Forum: Kultur
Selbstvermarktung: Wer auffällt, ist out

Warum sehen wir in den sozialen Medien eigentlich alle gleich aus? Über den Wahn, sich online ständig selbst zu vermarkten.

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turbomix 10.04.2016, 13:44
80.

Zitat von claus_debold
Wenn du als Kind in den 50er, 60er oder 70er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, dass wir solange überleben konnten. Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und Airbags. Unsere Bettchen waren angemalt in strahlenden Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen. Auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm. Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar. Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mussten erst zuhause sein, wenn die Strassen-laternen angingen. Niemand wusste, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei. Wir haben uns geschnitten, brachen Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle und niemand hatte Schuld außer wir selbst! Keiner fragte nach „Aufsichtspflicht“. Wir kämpften und schlugen uns gegenseitig grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht.
Stimmt. Ich bin als 4-Jähriger einfach mal zu meiner Oma gegangen. Die Strecke kannte ich natürlich. Vier Kilometer an einem Wald vorbei und über Eisenbahnschienen. Es fuhren dort Züge. Ich bin nicht nach Hause gegangen, sondern habe dann dort geschlafen. Als ich wieder nach Hause kam, hat meine Mutter mich nur gefragt, wo ich gewesen bin. Sie hat wohl geahnt wo ich war. Heute ist mir schleierhaft, warum nicht nach mir gesucht wurde. Damals war mir das egal. Ich glaube, früher hatten die Kinder einfach mehr Eigenverantwortung und die Eltern vertrauten ihren Kinder. Übrigens hatten wir damals noch kein Telefon.

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fuffel 10.04.2016, 14:11
81. ja

Zitat von aschie
Sind die echten Freunde erst durch Facebook Kontakte ersetz befällt viele eine innere Leere die sie dann durch Selbstdarstellung ausgleichen wollen .Ich kann mir nicht vorstellen das das jemanden glücklich macht. Es ist leider nicht zu übersehen das Soziale Netzwerke kein Fortschritt in der menschlichen Entwicklung sind .Da wird viel Druck erzeugt sich bestimmten Vorstellung anzupassen .Für echte Diskussionen ist das Medium auch nicht geeignet .Nur wer beleidigt hetzt bedroht oder Mobt bekommt aufmerksammkeit alle leisen vernünftigen Stimmen gehen da unter .Ich bin ganz bestimmt nicht Technikfeindlich aber diese völlig überschätzten Netzwerke tun den Menschen nicht gut.
aber so ist es halt.

Ich glaube aber immer noch, das die Menschen recht gut sortieren können.

Wenn man FB Leute unter Freunde subsumiert, hat man doch eh vorher schon ein Problem mit sich herumgetragen.

Seits mal nicht so kritisch. Die Jugend hat zwar neue Medien zur Verfügung , aber das bedeutet keinesfalls das Ende der Zivilisation.

Die bekommen maximal ne Nackenstarre, bei dem ganzen handy Gedaddel oder werden im Berufsverkehr über den Haufen gefahren, fallen Treppen herunter und werden gekündigt, weil sie einfach den Blick nicht abwenden können.

Aber irgendwann, haben die auch keine Lust mehr. In Echtzeit bei jedem Toilettenbesuch ihrer whats-app Freunde dabei zu sein und diese Panik, etwas zu verpassen, wenn man mal 10 Sekunden nicht alle Netzwerke durchforstet läßt nach.

Sprich, wir stehen eh alle vor dem Problem, den Ansturm an Informationen zu sortieren. Meine Antwort war: das Handy wegzuwerfen, mal aus dem Fenster zu schauen und die Welt wieder an meine Verarbeitungsgeschwindigkeit anzupassen. Mehr passiert eh nicht

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karin.italienfan 10.04.2016, 14:32
82. @ 56. Früher war doch besser ! claus_debold heute, 08:19 Uhr

Als Mädchen aufgewachsen in den 50er Jahren habe ich zwar nicht ganz so gefährlich gelebt, aber Ihr Beitrag spricht mir aus dem Herzen. Es ist der absolut schönste Beitrag in diesem Forum. RESPEKT!

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parlatan 10.04.2016, 15:01
83. die anderen sind immer anders Klug

ich würde einigen vorangegangnen Stimmen mich anschließen.
Die Jugend muss per biologischer Programmierung zunächst die gleichen Fehler wiederholen und andere Lösungswege ausprobieren obwohl die Lösung schon vorgelebt wird. (Evolution eben)

Nebeneffekt:
selbst Dinge die anders aussehen aber das gleiche Machen wie früher gelten als "hip". Damit entkommen sie ihrer unendlichen Langeweile der heilen Welt der von ihrer Sicht aus Scheintoten.
Wir waren genau so und bemerken es nicht.
Als würden wir in einer Zeitreise uns selbst beobachten wie wir waren und die Jugend ihre Zukunft zeitweise von der zu erwartenden langeweile angewiedert beobachtet.

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sanibel123 10.04.2016, 15:17
84.

Als ich noch ein kleiner Junge war und auch als Jugendlcher hatte ich noch "reale" Freunde, mit denen
etwas anzufangen war: Gemeinsam bolzen, Streiche machen oder auch helfen = anpacken können/müssen.
Heute sehe ich ein ganze Generation, die blind durchs Leben geht: den Blick auf Smartphone geheftet Und auch in Gesellschaft wild darauf ist keine SMS oder was auch immer zu verpassen. Einfach unbegreiflich. Das hat sicherlich etwas zu tun mit der Tatsache, dass es uns heute " besser" geht. Aber die heutige Vielfalt der Medien führt auch zu Vereinsamung: Man kann ja alle "Freunde" oder "Follower" jederzeit erreichen. Na, denn !

