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Schwabinger Kunstfund: Gurlitt sieht sich zu Unrecht verfolgt
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Cornelius Gurlitt lebte jahrzehntelang mit mehr als tausend Kunstwerken zusammen. Nun hat er exklusiv mit dem SPIEGEL über seine Sicht der Dinge gesprochen. Das Vorgehen der Justiz gegen ihn und Ansprüche von Behörden und NS-Überlebenden kann er nicht nachvollziehen.

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Handschweiß 17.11.2013, 19:42
100. Gurlitt ist unschuldig,

so lange er nicht verurteilt ist. Wurde denn überhaupt schon Anklage erhoben? Der Spiegel ist keine Anklagebehörde.

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fr.unbequem 17.11.2013, 19:44
101. Keine Schuld, wirklich?!?

Zitat von sysop
Cornelius Gurlitt lebte jahrzehntelang mit mehr als tausend Kunstwerken zusammen. Nun hat er exklusiv mit dem SPIEGEL über seine Sicht der Dinge gesprochen. Das Vorgehen der Justiz gegen ihn und Ansprüche von Behörden und NS-Überlebenden kann er nicht nachvollziehen.
Wenn sich Vater und Sohn Gurlitt so sicher waren/ sind, das das keine Hehlerware ist, die sie besitzen, warum haben sie ihre Sammlung in aller Heimlichkeit gehütet? Warum bewahrt jemand Bilder im Milliardenwert in einer stinknormalen Wohnung auf? Weil er wartet, bis alle eventuell Überlebenden tot sind, die sie als ihr Eigentum zurückfordern könnten? Wie passend, dass die meisten Eigentümer wahrscheinlich den Holocaust nicht überlebt haben und ihre Erben kaum mehr wissen, was sie besessen haben.

Das alles stinkt zum Himmel und beweist erneut, dass Deutschland nichts aufgearbeitet hat und noch immer nicht mit den Konsequenzen des Naziterrors umgehen kann und will. Warum gibt es keine deutschen Gesetze, die solche Fälle regeln, dies dürfte doch wirklich nicht der einzige in den letzten 70 Jahren gewesen sein. Das sind Tage, an denen es mir sehr leicht fällt, meine deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben!

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gfh9889d3de 17.11.2013, 19:45
102.

Zitat von Klaus Baumeister
Wenn der Fall sauber und nachhaltig geklärt werden soll, dann müssen die Kunstwerke von einem professionellen Kunstfotografen fotografiert und von Kunstsachverständigen auf Echtheit geprüft werden. Und zwar alle. Dann müssen die Werke veröffentlicht werden. Erst dann kann auf internationaler Ebene geklärt werden, wem was gehört und wem unter welchen Bedingungen was abhanden kam. Wenn dann Herr Gurlitt belegen kann, dass sein Vater...
Das sollte dann aber für alle Eigentumsübertragungen des dritten Reiches gelten. Insbesondere bei ein paar Hunderttausend Berliner Häusern wird das sehr, sehr lustig.

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DrGrey 17.11.2013, 19:46
103.

Zitat von spindoctw
Was mich mal vielmehr interessieren würde: Wie kann es sein, dass einer seit 50 Jahren nicht gemeldet ist (so stand es in verschiedenen ZEitungen), steuerlich und sonstwie unbehelligt bleibt und einen Ausweis hat, mit dem er rumreist? Stand das irgendwo zu lesen? Habe nirgends eine Antwort dazu gefunden... jeder unbescholtene Bürger wird heutzutage bis in die Eingeweide durchleuchtet...
Es mag Menschen geben, die sind in dieser Zeit schon geboren worden,
und Vertrauen aus Erfahrung keiner staatl. Institution mehr etwas.
Und aus der heutigen staatl. Perspektive heraus bertrachtet,
gibt es keine unbescholtenen Bürger, sondern nur Bürger, die sich
bisher noch nichts haben zu Schulden kommen lassen, was sich aber
sehr schnell ändern kann.

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gfh9889d3de 17.11.2013, 19:47
104.

Zitat von lexik
Steuern sollten nur dann gezahlt werden, wenn ein Verkauf stattfindet und Gurlitt Profit einstreicht.
Private Kunstverkäufe sind nach 12 Monaten Eigentum zu 100% steuerfrei.

