Forum: Kultur
Songwriter Caetano Veloso: Raus aus der Weltmusik-Schmuddelecke!
AP

Der Brasilianer Caetano Veloso gilt daheim längst als Legende. Im Rest der Welt verstauben seine Platten in der Weltmusik-Ecke. Nun verneigen sich coole Hipster wie Beck, Devendra Banhart und The Magic Numbers auf einer Tribut-CD vor Velosos Kunst.

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Christofkehr 24.08.2012, 09:33
1. was soll denn das?

"So wird auch diese feine Tribut-CD vermutlich jenseits von Brasilien in den Weltmusik-Ecken der Plattenhändler und Feuilletonisten versteckt und begraben werden. " Herr Autor, zählt für Sie nur der kommerzielle Erfolg? Sollten wir den Plattenhändlern (die gibt es ja kaum noch) und den Feuilletonisten nicht dankbar dafür sein, dass sie unbekannte Musiker "ausgraben"? Ich fürchte, in Ihrem Weltbild verkommt die Kultur zur Casting-Show .....

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Manollo 24.08.2012, 09:40
2. Brasilien braucht sich musikalisch vor keinem Land zu verstecken

Zitat von sysop
Der Brasilianer Caetano Veloso gilt daheim längst als Legende. Im Rest der Welt verstauben seine Platten in der Weltmusik-Ecke. Nun verneigen sich coole Hipster wie Beck, Devendra Banhart und The Magic Numbers auf einer Tribut-CD vor Velosos Kunst.
...auch nicht vor den USA. Caetano Veloso, Gilberto Gil, Milton Nascimento, João Bosco und Chico César haben umwerfend faszinierende Pop-Musik geschrieben. Die 1982 verstorbene Elis Regina hatte eine gigantische Stimme und Musikalität. Maria Bethânia, Daniela Mercury, Badi Assad und Marisa Monte stehen da kaum nach. Alleine die Sprache verhindert, dass diese MusikerInnen weltweit berühmt werden.

Der brasilianische Scott Joplin hieß Ernesto Nazareth und schrieb "Choros", die in puncto Swing und Vitalität kaum hinter dem Ragtime zurückbleiben. Der Komponist Villa-Lobos war genauso fantasievoll wie Debussy oder Strawinsky. Das Land hat grandiose Pianisten wie Nelson Freire hervorgebracht und geniale Gitarristen wie Baden Powell, die Gebrüder Assad, Marco Pereira und Paulo Bellinati.

Doch leider gilt die Kunst der sogenannten Dritten Welt zumeist weniger als die der USA oder Europas, was sich wohl erst allmählich ändern wird.

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redaktionär 24.08.2012, 09:41
3. optional

Dass den hierzulande nur eine kleine Gruppe von Musik-Connoisseurs kennt, ist eigentlich sehr schade. Kleiner Anspieltipp für Leute, die sich mit Tropicalia und Bossanova schwertun: "Burn this House" im Duett mit Lila Downs aus dem "Frida"-Soundtrack. Dann leuchtet einem ein, dass das nicht einfach das Talent des Songwriters ist, sondern auch eine Stimme, die seinesgleichen sucht.

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Clemens Grün 24.08.2012, 09:44
4. Schön, dass die SPON-Redaktion...

...auch mal wieder über ihren sonst recht engen popkulturellen Horizont hinausblickt, aber warum ausgerechnet Weltmusik aus der "Schmuddelecke" kommen soll - einem Synonym für Verschlagenes, Anrüchiges, Skandalöses - bleibt des Autors Geheimnis. Wobei offen bleibt, ob es sich dabei nur um eine Stilblüte handelt oder seiner fehlenden Kenntnis des wichtigsten Impulsgebers der Popmusik in den letzten 50 Jahren geschuldet ist. Als hätte es die Welterfolge von Paco de Lucia, Sergio Mendes, Miriam Makeba, Goran Bregovic oder des Buena Vista Social Clubs nie gegeben. Übrigens auch nicht die Spätphase der Beatles. Oder womöglich meint Herr Dallach Shakiras Hüftschwung? Fragen über Fragen...

