Forum: Kultur
Shareconomy: Die Ausbeutung, die wir Sharing nennen
REUTERS

Autos, Wohnungen, Partner: Wir teilen alles und fressen uns am Ende der Nahrungskette gegenseitig auf.

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53er 16.10.2016, 08:18
70. Es ist noch nicht lange her,

da habe ich bei einem Aufenthalt in den USA das System Uber genützt und bewertet. Ja es ist bequem, wenn man auf seinem Smart Phone sofort sehen kann, wo sich der nächste Uber-Fahrer befindet. Man gibt sein nächstes Ziel ein und ein paar Minuten später steht der Fahrer da und fährt einen für 8 Dollar ca. 30 Minuten wohin man will. Schöne neue Welt, wenn da nicht im Hintergrund an vielen Merkmalen erkennbar gewesen wäre (Fahrzeug, Kleidung des Fahrers etc.), dass die geforderte Dienstleistung eben kein Mensch auf dem Weg zum Self-made-Millionär erbringt, so wie Sie das in Ihrem Beitrag glauben machen wollen. Man kann es in San Francisco sicherlich so sehen, aber für europäische Denkweisen ist es etwas gewöhnungsbedürftig, wie Sie die optimierte Nutzung eines Fahrzeugs oder Gebäudes als Argument für die eigentliche Ausbeutung von Menschen ins Feld führen. Ich jedenfalls habe mich nach mehreren Uber-Fahrten für andere, vielleicht unbequemere Arten, des Weiterkommens entschieden. Schon die Art und Weise, wie das Uber-Management glaubt, sich am Markt behaupten zu müssen, läßt tief blicken und stößt auch in den USA auf Unverständnis. Es geht nicht ums Teilen, es geht einzig und allein ums Geld des Travis Kalanick. Geld verdienen zu wollen, ist per se nicht verwerflich, bedenklich wird es erst, wenn man beim Geld verdienen sprichwörtlich über Leichen geht, wie Kalanick das tut. Daher kann ich Ihnen nur raten, sich aus Ihrem amerikanischen Schneckenhaus herauszubewegen und sich auch einmal auf eine andere Sicht der Dinge, so wie sie Sybille Berg darlegt, einzulassen. Denn eines habe ich bei mehreren Aufenthalten in den USA festgestellt: Man nimmt sehr schnell die amerikanische Art zu leben an, sie ist bequem und frei von Zweifeln, das Zweifeln beginnt meist, wenn man beim Rückflug das Land von oben sieht.

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flytogether 16.10.2016, 08:40
71. Bitte diesen Satz erklären:

Das Posten, das wir politische Aktivität nennen, also Sie sicher nicht. Aber ich.

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mac4me 16.10.2016, 09:04
72. Da kann ich weiterhelfen...

Zitat von pteranodon
Interessante These und interessantes Thema. Leider konnte ich dem Text keinen Sinn entnehmen. (Was hat denn das Aufkaufen journalistischer Medien durch Superreiche mit Uber zu tun...?)
... das hat viel miteienander zu tun: eins bedingt das andere: Die immer weitere, mit der Möglichkeiten der IT sich ausweitende Ökonomisierung und Rationalisierung der Welt bewirkt, daß wenige noch reicher, viele aber noch ärmer werden. Auch in den sogenannten reichen Ländern dieser Welt.

Im Falle von Uber profitieren nicht die Fahrer, sondern die, die ein sogenanntes skalierbares Geschäftsmodell (bedeutet mehr Profit ohne mehr eigenen Abeitsanteil) durchgesetzt haben, also die Besitzer von Uber. Und die kaufen mit dem Geld dann z.B. journalistische Medien auf, um ihren Einfluß durch mediale Dauermanipulation zu stabilisieren - siehe "Das Schweigen der Lömmer" von Prof. Rainer Mausfeld).

Dieses Ungleichgewicht nimmt immer groteskere Formen an.

Frau Berg hat sich offenbar einen Sinn dafür bewahrt, statt dies nur noch zynisch hinzunehmen und sich mit dem Elend derer zu trösten, denen es noch schlechter geht als einem selbst.

Und die Politik kippt Himbeersoße drüber a la "Deutschland geht es gut".

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Koana 16.10.2016, 09:10
73. Gruselig.....

....hier beschreibt sich eine Artgenossin als völlig determiniertes Monstrum.
Wobei, was helfen vielleicht 0,1% jener Artgenossen, die eben kein Auto besitzen, die keine Arbeit verrichten, die erkennbar destruktiv und offensichtlich verbrecherisch ist, sondern schlicht in ihren Blasen zu überleben versuchen.
Diese Blasen existierten wohl schon immer und es war leider immer eine winzige Minderheit die sich konsequent einem mörderischem System zu verweigern gestattet hat - oft mit der Konsequenz von der Gesellschaft erschlagen worden zu sein, so sie unvorsichtigerweise dieser zu Nahe kamen.

Frau Berg skizziert diese Gesellschaft, sie pickt hier einige Aspekte heraus und das Echo im Forum ist ebenso interessant, wie ihre gewählte Sprache - wobei ich fürchte, Sie selbst wollte mal wieder nur "überzeichnen", sie selbst reflektiert in keiner Weise, wie wahr ihre Gedanken tatsächlich sind, vor allem auch auf Sie selbst bezogen.

Möge Sie noch lange Kaufkraft haben, den ohne, wäre sie wohl am Ende nur ein Häufchen Elend.

