Forum: Kultur
Spahn bei "Hart aber fair" zu Organspenden: "Ja, das ist ein Eingriff in die Freiheit
WDR/Oliver Ziebe

Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über Jens Spahns Gesetzentwurf zur Organspende. Der Gesundheitsminister saß selbst mit in der Runde - und erklärte, dass es eine Verpflichtung gebe, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

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Spiegelleserin57 02.04.2019, 09:54
60. nicht beachtet!!

Zitat von hasselblad
Dann werden dem toten Körper halt die noch funktionierenden Organe entnommen, so what. Dem Toten ist es üblicherweise egal, die einzigen, die ein Thema damit haben könnten, sind wie üblich die "wohlmeinenden" Angehörigen (und irgendwelche Kirchenheinis), also insgesamt Menschen, die kein Recht haben, darüber zu entscheiden, was mit den Resten passiert. Eine Kunstdebatte, nichts weiter. Wenn der Gesundheitsminister wirklich ein akutes Problem lösen möchte soll er sich mal die militanten Abtreibungsgegner zur Brust nehmen und ein grundsätzliches Recht auf Abtreibung im Gesetz verankern, ohne Rücksicht auf Kirchengedöns (da individuelle Privatsache und nicht wesentlich für sozial- und gesundheitspolitische Entscheidungen) und selbsternannte Lebensschützer. Erscheint mir irgendwie dringlicher als die Frage der Resteverwertung toter Körper.
es handelt sich auch bei einem Toten um einen Menschen und nicht um einen Gegenstand.
"was mit den Resten passiert." Die große Mehrheit sieht in einem toten immer noch einen Menschen , sonst gäbe es Bestattungen gar nicht und auch keine Friedhofskultur wo auch der toten bedacht wird.
Ein Toter ist kein Gegenstand der entsorgt wird sondern ein Mensch der gestorben ist. Die Ethik muss beachtet werden.
Wer noch nie einen Menschen durch Tod verloren hat mag diese Ansicht vertreten aber sie entspricht keinesfalls der Ethik unserer Gesellschaft!

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chichawa 02.04.2019, 09:57
61. Überraschendes Meinungsbild hier im Forum

in der Sendung wurde behauptet, dass 84% einer Organspende positiv gegenüberstehen. Wenn das stimmt, bin ich doch sehr verwundert über die hier häufig gelesene Absetzbewegung. Wer auf ein Organ zum Weiterleben angewiesen ist, der soll die Solidarität Aller bekommen, auch derjenigen, die entscheidungsfaul bis zum Ableben dahinkonsumieren. Klar, in Deutschland ist es wegen unserer Vergangenheit schwieriger, wenn der Gesetzgeber Regelungen zu Leben und Tod trifft, aber es ist nicht unmöglich. Bitte weniger Verkrampftheit und weniger selbstverliebte Sentimentalität beim Umgang mit dem eigenen Körper. Es klingt jetzt vielleicht flapsig, aber beim Ersatz des Hüft- oder Kniegelenks durch eine Protese oder der Entfernung des Blinddarms sind die meisten von uns doch schnell bereit etwas herzugeben. Also, ihr 84%: entscheidet es einfach!

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unaufgeregter 02.04.2019, 10:02
62. Geld regiert die Welt

Zitat von Ogahrak
Schon eine seltsame Gesellschaft: Tempolimit ist gegen den gesunden Menschenverstand, alle anderen aber dann dazu zwingen ihre Organe für die Unfallopfer zu spenden ist aber ok.
Eine interessante Sichtweise. Beides hat mit Geld zu tun. Schnelle und teure Autos und eine ständig expandierende Gesundheitsindustrie.

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Pocillator 02.04.2019, 10:04
63. Menschenleben ist unbezahlbar

Zitat von bammy
Menschenleben ist unbezahlbar.
@ 57 - bammy :
Sagt sich leicht und hat alle Chanen keinen öffentlichen Widerspruch zu ernten, widerspricht allem, was ich weiß, über Geschichte, Gesellschaften, Globalisierung, Kapitalismus, Neoliberalismus, Ausbeutung, Krieg, Migration, Strassenverkehr, Kolonialismus, Sanktionen, Klimawandel, belastete Nahrungsmittel, etc.
Menschenleben wurde und wird oft zugunsten finanzieller oder anderer Interessen geopfert. Ein gewaltiger Unterschied ist natürlich,
ob derjenige, der stirbt, für jemanden anonym ist oder nicht.

