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Sexuelle Übergriffe: Es könnte etwas lauter werden
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Die Debatten um sexuelle Gewalt werden von den immer gleichen Ruhigstellungs-Impulsen begleitet: Die Betroffenen seien selbst schuld und die Täter nur schwierige Typen. Das ist Teil des Problems.

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solltemanwissen 17.10.2017, 18:11
40.

Zitat von roenga
Was wäre wohl passiert, wenn sich die eine oder andere Frau juristisch zur Wehr gesetzt hätte und mit der damit hergestellten Öffentlichkeit andere Frauen und die Massenmedien aufmerksam gemacht hätte? Bei einer Strafanzeige gegen einen populären Menschen entsteht immer mediale Aufmerksamkeit. Diese Frage kann und muss man stellen.
Stellen Sie sich die Frage doch mal. Was wäre wohl passiert, wenn ne kleine Schauspielerin einen Multimillionär, der sich eine ganze Armee von Anwälten leisten kann, vor Gericht zerrt.


Aner schon interessant wie die Diskussion abläuft. Wie sich manche Herren hier wohl äußern würden, wenn Weinstein ein Schwarzer Moslem wäre, kann ich mir lebhaft vorstellen.

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rocky77 17.10.2017, 18:16
41. Ich finde die Betrachtungen etwas einfach

Jetzt zu sagen, es liegt an den Männern und der Macht, die sie haben ist eine recht einfache Betrachtungsweise. Es ist genau so falsch, zu sagen, dass die Frauen schuld sind.
Macht verleiht eine gewisse sexuelle Attraktivtät. Mächtige Männer wirken anziehend auf einen Teil der Frauen. Man möge sich nur mal die Paare anschauen, wo der Mann berühmt ist und Geld hat und die die Frau 30 oder 40 Jahre jünger ist. Kann sich jemand diese Konstellation bei einem Mindestrentenempfänger vorstellen?
Männer benutzen eher Macht und Einfluß um Sex zu bekommen und Frauen benutzen Sex um Einfluß über den Mann zu bekommen. Nicht alle, aber es gibt diese Verhaltensweisen. Und jetzt gibt es diese Fälle, wo dies nicht im Einvernehmen passiert ist. Weinstein hat da eindeutig eine Grenze überschritten, die man als sexuelle Machtspielchen zwischen Männer und Frauen hinnehmen kann. Aber die Opfer hätten ihn auch anzeigen können. Es wirkt wie ein nachträgliches Einverständnis, wenn man das Schweigegeld nimmt, ihn aber nicht anzeigt. Und das ist eine Schuld, für die diese Frauen etwas können. Sie hätten andere davor bewahren können. In den 90er gab es große Wellen wegen einer Zigarre, Billd Clinton und Monika Lewinski. Und das war einvernehmlicher Sex. das man Weinstein mit solchen Vorwürfen nicht auch damals schon zerstört hätte, glaube ich nicht. Man hätte ihn anzeigen müssen. Und ich glaube auch nicht, das sich keine Zeugen gefunden hätten, wenn sein Verhalten bekannt war. Es gibt immer jemanden, der einem Mann an der Spitze eines Unternehmens oder Partei mit Freuden das Messer in den Rücken rammt, um selber Vorteile zu haben.

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Schweizer 17.10.2017, 18:23
42. Opfer Schweigegeld Kariere weitere Opfer....?

Zitat von l.e.deluxe
Zum ersten mal bin ich fast zu 100% mit ihren Artikel einverstanden, nur ein Satz irritiert mich. Besonders da er von Ihnen kommt. "Es ist kein Zufall, dass die meisten von Weinsteins Opfern junge Schauspielerinnen waren, die am Anfang ihrer Karriere standen und von ihm mehr oder weniger abhängig waren. " Dieser Satz ist ja inhaltlich völlig daneben und falsch, ja sogar antifeministisch. Keine Frau hat einen Grund oder einen Zwang sich von so einen unangenehmen Typen wie Weinstein abhängig zu machen. Da pfeife ich doch eher auf die Schauspielkarriere als mich von so einen Typen abhängig zu machen. Daher kann ich diesen Satz von Ihnen null nachvollziehen.
Das ist aber doch nicht der Einzige Punkt der falsch und total daneben ist!
Wer Typen wie Weinstein machen lässt, der stellt Geld und Kariere über seine sexuelle Integrität. (Und die Anderer)
Das trifft auf die Opfer und alle Mitwisser zu, darunter auch berühmte Schauspielerinnen die nicht missbraucht wurden...!
Wer Schweigegeld akzeptiert und sei es noch so hoch, der lässte Kriminelle gewähren und nimmt weitere Opfer in Kauf.