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tuffgong 17.11.2013, 19:49
105. Überfordert

Wie schon im letzten Spiegel glänzend beschrieben, scheint die Staatsanwaltschaft mit dem ganzen Thema völlig überfordert zu sein. Da wird der Besitz eines alten Mannes im Wert von 1000 Mio. vorsorglich ohne Rechtsgrundlage eingezogen und nun steht man da und kann das Ganze nicht juristisch begründen. Sehr peinlich und ziemlich unverschämt.

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DrGrey 17.11.2013, 19:52
106.

Zitat von j.cotton
WENN die Rechtslage für diesen ARMEN, alten, verwirrten Mann, ganz offensichtlich bar jeglichen existierenden Unrechtsbewusstseins so wäre, wie Sie es zu darstellen bemüht sind, würden sich - bei diesem STREITWERT Heerscharen von Anwälten um Gurlitt jun. bemühen! Tun Diese das denn?
Wissen wir doch noch gar nicht. In dem Alter brauchts etwas
mehr Zeit und Ruhe, um so einen medialen Rummel noch zu
verarbeiten. Vielleicht hat er sich aber schon entschieden,
wie's weitergeht. Dass sie dabei informell nicht in der ersten
Reihe stehen werden wär nicht weiter tragisch.
Der SPON ist sicher vor ihnen am Ball:-)

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Cyman 17.11.2013, 19:52
107. Gesetzestreue vs. Moral

Zitat von yournamehere
Andererseits ist es erschreckendwie derzeit geltendes Recht mit der Moralkeule erschlagen wird...
Allerdings heißt geltendes Recht noch lange nicht, dass es auch richtig ist!
Davon mal abgesehen, dass nicht wenige der heute gültigen Paragraphen noch aus der Zeit von 1933-45 stammen und dass die anderen Gesetze nach dem Krieg geschaffen wurden, stellt sich die Frage, ob manche Gesetzestexte nicht sogar bewusst so verfasst wurden, um solch unbequemen Fragen, die eines Tages wie in solch einem Fall zu Tage treten könnten, von vorn herein aus dem Wege zu gehen.
Es ist auch durchaus erstaunlich und bedenklich, wenn man sich mal den Grundtenor der Kommentare zu diesem Thema verfassten Artikel der letzten Wochen durchliest, welch eine Haltung da mehrheitlich zu Tage tritt: Auch wenn sich heute sicherlich bei vielen Werken schwer die ursprünglichen Besitzverhältnisse klären lassen oder dies gar unmöglich erscheint, so kann meines Erachtens dennoch kein Gesetz der Welt jemanden von seiner moralischen Verantwortung freisprechen.
Wenn etwas verjährt ist, heißt dies noch lange nicht, dass die Sache gegessen ist frei nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn!
Kurios erscheint mir immer noch das Handeln oder vielmehr dessen Unterlassung der deutschen Behörden und auch der Kommentar Gurlitts spiegelt dieselbe Haltung wieder, nämlich, dass man die Sache ja hätte aussitzen können bis er als heutiger Besitzer das Zeitliche gesegnet hat.
Es drängt sich einem einfach der Verdacht auf, dass genau dies auch die Denke ist, mit der versucht wurde, die Öffentlichkeit von der Kenntnis über diesen Besitz auszuschließen.
Meines Erachtens kann es nicht rechtens sein, dass fremdes Eigentum nach Verjährung einer gewissen Frist in das Eigentum eines anderen Besitzers übergeht, sofern dieses Eigentum unter hoher Wahrscheinlichkeit in unrechtsmäßigen Verhältnissen in den Besitz des anderen gelangt ist.
Ansonsten sollten dienenigen, die die Herausgabe seitens von Alliierten gestohlener, sogenannter Beutekunst fordern, sofort verstummen, da mit derselben Argumentation eben auch die Grundlage fehlt, eine solche Herausgabe einzufordern.
Es ist schon irgendwie beschämend, dass viele Leute offenbar ein solch verqueres (Un-)rechtsverständnis zu haben scheinen - und man sich nicht des Eindrucks erwehren kann, dass es sich hierbei um Paragraphenreitern par excellence oder Menschen mit einem fragwürdigen Geschichtsverständnis zu handeln scheint - mal wieder entlarvend und peinlich für Deutschland!