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unaufgeregter 02.04.2019, 10:06
64. Hoher Staat

Zitat von nochStudent
Wenn ich nur die ersten Beträge lesen: Enteignung, Ersatzteillager, Zwang... Für alle die es nicht verstanden haben, niemand muss spenden. Das einzige was man dafür tun muss ist einmal widersprechen. Das wars und gut ist. Also was soll bitte die ganze Aufregung. Da hat der Spahn mal ein gute Idee (ist ja nicht so häufig) und dann solche Reaktionen. Ich kann es nicht fassen.
Faktisch bedeutet das, dass ich Spender bin. Punkt. Ich werde zum Widerspruch gezwungen. Es geht mir nicht prinzipiell um die Spende. Mich stört die geplante Vorgehensweise des Staates. Er mischt sich schlichtweg in Dinge ein, die ihn nicht zu interessieren haben. PS: Ich hatte bis gestern einen Spenderaussweis und habe ihn heute entsorgt.

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m82arcel 02.04.2019, 10:08
65.

Ich finde es richtig, dass man die Menschen dazu zwingt, sich zu entscheiden. Da man sich auch gegen eine Spende entscheiden kann, sehe ich auch keine Einschränkung der Freiheit.
Es muss nicht unbedingt die Widerspruchslösung sein, aber mit dieser könnte ich auch leben. Auch den Vorschlag zur Abfrage bei der Beantragung des Personalausweises finde ich ganz gut. Dann sollte die Information auch direkt auf der Karte gespeichert werden, so dass Krankenhäuser sie im Fall der Fälle auch auslesen können. Vielleicht wäre dann aber auch die regelmäßige Abfrage durch die Krankenkasse und die Speicherung auf der Versicherten-Karte der passendere Ort, da diese ohnehin schon in jedem Krankenhaus ausgelesen werden kann.

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bert1966 02.04.2019, 10:12
66.

Zitat von chichawa
in der Sendung wurde behauptet, dass 84% einer Organspende positiv gegenüberstehen. Wenn das stimmt, bin ich doch sehr verwundert über die hier häufig gelesene Absetzbewegung. Wer auf ein Organ zum Weiterleben angewiesen ist, der soll die Solidarität Aller bekommen, auch derjenigen, die entscheidungsfaul bis zum Ableben dahinkonsumieren. Klar, in Deutschland ist es wegen unserer Vergangenheit schwieriger, wenn der Gesetzgeber Regelungen zu Leben und Tod trifft, aber es ist nicht unmöglich. Bitte weniger Verkrampftheit und weniger selbstverliebte Sentimentalität beim Umgang mit dem eigenen Körper. Es klingt jetzt vielleicht flapsig, aber beim Ersatz des Hüft- oder Kniegelenks durch eine Protese oder der Entfernung des Blinddarms sind die meisten von uns doch schnell bereit etwas herzugeben. Also, ihr 84%: entscheidet es einfach!
Was spricht dann gegen diese Lösung: die 84% werden gefragt, z.B. im Rahmen der Beantragung eines neuen Personalausweises. Wer dann aktiv 'ja' sagt ist Organspender. Wer sich enthält oder nein sagt hat keine Sanktionen zu befürchten. Damit ist der Befragung genüge getan und der moralische Anstoß gegeben. Niemand kann dann behaupten, er wisse von nichts oder sei "eigentlich für Organspende".

Ein Organ zu spenden ist eine höchstpersönliche Angelegenheit, da hat der Staat nichts zu beanspruchen oder zu reglementieren, quasi eine Geschenkpflicht einzuführen. Dem Staat oder dem Gesundheitsminister steht keinerlei moralischer Anteil an diesem Geschenk zu, denn er leistet dafür überbhaupt nichts.

Und denen, die ein "quid pro quo" befürworten: wo fangen wir da an? Raucher, Alkoholiker, Risikosportler ... haben keinen Anspruch auf Gesundheitsfürsorge, weil "selber schuld"? Ein Geschenk ist keine Leistung mit Anspruch auf Gegenleistung, das wäre ein Handelsgeschäft - und um solche Geschäfte geht es hier nicht.

Man kann doch nicht einfach sagen: "Wer nicht aktiv 'nein' sagt ist Organspender, dessen körperliche Unversehrtheit auch über den Tod hinaus gehört der Allgemeinheit".

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KlausKram 02.04.2019, 10:16
67. Wenn man sich die Antworten der Befürworter anguckt..

