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Sexuelle Übergriffe: Es könnte etwas lauter werden
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Die Debatten um sexuelle Gewalt werden von den immer gleichen Ruhigstellungs-Impulsen begleitet: Die Betroffenen seien selbst schuld und die Täter nur schwierige Typen. Das ist Teil des Problems.

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hannibalanteportas 17.10.2017, 16:50
30.

Es muss unterschieden werden zwischen juristischer Schuld und persönlicher Verantwortung!
Der erste Begriff stützt sich darauf, dass ein Täter einem Opfer etwas gegen dessen Willen antut. Also: ein Mensch wird zu Sex gedrängt, sagt Nein und der Täter setzt sich mit Manipulation/Gewalt/Androhung von Gewalt oder anderweitiger Konsequenzen für das Opfer gegen dessen Willen durch. Heißt dann berechtigterweise Vergewaltigung bzw. sexueller Missbrauch.
Persönliche Verantwortung stützt sich darauf, dass ich meine Möglichkeiten zur Abwehr dieser Gefahr auch nutze! Ich erinnere mich nur an die Geschichte mit der Studentin, die in Amerika mit der Matratze rumgelaufen ist und damit ihre Vergewaltigung offen machen wollte. Spätestens als die Polizei dort ihren SMS-Kontakt zum Täter durchleuchtete, kamen Zweifel an ihrer Version. Und in SPON war auch die Geschichte einer Studentin, die zu Sex nicht "Nein" gesagt hat, weil sie die Befürchtung hatte, dass Andere im Schlagsaal von ihrer Weigerung und einer möglichen Diskussion aufgeweckt werden könnten! Also ließ sie es geschehen und bezeichnete es nachher als Vergewaltigung.
Ich persönlich frage lieber zweimal nach, ob alles gut ist und gebe meinem gegenüber ganz offensiv die Einladung "Nein" zu sagen, wenn sich etwas nicht gut anfühlt.
Gleichzeitig (!) muss davon auch Gebrauch gemacht werden. Und ja, es gibt Selbstbehauptungstrainings speziell für Frauen, auch wenn leider zu oft von Zweifelhaften Organisationen. Das liegt auch, aber sicher nicht nur, in der persönlichen Verantwortung jedes Menschen!
Was hat das alles mit dem Artikel zu tun? Frau Stokowski ist leider (evtl. bewusst) undifferenziert! Ein mächtiger Mann, der seine Stellung ausnutzt um gegen Sex einen möglichen Karriereschub zu ermöglichen ist widerlich, keine Frage! Einer der bewusst vergewaltigt noch mehr. Nur fehlt mir bei der ganzen Diskussion eben die Eigenverantwortung! Natürlich ist ein System wie Hollywood, dass so eine Ausbeutung ermöglicht, ebenfalls widerlich. Gleichzeitig (!) muss ein Mensch, dem nicht im juristischen Sinne diese sexuelle Gewalt angetan wurde eben auch für sich entscheiden! Lasse ich mich ausnutzen, um Karriere zu machen? Das gilt ja für andere bereiche auch, wenn auch nicht in diesem Ausmaß. Und soweit ich das jetzt auch in den US-Medien verfolgt habe, sind dort ganz klar Straftaten passiert. Und es sind auch Dinge passiert, die in die persönliche Verantwortung fallen.
Und ja, unsere Gesellschaft bietet Frauen wenig bis gar keine Möglichkeit zu lernen, dass sie nicht alles mitmachen müssen nur um anerkannt zu sein oder das zu erreichen, was sie wollen! In Dritte-Welt Ländern, in denen Frauen gerade auf der Ebene von Nutzvieh gesehen werden, ist das natürlich etwas anders, wenn es ums nackte überleben geht. Da haben Frauen oft nicht die Wahl, was schrecklich ist. Aber Hollywood-Karriere zu machen sehe ich nicht als Überleben an. Da hat man eine Wahl, sofern es eben keine Vergewaltigung im juristischen Sinne ist.
Ich würde mir wünschen, dass beide Geschlechter ihren Teil der Verantwortung übernehmen, und ja insbesondere Männer aufhören ihre Macht zu missbrauchen.

