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Schriftsteller im Faktencheck: Hat Uwe Tellkamp recht - oder nicht?
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Uwe Tellkamps Auftritt in Dresden hat viele Kontroversen ausgelöst. Dass man seinen Argumenten zuhören muss, ist selbstverständlich. Aber man darf sie auch hinterfragen: Drei Aussagen im Check.

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petros.mertos 15.03.2018, 23:58
180. Wenn der Staat versagt, wird der Mob Herrscher

Wir haben Staatsversagen weill die Trennung zwischen Wirtschaftsmigranten und berichtigen Asylsuchenden nicht gelingt.
beispielhafte Maßnahmen: Alle ohne Pass am Bestimmungsort festhalten und die Fingerabdrücke nehmen. "Minderjährige", die dem Augenschein nicht genügen, einem Altersfeststellungsverfahren unterziehen. Alle Stellen die mit "Flüchtlingen" arbeiten mit Fingerabdruckleser versehen. Alle die keine Aussicht auf Erfolg haben hierbleiben zu können konsequent zurücksiedeln und bis dahin verwahren.
Das ist nicht braun, das ist für die Menschen, die unseren Schutz haben sollen.
"Pseudoflüchtlinge" ohne wirkliche Zukunft bei uns ruinieren den "Ruf" den Flüchtlinge haben sollten. Sie haben Nichts zu verlieren, keine Perspektive und keinen Lebensinhalt. In so einer Situation werden sehr viele Menschen zu Gesetzesbrechern, egal welche Nation und wo auf der Welt.
Klare Prinzipien und Richtlinien die der Rechtsstaat in heutiger Version durchsetzen, sind besser, als alles was passiert, wenn das Volk die Meinung hat der Staat funktioniert nicht mehr.

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testuser2 16.03.2018, 00:09
181. Schriftstellerin Monika Maron

Schriftstellerin Monika Maron heute im Deutschlandfunkt: "Was ist denn das für ein Streitgespräch, wenn ich das damit bezahle, dass mich am nächsten Tag alle möglichen Leute anspucken." - Dabei ist mir spontan diese Seite eingefallen.
http://www.deutschlandfunk.de/causa-tellkamp-ob-das-rechts-ist-ist-mir-am-ende-vollkommen.694.de.html?dram:article_id=413037

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nojoe 16.03.2018, 00:22
182. Ablenkung

" Dass man seinen Argumenten zuhören muss, ist selbstverständlich. "
Nein, das ist doch genau das Problem. Es ist nicht mehr selbstverständlich, der Verlag hat sich daraufhin distanziert um diese Aussagen als unhörbar und unerhört zu brandmarken, das macht er sonst nicht. Oder ist davon auszugehen, dass der Verlag sonst alle Ansichten seiner anderen Autoren teilt?

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Stillner 16.03.2018, 00:28
183. Suhrkamp hat recht!

Suhrkamp tut sehr gut daran, sich von diesem rechten Hetzer in seinen Autorenreihen zu distanzieren. Dieser Verlag ist der Verlag zahlreicher Flüchtlinge, die aus Deutschland fliehen mussten, als die Nazis an die Macht kamen und die Wahrheit auf ähnliche Weise verdrehten wie dies Tellkamp heute tut - ohne deshalb ein Nazi zu sein. Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Theodor W. Adorno und viele andere sind die deutsche Tradition, an die Suhrkamp bis heute anknüpft. Ressentiment-geladene Hassprediger wie Tellkamp sollten in einem solchen Verlagsprogramm nichts zu suchen haben.

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mother_sky 16.03.2018, 06:50
184. Faktencheck