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dissred 17.11.2013, 19:52
108. Was hat Gurlitt wohl seit 1998 gemacht?

Die Washingtoner Erklärung (Washington Principles) vom 3. Dezember 1998 – eigentlich: Grundsätze der Washingtoner Konferenz in Bezug auf Kunstwerke, die von den Nationalsozialisten beschlagnahmt wurden – ist eine die Unterzeichnerstaaten rechtlich nicht bindende Übereinkunft, um die während der Zeit des Nationalsozialismus beschlagnahmten Kunstwerke der Raubkunst zu identifizieren, deren Vorkriegseigentümer oder Erben ausfindig zu machen und eine „gerechte und faire Lösung“ zu finden. Sie war das Ergebnis der im Dezember 1998 durchgeführten Washington Conference on Holocaust-Era Assets (Washingtoner Konferenz über Vermögenswerte aus der Zeit des Holocaust), an der 44 Staaten, zwölf nicht-staatliche Organisationen, insbesondere jüdische Opferverbände, sowie der Vatikan teilnahmen.

Dieser Selbstverpflichtung folgte Deutschland mit einer „Erklärung der Bundesregierung, der Länder und der kommunalen Spitzenverbände zur Auffindung und zur Rückgabe NS-verfolgungsbedingt entzogenen Kulturgutes, insbesondere aus jüdischem Besitz“ vom 14. Dezember 1999 sowie einer „Handreichung zur Umsetzung der Washingtoner Erklärung“.[1]

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maifreuden 17.11.2013, 19:52
109.

Was sind das alles für niederträchtige, unsubstantielle und niveaulose Behauptungen, die totale Massenhysterie.

Kunst im Wert von einer Milliarde Euro: Das ist sicher viel zu hoch angesetzt von einer Journaille, die sich von Auktionsergebnissen bestimmter Künstler blenden lässt, aber nicht beachtet, was da versteigert wurde.
Es ist immer von „Meisterwerken“ die Rede. Unsinn, soweit man den bisherigen Veröffentlichungen trauen kann, sind sicher einige darunter, die Mehrzahl ist allerdings Durchschnitt (auf hohem Niveau) der jeweiligen Urheber.
Außerdem: Es heißt, er bewahrte seine Sammlung dort in seiner „einfachen Wohnung“ seit gut 40 Jahren auf. Vor vierzig oder fünfzig Jahren war das alles zusammen keine zehn Millionen wert. Wo zur Hölle ist das Problem für viele Foristen. Wieso die zwanghaften Vermutungen und Behauptungen des Versteckens, der Illegalität?

Herr Gurlitt wird zum Zombie erklärt, weil er sich in seiner Wohnung mit über 1000 Kunstwerken umgibt und das nicht am Schwarzen Brett oder per Zeitungsannonce bekannt gibt. Er „hütet sie [nicht] eifersüchtig“ und „versteckt“ sie nicht, sondern er ist vorsichtig, und das ist richtig und dazu bedarf es keiner unlauteren „anderen Gründe“. Das sieht der Forist „Tüftler“ völlig richtig.
Es ist übrigens ganz wundervoll, sich mit so viel Kunst zu umgeben. Und Konserven in derselben Wohnung mit Herstellungsdatum vor Tschernobyl sind keinesfalls ein Makel.

An „spielerisch“: Wenn man viel Kunst sammelt braucht man ein Lager, das ist doch völlig normal. Wer mehr als dreißig Bücher hat, der besorgt sich ein Bücherregal, wer mehr als 1000 Kunstwerke hat behilft sich ähnlich. Vielleicht ein Regal für ähnliche Formate, einen Grafikschrank für Papierarbeiten u.ä. (eine brauchbare Kommode oder ein stabiler Koffer tun es auch), die Sonderformate werden dann „gestapelt“.
Ich versichere Ihnen, dass so etwas gut funktioniert und man morgens nicht Gregor-Samsa-like als Hamster aufwacht. Sie sammeln doch bestimmt auch etwas: Rabattmarken, Rentenanwartschaften, Punkte in Flensburg, Überraschungseier, Pornos, was weiß ich; würden Sie sich gerne als Hamster bezeichnen lassen? Oder gar als „Fall für die Psychiatrie“? Nein? Dann tun Sie das auch keinem anderen an!

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