Hier dürften sich nicht wenige Frauen selber für ihre Karriere "geopfert" haben.

"Normale" Vergewaltigungsopfer haben keinen solchen Vorteil davon sie Taten zu erleiden. Sollte man nicht vergessen.

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cipo 17.10.2017, 18:24
43.

Zitat von NewYork76
Und was Herr Weinstein getan hat ist widerwaertig und muss hart bestraft werden! Trotzdem waere eine etwas objektivere Betrachtung speziell in diesem Fall doch ein paar Worte wert. Weinstein konnte naemlich nur so lange sein Unwesen treiben, weil er von Mitwissern gedeckt wurde. Und ... jetzt kommt der Sachverhalt mit dem Sie Sich wahrscheinlich nur schwer anfreunden koennen ... diese Mitwisser waren auch Frauen aus Weinstein's Umfeld sowie die Opfer.hen.
Mir wird übrigens speiübel, wenn ich die gerade Amok laufende Rose McGowan sehe oder höre. Sie hat vor sechs Jahren einen Film mit dem Regisseur Victor Salva gedreht, der 1989 wegen Pädophilie zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. Als McGowan 2011 in einem Interview darauf angesprochen wurde, war ihre Antwort doch tatsächlich: "Ja, ich verstehe diese ganze Geschichte noch immer nicht und ich ziehe es auch vor, sie nicht zu verstehen, weil mich das wirklich nichts angeht." Oh ja, es ging ja auch nur um einen zwölfjährigen Jungen und nicht um eine volljährige Frau.

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bienchen-maja 17.10.2017, 18:28
44. Durcheinander

Mir ist der Beitrag einfach zu durcheinander. Man sollte schon klären, worüber wir da ganz genau reden.

Zudem fällt mir auf, dass die "Mitwisser" in dem Artikel ausschließlich als Männer definiert werden.

Ebenfalls fällt mir diese Passage auf:
"Und selbst falls es so sein sollte, dass einige der Frauen sich bewusst darauf eingelassen haben, mit einem Typen aufs Zimmer zu gehen, vor dem schon lange gewarnt wurde und dessen Übergriffigkeit bekannt schien: Andere hat diese Gewalt zerstört. Sie wird nicht besser dadurch, dass manche Opfer sie okay weggesteckt haben mögen. Hier zeigt sich der alte Versuch des "victim blaming" (...)"

Natürlich macht es das Verhalten von Weinstein nicht besser, wenn sich einige Frauen (und wer weiß, ob das nicht eine ganze Anzahl war) bewusst und absichtlich darauf eingelassen haben. Hier sollte die Autorin aber auch einmal über das Verhalten zumindest einiger Frauen nachdenken und das auch thematisieren.

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vera gehlkiel 17.10.2017, 18:59
45. @spontanistin