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ueberlebende 17.10.2017, 16:51
31.

Warum Opfer schweigen ???
Wir schweigen nicht. Es wird uns nicht geglaubt.
Es war doch gar nichts, nicht so schlimm, ich hatte ja Mitschuld. Die eigene Mutter glaubt uns nicht. Damit bin ich nicht alleine !!!
Es will nur niemand wissen !
Weinsteins Übergriff-Problematik wurde sogar im Vertrag festgehalten. Und daher wusste man von diesem Problem.
Der Film Open Secret geht über Pädophilie in Hollywood. Man wollte den Film nicht mal in die Kinos bringen. Dort schweigen die Opfer auch nicht. Es will einfach niemand wissen !
Wieso engagierte sich eine politische Angelina Jolie, die doch inzwischen genug Einfluss hat, nicht für die Aufdeckung?
Es will niemand wissen! Jetzt ist der Fokus doch mehr darauf gerichtet, welcher Promi betroffen ist. Wären es lauter unbekannte Namen, würde kaum jemand berichten.

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tsitsinotis 17.10.2017, 16:59
32. Weinstein&Co sind nichts anderes als kleine Würstchen.

Vor Kurzem war im TV zu sehen und zu hören, wie er, von Reportern gestellt, ins Auto flieht und jammert, jeder habe eine zweite(!) Chance verdient.

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spontanistin 17.10.2017, 16:59
33. Perverses Umfeld, in der Tat.

Der „Produzent“ dürfte sich wie auch der US Präsident Donald T. mit seinen Taten im Umfeld gebrüstet haben. Dort scheint er wohl überwiegend Bestätigung erhalten zu haben. Zwei Aspekte geben aber auch zu bedenken: Wieso machen sich die jungen Schauspielerinnen freiwillig abhängig von solchen Typen? Und: ist der präpotente Mann nicht auch ein Ergebnis der sexuellen Selektion durch die Weibchen und der frühkindlichen Prägung und folgenden Sozialisation durch die Mütter?

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donatellab 17.10.2017, 17:02
34. Macht

Männer, die sexuelle Gewalt ausüben, sind armselige Wichte. Sie müssen auf diese Weise Macht ausüben.
Frauen sollten sich dagegen wehren. Immer und ausnahmslos.

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ttvtt 17.10.2017, 17:03
35. Es ist so ärgerlich!

So ein gut geschriebener Artikel mit wichtigen und richtigen Argumenten. Aber dann am Ende von Frauenfeindlichkeit zu schwafeln, mindert doch den guten Eindruck. Stokowskis Kommentare sind immer dann gut und relevant, wenn sie nicht durch ihre Genderstudie-Brille blickt.

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ueberlebende 17.10.2017, 17:18
36. Überschrift

Polanski hat ein 13 jähriges Mädchen vergewaltigt. Sie hat NICHT geschwiegen. Er bekommt trotzdem von der jetzt so entrüsteteten Oscar-Akademie einen Oscar für „das Piano“.
Woody Allen hat seine 7 jährige Tochter angeblich lange Zeit missbraucht. Er bekommt einen Oscar für sein Lebenswerk.
Bei Weinstein brüllen jetzt plötzlich alle : Nieder mit ihm, er bat um eine Massage oder wollte beim Duschen beobachtet werden. Wobei es sich hier fast ausschließlich um Behauptungen der Frauen handelt. Bis auf ein Video ist nicht mal was bewiesen.
Mia Farrow wurde der Missbrauchsvorwurf als Sorgerechtsstreit Schachzug unterstellt.
Wie verlogen...

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Larnaveux 17.10.2017, 17:19
37.

Zitat von mostly_harmless
Eigentlich kann das jeder halbwegs normale Mann ohne Probleme. Die Grenze ist exakt da, wo für die Frau sexuelle Belästigung beginnt.
Diese Einstellung ist sehr populär, aber sie ist grundsätzlich falsch.

