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Sexismus: Lieber nicht kopulieren als falsch
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Hat der harmlose Flirt Schaden genommen, muss er gerettet werden? Natürlich nicht, dem Flirt geht's gut. Doch in der Sexismus-Debatte treten traurige Vorstellungen von Sexualität zutage.

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delanno 21.11.2017, 13:14
20. Also

Für mich beginnt sexuelle Gewalt bereits da, wo man sein Geschlecht oportun einsetzt. Nicht erst beim Grapschen. Und was solch einen Oportunismus angeht, bin ich mir nicht sicher, ob auch das eine Männerdomäne ist.

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held_der_arbeit! 21.11.2017, 13:14
21. Sie mögen es schlimm finden

dass es Autorinnen ihren Alters gibt, die bei Sex - auch bei schlechtem - nicht gleich Schnappatmung kriegen, ich finde es extrem beruhigend. Ich gehöre eindeutig zu den Menschen, die lieber "falsch" kopulieren als gar nicht und bisher sind sowohl meine Partnerinnen als auch ich ohne schwerwiegende seelische Verletzungen davon gekommen.

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Das Pferd 21.11.2017, 13:16
22.

Zitat von andreasclevert
...gut und richtig. Hätte ich auch so geschrieben, wenn ich hungrig wäre. Danke Frau S.
Och, die verdient, glaube ich, derzeit ganz gut. Klar, One-Trick Pony, aber ihr Thema ist halt grade sehr gefragt.
Eigentlich bin ich ganz zufrieden. Wenn ein provoziertes "Süße Maus" oder "ausgefülltes Dirndel" schon die Spitze des deutschen Sexismus der letzten 5 Jahre sind, dann erledigt sich das Problem wohl langsam.

Vielleicht finden unsere Kampfemanzen ja mal raus, daß es da draußen noch richtige Unterdrückung von Frauen gibt, In der Zwangsprostitution, in der arabischen Welt etc. pp. Die würden sich über Probleme wie vergessenen Binnenmajuskeln freuen.

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Nania 21.11.2017, 13:17
23.

Und wieder versteht rund die Hälfte der Kommentatoren (meist männlich) das Problem nicht. Es geht nicht zum den harmlosen Flirt. Die allerwenigsten Frauen reagieren auf ein Kompliment mit einem Aufschrei. Es geht um Aufdringlichkeit, Zudränglichkeit und abwertende Kommentare in der Öffentlichkeit und völlig unpassenden Situationen. Es geht nicht darum, dass Sie, liebe Männer, in der Diskothek einer Frau sagen, dass Sie toll aussieht. Es geht darum, dass Sie Selbiges nicht in einem Meeting tun, wenn die Frau gerade einen Vortrag hält. Es geht darum, dass man nicht einfach dem anderen ungefragt irgendwo hintascht, wo man nicht hintatschen soll - und es geht hier nicht um Berührungen im überfüllten ÖPNV. Es geht darum, dass junge Frauen nicht auf Geburtstagspartys der Eltern von deren Freunden (denen der Eltern) an den Hintern gegraptscht werden möchten. Es geht darum, dass Frauen nicht schlechter behandelt werden - insbesondere im Job - nur weil sie Frauen sind.

Wer glaubt, dass es bei der Debatte um den harmlosen Flirt zwischen Bäcker und Kunde oder um das nette Kompliment eines Herren an eine Dame geht, der hat die Brisanz einfach nicht verstanden! Und will sie glaube ich auch nicht verstehen.

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Das Pferd 21.11.2017, 13:19
24.

Zitat von karabas
von Fr. Stokowski weiß man, dass jede Ansprache und jedes Kompliment für eine Frau, welche Frauen-spezifische Hervorhebungen (z.B. glänzend aussehen) transportieren per Definition sexistisch sind. ..................................
machen Sie sich keine Sorgen, sie hält mit Sicherheit auch das Unterlassen des Kompliments für sexistisch. Irgendwie.

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christian simons 21.11.2017, 13:20
25. Gescheiterte Koalitionsverhandlungen

Seit dem Brüderle-Debakel wissen wir, dass ein provinzieller Flirt, mit dem man durchaus bei einer Koblenzer Weinprobe reüssieren kann, in einem anderen Ambiente zu einer nationalen Sexismuskrise eskalieren kann.

Der Flirt ist nicht tot; er ist nur ein Himmelfahrtskommando für diejenigen, die ihr Charmeurdiplom bei der Meenzer Fassenacht erworben haben.

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severus1985 21.11.2017, 13:21
26. Es ist alles nicht so einfach...

Die Hälfte der Frauen möchte, dass ein Mann - gerne auch mal frech - die Initiative ergreift. Die andere Hälfte, so wie die Autorin, hätte dafür gerne ein beidseitig unterschriebenes Formular. Hat beides seine Berechtigung, nur bitte nicht die Frauen als homogene Gruppe darstellen, deren Verhalten gegenüber jedem Mann klar sein muss.
Bei mir war es jedenfalls bisher immer so, dass ich mich auf mein Gefühl verlassen musste, ob die Dame nun geküsst werden möchte oder nicht. Irrt das Gefühl, ist das wohl ein Grund für das Ende des Dates und auch ein paar klärende Worte, aber daraus wird noch kein sexueller Aufschrei.
Was die perversen Weinsteins und Spacey's nun auch mit Flirten zu tun haben, erschließt sich mir allerdings nicht so ganz.

