Forum: Kultur
Sexismus-Debatte: Museum in Manchester hängt Gemälde ab
imago/ United Archives International

Eine Szene aus der griechischen Mythologie löst eine Zensur-Debatte aus: Die Manchester Art Gallery hat das Waterhouse-Gemälde "Hylas und die Nymphen" aus dem Jahr 1896 entfernt. Stattdessen gibt es Platz für Diskussionsbeiträge.

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im_ernst_56 02.02.2018, 09:17
180. Je später der Abend

Zitat von zx6
Es gibt immerhin Besucher, die aus Kulturen kommen, die das nicht ok finden. Das sollte man respektieren. Sowas gibt es in deren Herkunftsländern eben nicht. Das ist doch nicht so schwer zu verstehen. Und mal ehrlich, wem wird da etwas weggenommen? Niemandem.
desto unverständlicher die Kommentare. Das Bild wurde nicht abgehängt, weil sich Besucher aus anderen Kulturen (Sie meinen vermutlich die islamische Kultur?) über das Bild beschwert haben. Und selbst wenn: Wer in eine europäische Gallerie bzw. ein Museum geht muss damit rechnen, dass dort solche Bilder hängen, wie er ebenso damit rechnen muss, im Sommer mit dem Anblick leicht bekleideter Menschen konfrontiert zu werden. Müssen wir uns deshalb den Erwartungen der Besucher aus anderen Kulturen anpassen? Und wieso wird niemandem etwas weggenommen? Das Bild hängt nicht mehr und kann nicht mehr betrachtet werden. Ist bei Ihnen das Bedürfnis nach Unterwerfung schon schon soweit fortgeschritten, dass Sie gar nichts mehr merken?

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theanalyzer 02.02.2018, 09:28
181.

Zitat von Little_Nemo
.... Es liegt auch ein Wert darin, anhand solcher Werke überholte Wertvorstellungen studieren zu können und mahnend im Gedächtnis zu behalten ...
Wer definiert bitteschön, welche Wertvorstellungen überholt sind? Sagt Ihnen der Begriff "Pluralistische Gesellschaft" irgendetwas? Eine jede Wertvorstellung muß ihren Raum haben, Das nennt sich Freiheit und Demokratie.

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im_ernst_56 02.02.2018, 09:34
182. So ist es

Zitat von Axel Schön
Was bitte ist das für ein Beitrag zur Kunstgeschichte, wenn Wissenschaftler die Werke, die sie ihrer zufälligen aktuellen Gesinnung zufolge für kritikwürdig ansehen, einfach abhängen? In 30 Jahren wird es Menschen geben, die wiederum andere Ansichten zu vielleicht anderen Werken der Kunstgeschichte haben - vor 70 Jahren gab es Bücherverbrennungen - seht ihr die Parallelen nicht? Warum nicht über das Bild streiten, es aber dort hängen lassen? Statt des Bildes nun dort eine analoge Kommentarfunktion zu installieren erzeugt nichts als Beliebigkeit, so wie wir sie bis zum Erbrechen aus den Kommentarspalten im Internet kennen - höchstwahrscheinlich inklusive Pöbeleien. Das soll Sinn machen? Wir sind auf dem besten Weg in die Diktatur einer falsch verstandenen Moral zu schlittern und leider erinnert mich das alles immer mehr an die Prüderie der Nachkriegszeit. Nur dass es jetzt mit dem Motiv der politischen Korrektheit geschieht - es vollzieht sich eine ungesunde Verkrampfung von Öffentlichkeit, die eine Tendenz zum Totalitarismus in sich trägt (und keine anderen Ansichten außer der eigenen gelten lässt) - und leider wird sie von vermeintlich aufgeklärten, modernen Menschen getragen, die ihre Ansichten dem Rest der Welt mit der Keule der Moral und Political Correctness vorzuschreiben versuchen - ohne selbst zu merken, wie fanatisch sie denken und handeln. Bis dato haben wir "aufgeklärten westlichen Menschen" stets den Fanatismus anderer Kulturen kritisch betrachtet und uns hochmütig darüber erhoben - siehe der religiöse Fanatismus im Islam. Nun muss sich unsere Kultur allmählich vorwerfen lassen, selbst an dieser gesellschaftlichen Dysfunktion zu leiden. Als hätten wir keine anderen Probleme oder anders ausgedrückt: als gäbe es keinen anderen Weg der kritischen Auseinandersetzung als dieser verbiesterte, als Kreuzritter der "unfehlbaren" Moral.
Es hat im letzten Jahrhundert Zeiten gegeben, in denen die Herrschenden den Zeitgeist, dem sie ihre Herrschaft verdankten, für absolut, ewig und unveränderlich gehalten und dies auch auf die Kunst projeziert haben. Damit meine ich nicht nur die Zeit von 1933 bis 1945. Auch in der DDR war die Freiheit der Kunst aus ideologischen Gründen eingeschränkt (sozialischer Realismus). Es ist das Merkmal von Ideologien, dass sie sich für absolut halten.

