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Sexualstraftäter: Warum "einfach anzeigen" nicht einfach ist
Julian Stratenschulte/ DPA

Nach einer Sexualstraftat wird Opfern oft geraten, Anzeige zu erstatten. Das ist verständlich - zeugt aber auch von einem naiven Glauben an Polizei und Beratungsstellen. Tatsächlich kann auch ein neuer Alptraum beginnen.

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Wiggins 03.09.2019, 19:28
1. leider kontraproduktiv

Unbestritten: die beschriebenen Fälle gibt es wirklich. Was den betroffenen Frauen geschehen ist, ist ekelhaft, sowohl beim ersten (Belästigung/ Vergewaltigung) wie beim zweiten Mal (Anzeige, Nichtglauben, erneuter Missbrauch/ Belästigung). Soweit hat Frau Stokowski Recht. Aber, leider: ihrer Kritik stehen keine Zahlen gegenüber, wieviele Missbrauchs-Opfer verständnisvolle, professionell und hilfreich agierende BeamtInnen gefunden haben und mit ihrem Anliegen an der richtigen Stelle waren. "Leider" deswegen, weil der Text so ein einseitiges, negatives Bild entstehen lässt, dass gerade nicht dazu motiviert, Sexual-Straftäter anzuzeigen sondern davon abschreckt. Bärendienst?

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spon-facebook-10000468741 03.09.2019, 19:31
2. Bessere Alternative?

Den "zeig-den-Täter-an!"-Menschen Naivität vorzuwerfen ist gelinde gesagt eine Unverschämtheit.
Was ist denn bitte die Alternative zum Anzeigen?
Selbstjustiz? Wohl eher nicht.
Die Erfahrungen (versuchen) zu verdrängen bis sie nach Jahren vulkanartig aus einem heraussprudeln und dann erneut verdrängen? Auch das kann keine Lösung sein.
Schlechte eigene Erfahrungen aufzuzeigen ist vollkommen legitim und Besserung von Beratungsstellen zu fordern ebenfalls. Aber Menschen mit scheußlichen Erfahrungen einen weiteren Grund (diesen Artikel!) zu geben nicht professionelle Hilfe aufzusuchen ist komplett daneben.

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Wanne42001 03.09.2019, 19:34
3. Aber...

Aber was ist die Alternative zur Anzeige? Selbstjustiz oder Lynchjustiz durch Veröffentlichung u gesicherter Vorwürfe ja wohl nicht...

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dasfred 03.09.2019, 19:35
4. Ein Thema, für das es kein Patentrezept gibt

Ob Frau, Oder eben auch Mann, nach einer Vergewaltigung Anzeige erstatten sollte, ist von vielen Faktoren abhängig. Gibt es ausreichend Material, dass die Tat zweifelsfrei belegen kann? Wie war die Situation? Hat der/die Betroffene zuverlässigen Unterstützung durch Freunde? Wie ist die psychische Situation? War der Täter ein Fremder oder kommt er aus dem engsten Umfeld? Welche Auswirkungen wird eine Anzeige auf die Umgebung des Opfers haben? Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, noch wichtiger, als eine Anzeige, die bestenfalls eine kleine späteren Genugtuung liefert, ist die schnellstmögliche Aufarbeitung der traumatischen Erfahrung. Nur dann verhindert das Opfer, ein Leben lang Opfer zu bleiben. Wird dieser Punkt verpasst, können noch nach Jahren Posttraumatische Belastungen auftreten, die sich auch in der Partnerschaft auswirken können. Ich fand die heutigen Kolumne sehr gut, weil sie auch nicht Betroffene zum Nachdenken über die Materie, über Täter und Opfer anregt.

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kaltmamsell 03.09.2019, 19:39
5. Selbst ohne Debatte ein sehr wichtiger und richtiger Beitrag

von Frau Stokowski. Danke dafür. Neben der bekannten Konstellation Verwandtschaft und Autoritätspersonen allgemein im privatwirtschaftlichen und öffentlichen Sektor haben wir übrigens auch noch den etwas besonderen Problemkreis übergriffiger Einzelpersonen im medizinischen Fachpersonal.

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wielaberger 03.09.2019, 19:40
6. Das alles empfinde ich täglich

Dieser Staat interessiert sich für Geld, für nichts sonst !
Frauen werden in dieser Form nochmals mißhandelt !
Alle sehr groben, unsozialen Delikte werden vom Staat begangen, nichts passiert, niemand wir je zur Verantwortung gezogen ! Soll das Demokratie sein wenn Politiker Unsummen verschwenden aber bei Nacht
und Nebel neue Schilder aufgebaut werden und dann Verstösse bis zum Berufsverbot vervolgt werden?
Ein klein wenig zu schnell wird gnadenlos verfolgt, ohne jede Rücksicht auf Logik oder Konseqenzen !
Scheuer, Piech unf Konsorten bereichern sich unverschämtest an Steuergeld und es passiert NICHTS während
ich in Tempo 30 Zonen von Streifenwagen ohne Blaulicht, ohne Sirene überholt werde, Schulbusse bei Tempo 80 mit 2-3m Abstand mich bedrängen.
Ich lebe sehr ungern in dieser Versammlung von Wirtschaftshörigen welche Betrug an sich selbst per Wahl auch noch zu würdigen wissen!
Was sind wir für eine Gesellschaft? Völlig verblödet ?

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spon_4_me 03.09.2019, 19:44
7. Ich kann

sofort die ja auch sehr persönlich geschilderten Situationen mit dem Herzen und dem Hirn nachvollziehen. Als Vater von Töchtern überrascht mich immer wieder die von diesen beiläufig berichtete, alltägliche Übergriffigkeit, von der ich als Mann genau Null mitbekomme. Aber was ist die „Botschaft“ dieser Kolumne? Was soll anders werden, wo stehen Reformen an? So bleibe ich betroffen und ratlos zurück - ein ennervierend unproduktiver Zustand.

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Pfaffenwinkel 03.09.2019, 19:44
8. In der Regel

steht für Sexualdelikte eine Kriminalbeamtin zur Verfügung, die besonders geschult wurde für solche Fälle. Das Thema wurde nicht gut recherchiert.

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debell90 03.09.2019, 19:49
9. Interessanter Artikel...

jedoch mal wieder nur aus Sicht der Frau als Opfer.

Mir ist bis heute schleierhaft warum nicht auf Übergriffe von Frauen auf Männer eingegangen wird. Oder Pädophilie von Frauen im Alltag oder im Berufskontext (Pädagogen, Lehrer), wo es etliche Storys gibt, wo Frauen jüngere Männer / Abhängigkeit zum Geschlechtsverkehr zwingen oder Familienväter erpressen. Wo Männer sexueller Gewalt ausgesetzt sind.

Ich denke die Dunkelziffer ist hier hoch , da in unserem Gesellschaftsbild nur der Mann der Täter sein kann.

Ein Beispiel: Eine Frau schwimmt sichtlich erregt mit mehreren minderjährigen Jungs und lässt sich auch evtl anfassen. Reaktion: Keine.

Würde das andersrum ein Mann alleine machen mit mehreren Mädchen , wäre der Aufschrei groß.

Ein zweites Beispiel:
Eine Kindergarten Erzieherinn schmust und kuschelt mit mehreren Jungs (Kindern) in der Kuschelecke und verteilt vllt auch noch kleine unauffällige Bussis (Reaktion: keine).

Nun stellen sie sich mal vor die Erzieherin wäre ein Erzieher...na? Wie wäre ihre Reaktion?

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