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joerg.braenner 16.10.2016, 09:12
74. Fade Kapitalismuskritik

Liebe Frau Berg,

was beklagen Sie denn hier eigentlich? Wenn man die fade gewordene linke Gesellschafts- und Kapitalismuskritik heranzieht, die sie als Universalwerkzeug verwenden, ist auch der Bäcker um die Ecke ein armes geknechtetes Wesen. Der arme Mensch muss um zwei Uhr morgens aufstehen und buckeln, damit dekadente Kolumnistinnen irgendwann gegen neun vorbeischlurfen und ihr Morgencroissant abholen können. Böse kapitalistische Ausbeuterwelt!

Ich habe mit mit Share-Economy näher befasst und finde, dass diese die Möglichkeit bietet, Menschen ins Berufsleben zu integrieren, die bisher von Sozialhilfe lebend den Tag auf der Couch verbracht haben. Uber ist ein gutes Beispiel dafür. Sicher sind die Uber-Fahrer keine Karriereüberflieger, aber das waren die Taxifahrer aus der guten alten Zeit auch nicht. Fakt ist aber: Leute können nun mit Minimalqualifikation wie einem Führerschein Geld verdienen. Früher war das nicht so.

Zudem bietet die Share-Economy Menschen mit geringem Budget die Möglichkeit, Dinge zu konsumieren, die sie nicht selbst und allein anschaffen können (Autos zum Beispiel). Zudem ist das Teilen von selten genutzten Artikeln besser, als wenn jeder sich die selben Waren kauft und hortet. Insofern ist die Share Economy ein gutes Gegenmodell zum Konsumterror der vergangenen Jahrzehnte.

Und wenn gerade Sie sich hier darüber aufregen, dass manche Menschen mit wenig oder gar keiner Arbeit üppig leben, während andere gerade überleben können, dann sollten Sie sich mal an die eigene Nase fassen. Wie kann es sein, dass man mit so lieblos zusammengetippten Kolumnen auf SPON so fürstlich leben kann, dass man sich tagelang von Lohnsklaven durch London chauffieren lassen kann?

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5Minute 16.10.2016, 09:27
75.

Zitat von heiko_alt
Frau Berg, Sie haben die Sharing economy nicht verstanden. [..]
Ich glaube eher, Frau Berg hat das sehr gur verstanden.
Hauptsächliche Kostenersparnis bei Sharing Economy ist doch die vermeintliche Einsparung an Lohnnebenkosten. Und Weil der Sharer kurzfristig in Konkurrenz steht und seinen Preis drückt. Wenn dann das böse erwachen kommt, dass die Persönliche Rechnung nicht aufgeht, ist Uber weg, man nennt es auch Ausbeutung. Dazu gehen aus einer funtionierenden Sparte (Texi) 25% ins Ausland (usa), die auch einfach in D bleiben könnten, für Sozialsicherung, für unsere Gemeinschaft.

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brazzo 16.10.2016, 09:35
76. @heiko_alt

Deswegen klagen allein in Kalifornien auch 160000 Uberfahrer auf Festanstellung, die haben nämlich keine Lust mehr auf 7000$ Einkommen und 32% Spitzensteuersatz als Selbständige.
Ich würde Ihren Beitrag ja als gelungene Satire einstufen, aber ich befürchte, Sie glauben das wirklich, oder werden zumindest dafür bezahlt es zu glauben.

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notbehelf 16.10.2016, 09:37
77. Zukunft

Zitat von fatum
Ein Artikel, der komplett an der Zukunft vorbei geht. Das Prinzip von Uber ist die Zukunft, je länger Deutschland sich davor verschließt desto mehr Schaden sie den meisten Bürgern. Frau Sibylle, Sie hätten wahrscheinlich auch vor 100 Jahren einen ähnlichen Artikel geschrieben mit gleichem Protest gegen Waschmaschinen, damit die Waschfrauen nicht arbeitslos werden. Dann hätte sie wohl formuliert "Diese geldgierigen Elektrounternehmen machen ein ganze Berufsgruppe kaputt und zerstören den Mittelstand!!" Kopschütteln kann man nur, wie viel mehr Leute würden diese Form von Transport nutzen und dadurch mehr Freiheit haben. Ich habe Uber in Südafrika und den USA oft genutzt, und viele verschiedene Uber Fahrer kennen gelernt. ALLE von ihnen waren SEHR zufrieden und einige haben mir EInblicke in den Verdienst gegeben, ich sage Ihnen, soviel verdienen viele Taxifahrer nicht! Taxifahrer warten geschätz 60% der Zeit nur auf die nächste große Fahrt, Uber hat einen Nutzungsgrad von weit darüber, bringt neue Jobs für viele Fahrer mit stabilem Einkommen. Es ist peinlich, dass Deutschland sich dieser Innovation verschließt, mit einem Klick kann man eine Fahrt bestellen, alles per GPS verfolgen und muss sich nicht mal um die Bezahlung kümmern, die wird automatisch verbucht. DAS ist Zukunft.
So, dann ist es also unsere Zukunft, dass wir uns alle gegenseitig Dinge teilen, damit andere daran mitverdienen, die diese Dinge nicht besitzen. Und diejenigen, die diese Dinge produzieren, immer weniger werden, weil ja mehr geteilt wird. Aber die können sich ha gegenseitig irgendwo hinfahren.

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shechinah 16.10.2016, 10:12
78. Buzzword

Das beste ist jetzt die ganz normale Autovermietung, die jetzt plötzlich "CarSharing" heißt. Obwohl da gar nix geshared wird, sondern einfach nur ganz normal vermietet, wie immer schon.

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AZ1 16.10.2016, 10:17
79. Wichtigstes Thema!

Private Gier ist der Motor des Fortschritts. Aber im Wettlauf um die Gestaltung des Kapitalismus liegt sie zZ leider weit vor der sozialen Regulierung. "Dank" den USA, die (erfolgreich) ihre strategische Position ausbauen wollen, und den europäischen Regierungen, die die Digitalisierung immer noch nicht verstehen und außerdem zu kleingeistig sind.

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