..muss man vielleicht erklären was die Problematik an Spahns Vorschlag ist: das aktive Widersprechen. Damit ist der Normalzustand das der Staat sich selbst berechtigt über Ihren Körper zu verfügen, außer Sie sagen explizit "Nein" - und selbst dann ist es nur eine Frage der Zeit, dass es irgendeinen Glitch im System gibt, warum dann versehentlich Organe entnommen werden, obwohl derjenige zu Lebzeiten widersprochen hat. Mag sein das 20 von 28 europäischen Staaten das bereits so handhaben, das ändert nichts daran das dass aus Sicht vieler (und auch meiner Sicht) schlichtweg falsch ist. Es ist natürlich auch überzogen über Enteignung etc. zu sprechen - nur de facto wird demjenigen der nicht aktiv sagt "Nein" sagt, das Recht auf Unversehrtheit seines noch-lebenden oder eben auch bereits toten Körpers entzogen. Das ist ein ernstzunehmender Eingriff, wie auch Herr Spahn selbst anerkennt.

Und zum Anderen: die Bevorzugung von Menschen die selbst spenden ist unsinnig. Denn was offensichtlich einige hier auch vergessen: Sie SPENDEN Organe. Eine Spende ist ein Akt ohne Gegenleistung. Sie können also nicht erwarten bevorzugt zu werden. Ansonsten wird es zu einem Geschäft, was dann vielleicht doch nicht mehr so altruistisch ist.

Das ist glaube ich auch der Kern der Diskussion - auf Politikebene wird das Thema durchaus mit bedacht und behutsam diskutiert, was wirklich ein positives Zeichen ist. Gesellschaftlich gibt es allerdings so viel Unkenntnis und gefühlte moralische Überlegenheit, dass die Wahl kein Spender zu sein, keine ist.

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Jeanne E. Maar 02.04.2019, 10:16
68. Der Mensch ist kein Ersatzteillager. Auch nicht von Spahns Gnaden.

Jens Spahn würde ich noch nicht einmal eine Blutprobe anvertrauen.
Es ist eine unverschämte Lüge, die automatische Spende nur als einen harmlosen Eingriff in die Freiheit nichts zu tun, runterzuspielen.
Spahn hat auch in der Diskussion gesagt, die Meinung der Familie sei untergeordnet, wenn der Sterbende eben sich nicht gegen das Verwerten seiner Organe ausgesprochen habe. Diese unglaublich zynische Aussage ging leider unter in der Debatte und wurde nicht aufgenommen von Plasberg.

Seit wann gilt Schweigen als Zustimmung? In welchen Rechtsstaat möchte er denn gerne Deutschland reindrücken?
Vielleicht kommt ja dann demnächst als Wahlsieger bei BT-Wahlen der raus, den alle Nichtwähler nicht gewählt haben?!?

Der Mensch ist kein Ersatzteillager. In einer Welt, in der Föten (gezüchtete oder "normale") für medizinische Tests verbraucht (!) werden, in der die gesundheitliche Versorgung vom Wohlstand abhängig ist, in der geklont und genmanipuliert wird, in der Leihmütter und Organhandel (!) mit den Ärmsten der Armen gang und gäbe sind, darf die Menschheit nicht zur Organbank der Pharma- und Medizinindustrie erklärt werden.

Was geschieht denn, wenn der Server gerade mal offline ist und das Herz aber dringend im Nebenraum gebraucht? Was geschieht denn, wenn das zum Erhalt der OP-Station budgetierte "Soll" an Verpflanzungen noch nicht erreicht ist und "frische Ware" in Sicht? Was geschieht denn, wenn Organe bei Versteigerungen (nächster dann logischer Schritt) angeboten werden?

Die Menschheit hat verlernt, mit einigen Fakten zu leben, einige Fakten anzunehmen. Das kann Kinderlosigkeit sein, das kann Haarausfall sein, das kann eine rasch zum Tod führende Krankheit sein.
Was soll das Sich-Rumwinden? Wenn der Moment gekommen ist zu gehen, dann ist eben Schluss.

Gott alleine sollte über Leben entscheiden. Und nur wer spenden (!) will, sollte auch als Spender angesehen werden.
Und Spahn da ist mit seinen völlig verquirlten Ansichten ein Nichts. Er ist eine Beleidigung gegen das "C" seiner Partei.

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demokrat2 02.04.2019, 10:22
69. Was ist mit denen, die widersprechen ....

.... und dann selbst ein Organ brauchen? Kommen die noch auf die Warteliste? Und an welcher Stelle? Wie soll das ganze praktisch umgesetzt werden? Die Entscheidung für eine Entnahme oder Transplantation muss doch in einer relativ kurzen Zeit erfolgen? Was ist, wenn die Hinterbliebenen eines Unfalltoten nicht erreichbar sind? Da sind noch viele Fragen offen, die bei einer Entscheidung, die indirekt erzwungen wird, eine Rolle spielen können.

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