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Sozialhistoriker über SPD-Niedergang: "Man hat sich zu lange auf die sogenannten Stam
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Der Nahles-Rücktritt und die Europawahl zeigen: Die SPD ist in einer tiefen Krise. Doch die hat eine lange Vorgeschichte. Der Historiker Lutz Raphael kennt die Hintergründe und stellt eine ketzerische Frage.

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Yoroshii 10.06.2019, 13:38
80. Den Ast absägen auf dem man sitzt!

Es war ein knorriger Ast und man saß immer so, dass es weh tat - aber man saß! Zur Zeit des rheinischen Kapitalismus hat sich gar eine Art Kissengefühl entwickelt. Man saß bequem. Dann kam der Zusammenbruch des Sowjetkommunismus und einher damit die geistig moralische Wende hiezulande. Die alte Tante SPD hatte verlernt, gegen "das Böse zu kämpfen". Der US-gesteuerte Kapitalismus dominierte und das, was sich links sah, erblindete. Man realisierte nicht, dass die Industriearbeiterschaft sich verwandelte in ein wucherndes Prekariat. Grokoismus ist der Todeshauch der hiesigen Erfolgsgeschichte. Was uns droht, ist das Faulen im Ideologieabsud grüner Wohlständler. Draußen, dort wo eine Milliardenschaft Armer darbt und wo religöse Intoleranz brodelt, droht Unheil. Die bedingungslose Nachfolge der Militärmacht USA verschärft die Prozesse.

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Karla Winterstein 10.06.2019, 14:10
81. Industriearbeiterschaft stirbt seit langer Zeit zunehmend aus

Wenn man die Wählergruppierungen ansieht, dann findet man zuerst einmal Rentner auf der einen Seite der Alterslinie, und dann Leute mit Abitur und oft einem Studienabschluss auf der anderen Seite dieser Altersgeraden. Dazwischen gibt es neben den Handwerkern und denen, die in der Landwirtschaft beschäftigt sind, noch Handel und Verwaltung. Die Zahl derjenigen, die man als "klassische Arbeiterschaft" bezeichnen würde, ist doch eine aussterbende Spezies.

Das seltsame Schlagwort "Industrie 4.0" beinhaltet in erster Linie eine Aussage: Unterhalb des studierten Spezialistenniveaus benötigen wir keine dauerhaften Kräfte mehr.

Ein Paradebeispiel aus jüngerer Zeit ist doch die neue Adidas-Schuhfabrik, die statt der nach Vietnam verlagerten Produktion in Deutschland aufgebaut wurde. Statt der ca. 1000 Arbeiter werden hier 200 bis 300 Spezialisten benötigt, von denen die überwiegende Mehrzahl mit der Einrichtung und Wartung der Roboter zu tun hat.

Wen soll denn die SPD aber ansprechen? - Auf der rechten Seite des Parteienspektrums hätten sie klarerweise keine Chance. Links hält sich Die Linke stabil und im mittleren Bereich streiten sich Grüne, FDP und CDU um die Wähler.

Meines Erachtens wird die SPD bei weiter zunehmender Automatisierung im Wirtschaftsprozess, der ja eindeutig zu erwarten ist, in den Parlamenten Stück für Stück verschwinden und zu einer Splitterpartei werden, die kaum noch jemanden interessieren wird - ausser die Historiker.

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gruenerfg 10.06.2019, 14:19
82. Total falsch

Der Titel könnte aus der deutschen Presse sein und ist total verkehrt: die SPD hat die alten Wähler total verraten und nicht geachtet, immer auf dem Weg, neue Wählerschichten zu erreichen.

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doc_snyeder 10.06.2019, 14:54
83. Die Ausländerproblematik wird noch nicht einmal erwähnt

Weder das Wort Migration noch das Wort Ausländer werden in dem Artikel überhaupt genannt. Dieses Problemfeld ist natürlich nicht das einzige und vielleicht auch nicht das entscheidende für die Situation der Sozialdemokratie, aber doch ein so wichtiges, dass es nicht komplett vernachlässigt werden kann. Bekanntlich hatten noch Brandt und Schmidt schon zu Beginn der Siebzigerjahre den Zuzug als Problem erkannt und einen Anwerbestopp erlassen, der auch nicht die geringste Wirkung hatte. Im Gegenteil. Die Spitzen der Partei engagierten sich mehr und mehr für ungebremsten Zuzug und verstärkten systematisch die Entwicklung von Integration zu Inklusion und dann zu Parallelgesellschaften. Und während dieser Kurs gerade von der Arbeiterschaft nicht gewünscht war, wurde die SPD in ihrem Engagement für Ausländer von Grünen und Linken noch weit überboten. Und so verlor die SPD gerade auf diesem Gebiet Wähler nach links, vor allem zu Grün, und eben auch nach rechts oder zu den Nichtwählern. - Es ist bezeichnend, dass in diesem Interview weder der fragende SPIEGEL noch der antwortenden Professor diesen Bereich überhaupt ansprechen. Warum? Weil diese Problematik inzwischen von der deutschen Politik mehr oder weniger billigend als schicksalhaft verstanden wird, auf dem die etablierten Parteien nichts gestalten können, nichts gestalten wollen und auch nichts gestalten dürfen. Ausser, den Trend zu Zuwanderung und Immigration immer weiter zu verstärken.