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Little_Nemo 02.02.2018, 09:59
183. Was uns etwas sagt

Zitat von theanalyzer
Wer definiert bitteschön, welche Wertvorstellungen überholt sind? Sagt Ihnen der Begriff "Pluralistische Gesellschaft" irgendetwas? Eine jede Wertvorstellung muß ihren Raum haben, Das nennt sich Freiheit und Demokratie.
Wer das definiert? Imgrunde doch jeder für sich, oder? Das ist ja gerade der Punkt. Hier hat es eine Kunstaktion gegeben, bei der unter Bezugnahme auf eine aktuelle Debatte ein Bild abgehängt wurde. Man kann - schon aufgrund des Wertes dieses Bildes - wohl davon ausgehen, dass es nicht für alle Zeiten in einem Keller vor sich hin gammeln wird. Und es gibt auch bei weitem drastischere Bilder. Es wird vermutlich schon bald wieder an seinem Platz sein. Was die Aktion will ist eine Diskussion anzustoßen. Das ist ihr offenbar gelungen, wenn es auch in weiten Teilen mal wieder nur auf ein Herausblöken der altbekannten Resentiments hinausläuft. Wie bei jeder Gelegenheit, die sich bietet und irgendwie günstig erscheint. Aus irgendwelchen Gründen sind eben manche Menschen nicht in der Lage in jedweder von ihrer eigenen abweichenden Meinungsäußerung etwas anderes sehen zu können als ein Diktat und einen Unterdrückungsversuch ihrer selbst. Und weil diese abweichenden Meinungen das für sie sind, müssen sie sie unbedingt unterdrücken und in Grund und Boden schreien. Das halten sie dann (angeblich) für Freiheit und Demokratie.

Um mal noch eine Diskussion anzustoßen: Muss wirklich jede Wertvorstellung ihren Platz haben? Gibt es da keine Grenzen? Denken Sie an den jungen Mann, der gerade zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, weil er das Nachbarskind und einen Freund ermordet hat - aus reiner Mordlust. Oder denken Sie an das Mörderpaar von Höxter oder das NSU-Mord-Trio. Wertvorstellungen, die man im Namen von Freiheit und Demokratie akzeptieren muss?

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Bondurant 02.02.2018, 10:03
184. Falsch

Zitat von schwarzerpudel
Aber sieht man sich nur ein paar Kommentare hier an wird klar, alles was ankam, war die Überschrift. Es wurde nicht bis zum Ende gelesen, nicht reflektiert. Weil Titel und Anfang des Beitrags den falschen Schluss ziehen lassen. Ist das gewollt, oder fahrlässig oder überschätzen sie ihre Leser?
gerade wenn man recherchiert, wird deutlich, dass Ms. Gannaway es noch härter meint, als es im Spon dargestellt wurde. Sie stellt ganz grundsätzlich die Darstellung nackter oder "verführerischer" Frauen als nicht mehr dem heutigen Bewusstseinsstand entsprechend dar. Sie erwartet eine "andere Präsentation" solcher Werke, alternativ wohl Verbannung ins Archiv. Mit "anderer Präsentation" scheint sie zum einen "Trigger-Warnings" zu meinen, zum anderen erläuternde Texte, die auf den Sexismus eben auch der Kunst vergangenen Jahrhunderte hinweist. In anderen Worten: sie will der Wahrnehmung von Kunst vorab die "korrekte" Richtung vorgeben, ansonsten wird sie nicht mehr gezeigt. Das ist Zensur und wäre das Ende der Kunstfreiheit. In bester Absicht, versteht sich.

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marty_gi 02.02.2018, 10:16
185. Casablanca....und die Wochenschau

Wenn geistig Beschraenkte, die Kunst, Kultur und Zeitgeschehen nicht im geschichtlichen Kontext begreifen und sehen koennen, so weitermachen, dann duerfen auch bald Filme wie Casablanca oder Gone with the Wind nicht mehr gezeigt werden. Oder alte Wochenschauen, man koennte ja auf den Gedanken kommen, durch das Zeigen politisscher Gesinnungen von damals wuerde man die heute ebenso gut heissen....
Herr, lass Hirn regnen!!!

