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Sexismus-Debatte: Falsche Solidarität
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Immer neue Vorwürfe: Mächtige Männer sollen bedrängt, missbraucht und vergewaltigt haben. Schlimm? Für manch konservativen Feuilleton-Mann gibt es offenbar Schlimmeres: Die angebliche Ungerechtigkeit der Debatte.

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r.mehring 11.11.2017, 08:33
10. Ah! ça ira, ça ira, ça ira,

Ich habe mich immer gefragt was das für Frauen waren die in der französischen Revolution Aristokraten förmlich zerrissen und dann die Überreste dann durch die Straßen geschleift haben. Die gejubelt haben wenn die Köpfe in den Korb der Guillotine gefallen sind. Nach dem Lesen dieses Artikeln kann ich es mir besser vorstellen. Vielen dank an die Autorin

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Steve Holmes 11.11.2017, 10:02
11. Rechtsstaatlichkeit ist ein hohes Gut

Nicht jeder oder jede die beschuldigt wird, ist auch schuldig. In Los Angeles hat die Staatsanwaltschaft jetzt eine Sondereinheit gegründet um den Vorwürfen in der Medienbranche nachzugehen. Warten wir in Ruhe ab was deren Nachforschungen ergeben.

Auch nicht jede Belästigung (ob sexuell oder nicht) ist eine Straftat. Viel mehr müssen wir alle damit leben und sollten uns da etwas entspannen.

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l.augenstein 11.11.2017, 11:29
12. Warum soll man sich mit den Beschuldigten solidarisieren?

Was die gemacht haben, ist unentschuldbar. Allerdings frage mich ich mich inzwischen bei einigen Anschuldigungen, ob da noch Wahrheit oder schon Sensationsheischerei mit im Spiel ist. Wenn da von Frauen berichtet wird, sie hätten solchen Typen beim Masturbieren "zuschauen müssen" frage ich mich schon, warum die nicht einfach aufgestanden und gegangen sind? Durch wen oder was wurden die daran gehindert? Und wie glaubwürdig sind solche Aussagen dann?

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ronny_kaufmann 11.11.2017, 11:35
13.

Die größten Feinde des Feminismus sind Damen wie Sie - Ich sehe mich als klarer Befürworter der Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann und halte es für überaus wichtig, dass Frauen keine Angst vor sexistischen Übergriffen haben müssen. Ich teile diese zentralen Forderungen des Feminismus.

Das Ende von sexistischen Übergriffen erreichen wir allerdings nicht, wenn Sie die Männer pauschal als potentielle Triebtäter titulieren und (wie so manch andere Feministin auch) völlig ausblenden, dass ein Mann eben auch unschuldig sein kann. Der halbsätzige Hinweis wirkt in Ihrem Artikel eher nach einem Feigenblatt, statt einer gelebten Überzeugung.

Erinnern möchte ich an dieser Stelle an Herrn Kachelmann. Nach seinem Freispruch hat Frau Schwarzer in einem Interview gesagt, Herr Kachelmann hätte trotz Mangel an Beweisen schuldig gesprochen werden müssen, denn sonst würden sich tatsächlich misshandelte Frauen nicht mehr trauen, die an ihnen begangenen Straftaten zur Anzeige zu bringen.

Was Sexismus im Alltag betrifft, möchte ich Sie auffordern, mal eine klare Grenze zu definieren. Selbst als verheirateter Mann ohne Interesse an einer anderen Frau als die meine traue ich mich kaum, mit meinen Kolleginnen auf der Arbeit ein Gespräch auf privater Ebene zu führen.

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carinanavis 11.11.2017, 11:43
14. Defensivhaltung

Zitat von r.mehring
Ich habe mich immer gefragt was das für Frauen waren die in der französischen Revolution Aristokraten förmlich zerrissen und dann die Überreste dann durch die Straßen geschleift haben. Die gejubelt haben wenn die Köpfe in den Korb der Guillotine gefallen sind. Nach dem Lesen dieses Artikeln kann ich es mir besser vorstellen. Vielen dank an die Autorin
Frau Horn hat im Grunde völlig recht, es geht ihr nicht um Rache sondern um Gerechtigkeit und das Verhindern von zukünftigem sexuellen Missbrauch. Leider verfällt sie oft in die feministische Terminologie, die derartige Straftaten hauptsächlich als Sexismus aus dem weiblichen Blickwinkel sieht. Immerhin zeigt das Aufhängerbild von Kevin Spacey, dass dieses Problem eben nicht nur auf Sexismus beruht. Ein SPON-Artikel von heute über die sexuelle Gewalt gegenüber Männern im libyschen Bürgerkrieg lässt erahnen, welche Dimensionen das Thema hat.