Hierzu ein Beispiel, exakt so in den Achtziger Jahren geschehen: Ich arbeitete damals als Praktikant in einem Chemielabor, und viele der Putzfrauen waren Türkinnen oder Frauen vom Balkan. Das Labor war eng, und wenn man noch etwas länger blieb, weil die Arbeit nicht getan war, die Putzkräfte aber schon kamen, schob man sich so manches Mal etwas knapp aneinander vorbei. Alles - wohlgemerkt - ganz gesittet.

Eine der Türkinnen allerdings bekam jedesmal einen Schreianfall, wenn ein Mann sich an ihr vorbeischob und sie jammerte laut auf Türkisch herum, so dass auch ihre türkischen Kolleginnen genervt darauf reagierten. Sie übersetzten, dass ihre Kollegin sich belästigt fühle dadurch, dass ein Mann, mit dem sie nicht verheiratet ist, ihr beim Passieren so nahe kommt, dass er sie anfassen KÖNNTE (wir sprechen vom Konjunktiv)!

Der Fall ging weiter, da sie den Betriebsrat einschaltete und somit die gesammelte männliche Belegschaft des Labors unisono in den Verdacht geriet, eine Mitarbeiterin (damals waren die Putzkräfte noch direkt angestellt) sexuell zu belästigen. Das Ganze war ein Riesenaufstand, und es ging für die Männer nur deshalb glimpflich aus, weil sämtliche weibliche Labor-Kolleginnen und auch die anderen Putzkräfte aussagten, dass niemals eine sexuelle Belästigung vorgelegen hätte, sondern dass es ganz NORMALES Verhalten in engen Räumen ist.

Schon damals war das ein absurder Fall der Political Correctness, der beinahe zur Entlassung einiger vollkommen unschuldiger Kollegen geführt hätte.

Was hat das nun mit der Aussage zu tun, dass eine Belästigung immer dann vorliegt, wenn das Opfer (ganz geschlechtsneutral) es als Belästigung empfindet?

Nun, ich persönlich habe der Putzkraft niemals böswillige Absichten unterstellt. Sie hat tatsächlich männliche Nähe als schweres Problem für sich gesehen. Insofern liegt exakt der Fall vor, dass sie die Situation als eine Belästigung empfand.

Aber, und das ist der entscheidende Punkt, diese Situation DARF keine Belästigung in unserer Gesellschaft darstellen. Es muss auch generelle Grenzen, was zu ertragen ist, im Zusammenleben geben, denn ansonsten ist ja schon beispielsweise das höfliche sekündliche In-die-Augen-Schauen (ich meine kein Starren) für andere eine justiziable Belästigung. So weit darf es NIEMALS kommen.

Unbestreitbar bleibt, dass sexuelle Belästigung ein schweres Problem ist und es für die Opfer auch insbesondere - mental wie oft auch beweismäßig - schwierig ist, eben eine echte Belästigung nachzuweisen. Dass aber heutzutage generell Opfer zu Schuldigen erklärt werden, das nehme ich nur noch äußerst selten von absoluten Schwachmaten wahr. Hier schießt Frau Stokowski mal wieder über ihr Ziel hinaus - wie so oft.

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jamsrhb 17.10.2017, 17:22
38.