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wauz 10.06.2019, 15:35
84. Ganz schwache Analyse

Auch bei den Historikern sollte ein gewisses verständnis für die volkstümliche Weisheit "Geld regiert die Welt" angekommen sein. Man könnte natürlich auch mal Marx lesen....
Also es ist schon seit 1848 klar, dass die wirtschaftlichen Verhältnisse die sozialen, und damit die politischen verhältnisse deutlich bestimmen.
Es hat sich ja mit dem Übergang von Brandt zu Schmidt nicht nur die SPD geändert, sondern auch das Drumherum. Als Historiker, der sich mit der jüngeren vergangenheit befasst, sollte man z.B. auch das Lambsdorff-Papier kennen, das diesen Umschwung in konkrete politische Forderungen umsetzt. Und damit auch die Rahmenvorgaben.
Die SPD hat genausowenig wie die, eigentlich theoretisch besser aufgestellte DKP, diesen Umschwung verstanden. Die Idee von der Arbeitszeitsverkürzung war gut, aber längst nicht ausreichend. Das heißt, der Klassenkampf von oben hat die gesa,te Sozialdemokratie kalt erwischt. Die haben alle nicht verstanden, dass es um viel mehr geht, als nur die Einführung neuer Technologie.
Die Gewerkschaften versuchten sich in reaktionären Methoden, nur die Technologie zu bekämpfen und so besitzstandswahrung zu betreiben. Das hat die Spaltung der Arbeiter vorbereitet, die dann mit der Hartz-Gesetzgebung in Normen gefasst wurde.
Gleichzeitig muss ein Historiker sich auch der Methoden der Soziologie bedienen. Das Stichwort heißt da "Milieuveränderung". (Sinus-Institut Heidelberg).
Wer als Historiker nicht in der Lage ist, den Erkenntnisfoertschritt der anderen sozialen Wisssenschaften zu bemerken, macht sich einfach unglaubwürdig!

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wassolldasdenn52 10.06.2019, 16:44
85. Die spd liess sich vom Neoliberalismus vorführen!

Die spd hat sich von rechten Unterwanderern zum Spielball des Neoliberalismus machen lassen und hat ihre traditionelle soziale Verbundenheit komplett aufgegeben! Wer sich so weit von seiner Klientel entfernt, der muss sich nicht wundern, wenn er völlig unattraktiv wird! Sowas verzeihen nicht mal die treuesten Stammwähler! Wer nicht für seine Wählerschaft da ist, hat seinen Grund verspielt, gewählt zu werden! Und das verdankt die spd ihrem Totengräber Schröder und seinem Seeheimer Kreis! Verprellt ist verprellt! Eine Art Schatten-cdu braucht kein Mensch! Das Ergebnis völlig falscher Politik zeigt seine Spuren! Mit den Linken und den Grünen, obwohl letztgenannte sich auch dem Neoliberalismus verschrieben haben, gibt es eben die Alternativen zu einer spd, die nach wie vor uneinsichtig bleiben will und zu keiner Aufarbeitung ihrer Fehler bereit ist! Solange dieser Zustand anhält, fällt die Zustimmung zu dieser neoliberal konvertierten Partei! So einfach ist das! Da helfen auch keine neuen Parteivorstände, wenn keiner von denen den Mut zur Erneuerung zu alten Werten mitbringt! Werte, die soziale Ausgewogenheit bedeuten! Die 5% Hürde lässt grüssen! Erst danach wird man vielleicht umdenken können! Die, die sich heute Sozialdemokraten schimpfen, sollten es mal bei der csdu versuchen, da sind sie besser aufgehoben!

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peullmann 10.06.2019, 16:45
86. Anmerkung

Die Aussagen und Analysen des Professors halte ich für letztlich kompetenzloses Geschwafel.

Die SPD zahlt aus meiner Sicht den Preis für jahrelanges Personengeschiebe und kompetenzlosen Analysen.Es scheint so,dass sich parteiliche Mittelmäßigkeit gegen Kompetenz verbündet und es zum Programm erhoben hat.

Der Wähler registriert ,dass nicht die Gewählten sondern Werbeinstitute,Lobbygruppen,Spin-Doktore,Genderbeauftragte,Arbeitskreise und mainstreamhörige Organisationen die Politiker vor sich hertreiben.

Verschwurbelte Sprache, mangelnde Tatkräftigkeit, Effizienz und ein überbürokratisierter unproduktiver Sektor sind Ergebnisse.
„Nebenkriegsschauplätze“wie Genderdiskussion, Planspiele etc. bestimmen den öffentlichen Diskurs.

