Forum: Kultur
Sexismus-Debatte: Falsche Solidarität
Getty Images

Immer neue Vorwürfe: Mächtige Männer sollen bedrängt, missbraucht und vergewaltigt haben. Schlimm? Für manch konservativen Feuilleton-Mann gibt es offenbar Schlimmeres: Die angebliche Ungerechtigkeit der Debatte.

Seite 3 von 8
eric_hier 11.11.2017, 12:49
20. Kenne keinen Mann

der sich wegen sexueller Belästigung beschwert hat.
Zitat: "Immer mehr Frauen und Männer trauen sich, von dem zu erzählen, was ihnen passiert ist." Sexuelle Belästigung ist selbstverständlich ein absolutes "No-Go" und muss folgerichtig auch hart geahndet werden. Ich wünsche mir bei all der Diskussion und der medialen Präsenz über sexueller Belästigung, dass es vielleicht mal eine Liste für Männer gibt mit dem, was erlaubt ist. Eine Liste, die klar definiert, was Flirt ist und wo Flirt aufhört, wo ein Spruch als Flirt gilt oder eine dumme Anmache und somit sexuelle Belästigung ist.

Beitrag melden
Japhyryder 11.11.2017, 13:22
21. Betr.: Falsche Solidarität

So, wie dieser Kommentar von Frau Horn, finde ich alle bisherigen Artikel zum Thema Sexismus nachdenkenswert. Überrascht mich die Vielzahl derjenigen, die Opfer von Übergriffigkeit und Schlimmerem wurden? Eigentlich nicht. Von Kindheit an habe ich immer wieder Situationen erlebt oder mitbekommen, die mir im Umgang zwischen Mann und Frau unangenehm waren. Das fing mit dem Angaffen und blödem Hinterherpfeifen an, Antatscherei bis zu Fällen von Bedrohung. Ich habe wiederholt zu einigen Typen gesagt: Hör endlich mit diesem Angaffen auf, merkst Du nichts? Sie will nichts von Dir! Das ist ja peinlich, Mann!" - "Wieso? is doch lustich??" Ja. "Lustisch". Es gab unangenehme Situationen zuhause, es gab unangenehme Situationen in der Schule, bei der Arbeit, im Bekanntenkreis, eigentlich überall. Nicht täglich. Aber wer Augen im Kopf hat, konnte es mitbekommen. Es gab unangenehme Gespräche über Sex, "Weiber", "Tussen" und so weiter. Ich denke, dass es dringend notwendig ist, diese Dinge beim Namen zu nennen.

Beitrag melden
christian simons 11.11.2017, 14:01
22.

Zitat von mintyapple
Wenn dem so wäre, würde man sich doch bemühen, Spaceys Missetaten zu marginalisieren oder ganz unter den Tisch fallen zu lassen, aber das Gegenteil ist der Fall. Sehr wahrscheinlich erhofft man sich einen erhellenden Effekt: wenn mehr Männer anfangen zu begreifen, dass "so was" auch ihnen passieren kann, dass ihr Geschlecht sie nicht schützt, dann hören vielleicht endlich diese völlig sinnfreien Solidarisierungsreflexe auf.
Wenn ich die feministischen Wortmeldungen zum Fall Spacey der letzten Wochen Revue passieren lasse, dann fällt folgendes auf: Der mutmaßliche Täter wird einerseits nicht marginalisiert, weil er in das Feindschema "alter, weisser Mann" passt. Die mutmaßlichen Geschädigten werden andererseits sehr wohl marginalisiert, weil sie nicht in das Opferschema "junge Frau" passen.

Lesen Sie den Beitrag von Frau Horn nochmal durch, dann werden Sie feststellen, wie sorgfältig sie in der Causa Spacey die Geschlechtszuordnung der Leidtragenden vermeidet: Da ist betont neutral von "minderjährigen Opfern" oder "Vorwürfen der unterschiedlichsten Menschen" die Rede. Daran wird ziemlich deutlich, dass man auf feministischer Seite kein Interesse daran hat, den erwünschten eindeutigen Frontverlauf zwischen Mann und Frau zu stören.

Beitrag melden
rainer.stark.e 11.11.2017, 14:11
23. Missbrauch hat viele Gesichter. Z.B. Geistlicher Missbrauch.

Es ist immer ein positiver Entwicklungsschritt, wenn eine Gesellschaft bereit ist sich einem Sozialen Missstand zu stellen. In diesen Tagen ist es das längst überfällige Thema sexueller Missbrauch. Ich frage mich, was dazu führt, dass ein Thema scheinbar auf gesellschaftlich reifen Boden fällt damit es aufgenommen und diskutiert werden kann und im besten Fall sich daraus neue, Menschen achtende und in der breiten Masse angenommene Normen entwickeln. Es gibt mehr Themen im Kontext Missbrauch auf die leider noch kein Fokus liegt. Zum Beispiel das Thema geistlicher Missbrauch der Menschen ebenso stark schaden kann wie sexueller Missbrauch (Hier geht es nicht um einen wertenden Vergleich!). Beides ist sehr intim und zerstörerisch. Auch hier haben Betroffenen in der Regel kein Forum. In vielen auch anerkannten, religiösen Gemeinschaften ist dies ein Problem. Besonders aber bei Evangelikalen wie charismatischen Freikirchen (z.B. dem BFP) die sich als scheinbar besonders offen und modern vermarkten aber im Kern sehr oft destruktive Gruppen sind. Ich würde mir auch hier einen notwendigen, mutigen Diskurs wünschen.