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Ketamo 24.08.2012, 09:48
5.

Wer Caetano Veloso nicht kennt, hat die Welt verpennt! !!
Feliz aniversário atrasado grande mestre!!!

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Meinungsmarktbeiträger 24.08.2012, 10:10
6. Musik für die (erste, zweite und dritte) Welt.

Zitat von Manollo
Brasilien braucht sich musikalisch vor keinem Land zu verstecken.
Ganz sicher nicht - denke ich auch.
CDs von Caetano Veloso, Gilberto Gil, Milton Nascimento, Chico César, Maria Bethânia und die vieler andere Brasilianischer Künstler haben eine besondere und große Ecke in meinem CD Schrank ....

Zitat von Manollo
[...] Alleine die Sprache verhindert, dass diese MusikerInnen weltweit berühmt werden.[...]
Nö, ich fand die Musik schon klasse, bevor ich nur ein Wort Portugiesisch konnte ...

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cipo 24.08.2012, 10:40
7.

Zitat von sysop
Der Brasilianer Caetano Veloso gilt daheim längst als Legende. Im Rest der Welt verstauben seine Platten in der Weltmusik-Ecke. Nun verneigen sich coole Hipster wie Beck, Devendra Banhart und The Magic Numbers auf einer Tribut-CD vor Velosos Kunst.
Ehrlich? Caetano hat seit Jahren im Ausland einen weitaus besseren Ruf als in seiner Heimat, wo sich seine Alben gegen den Música-Sertaneja-Müll, der die Charts, das Radio und das Fernsehen verstopft, nicht ansatzweise behaupten können. Wie ein João Gilberto ist Caetano mittlerweile Darling eines kleinen, elitären Zirkels von altlinken/ehemals linken Brasilianern. Für Furore sorgt er heute nur noch mit polemischen Äußerungen, die meist nur einem Zweck dienen: ihn ab und an mal wieder in die brasilianischen Schlagzeilen zu hieven.

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jolip 24.08.2012, 10:45
8. Empfehlung

Zitat von redaktionär
Dass den hierzulande nur eine kleine Gruppe von Musik-Connoisseurs kennt, ist eigentlich sehr schade. Kleiner Anspieltipp für Leute, die sich mit Tropicalia und Bossanova schwertun: "Burn this House" im Duett mit Lila Downs aus dem "Frida"-Soundtrack. Dann leuchtet einem ein, dass das nicht einfach das Talent des Songwriters ist, sondern auch eine Stimme, die seinesgleichen sucht.
Sehr empfehlenswert für Einsteiger die Sampler Tropicalia und Brasilian Sound Tropicalia 2 vom Label Souljazz Records.
MFG
jolip

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Manollo 24.08.2012, 11:00
9. Bossa Nova und Tropicália...

Zitat von cipo
Ehrlich? Caetano hat seit Jahren im Ausland einen weitaus besseren Ruf als in seiner Heimat, wo sich seine Alben gegen den Música-Sertaneja-Müll, der die Charts, das Radio und das Fernsehen verstopft, nicht ansatzweise behaupten können. Wie ein João Gilberto ist Caetano mittlerweile Darling eines kleinen, elitären Zirkels von altlinken/ehemals linken Brasilianern. Für Furore sorgt er heute nur noch mit polemischen Äußerungen, die meist nur einem Zweck dienen: ihn ab und an mal wieder in die brasilianischen Schlagzeilen zu hieven.
...war aber IMMER die Musik der Gebildeteren und Intellektuellen und nie populär im Sinne einer Massenkultur wie etwa Pagode, Música sertaneja oder Axé. Tom Jobim, Vinícius, Chico Buarque oder eben auch Caetano hatten ihr Publikum stets unter Akademikern und nicht unter Putzfrauen, Busfahrer oder Friseuren.

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