Die SPD hat ihre Stammwählerschaft an eine sich neu gebildete Mitte verloren.

Sie hat versäumt bzw.nicht zur Kenntnis genommen,dass die Altersstrukturen,Einkommen und Bildungsniveau sich grundlegend geändert haben.

Anbetracht der Legitimitätsprobleme des Kapitalismus, der weltweiten Verwerfungen, der Völkerwanderungen, der Überbevölkerung, der Klimakrise werden von der Politik Antworten verlangt .

Antworten verlangen heute eine sich ausdifferenzierte Mitte welche nur geringe sozioökonomische Unterschiede ausweist. Das dies so ist,ist zweifelsohne auch Erfolg der SPD.

Die von der SPD erarbeitenden Analysen mit der Etikettierung Globalisierungsverlierer, Abgehängte, Rechte, ewig Gestrige treffen den Kern der Unzufriedenheit nicht.
Ein AFD Bashing, bzw. generalisierende Schuldzuweisungen sind kontraproduktiv.

Angebote müssen der immer mehr ausdifferenzierenden Mitte gemacht werden.

Auf Antworten und Angebote wartet die sogenannte fortschrittliche Mitte mit ihren digitalen Forderungen, ihren Einschätzungen zur Migration, Armut, Krieg, Klimawandel, Gesellschaft, USA,Trump und Wohnungsnot.

Daneben erwartet die, oft AFD affin, empörte Mitte klare Antworten zur Flüchtlingsproblematik, zur Sicherheit, zum Streichelumgang des Staates und der Justiz mit radikalen Islamisten, der Kriminalität insbesondere der Clankriminalität sowie zur Neujustierung der multikulturellen Gesellschaft.
Die Positionierung muss unverwechselbar und klar sein.

Des Weiteren müssen auch der traditionellen eher konservativ geprägten Mitte, welche die Bewahrung des Wohlstandes, des humanistischen Bildungsideals ,der Gerechtigkeit etc. erwarten, Antworten gegeben werden.

Will die SPD in dieser von ihr falsch interpretierten Gemengelage überleben bzw. Volkspartei bleiben muss sie ihre Positionierung zu den einzelnen Themenbereichen, grundsätzlich überdenken.

Hierzu zählen unter anderen, die Änderung der Migrationspolitik, Härte(Nulltoleranz bei Kriminalität), Anstreben gesicherter Außengrenzen, Stärkung von Polizei und Justiz, schließen der Gerechtigkeitslücke bei Renten und Pensionen, Annäherung an Russland, Teilrücknahme von Harz 4,hier insbesondere die Befristung von Arbeitslosengeld 1,Entbürokratisierung,Bürgerversicherung.

Aussagen hierzu müssen klar, kompetent, verlässlich und unmissverständlich sein. Personengerangel um Privilegien und Eitelkeitsgedöns sind kontraproduktiv.

Pit

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Arthur Dent 42 10.06.2019, 17:40
87. Richtig, der Niedergang begann in den 80er Jahren

Der von Schmidt vorangetriebene Nato-Nachrüstungsbeschluss und die völlige Ignoranz beim Umweltschutz der SPD haben die Grünen möglich gemacht. Später hat Schröder mit Hartz4 die Wähler den Linken in die Arme getrieben und in den letzten Jahren wurde mit der Weigerung zu den Problemen der Migration (kriminelle Migrantenclans, grenzüberschreitende Kriminalität, organisierter Sozialbetrug) nachvollziehbare Lösungen anzubieten die AfD gestärkt. Vielleicht bleibt ja ein kleiner Restbestand an Wählern erhalten, der sich für Genderthemen und innerparteiliche Machtkämpfe interessiert, möglicherweise reicht es ja für die 5% Hürde.

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Andreas Reiter 10.06.2019, 17:47
88. Der Sündenfall von Eichel

Es war ein sodzialdemokratischer Finanzminister der dne Höchststeuersatz radikal gesenkt hat. Aber der Grundfreibetrag wurde im Laufe der zeit nur wenig an die inflation angepasst. So bezahlen die kleien bis mittleren Einkommer mehr Steuern aber die Superreichen deutlich weniger. Und mittlerweile nimmt die zunehmende Spreizung der Vermögen eine Größenordnung der den sozialen Frieden nachhaltig gefährdert.
Die Harz- udn Leiharbeitergesetze haben dann bei vielen noch Abstiegsängste ausgelöst.

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murksdoc 10.06.2019, 18:28
89. Post-Alternativlosigkeit

Warum sollte man Karriereabbrecher wählen, deren einziges "Gütesiegel" es ist, sich innerhalb des Parteiapparates am besten noch oben gemobbt zu haben? Nicht nur in der SPD, da aber ganz besonders. Das ging nur solange gut, solange es keine Alternativen gab. Das hat sich geändert. Zum Glück für uns alle.

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