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Little_Nemo 02.02.2018, 10:25
186. Richtungsweisende Kunst

Zitat von Bondurant
gerade wenn man recherchiert, wird deutlich, dass Ms. Gannaway es noch härter meint, als es im Spon dargestellt wurde. Sie stellt ganz grundsätzlich die Darstellung nackter oder "verführerischer" Frauen als nicht mehr dem heutigen Bewusstseinsstand entsprechend dar. Sie erwartet eine "andere Präsentation" solcher Werke, alternativ wohl Verbannung ins Archiv. Mit "anderer Präsentation" scheint sie zum einen "Trigger-Warnings" zu meinen, zum anderen erläuternde Texte, die auf den Sexismus eben auch der Kunst vergangenen Jahrhunderte hinweist. In anderen Worten: sie will der Wahrnehmung von Kunst vorab die "korrekte" Richtung vorgeben, ansonsten wird sie nicht mehr gezeigt. Das ist Zensur und wäre das Ende der Kunstfreiheit. In bester Absicht, versteht sich.
Das Schöne an Kunstaktionen ist ja, dass sie auch scheitern können und gerade in ihrem Scheitern dann ein Erkenntnisgewinn und damit ihr eigentlicher Wert liegen kann. Das unbedingte Wollen, das Vorgeben eines Wirkungsresultats, ist ja übrigens auch ein bisschen der Feind der Kunst. Kunst ist ja nicht zu verwechslen mit Propaganda. Propaganda erfüllt eher die Kriterien von Kitsch. Das lässt sich ganz gut an Nazi-Kunst erkennen, die kein Bild von Wahrheit und Wirklichkeit bot, sondern versuchte der Wahrheit und der Wirklichkeit ihr weltfremdes und menschenfernes Bild aufzuzwängen.

Über das Geschlechterbild vergangener Jahrhunderte kann man ja wirklich kontovers diskutieren, oder meinen Sie nicht? Wie über viele Wertvorstellungen vergangener Zeiten. Was Frau Gannaway als Diskussionsstarterin dazu sagt ist ja letztlich eh nur eine Meinung von vielen.

Wo übrigens haben Sie "recherchiert"?

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eckbusch 02.02.2018, 10:40
187. Eskalation ohne Ende

Die Raserei zurück ins Mittelalter nimmt Fahrt auf.. Nun sind wir also in der Griechischen Mythologie angekommen? An griechischen Tempeln gab und gibt es Skulpturdastellungen, die eindeutig pornographisch sind und -natürlich- vor der Christianisierung entstanden sind. Alles abschlagen mit dem Presslufthammer! Dem IS Konkurrenz machen! Bilder verbrennen, Bücher auch: Henry Millers Wendekreise und Ovid "Ars amandi".
Gute Nacht!

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Bondurant 02.02.2018, 11:26
188. Sie "sagt"

Zitat von Little_Nemo
Über das Geschlechterbild vergangener Jahrhunderte kann man ja wirklich kontovers diskutieren, oder meinen Sie nicht? Wie über viele Wertvorstellungen vergangener Zeiten. Was Frau Gannaway als Diskussionsstarterin dazu sagt ist ja letztlich eh nur eine Meinung von vielen.
eben nicht nur etwas, sondern entfernt ein Bild auf unbestimmte Zeit aus einer permanenten Ausstelleung. Dazu, also zum Abhängen, sagt sie (u.a.)

"Views of history, views of art history and views about representation have moved on and the gallery probably hasn't in the way that it should have done."

[url]http://www.bbc.com/news/entertainment-arts-42904024[/i]

Es ist eben nicht nur eine Meinung, sondern ein konkretes Handeln mit der Begründung, dass das Bild, so wie es hängt, nicht in die gültigen "views about representation" passt. Das ist mehr als ein "Diskussionsanstoß".

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Paule Paulson 02.02.2018, 11:52
189. Noch eine kleine Anmerkung:

Die Wesen auf dem Bild sind keine Frauen, noch nicht einmal Menschen, sondern Nymphen und der Mann, Hylas, ist schwul. Also selbst wenn man in dieser Aktion grundsätzlich einen Sinn erkennt (was ich nicht tue), offenbart die Kuratorin mit der Auswahl ausgerechnet diesem Bildes ein äußerst mangelhaftes Hintergrundwissen.

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