Fakt 1: Es ist richtig, dass in öffentlichen Diskussionen, mitunter auch von den Medien, nicht klar genug unterschieden wird zwischen Migranten und Flüchtlingen. - Fakt 2: Der Asylstatistik des Bundesamtes für Migration (BAMF) ist zu entnehmen, dass "bei den rund 600.000 Entscheidungen, die 2017 getroffen wurden", "mehr als 43 Prozent der Asylbewerber ein Bleiberecht bekommen haben", "bei Syrern wurden sogar 91,5 Prozent der Anträge positiv beschieden". Daraus aber abzuleiten, all diese Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak seien durch Krieg und Verfolgung unmittelbar bedroht gewesen, ist unzulässig, insbesondere in Bezug auf Iraker und Afghanen. Denn festzuhalten ist: In diesen beiden Ländern gibt es zwar immer wieder Akte von Gewalt und Terror, doch befinden sie sich nicht im permanenten Kriegszustand, wie dies bei Syrien der Fall ist. Es ist auch zu hinterfragen, warum zum Beispiel ein Afghane, der sich bedroht fühlt, nicht in einen anderen Teil seines so großen Landes ausweichen kann, sondern sich auf den langen Weg nach Europa, insbesondere Deutschland, machen muss.- Fakt 3: Auch wenn jeder einzelne Asylantrag vom Bundesamt geprüft wird, "und zwar daraufhin, ob die Antragsteller Recht auf Schutz vor eben Krieg und Verfolgung haben", sind die Mitarbeiter des Bundesamtes infolge fehlender Daten und unterlassener Hilfeleistung bzw. falscher Angaben seitens der Antragsteller gezwungen, vielfach nach eigenem Ermessen zu entscheiden. - Fakt 4: Bei nahezu allen Flüchtlingen, egal aus welchen Gründen sie geflohen sind, handelt es sich um eine Einwanderung in die Sozialsysteme, und das auf Jahre, da die überwiegende Mehrheit weder hinreichend gebildet noch hinreichend ausgebildet ist für eine qualifizierte Tätigkeit im hochindustrialisierten Deutschland und darüber hinaus hinsichtlich der Integration auch erst einmal sprachliche, kulturelle und mentale Barrieren überwunden werden müssen. Hierfür sind enorme Kraftanstrengungen und (finanzielle) Aufwendungen erforderlich, vor allem seitens des Aufnahmelandes. - Gesamtfazit: Es ist richtig, dass es Uwe Tellkamp auf dem Podium in Dresden "„an einigen Stellen mit den Fakten nicht zu genau" genommen hat, "vor allem in Bezug auf die Flüchtlingsthematik". Ihn aber als deutschen Schriftsteller zu bezeichnen, "der sich offenbar durch Angst, Ressentiment und Wut den klaren Blick auf die Wirklichkeit ein gutes Stück verbauen ließ", hat mit neutralem Faktencheck nichts zu tun, sondern mit persönlicher Meinung. Es dient auch nicht der Sache, Tellkamp rechtsnationale Gesinnung zu unterstellen und ihn damit mundtot zu machen, weil dies den "Wutbürger" darin bestärkt, stigmatisiert zu werden, und ihn aus Verdruss und Protest desto mehr zu den Rechten treibt.

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max.schmitt 18.03.2018, 01:15
185.

Das ganze Themam Flüchtlinge/Migranten wäre mE deutlich entspannter, wenn seit der Jahrtausendwende nicht die Arbeitsbedingungen und Sozialleistungen für Einheimische so massiv gekürzt worden wären.

Arbeitslosenhilfe gestrichen, ALGII/Hartz 4 eingeführt, Hartz 1-3 = Niedriglohnsektor und Leiharbeit aufgebaut. MwSt um 3% angehoben, Berufsunfähigkeitsrente gestrichen, Erwerbsminderungsrente mit 10,8% Abschlägen, Altersgrenzen für alle Rentenarten heraufgesetzt, Rentenerhöhungen von 2000-2011 weitgehend ausgefallen, Sozialer Wohnungsbau eingestellt usw. usf.

Dann kommen in kurzer Zeit über 1,7 Mio. artfremde Leute hierher, tragen mit zur Wohnungsnot in den unteren Klassen bei, drücken weiter das Lohnniveau und werden -je nach Sichtweise- bestens versorgt, ein Teil benimmt sich wie die Axt im Walde, ist kriminell oder gar terroristisch. Das Geld fließt dennoch in Strömen, ein kommunalaer Nachtragshaushalt jagd den anderen.

Das passt eben für Viele nicht. Hätten wie noch den Sozialstaat aus den Ende 90ern, gäbe es mE weniger Mob + Hetze, sondern mehr Generösität.

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