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Sexismus-Debatte: Falsche Solidarität
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Immer neue Vorwürfe: Mächtige Männer sollen bedrängt, missbraucht und vergewaltigt haben. Schlimm? Für manch konservativen Feuilleton-Mann gibt es offenbar Schlimmeres: Die angebliche Ungerechtigkeit der Debatte.

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scharfekante 12.11.2017, 09:49
60.

Die deutschen aeltlichen Herren stellen sich offenbar duemmer als sie sind: Sie wissen sehr genau, dass es hier nicht um "Sex" als solchen geht, sondern um die schamlose Ausnutzung einer Machtposition - am Arbeitsplatz, in der Kunstszene, im Sport oder der Kirche - zur sexuellen oder sexistischen Grenzueberschreitung. Die Taeter, wie auch diejenigen, die darueber schreiben wie ebendiese aeltlichen Herren, wissen sehr genau, dass sie in einem umgekehrten Machtverhaeltnis wie etwa gegenueber ihrer Richterin oder Personalchefin ihre angeblichen "Triebe" sehr wohl zuegeln koennten.

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gimme 12.11.2017, 10:10
61. Wahrheit als Definition

ZITAT: Die Unschuldsvermutung gilt selbstverständlich auch für Kevin Spacey, doch ist es angesichts der vielfältigen Vorwürfe unterschiedlichster Menschen nötig und angemessen, ausgerechnet ihn jetzt zum Opfer zu stilisieren? Ganz sicher nicht. ZITAT ENDE

Solche Kommentare sollten jemanden im postfaktischen Zeitalter der fake news direkt disqualifizieren, öffentlich zu schreiben. Hier werden neue Definitionen von Wahrheit propagiert (wenn genug Menschen schreien, wird es schon stimmen), die in unserer Zeit auch mit Blick auf unsere Vergangenheit brandgefährlich sind.

Das Versagen des Journalismus bei solchen Themen, das undifferenzierte Mitheulen auf Twitter Niveau, das alles wird sich auf lange Sicht negativ auswirken.

Wie lange wird es dauern, bis diese Art der öffentlichen Anschuldigungen als politisches Instrument missbraucht werden? Wie weit wollen wir uns noch von objektiven Wahrheiten entfernen? Solche Kommentare machen mir Angst.

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Der_schmale_Grat 12.11.2017, 10:38
62. Weg von Mann vs Frau

Hin zu TäterIn versus Betroffenem/in. Übergriffe sind keine Frage des Geschlechts. Besonders schlimm wird es, wenn Macht im Spiel ist, da sind durchaus Männer in einigen Berufen im Vorteil und glauben sich mehr herausnehmen zu können. Es bleibt abzuwarten, was Macht mit Frauen macht, wenn sie diese noch mehr haben. Es geht also vermutlich nicht nur um den Chromosomensatz, sondern auch um Persönlichkeitseigenschaften und Strukturen.

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neurobi 12.11.2017, 10:47
63.

Bei körperlichen Übergriffen, bei sexueller Nötigung durch Ausnutzung von Macht sind wir uns alle einig. Auch sexuell motiviertes Stockinger geht gar nicht.
Aber genauso wenig geht das was etwa Frau Chibli gemacht hat. Was ist an dem von ihr angeprangerten Sätzen sexistisch?
Der erste Teil, das sie so jung ist, ist ein Kompliment bezüglich ihrer Kompetenz. Der Zweite ein persönliches oder darf man einer Frau nicht mehr sagen, dass sie gut aussieht? Alles in höflicher Form.

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Japhyryder 12.11.2017, 10:53
64.

Zitat von fanasy
schön alle Vorteile aus den sexuellen Anzüglichkeiten (früher hochschlafen genannt) herausziehen, und später, wenn alles in trockenen Tüchern ist, sexuelle Belästigung posaunen. Ein Aufschrei zum Zeitpunkt des Geschehens wäre ehrlich gewesen und hätte mehr Wirkung gehabt. So aber ließ man es geschehen und ist somit für viele weitere Opfer mitverantwortlich. In ein paar Wochen wenden sich alle ab und denken, ja so ist es halt,bei der Menge an "Vorfällen".
"Ein Aufschrei zum Zeitpunkt des Geschehens wäre ehrlich gewesen und hätte mehr Wirkung gehabt". Hm. Da fällt mir ein Artikel ein, der seinerzeit in der Frankfurter Rundschau erschienen ist und über mutmaßliche Missbrauchvorfälle in einem deutschen Internat berichtete. Was geschah? Nichts. Ich glaube zwei Jahre später, als sich einige Betroffene vehementer an die Öffentlichkeit wendeten, wurde darüber in mehreren Zeitungen berichtet. Was bei den Recherchen herauskam, die weit über die Vorkommnisse in diesem Internat hinausgingen, dürfte den meisten bekannt sein. Und es wurde in nicht seltenen Fällen von den Verantwortlichen versucht zu verharmlosen und zu vertuschen. Das was passierte, geschah über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Man hat weggeschaut, es hatte offenbar niemanden interessiert. Hat diese Berichterstattung, ausgelöst von denjenigen, die den Mut hatten, sich mit ihren Erlebnissen hervorzuwagen, etwas gebracht? Hat es etwas bewegt, dass Medien recherchierten und über diese Vorgänge berichteten? Hat es dazu geführt, dass viele Menschen entsetzt waren und Konsequenzen einforderten? Ich meine, ja.
Es geht hier nicht um Sexualität, Liebe, Komplimente, Blumensträuße, Romanzen. Es geht um Grenzüberschreitungen, Missbrauch und abgefucktes Verhalten. Ich finde schon, dass darüber berichtet und diskutiert werden darf.