Es sind der Missbrauch persönlicher Macht und das Bewusstsein, ungestraft jedes Verbrechen begehen zu können, die all diesen kriminellen Taten zugrundeliegen. Reiner Sexismus ist das sicher nicht, doch da bisher auch in den westlichen Staaten vorwiegend heterosexuelle Männer in Machtpositionen sind, waren auch viel mehr Frauen die Opfer. Wird der momentan zu vernachlässigende sexuelle Missbrauch durch Frauen als Täter (von anderen Foristen erwähnt) zunehmen, wenn der Frauenanteil in Führungspositionen steigt? Jedenfalls ist es gut, das Prominente auch nach 30 Jahren für ihre Straftaten öffentlich angeprangert werden, allein schon wegen der breitenwirksamen Vorbildfunktion.

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samsix 11.11.2017, 11:57
15. Vorverurteilung

Es ist an der Zeit, dass die vierte Macht im Staate sich wieder stärker selbst reguliert. Gemäss dem hiesigen Pressekodex hat eine Berichterstattung mit der Gefahr der Vorverurteilung zu unterbleiben. Hiergegen verstösst die Veröffentlichung dieses Kommentars in eklatanter Art und Weise. Der Alibihalbsatz zur Unschuldsvermutung ist dabei schon fast eine Verhönung des selbstauferlegten Selbstverständnisses und der Betroffenen.

Hier läuft die Presse ganz allgemein die Gefahr Forderungen nach der Einschränkung solcher Freiheiten selbst zu provozieren.

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r.mehring 11.11.2017, 12:03
16. Das Thema ist nicht Sexismus...

... das Thema ist Machtmissbrauch. Das haben viele Foristen sehr richtig erkannt. Das Thema ist Willkür, Ohnmacht und Rechtlosigkeit gegenüber Geld und Einfluss. Ob sich das in sexueller Belästigung äußert oder durch willkürliche Entlassungen, oder durch Schikanen von Behördenseite, oder gar durch Missbrauch von Messdienern durch die Kirchenfürsten. Es ist immer die Gleiche Seite der Medaille.

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zimond 11.11.2017, 12:11
17. @Kommentar #1

Sie schildern doch exakt das große Problem an der Sache! Sie akzeptieren durch ihr Verhalten die Rolle des potenziellen Straftäters der stets durch offenen Türen dafür sorgen muss das andere immer beweisen können das sie nichts schlimmes gemacht haben. Und was soll an Komplimenten bitte schlimm sein sofern sie höflich und nicht vulgär sind? Fälle wie Weinstein und Spacey sind eindeutige Fälle von sexueller Belästigung mit deutlichen Grenzüberschreitungen. Aber deswegen jeden Blick, jeden noch so kleinen Spruch mit dem gleichen Maßstab zu messen vergiftet einfach nur die Atnosspähre zwischen den Mitmenschen.

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mintyapple 11.11.2017, 12:12
18.

Zitat von christian simons
Man könnte auf die Idee kommen, dass der Fall Spacey vor allem deshalb ein Ärgernis ist, weil er das Monopol der feministischen Opferrolle relativiert.
Wenn dem so wäre, würde man sich doch bemühen, Spaceys Missetaten zu marginalisieren oder ganz unter den Tisch fallen zu lassen, aber das Gegenteil ist der Fall. Sehr wahrscheinlich erhofft man sich einen erhellenden Effekt: wenn mehr Männer anfangen zu begreifen, dass "so was" auch ihnen passieren kann, dass ihr Geschlecht sie nicht schützt, dann hören vielleicht endlich diese völlig sinnfreien Solidarisierungsreflexe auf.

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rgsf 11.11.2017, 12:41
19. Es wird Zeit für Deutschland

Aufwachen tut Not. Ich habe ebenfalls wie gs310167 über 20 Jahre in den USA gelebt und musste mich auch erst an die von ihm beschriebenen Verhaltensweisen gewöhnen bin aber der Meinung die sind komplett angebracht. Wie soll man sonst Schwächere wirkungsvoll schützen? Und wenn ich dann D besuchte fand ich es merkwürdig wie eklig sich manche Frauen behandeln ließen ohne aufzumucken. Das Level auf dem die Debatte in den USA läuft ist deutlich fortgeschrittener als in D, da haben wir hier noch Nachholbedarf, die Autorin inklusive. Kevin Spacey‘s Opfer waren ebenfalls weiße Männer! Ein Kulturwandel zu echter Gleichberechtigung, Minderheitenschutz (nicht das Diktat der Minderheiten) und Achtung der Persönlichkeitsrechte von allen Einzelnen dauert eben, was ihn aber nicht weniger erstrebenswert und notwendig macht.

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