Beitrag melden
stesch 11.11.2017, 15:09
24. Coming out

Ich habe lange geschwiegen, aber jetzt muss es raus: Mir wurde zugezwinkert, mir wurden Witze erzählt, über deren sexuellen Details ich lieber schweigen möchte, es wurden Nachrichten mit eindeutigen Angeboten geschrieben, mir wurde auf den Hintern geschaut und dessen Form kommentiert, und ich musste Brust-zu-Brust Berührungen erdulden, obwohl wir erst seit einer Stunde bekannt waren.
Ich habe, auch wenn der Gegenüber nicht mein Typ war, nichts gesagt, darüber gelacht oder wenn es nicht zu vermeiden war, die Grenze mit einem "Sorry, nein." gezogen. Bisher glaubte ich, daß ich damit fertig würde und daß dieses Verhalten zum - manchmal ungewollten - Flirten gehört. Zugegebenermassen war ich ja auch manchmal interessiert.
Habe ich alles falsch gemacht?
Das sollte ich vielleicht doch erwähnen: Ich bin ein Mann.
Und es waren Frauen, die sich so verhalten haben.

Beitrag melden
vincent-april 11.11.2017, 15:37
25. Ein Blumenstrauß ist sexuelle Belästigung?

Ein Blick ist sexuelle Gewalt? Ich finde das absurd. Aus meiner Sicht zerstören Sie die Chance, dass tatsächlich etwas besser wird, das z.B. das grabschen nicht mehr akzeptiert wird.

Beitrag melden
brohltaler 11.11.2017, 16:10
26. Zerstörte Vertraulichkeit!

Fau Horn fügt sich ein in den "Chor der Klageweiber", (ist dieses Zitat nunmehr sexistisch?) der derzeit ein "gar schaurig Lied" vom bösen Mann glaubt singen zu sollen. Mir völlig unverständlich, dass nach Jahrzehnten Feminismus noch immer solch ein Selbstmitleid so fröhliche Urständ zu feiern vermag. Welche Frau war denn auch bereits vor einem Vierteljahrhundert nicht dazu in der Lage, einen der er ihr dumm kam, in den Senkel zu stellen? Mir ist in nahezu 45 Jahren Berufsleben kein einziges dieser "Seelchen" begegnet. Selbstbewusst und offensiv haben sie Interessen wahrgenommen und mindestens so oft wie ihre männlichen Kollegen "das Schlachtfeld" als Siegerinnen verlassen! Ich frage mich wirklich, wie es kommen kann, dass so ein Ar.....ch wie dieser Weinstein, eine bestimmte Richtung der Frauenbewegung dazu bewegen kann, plötzlich die halbe Männerwelt zu "Fötchensföhler", wie der Rheinländer sich auszudrücken beliebt, abzustempeln. Was steckt da dahinter? Vernünftige Frauen, die was von Emanzipation verstehen, halten das ganze nicht nur für völlig übertrieben, sonderen gar auch für kontraproduktiv. So bezeichnet die Kriminologin und Feministin Monika Frommel die Debatte als "Auswuchs einer mediengeilen Gesellschaft" und stellt fest, "dass Solidarität über den Opferstatus hergestellt werden soll". Und die #metoo-Kampagne hält sie für sinnentleert, die in einem Klima von Sexualfeindlichkeit, Geilheit und der Kommerzialisierung von Sexualität gedeihe. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kriminologin-monika-frommel-zu-metoo-kokettieren-mit-der-opferrolle.4d8f3961-ce63-4ab3-aad4-1a6153295f5c.html
Offen gestanden, ich bin froh, dass ich nicht mehr im Berufsleben stehe. Ein vertrauliches Gespräch zwischen Kollegin und Kollegen, zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiterin (und natürlich umgekehrt) ist ja fast nur noch unter Zeugen führbar. Und dann ist es eben nicht mehr vertraulich. Albtraumhaft!

Beitrag melden
leidernein 11.11.2017, 16:39
27. Wie nett

Über die Kollegen hergezogen wird, mit durchaus merkwürdigen Thesen... woher die Kompetenz von Frau Horn kommt, zu der Debatte inhaltlich beitragen zu können, wird leider nicht erwähnt. Insgesamt ein schwacher Kommentar ohne nennenswerten Inhalt.

Beitrag melden
holger2010 11.11.2017, 16:44
28. Ich bin weiss und männlich und das ist gut so

Ich bin weiss und männlich und das ist gut so meine Damen und Herren. Dass ich ständig angefeindet werde, weil einzelne ebenfalls weisse männliche Idioten ihre Macht missbrauchen, kann ich wegstecken ohne mich als Opfer aufzuspielen - denn frei nach He-man, dem Fellunterhosen tragenden Master of the Universe: Ich habe die Macht! So und am Montag geh ich ins Büro und trommel mir auf die Brust wie Tarzan. :)

Beitrag melden
aeckermann 11.11.2017, 17:12
29. Schwieriges Problem

Ich will in meinem Beitrag auf einen Nebenaspekt der Sexismusproblematik hinweisen. Eine Kollegin beschwerte sich bei mir oft über anzügliche Bemerkungen ihres Vorgesetzten. Dann erlebte ich bei einer Weihnachtsfeier, wie sie diesen "Macho" umgarnte. Ich traute meinen Augen nicht. Nun kann man diesen Fall nicht so
verallgemeinern, dass dabei "So sind sie halt, die Weiber!" herauskommt. Nachdenklich macht es auf jeden Fall.
Welche Rolle spielt in der Realität die Attraktivität des übergriffigen Mannes? Lässt frau mehr zu, wenn er gut aussieht oder reich ist?

Beitrag melden
Seite 3 von 8
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!