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Sexuelle Übergriffe: Es könnte etwas lauter werden
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Die Debatten um sexuelle Gewalt werden von den immer gleichen Ruhigstellungs-Impulsen begleitet: Die Betroffenen seien selbst schuld und die Täter nur schwierige Typen. Das ist Teil des Problems.

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l.e.deluxe 17.10.2017, 15:36
10. Eines verstehe ich nicht Frau Stokowski

Zum ersten mal bin ich fast zu 100% mit ihren Artikel einverstanden, nur ein Satz irritiert mich. Besonders da er von Ihnen kommt. "Es ist kein Zufall, dass die meisten von Weinsteins Opfern junge Schauspielerinnen waren, die am Anfang ihrer Karriere standen und von ihm mehr oder weniger abhängig waren. " Dieser Satz ist ja inhaltlich völlig daneben und falsch, ja sogar antifeministisch. Keine Frau hat einen Grund oder einen Zwang sich von so einen unangenehmen Typen wie Weinstein abhängig zu machen. Da pfeife ich doch eher auf die Schauspielkarriere als mich von so einen Typen abhängig zu machen. Daher kann ich diesen Satz von Ihnen null nachvollziehen.

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acitapple 17.10.2017, 15:37
11.

Zitat von FischerKielSchwerin
Damit hat das Thema nun überhaupt nichts zu tun!
Ach ja ? Können Sie eine genaue Grenze definieren, wo flirten aufhört und Belästigung anfängt ? Im Falle von Brüderle haben nicht wenige Frauen bekundet, dass sie den gleichen Spruch von einem Clooney ganz und gar nicht als Belästigung angesehen hätten. Ich bin verheiratet und hab daher mit dem Thema abgeschlossen. Von mir aus können Sie gerne jegliche Avancen unter Strafe stellen. Sicher ist sicher.

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Lykanthrop_ 17.10.2017, 15:42
12.

Manchmal ist das Echo leiser wie erhofft, enttäuschend, wo steht der Feind ? Ich verzichte drauf. Die Welt braucht keine Weinsteins. Weinsteins sind Alpha Männchen, die den Fokus in vielerlei Hinsicht auf sich ziehen, zum Leidwesen von vielen anderen frauenfreundlichen Männern.

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dr.eldontyrell 17.10.2017, 15:49
13. Ich schließe mich

den Mitforisten an. Wer bitte findet denn, dass ein Vergewaltigungsopfer selber schuld ist, außer dem(den) Täter(n)? Also ich empfinde es als Common Sense, dass man Frauen nicht gegen ihren Willen angrabscht oder sonst was, und erst recht nicht gegen ihren Willen Sex mit ihnen hat. Ich kenne auch niemanden, der anders denkt. Gilt im Übrigen für alle Menschen, egal welchen Geschlechts oder sexueller Orientierung.
Jemand, der so etwas äußern würde, würde sich in meinen Augen sehr verdächtig machen, selbst so ein Vogel zu sein...
Je mehr solcher Sauereien ans Tageslicht kommen umso besser. Typen, die so ticken, sollen merken, dass sie die ganze Bevölkerung gegen sich haben. Und Frauen sollten den Mut haben, solche Schweine früher an den Pranger zu stellen, auch zuliebe zukünftiger etwaiger Opfer.
Traut Euch liebe Frauen, 99% der Männer stehen da hinter Euch!

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Forumcookie 17.10.2017, 15:53
14.

Das große Problem der sexuellen Gewalt und des alltäglichen Sexismus bedarf dringend einer Debatte. Seit Jahren setzen sich engagierte Menschen auf vielen Ebenen dafür ein. Meistens still und leise - häufig frustriert wegen der schwierigen Situation und den oft kaum messbaren Erfolgen.

Jedoch hat nichts, was in den letzten Wochen oder Monaten in den populären Medien und sozialen Netzen zu lesen war, auch nur annähernd den Begriff Debatte verdient. Die meisten Kolumnen der freien Journalisten inbegriffen, was m. E. auch für Ihren Text zutrifft. Es wird nur gebrüllt und die Meute aufgehetzt so dass sich manchmal schon der Verdacht manifestiert, es werden wieder einmal die echten Opfer missbraucht, - jedoch natürlich nur um der guten Sache einen vermeintlichen Schub zu geben. Auch eine Form des Nudgings. Da wird das Aussetzen der Persönlichkeitsrechte in Kauf genommen- es ist ja sowieso nur ein widerlicher Scheisskerl - schon entschuldbar, nicht wahr? Es reicht heute augenscheinlich schon eine #Metoo Aktionen, dargestellt als das Ergebnis einer repräsentativen Feldforschung. Die nachhaltige und sachliche Ursachenforschung wird damit quasi ausgesetzt. In diesem Zusammenhang davon zu reden, dass z.B. die Sache Weinstein von Ruhigstellungsimpulsen begleitet wäre, ist mit Verlaub zynisch. Zynismus haben wir schon genug und Zynismus ist bekanntlich die letzte Stufe von der emotionalen Austrocknung.

Ich will hier nicht den unerträgliche Whataboutism bemühen. Aber als Gedankenspiel würde ich durchaus empfehlen, darüber nachzudenken, was passieren würde, wenn in einschlägigen Kreisen mit signifikanten engstirnigen Followerzahlen, die in ihren Echokammern gefangen sind, per Hashtag nach Übergriffserfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen / Schwulen / Transgender gefragt würde.

Die eigentlich wichtige Sache haben alle aus den Augen verloren.

