um portugiesisches Land handelt und allein Portugal darauf Eigentumsrechte beansprucht. Wundert mich durchaus, dass die namibische Regierung jetzt Portugals Ansprüche quasi restituieren will.

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isi-dor 17.05.2019, 11:48
5.

Die Steinkreuze sind die Merkmale des portugiesischen Kolonialismus und des Sklavenhandels schlechthin. Sie sollten auf ewig bezeugen, dass es sich um portugiesisches Land handelt und allein Portugal darauf Eigentumsrechte beansprucht. Wundert mich durchaus, dass die namibische Regierung jetzt Portugals Ansprüche quasi restituieren will.

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pandora14 17.05.2019, 12:04
6. Absurdistan

Wie wäre es , wenn die Schweden für ihre Greueltaten im 30 jährigen Krieg endlich zur Rechenschaft gezogen werden würden, die Franzosen für Napoleon die Spanier, Portugiesen, Holländer, Franzosen und vor allem die Briten für ihre Untaten und Ausbeutung weltweit?
Nichts von allem.
Im Gegenteil.
Die Briten singen immer noch : Rule Britannia...
Und wir gehen wegen ein paar Jährchen Kolonialpolitik in Sack und Asche.
Es ist doch kein Wunder, dass wir die Lachnummer der Welt sind und jeder meint, uns täglich irgendwelche Rechnungen präsentieren zu müssen.
Ein Wunder, dass uns die Chinesen für die Beteiligung gegen die Aufstände 1900 oh nicht haftbar gemacht haben.
Kommt sicher noch.

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ernstrobert 17.05.2019, 12:10
7. ganz verschiedene Ebenen

Eine merkwürdige Debatte um die Frage: "Kann man mit der Rückgabe von Kulturgut kolonialistische Verbrechen wieder gut machen"?
Das sind doch 2 ganz verschiedene Ebenen!
'Kulturgut' ist schon mal ein problematischer Ausdruck, als handele es sich um eine Beute, welche die Sieger Im Triumphzug zur Schau stellen, wie Benjamin gesagt hat.
Hier scheint das noch komplizierter zu sein, weil es viele Bezüge gibt, zwischen Europa und Afrika, zwischen Portugal, Namibia und Deutschland.
Andererseits ist das ein Vorteil: Die brutale Geschichte lässt sich an solchen 'Erbstücken' gut ablesen und natürlich gehören sie genau an den Ort, wo sie eine Geschichte hinterlassen haben.
Die Kolonialgeschichte lässt sich nicht wieder gut machen, nur dokumentieren. Man kann allerdings heute dafür sorgen, dass Ländern wie z.B. Namibia Gerechtigkeit widerfährt, im Handel, in der Produktion und im kulturellen Austausch. Da gibt es mehr zu tun, als ein Steinkreuz zu übergeben.

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domino3116 17.05.2019, 12:22
8. Nr.7 hat recht!

Unsere Aufgabe heute ist, dem Neokolonialismus der Konzerne entgegen zu treten und die Wirtschaft Afrikas anzukurbeln. Kulturgüter, die verschleppt wurden, sollte man zurück geben. Aber eventuell jetzt Reparationen für Dinge zu erfinden, die vor mehr als 100 Jahren geschehen sind, ist politischer Masochismus und treibt die Jugend nur den Nationalisten in die Arme.

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Koda 17.05.2019, 12:34
9. Nein, die portugiesischen Seefahrer...

Zitat von Mehrleser
Müsste der Steinklotz nicht nach Portugal heimgeführt werden?
die portugiesischen Seefahrer stellten die Stele ja freiwillig auf und ließen sie da stehen.
Warum sollte sie dann zurück nach Portugal gehen?

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