Zitat von spontanistin
Der „Produzent“ dürfte sich wie auch der US Präsident Donald T. mit seinen Taten im Umfeld gebrüstet haben. Dort scheint er wohl überwiegend Bestätigung erhalten zu haben. Zwei Aspekte geben aber auch zu bedenken: Wieso machen sich die jungen Schauspielerinnen freiwillig abhängig von solchen Typen? Und: ist der präpotente Mann nicht auch ein Ergebnis der sexuellen Selektion durch die Weibchen und der frühkindlichen Prägung und folgenden Sozialisation durch die Mütter?
Ja, wir leben in einer Männerwelt, und wir lieben die "Nischen" allzu sehr, welche sie uns bietet. Ich war immer masslos ehrgeizig, aber der Gedanke, dass ich es wohl noch hinkriegen würde, "notfalls" auch einen repräsentativen Gatten abzugreifen, der viel verdient, dennoch seine Hosen nicht mit der Kneifzange anzieht, wenn ich erkennen würde müssen, dass sich meine Träume in Alpträume umzuwandeln begännen, hat mir einen Extraschub gegeben, falls es mal richtig ernst oder zäh wurde. Man kann auch als honorige Frau immer noch reinweg auf die "Alternative" Kinder setzen. Frauen überlegen sich sowas, natürlich. Sie setzen die Mühen und wirklich harten Leiden der Schwangerschaft, die eventuelle Deformation des Körpers (wobei einige ja auch finden, gehabte Mutterschaft mache den weiblichen Körper sogar anziehender), die jahrelange relative Eindimensionalität des Erziehens von Kleinkindern gegen die Vorteile, die Schutz durch Konventionen und die Gelegenheit, wenigstens als Chefin im eigenen Haushalt auch eine Bestimmerin zu sein, bieten. Und werden ihren Nachkommen zwangsläufig vermitteln, dass bestimmte Rollenmuster mehr oder weniger seit Adam und Eva schon zur Erfolgsgeschichte der Menschheit dazu gehört haben. Die Männerwelt, die uns umgibt, ist auch die Folge von anerzogener weiblicher Passivität, von dem Genuss, der darin liegt, sich artig als ein reines Objekt zu verhalten. Sehr viele Frauen erkennen dabei wohl immer noch schlicht zu spät die Sackgasse, in welche sie oft sehr früh, ohne viel erprobt zu haben, eingebogen sind. Männer hingegen wollen eins fast immer: Sex haben, notfalls auch um den Preis, Kinder dabei zu zeugen. In der Männerwelt ist diese Streuung des Erbgutes, ist, ins Politische übersetzt, diese imperiale Struktur unwidersprochen. Von allzu vielen Frauen wird dem aber nur ein bisschen gesichtswahrend entgegen gepiepst. Viel, viel Leid wäre zu verhindern, wir sollten uns, Weiber und Kerle am besten zusammen, aber notfalls auch getrennt, alle wieder frisch im Kopf machen. Auch, was unsere "typisch weiblichen" zartbesaiteten Bedürfnisse nach Selbstverniedlichung und die immer Hand in Hand damit gehende monströse Hochachtung vor sogenannten "Erfolgstypen" betrifft.

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cave68 17.10.2017, 19:26
46. wie wäre es eigentlich mal

wenn Frau Stokowski genau den Hebel an der Ursache ansetzt?Wenn sich Menschen (über Jahre) Gewalt aussetzen ohne sich zu wehren oder den Täter anzuzeigen dann hat dies meitens mit einem extrem geringen Selbstwertgefühl zu tun....eine Frau mit gesundem Selbstwert lässt sich weder von ihrem Chef noch von einem Prominenten sexuell belästigen oder begrapschen ....genauso wenig Selbstwertgefühl ist es ,wenn die Ehefrau den Sex über sich ergehen lässt nur um den Partner milde zu stimmen (es ist diesbezüglich eben auch eine Vergewaltigung wenn Frau nein sagt und der Mann sich den Sex trotzdem nimmt...was viele Frauen gar nicht wissen).
Vielleicht erklärt mir Frau Stokowski was solche Hashtags eigentlich bringen?Glaubt jemand dass solch ein öffentlicher Aufschrei etwas an der nicht vorhandenen Empathie der Täter ändert?
Übrigens sollte sich Frau Stokowski mal fragen ob die Zustimmung seinerzeit zu der Vergewaltigungs -"Erfinderin" Gina Lisa Lohfink und dem seinerzeit peinlichen Team GinaLisa der ganzen Debatte nicht einen Bärendienst erwiesen hat?....andersherum nämlich (dass Frauen eine Vergewaltigung erfinden) kann man ein Leben ebenso zerstören wie mit einer Vergewaltigung selbst.