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Das Pferd 21.11.2017, 13:23
27.

Zitat von delanno
Für mich beginnt sexuelle Gewalt bereits da, wo man sein Geschlecht oportun einsetzt. Nicht erst beim Grapschen. Und was solch einen Oportunismus angeht, bin ich mir nicht sicher, ob auch das eine Männerdomäne ist.
ja, aber diese andere Hälfte der Realität ist derzeit nicht in Mode.
Unter Teenagern kann auch gehässiges Lachen, Weitererzählen von Ungeschicklichkeiten usw durchaus sexistisch verletzend sein.

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th1rd3y3 21.11.2017, 13:24
28. Mir fehlen Argumente

Vielleicht hat Christina Riez ja wirklich unrecht und hätte nicht hungrig schreiben sollen, doch im Gegensatz zu Ihnen hier untermauert sie ihre Thesen wenigstens mit Argumenten und vorallem Beispielen. Das "sexuelle Sondierungsgespräch" von dem hier die Rede ist, ist meiner Meinung nach einfach ein Witz. Freilich klingt der Satz "Sexualität ist der Inbegriff des Übergriffigen" zuerst einmal schockierend. doch wenn man den Artikel von Frau Riez aufmerksam durchließt, versteht man, dass sie damit keineswegs sagen will, dass alle Männer zu Grabschern werden sollen. Sie meint damit vielmehr die kaum zu leugnende Tatsache, dass es - wenn zwei Menschen zusammen kommen sollen - sich nahezu immer einer der beiden "trauen" muss. Wer reflektiert genug ist, wird erkennen, dass es auch bei seiner/ihrer eigenen Beziehung so war. Zwar braucht es ein gehöriges Maß an Selbstreflexion um diesen Moment zu erkennen, da die meisten Menschen diesen ja als sehr angenehm empfunden haben, aber wer genau hinsieht, wird erkennen, dass es tatsächlich einen übergriffen Moment gegeben hat, der es seiner Beziehung/Affäre/One-Night Stand/Ehe ermöglichte zustandezukommen. Auch das Wort "sexuelles Sondierungsgespräch" bezeichnet nur einen Rahmen innerhalb dessen es irgendwann den Moment geben muss, in dem sich "einer traut". Dieser eine ist bei Heterosexuellen Paaren - vorallem in Deutschland - selbst heutzutage noch immer in schätzungsweise 90% aller Fälle der Mann. Daran haben auch Jahrzehnte der Emanzipation nichts geändert.
Ein Freund von mir hatte bis er ü30 war keine wirkliche Beziehung und so gut wie überhaupt keine sexuellen Erfahrungen und das obwohl er sich diese immer wieder wünschte. Er war kein sozialer Ausenseiter, hatte keine Probleme damit Frauen anzusprechen, wohnte immer wieder in WGs mit Frauen und wurde auch bei WG Castings von Frauen ausgewählt. Er war auch nicht übermäßig hässlich etc. Als seine Situation bei einer feuchtfröhligen Geburtstagsparty mit über 20 Teilnehmern pötzlich zum zentralen Gesprächsthema wurde, waren sich alle Gäste (Vertreten waren mehrere Gesellschaftsschichten) einig, dass es daran lag, dass mein Freund sich einfach nicht traute, mal eine Frau einfach zu küssen oder wenigstens etwas obszöner zu werden. Eine der anwesenden Damen (immerhin eine Akademikerin) erklärte, sie selbst hatte zu einem früheren Zeitpunkt öfters mal darauf gehoft, mein Freund währe einfach mal auf sie zugegangen und hätte sie am Handgelenk gepackt und geküsst. Habe sich dann aber Beziehungstechnisch umorientiert, weil sie feststellen musste, dass "da einfach nichts kam". Meinem Freund wurde daraufhin die Frage gestellt, was denn das schlimmste sei, was passieren könne, wenn er eine Frau einfach küssen würde. "Dann bekommst du schlimmstenfalls halt eine Ohrfeige - na und" war da der Tenor. Eine überhaupt nicht obszöne, völlig neutral gehaltene Anfrage nach Geschlechtsverkehr würde - so eine der anwesenden Damen - erstens einfach "unsexy" sein und zweitens ebenfalls als "widerlich" empfunden werden, wenn die Betroffene Dame kein Interesse hätte.

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interessierter Laie 21.11.2017, 13:24
29. ich nö Frau Stokowski

sorry es geht den beiden Autorinnen nicht um krasse Falle, sondern um die Frage nach der Grenze. Der Begriff Übergriff mag missverständlich sein - besser wäre wohl Grenzübertritt oder sowas gewesen, aber genau das ist ein Flirt. Man sagt und tut Dinge, die zumindest an die Grenzen des normalen Umgangs gehen. Andernfalls wäre der Flirtversuch ja gar nicht zu erkennen. Und da die Grenze jedes einzelnen individuell, Flirten im Regelfall keine Routineaufgabe und nicht jeder da draußen ein verbaler und physischer Hochseilkünstler ist, geht er auch oft ein wenig darüber hinaus. Wenn man mit einer völlig überdimensionierten Moralkeule durch die Gesellschaft zieht, erreicht man damit nur eines: Viel Einsamkeit bei der Mehrheit und noch mehr Extreme, weil nicht jeder die Fähigkeit und den Willen zur sexuellen Askese mitbringt.

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