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mintyapple 12.11.2017, 11:31
65.

Zitat von christian simons
Daran wird ziemlich deutlich, dass man auf feministischer Seite kein Interesse daran hat, den erwünschten eindeutigen Frontverlauf zwischen Mann und Frau zu stören.
Wo lesen Sie denn aus Formulierungen wie "subtilen, strukturellen Sexismus, der Frauen und Männern immer noch aus jeder Pore der Gesellschaft entgegenwabert" oder "Immer mehr Frauen und Männer trauen sich, von dem zu erzählen" oder "Immer mehr Frauen und Männer haben keine Lust mehr auf Altherrenwitze" heraus, dass die Autorin einen Frontverlauf zwischen Männern und Frauen propagieren möchte? Der Artikel versucht genau das Gegenteil.

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MTMinded 12.11.2017, 13:18
66. Kurze Frage...

Wieso haben die Anschuldigungen gegen Schauspieler Auswirkungen auf ihre Auszeichnungen?
In den Nominierungsregeln des Oscar hab ich keine Klausel zum Thema moralische Lebenseinstellung gefunden.
Was hat also das fehlerhafte Verhalten der Preisträger mit ihrer rechtmäßigen Ehrung für schauspielerische Leistungen zu tun?
Uli Hoeneß musste auch keine seiner mit dem Verein gewonnenen Trophäen abgeben, als er wegen Steuerhinterziehung erwischt wurde. Könnte man die Debatte also bitte sachlich und themenbezogen führen?

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christian simons 12.11.2017, 13:21
67.

Zitat von mintyapple
Wo lesen Sie denn aus Formulierungen wie "subtilen, strukturellen Sexismus, der Frauen und Männern immer noch aus jeder Pore der Gesellschaft entgegenwabert" oder "Immer mehr Frauen und Männer trauen sich, von dem zu erzählen" oder "Immer mehr Frauen und Männer haben keine Lust mehr auf Altherrenwitze" heraus, dass die Autorin einen Frontverlauf zwischen Männern und Frauen propagieren möchte? Der Artikel versucht genau das Gegenteil.
Pardon, ich hätte mich präziser ausdrücken müssen:
Die Autorin hat im Sinne des Feminismus kein Interesse daran, den Frontverlauf zwischen männlichen Tatern und weiblichen Opfern zu stören.
Sie möchte zwar den modernen Mann als Verbündeten gegen den Sexismus der "alten, weißen Herren" gewinnen, aber sie vermeidet alle Formulierungen, die klarstellen, dass Kevin Spaceys mutmaßliche Opfer männlichen Geschlechtes waren. Das ist nur von "Minderjährigen" und "Menschen" die Rede.
Das ist es, was ich mit Opferrollenmonopol meine.

Und sie steht damit nicht alleine: Frau Stokowski zB erwähnt in ihren letzten drei Kolumnen zu diesem Thema ausschließlich die Fälle, in denen Frauen das Opfer von Übergriffen wurden (Weistein, Polanski, Cosby etc.) Der Fall Spacey mit seinen männlichen Geschädigten scheint ihr da irgendwie nicht so richtig ins Konzept zu passen.

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LarsKockskämper 12.11.2017, 13:24
68.

Sie ersetzen den angeblichen Sexismus von Männern gegenüber Frauen durch den Sexismus von Frauen gegenüber Männern. Ich bin ein Mann, aber was habe ich mit den Spaceys oder Weinsteins dieser Welt gemeinsam? Ja, wir alle haben einen Penis. Das ist aber auch schon alles. Man sieht auch an der aktuellen Debatte, dass es eben keine Unschuldsvermutung mehr gibt. Jede Beschuldigung sei sie noch so unbewiesen wird sofort als Tatsache hingenommen. Da kann der Mann noch so sehr abstreiten. Und in diesem Klima wird es auch Frauen geben, die eben einfach mal jemanden anklagen um entweder wieder ins Gespräch zu kommen oder gezielt einem Mann zu schaden. Auch mehrfache Beschuldigungen sind kein Beweis. Hope Solo belastet den Ex-FIFA-Präsidenten. Es gibt sicher viele Frauen, die diesen Mann nicht leiden können. Also flott auf den Zug aufspringen und Blatter so noch mehr zu diskreditieren. Und auch bei der Definition, was Sexismus eigentlich ist, muss ich an den Ausführungen im Artikel etwas kritisieren. Wer definiert sich als Opfer? Wer definiert Sexismus? Einen Blumenstrauß zu schicken ist also schon Sexismus? Oder ein nettes Kompliment? Das ist krank!!! Als Mann muss man eigentlich daraus schließen, dass man wir Kommentator Nummer 1 am besten auf den Boden schaut wenn man mit fremden Frauen spricht. Ich mache es auch so wie Kommentator 1: Niemals alleine sein mit fremden Kindern oder Frauen. Niemals in einem Aufzug alleine sein mit einer Frau. In Warteschlangen meine Hände die ganze Zeit über in den Hosentaschen halten. Keiner Frau auch nur ansatzweise Komplimente machen. Und natürlich auch keiner Frau mehr die Tür aufhalten oder ihr helfen wenn sie aus dem Auto steigt. Komisch ist auch, dass wohl jede Frau darauf bestehen wird in einem Hotelzimmer, in dem es nur ein Bett gibt, dieses exklusiv nutzen zu dürfen und den Mann auf die Couch zu verweisen.

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buddha2709 12.11.2017, 14:22
69. Grenzen

Grenzen können nur überschritten werden, wo sie bestehen.

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