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maneater 17.10.2017, 20:26
47. weg mit der Larmoyanz

Liebe Frau Stokowski, Ihrem Kommentar kann ich mich bedingt anschliessen; das dem zugrunde liegende Uebel ist Macht. In diesem Falle Macht, die missbraucht wird um sexuelle Triebe zu befriedigen. Für meinen Geschmack wird das Thema zu moralisch diskutiert. Die Frage stellt sich nicht, wo er angegrabst hat, ob er ihn halb rein oder ganz reingesteckt hat, dass führt nicht weiter und befriedigt nur die Sensationsgier.
Tatsache ist, dass der prozentuale Anteil von Frauen in Fuehrungspositionen stagniert oder zurueck geht. Selbst im Bundestag sitzen weniger Frauen.
Das Bewusstsein ueber dieses Machtgefuege nimmt ab, ebenso wie der Respekt, von Unrechtsbewusstsein ganz zu schweigen.
Vor ein paar Jahren hatten wir den Bruederle.
Wenn ich nicht irre, ist die Sache lauwarm in der Oeffentlichkeit zu Ende gegangen.
Dann hatten wir Strauss-Khan, dem ist auch nicht viel passiert, ausser das er von der 1.Reihe in die 2. Reihe rutschte.
Welche rechtlichen Mittel haben wir, reichen sie aus? Werden sie konsequent angewandt?
Mit welchen Straßen kommt der Taeter weg?
Was fehlt? Wie reagieren unsere Volksvertreter? Was passiert auf der Gewerkschaftsebene? Dies sind Zielstellungen, die die Frauen selbst in die Hand nehmen müssen, denn freiwillig wird es keinen Machtverzicht geben.
Liebe Frau Stokowski, Ihrem Kommentar kann ich mich weit gehen anschliessen; dennoch fehlt mir etwas: das dem zugrunde liegende Uebel ist Macht. Macht, die missbraucht wird um sexuelle Triebe zu befriedigen. Für meinen Geschmack wird das Thema zu moralisch diskutiert. Die Frage stellt sich nicht, wo er angegrabst hat, ob er ihn halb rein oder ganz reingesteckt hat, dass führt nicht weiter und befriedigt nur den Sensationstrieb.
Tatsache ist, dass der prozentuale Anteil von Frauen in Fuehrungspositionen stagniert oder zurueck geht. Selbst im Bundestag sitzen weniger Frauen.
Das Bewusstsein ueber dieses Machtgefuege nimmt ab, ebenso wie der Respekt, von Unrechtsbewusstsein ganz zu schweigen.
Vor ein paar Jahren hatten wir den Bruederle.
Wenn ich nicht irre, ist die Sache lauwarm in der Oeffentlichkeit zu Ende gegangen.
Dann hatten wir Strauss-Khan, dem ist auch nicht viel passiert, ausser das er von der 1.Reihe in die 2. Reihe rutschte. Was ist aus den Anschuldigungen gegen Ronaldo geworden? Wo ist die Presse ?
Welche rechtlichen Mittel haben wir, reichen sie aus? Werden sie konsequent angewandt?
Mit welchen Straßen kommt der Taeter weg?
Was fehlt? Wie reagieren unsere Volksvertreter? Was passiert auf der Gewerkschaftsebene? Dies sind Zielstellungen, die die Frauen selbst in die Hand nehmen müssen, denn freiwillig wird es keinen Machtverzicht geben.

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alienata 17.10.2017, 21:31
48. Dass das Problem mit sexualisierter Gewalt ein "strukturelles" ist

Das ist der Knackpunkt! Struktur ist etwas viel umfassenderes als persoenliches,individuelles und das, was in der jetzigen Diskussion im Vordergrund zu stehen scheint: dieses schwein weinstein!
aber dfas ist viel zu kurz gegriffen. es ist vollkommen klar und nachgewiesen, dass alle missbraeucher selbst 'opfer' von missbrauch waren und ihrern weg aus der opfer-rolle nur in der wahl zum taeter fanden. dass weinstein sich wesentlichst auf sehr junge frauen konzentrierte, weist m.e. auf ein inzestioeses ereignis bei ihm selber hin. strukturelle sexualisierte gewalt faengt allermeist in der eigenen familie an.

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corentin 17.10.2017, 22:56
49. Danke.

Danke, Frau Stokowski.

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