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nobody_incognito 10.04.2016, 16:20
85. Paradox

Zitat von fuffel
Wir leben in Zeiten der grundsätzlichen Skepsis an supra-nationalen Gebilden. Kaum jemand glaubt an die Möglichkeiten, dieses "International" zu adminstrieren. Sind doch alles Krisen der durchsetzbaren Gewalt. Dabei übersehen wir, dass es (bei all der Frustration) noch nie so gut lief zwischen Menschen und Staaten. Doch, es gibt ein Patentrezept - nur ist das halt furchtbar langsam und nicht gefeit gegen Rückschläge. Erweiterung der Freiheitsräume! Wir sind da doch schon recht gut vorangekommen: Kinder, Frauen, Tiere, sexuelle Selbstbestimmung...so Sachen
Irgendwo auch eine Sinnfrage und die wie man aus Verstand und Emotion zu etwas vernünftigem und nachhaltigem kommt. Das wär eine Fundamentalbedingung für die weitere Exisitenz, zumindest der Spezies, hier.
Das egomanische "Interesse" widerstrebt dem, d.h. man hat mehr die verhassten Rivalen im Blick als "das Ganze", definiert sich sogar als dialektische Opposition, ohne welche nur emotionale Leere wär. Da bleibt nur sich zurückzulehnen, "Leben und Sterben lassen", d.h. Freiheit im Sinne des "Loslassens" und Gottvertrauens.

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ke_karolus 10.04.2016, 16:26
86.

Zitat von hjo
Frau Berg, Ihre abschätzigen Bemerkungen über Wikipedia sind ja wohl völlig fehl am Platz und zeugen nur von mangelnder Kompetenz. Es mag ja sein, dass Individuen aus den Copy and Paste Generationen Wikipedia unkritisch nutzen, aber das tun sie dann auch mit allen anderen Quellen. Das ist das Problem dieser Leute und nicht von Wikipedia. Man muss bei der Faktenrecherche eben immer das notwendige Maß an Medienkompetenz beherrschen und kritisch sein. Wenn man das berücksichtigt, ist Wikipedia eine hervorragende Quelle, insbesondere für Überblicke und Hilfe bei der Suche nach Primäquellen.
wie ging denn so eine Kritik durch die Zensur.

Selbst Beiträge die nur 10% so harsch den Verfasser kritisieren, werden speziell bei den Kolumnen normalerweise nicht veröffentlicht.

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ke_karolus 10.04.2016, 16:30
87.

Zitat von GinaBe
Klar, frau Berg, Sie regen zum Wi9derspruch an, wollen, daß wir Foristen hier Ihnen Kontra geben, Sie von etwas anderem überzeugen... Nur SO kann ich mir Ihre Herablassung erklären, ...
Wie bitte?

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ke_karolus 10.04.2016, 16:34
88.

Zitat von lupenreinerdemokrat
So lernt man den Kindern schon im frühen Lebensjahr, dass man gefälligst Leistung und Anpassung zu zeigen hat, möglichst die unauffällige graue Maus zu sein hat ...
Was man die Kinder leider seit einiger Zeit nicht mehr lehrt, ist korrektes Deutsch.

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vera gehlkiel 10.04.2016, 16:44
89.

So wäre ich auch gern: bärtig seit eh und je, immer schon Familienvorstand, mit einer treusorgenden Gattin nah bei sich, vielleicht nur drei Schritte dahinter, gemessen durch die Einkaufszone schreitend. Um mich herum aufflatternde Tauben sowie nervöse Mädchen, deren Handy dauernd piepst, deren Hosen viel zu eng und viel zu kurz nach oben und unten zugleich sind, und neben deren blossen Bäuchen irgendwelche schlaffen Bubis rumstolzieren, die Frisuren auf dem Kopf haben, die ich meiner Frau niemals gestatten würde. Ich trüge meine Cordhose und mein Adventure-Hemd in der ruhigen Selbstsicherheit, dass beides voll und ganz Ausdruck meiner Individualität ist, die auch in meinem Sky-Abo sowie dem kleinen Betonbrunnen, den ich im Garten stehen habe, zum Ausdruck kommt. Und wenn ich des Nachts auch mal Online bin, um noch etwas beim allgemeinen Sich-Nackig-Machen dieser verrückten Selbstveräusserer amüsiert zuzuschauen, dann ist das Mädchen, dem ich schliesslich gestatte, mich bei sich zu Gast zu haben, die Eine, die so ganz anders ist. Für sowas habe ich nämlich einen untrüglichen Blick. Manchmal möchte man schon lieber such a man sein. Man wüsste fast alles, würde sich kaum etwas fragen, wäre niemals hektisch, unausgeglichen oder schwankend in seiner Stimmung, auch wenn man ab und zu gerade nicht seine Tage hat. Mist: warum ist mir dieser straighte Kerl nur nicht über den Weg gelaufen, und hat das Schicksal mich dazu verdammt, eine total farblose, militante, sich alles grau in grau wünschende, zutiefst männerhassende Feministin zu sein? Ich glaub, ich mach selbst nen Blog auf, für auskurierte alte Emanzen, die endlich die tiefere kulturgeschichtliche Bedeutung der Missionarsstellung, der konservativen Kleiderordnung, des Jägerzauns und der Folgsamkeit des Weibes begriffen haben. Hoffentlich krieg ich so noch einen der heissbegehrten Passatfahrer ab, ich weiss ja, da ist richtig Konkurrenzdruck auf dem Kessel! Ich hätte nicht immer so frech sein sollen!

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