Es gibt nunmal einen gewaltigen Unterschied zwischen wirklicher sexueller Gewalt und Belästigung und Einbildung. Solange in sozialen Medien selbst normale Komplimente um des shit-storms willen als Sexismus hochgekocht werden, wird es Verharmlosung geben.
Mal davon abgesehen, so verwerflich seine Taten auch sind, gibt es an dem Fall noch viel verwerflicheres.
Es ist nicht interessant warum er seine Stellung ausgenutzt hat um Frauen zu belästigen. Das gab es schon immer und wird es immer geben in beide Richtungen.
Viel interessanter ist doch die Frage wer alles davon wusste und nichts getan hat. Und warum nichts getan wurde.
Täter wird man nie davon abhalten können zu belästigen. Man muss die Umstände und das Umfeld bekämpfen.
Das geht auch in beide Richtungen.
Jetzt werden viele Schaum vor dem Mund kriegend von victim-shaming reden, aber man wird mächtige Männer die Sex verlangen als Gegenleistung nie los, solange es auch Frauen gibt die diese Gegenleistung anbieten. Wer es zu oft angeboten bekommt denkt er könnte alles haben und wird schneller übergriffig, da es ja normal ist.
Nicht immer nur die bösen Anderen sondern auch die eigene Haustüre im Blick haben und beides in Ordnung bringen. Der Teufelskreis muss durchbrochen werden, da müssen alle dran arbeiten. Nur auf eine Seite einprügeln, weil es bequemer ist bringt nichts.

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medium07 17.10.2017, 17:56
39. Klar

dass sich Frau Stokowski auf den Fall Weinsetin stürzen würde. Ein gefundenes Fressen. Allerdings auch ein klassischer Fall von Vorverurteilung, was hier offenbar niemanden so recht stört. Und, wie immer, wenn es um die Grauzone zwischen sexueller Belästigung und Vergewaltigung geht, ein grob gezimmertes Bild, das alle Vorwände liefert, die Schleusen für die moralische Empörung der Anständigen weit zu öffnen, da die Schuldfrage vollkommen klar zu sein scheint. Selbst bei Mord und Totschlag ist man weit zurückhaltender. Dass es sich bei Sex um die komplizierteste menschliche Interaktion handelt, deren Regeln improvisatorisch "on the job" verhandelt werden müssen, wird geflissentlich ausgeblendet. Nirgendwo wird soviel gelogen und geheuchelt wie in den unlösbaren Wirrnissen des Geschlechtlichen. Einjeder maßt sich an, unbestechlicher Zeugen gewesen zu sein in den Hotelzimmern, die Bademantelszenen glasklar vor Augen. Aber die Frage ist schon berechtigt, warum nach Jahrzehnten jetzt urplötzlich dieser Schwall von Beschuldigungen losbricht, dieweil im Dorf Hollywood schon seit den Tagen von Fatty Arbuckle jeder weiß, wie der Hase läuft. Desgleichen die Frage, warum die jungen Damen sich vor diesem Hintergrund auf Treffen unter fragwürdigen Umständen einlassen. Oder warum sie nicht auf dem Absatz kehrt machen, sobald Herr Weinstein im Bademantel erscheint. - Richtig, Frau Stokowski, Frauen sollten ihr Liebesleben aus eigenem Begehren gestalten. Die "Praxis" der Anbahnung sieht aber nach wie anders aus. Sie können das nicht wissen: meistens wollen Frauen noch immer "rumgekriegt" werden. Das hat etwas damit zu tun, dass Sex u.a. eben auch eine Währung ist. Ganze Industrien leben davon, Frauen Mittel zur Aufwertung an die Hand zu geben. Das sind dann Ihre "Dekorationsobjekte". Niemand zwingt sie dazu. Und ob es Ihnen gefällt oder nicht: Sexualität IST etwas Triebhaftes, und zwar überwiegend, auch für Frauen. Für die meisten jedenfalls. Und das ist gut so, denn andernfalls würde sich kein Mensch auf dieses hochgefährliche Spiel einlassen, das allzu oft im Schlamassel endet. Die Weltliteratur ist seit Anbeginn voll von katastrophalen Liebesgeschichten. Was also ist Ihre Alternative? Die allzeit kontrollierten Männer, die Sie nicht müde werden zu fordern, sind teilweise schon Realität, und fast alle Frauen die ich kenne, beklagen dies. Ihre Vorstellung von Sexualität fassen Sie, wie mir scheint, ebenso klar wie deprimierend in der Empfehlung zusammen, Herr Weinsetin solle allein in seinem Hotelzimmer masturbieren wie jeder normale Mensch". Wie jeder NORMALE Mensch?

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