Forum: Kultur
Sinnestäuschung in der Kunst: Das Bild trügt
Hans Peter Reuter/ VG Bild-Kunst, Bonn

Die Münchner Ausstellung "Lust der Täuschung" ist ein Parcours durch die Geschichte der optischen Tricks und Betrügereien. Manches ist für die Betrachter einfach zu viel.

dasfred 22.08.2018, 04:50
1. Eventkunst

Diese Ausstellung kommt auf jeden Fall dem Bedürfnis nach Aktion entgegen. Auch die toten Objekte werden durch ihre eigenwillige Gestaltung belebt. Dadurch wird der Eindruck sicher beim Publikum nachhaltiger sein, als im gewohnten Kunstbetrieb.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
RuedigerGrothues 22.08.2018, 12:23
2. Täuschung über eine Täuschung

Manchmal ergänzen sich die Beiträge im Tableau einer Zeitung oder Zeitschrift, analog oder digital, auf verblüffende Weise, und heute haben wir so einen Fall:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/porto-mann-stuerzt-in-kunstwerk-weil-er-es-fuer-optische-taeuschung-haelt-a-1224345.html
Da hält also ein Besucher die "Installation" "Descent into Limbo" (etwa: "Abstieg in die Vorhölle"-SPON) für einen aufgemalten schwarzen Punkt auf dem Museumsboden und fällt in ein zweieinhalb Meter tiefes Loch...
Manche Täuschung ist also gar keine, oder die Täuschung über eine Täuschung.
Das Leben schreibt doch immer noch die schrägsten, wenn auch manchmal schmerzhaften Geschichten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
neanderspezi 22.08.2018, 13:04
3. Jede Darstellung der Tiefe des Raums bedient sich optischer Tricks

Einer der ganz Großen in der Darstellung speziell perspektivischer Unmöglichleiten, Maurits Cornelis Escher, sollte in dieser Zusammenstellung visueller Sinnestäuschungen in der Kunst wenigstens mit einer seiner wahrnehmungsirreführenden Werke vertreten sein. Intensiver als er hat sich kaum ein Künstler mit der Reduktion der Dreidimensionalität auf zweidimensionalen Malgrund mit der Absicht verwirrender paradoxer Formgebung beschäftigt. In Den Haag wurde eigens für ihn ein Escher-Museum eingerichtet.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Grummelchen321 22.08.2018, 16:45
4. Wenn

Kapoor nicht die exklusiven Verwendundsrechte an Vantablack hätte könnte man noch viel mehr mit Sinnestäuschungen in der Kunst schaffen.
Rechte an Materialien behindern die Kunstfreiheit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
BrunoGlas 22.08.2018, 22:56
5. Zu Grummelchen321

Liebes Liebchen Grummelchen,

dat stimmt nit so nit janz! Dat Nano-Schwarz Vantablack absorbiert über 99,96% allen Lichts . Es besteht aus vertikal aufgerichteten Kohlenstoffstäbchen, je ein Atom breit. In sie fällt Licht, das zwischen den Stäben hin und her springt, bis es vollständig absorbiert wird. Das ist genau das Schwarz, was Anish Kapoor gekauft hat.

Aber es gibt auch eine abgeschwächte Version des Vantablack, und die ist auf dem Markt, sogar als Sprühlack. Dazu die Bekanntmachung der Herstellerfirma auf Deutsch: https://www.surreynanosystems.com/de/vantablack/faqs Dabei wird nochmals der Unterschied zwischen den Schwarztypen beschrieben.

Ansonsten, dass der Besucher in das kreisrunde Loch von Anish Kapoor hineingefallen ist, hat nichts mit dem überheblichen Totalanspruch von Kunst oder des Künstlers zu tun. Es hat aber eher damit was zu tun, dass die Tragweite der optischen Täuschung des Totalschwarz von niemanden vorhersehbar war. Ein künstlerischer Wahrnehmungsprozess kann tatsächlich so intensiv sein, dass alles Methodische und Rationale - Sicherheitshinweise - abgetrennt wird. Das dürfte der Grund des Unfalls sein.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
RuedigerGrothues 26.08.2018, 19:18
6. Paint It Black

Ja, die Farbe spielt eine große Rolle. Kapoor arbeitet mit diesem ganz speziellen Schwarz Vantablack, das von der britischen Firma NanoSystems entwickelt wurde und wohl wirklich als das schwärzeste Schwarz aller Zeiten gelten kann, schon länger. Es absorbiert nahezu alles Licht, bis auf einen vernachlässigbaren Rest von 0.035%, und niemand liegt falsch, der den hauptsächlichen Verwendungspunkt beim Militär samt Weltraumtechnologie verortet. Aber das ist nicht alles: Diese Farbe darf Anish Kapoor tatsächlich exklusiv für künstlerische Zwecke benutzen, was nebenbei gesagt natürlich Kolleginnen und Kollegen auf die Palme bringt. Siehe zum Beispiel auch
https://www.freitag.de/autoren/shamus/die-taeuschung-ueber-die-taeuschung

Beitrag melden Antworten / Zitieren