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gatsue 17.10.2017, 15:54
15. Nutzlos

Ich habe kein Verständnis dafür, dass man jetzt hier in Deutschland dick über den ollen Weinstein herzieht, und zur gleichen Zeit ähnliches hier, in Deutschland, unter den Tisch kehrt. Was soll das? Da wird ein syrisches Flüchtlingsmädchen in einer Berliner Schule sexuell Begrapscht und alle finden es ok das unter den Tisch zu kehren. Aber auf dem ollen Sack rumtrampeln, na Hauptsache der Krieg ist weit weg. Gehts noch Gut?

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mostly_harmless 17.10.2017, 16:04
16.

Zitat von acitapple
Ach ja ? Können Sie eine genaue Grenze definieren, wo flirten aufhört und Belästigung anfängt ? [...]
Eigentlich kann das jeder halbwegs normale Mann ohne Probleme. Die Grenze ist exakt da, wo für die Frau sexuelle Belästigung beginnt.

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Deepestblue 17.10.2017, 16:12
17. Unfassbar.

Interessant, sogar schon bei den wenigen Kommentaren sieht man, ob da scheinbar ein Mann oder eine Frau kommentiert. Da wird schon wieder relativiert und darauf hingewiesen, dass man wohl noch flirten darf. Ich - ja, ein Mann und männlich zugleich - darf berichten, dass Flirten ein gegenseitiger Prozess ist, den man nicht durch Anzüglichkeiten "animieren" muss, sondern der zwischen zwei Menschen in jeder Umgebung passieren kann. Jedoch, geschieht das im Umfeld der Arbeit (oder anderen schlicht für so etwas unpässlichen Orte), dann ist es die Verantwortung beider Erwachsener, das möglichst schnell aus diesem Umfeld weg zu bewegen, weil es da nicht hin gehört, sondern ins Privatleben. - Das Ganze ist übrigens etwas völlig anderes als sexuelle Gewalt, sexuelle Belästigung oder auch "nur" sexuelle Bemerkungen. Auch wenn diese drei Dinge strafrechtlich unterschiedlich sein mögen, sind alle drei schlicht nicht in Ordnung. Dass so etwas im Rahmen von erheblichem Machtmissbrauch von einem erfolgreichen Filmproduzenten blutjungen, hoffnungsvollen Frauen angetan wird, ist schlichtweg unfassbar. Dass da noch ein Ewiggestriger tatsächlich mit "Flirten wird ja wohl noch erlaubt sein" ankommt, zeigt, wie wichtig solche Artikel, wie weit wir noch vom Ziel entfernt, und wir klein einige sogenannte Männer sind.

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Forumcookie 17.10.2017, 16:13
18. Klingt gut, ist es aber nicht

Zitat von mostly_harmless
Eigentlich kann das jeder halbwegs normale Mann ohne Probleme. Die Grenze ist exakt da, wo für die Frau sexuelle Belästigung beginnt.
Ich will Ihnen nicht zu nahe treten. Ich würde mich durchaus zu den "halbwegs normalen Männern" zählen.

Aber:
a.) Wer definiert, was ein "normaler Mann" ist?
b.) Wer definiert, was "die Frau" ist?
Ich weiß durchaus, was sie meinen. Man steht als "Guter" da. Aber ohne Beantwortung von a.) und b.) ist das nur ein wohlklingender Satz.

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NewYork76 17.10.2017, 16:16
19. Etwas objektiver waere schoen

Sie haben natuerlich recht Frau Stokowski wenn Sie schreiben dass "victim blaming" sehr unschoen ist. Und was Herr Weinstein getan hat ist widerwaertig und muss hart bestraft werden!
Trotzdem waere eine etwas objektivere Betrachtung speziell in diesem Fall doch ein paar Worte wert. Weinstein konnte naemlich nur so lange sein Unwesen treiben, weil er von Mitwissern gedeckt wurde. Und ... jetzt kommt der Sachverhalt mit dem Sie Sich wahrscheinlich nur schwer anfreunden koennen ... diese Mitwisser waren auch Frauen aus Weinstein's Umfeld sowie die Opfer.

Keiner streitet ab, dass es fuer Opfer von sexueller Gewalt sehr schwer ist diese Straftat zur Anzeige zu bringen (fuer Maenner uebrigens noch schwerer als fuer Frauen). Besonders wenn der Taeter eine Macht-Position innehat, ist die Angst sehr gross. Aber wer schweigt, der macht sich mitschuldig...und ja, das gilt auch fuer die Opfer.

Nochmal: Das entschuldigt in keinster Weise das abstossende, kriminelle, widerlicher Verhalten von Weinstein und sollte auch ganz sicher nicht verhindern, dass er die ganze haerte des Gesetzes zu spueren bekommt. Es waere nur schoen gewesen, alle Seiten zu beleuchten.
Menschen sind uebrigens nur selten so Eindimensional wie Sie sie beschreiben. Ich wuerde meine Kinder (besonders die Toechter) unbedingt von Woody Allen fernhalten, aber das heisst nicht, dass ich seine Filme schlecht finde. Genausowenig kann man Weinstein auf einen Vergewaltiger reduzieren. Ja, das ist er (aller Wahrscheinlichkeit nach), aber er ist eben auch ein sehr talentierter Filmproduzent. Das eine schliesst das andere nicht aus.

Abschliessend moechte ich den Frauen (und Maennern), die von sexueller Gewalt betroffen sind, mehr Mut wuenschen! Denn die Opfer trifft keine Schuld an der Tat, aber die Opfer koennen u.U. zukuenftige Taten vermeiden, wenn sie ihr Schweigen brechen.

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