Forum: Kultur
Spahn bei "Hart aber fair" zu Organspenden: "Ja, das ist ein Eingriff in die Freiheit
WDR/Oliver Ziebe

Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über Jens Spahns Gesetzentwurf zur Organspende. Der Gesundheitsminister saß selbst mit in der Runde - und erklärte, dass es eine Verpflichtung gebe, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

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eisbaer68 02.04.2019, 10:23
70. Was für ein Aufschrei.

Insbesondere natürlich von denen, die aus Prinzip gegen alles sind. Wo ist das Problem? Wenn ich das nicht will gebe ich eine Erklärung ab und gut ist es. Das sollte nicht zu viel verlangt sein, zumal es dieses Verfahren auch schon in anderen (demokratischen) Ländern gibt. Wenn ich Tod bin kann ich vielleicht irgend jemanden in der Gesellschaft noch etwas Lebensqualität geben. Das ist doch ein schöner Gedanke. Alle die hier so fleißig die Kosten einer Transplantation und deren Nachsorge aufgelistet haben sollten aber auch mal die Kosten der Dialyse (geht in der Regel auch über einen sehr langen Zeitraum) o.ä. mit aufschreiben. Wenn aber jemand meint, dass eine Transplantation nur gewinnorientiert durchgeführt wird oder es am Ende nur um Profit geht und das alles nicht sinnvoll ist, sollte sich mal selbst hinterfragen. Dann muss man auch dafür sein, dass alle Krankheiten, die z.B. durch Fettleibigkeit o. Rauchen entstehen auch nicht behandelnswert sind. Die Menschen sind ja selbst Schuld an ihrem Schicksal. Das kann man jetzt endlos weiterführen.

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Senkel 02.04.2019, 10:26
71. Was ist moralisch?

Lass dich von Deinen moralischen Ansichten nicht davon abhalten, das Richtige zu tun
- Isaac Asimov -

Wenn die Leute gezwungen werden, sich zu entscheiden, wählen (hoffentlich) viele Unentschlossene die sichere Lösung und lehnen die Organspende ab. Ich würde Herrn Spahn eine Welle von Ablehnungen wünschen, die ihm vermitteln, dass man sich diesem sensiblen Thema nicht mit dem Holzhammer nähern kann.

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hörwurm 02.04.2019, 10:28
72. gierig

Mein Urteil über meine Mitmenschen nach dem regelmäßigen Konsum der Medienberichte und deren Kommentare: aggressiv, wehleidig, überwiegend Profit gierig, einander Feind. Und in solcher Gesellschaft soll man Organspender sein? Der logische Schluss ist dann auch ganz einfach: die Gierigen verlangt es nach meinem Leben. Auch Organspende ist mit Profiten verbunden. Alle außer dem Verblichenen füllen ihre Geldbörse. So ist unsere Gesellschaft gestrickt. Was Herr Spahn verlangt, widerspricht zudem christlichen Werten. Man sollte sich auch eine andere Frage stellen. Wenn über 60 % der Bevölkerung übergewichtig sind und nur ein unbedeutender Anteil gesund lebt, wer verlangt dann zurecht ein Spenderorgan? In der Regel doch um weiter "saufen, rauchen und übermäßig essen" zu können oder sehe ich das falsch? Das scheint jedenfalls meine Erfahrung mit meinen Mitmenschen zu sein. Es gibt regelmäßig Patienten, die kurz vor Operationen erst fit gemacht werden müssen, weil sie sonst die OP nicht überstehen und sterben dann u.U. trotzdem auf dem OP-Tisch. Wir sind in vieler Hinsicht eine kranke Gesellschaft mit einer deswegen auch kranken Entscheidungsfindung.

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hasselblad 02.04.2019, 10:31
73. @Spiegelleserin57

Sie haben ja nicht Unrecht, aber worauf richtet sich Ihr Gedenken - doch sicher nicht auf den Körper, der ist doch nur eine Haufen Knochen und chemischer Komponenten, die nach dem Tod relativ schnell vergammeln. Der Mensch, dem Sie Gedenken und Trauer widmen, wird nicht durch den Körper definiert, der ist so endlich wie eine Banane in der Sonne. Die ethische Belehrung können Sie sich also sparen, ich habe den Eindruck, dass ich mich deutlich reflektierter mit dem Thema "was ist ein Mensch" auseinandergesetzt habe als Sie.

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ureg 02.04.2019, 10:35
74. Hirntod?

Es ist hier in den Kommentaren schon so viel Richtiges und Gutes für beide Positionen geschrieben worden. Ich vermisse nur den Aspekt des Hirntodes. Ist der Mensch ein Gehirn mit angehängtem Ersatzteillager? Unstrittig ist ja, dass nur Organe entnommen werden können, die noch leben. Auch wenn die Zeit nach einem (im Zusammenhang der Organtransplantation erst erfundenen) "Hirntod" sicher für den Körper des noch lebenden Menschen sehr begrenzt ist, ist es Zeit. Wenn wir geboren werden, fangen wir an zu sterben. Wer will den wirklich die Zeitspanne bestimmen, die wir noch leben dürfen?. Anstatt sich über die (immer noch) Lebenden als Herrscher über Leben und Tod aufzuspielen sollte die Politik sich besser um die Vermeidung des menschengemachten Todes (verhungernde Kinder auf dieser Erde, ertrinkende Menschen im Mittelmeer, wegen fehlendem Tempolimit Sterbende auf den Autobahnen und und und..) kümmern

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bert1966 02.04.2019, 10:36
75.

Zitat von hörwurm
Mein Urteil über meine Mitmenschen nach dem regelmäßigen Konsum der Medienberichte und deren Kommentare: aggressiv, wehleidig, überwiegend Profit gierig, einander Feind. Und in solcher Gesellschaft soll man Organspender sein? Der logische Schluss ist dann auch ganz einfach: die Gierigen verlangt es nach meinem Leben. Auch Organspende ist mit Profiten verbunden. Alle außer dem Verblichenen füllen ihre Geldbörse. So ist unsere Gesellschaft gestrickt. Was Herr Spahn verlangt, widerspricht zudem christlichen Werten. Man sollte sich auch eine andere Frage stellen. Wenn über 60 % der Bevölkerung übergewichtig sind und nur ein unbedeutender Anteil gesund lebt, wer verlangt dann zurecht ein Spenderorgan? In der Regel doch um weiter "saufen, rauchen und übermäßig essen" zu können oder sehe ich das falsch? Das scheint jedenfalls meine Erfahrung mit meinen Mitmenschen zu sein. Es gibt regelmäßig Patienten, die kurz vor Operationen erst fit gemacht werden müssen, weil sie sonst die OP nicht überstehen und sterben dann u.U. trotzdem auf dem OP-Tisch. Wir sind in vieler Hinsicht eine kranke Gesellschaft mit einer deswegen auch kranken Entscheidungsfindung.
Ich finde es reichlich "daneben" Krankheit mit Schuld zu verknüpfen und damit Aufrechnereien zu betreiben. Natürlich wirkt sich Verhalten auf den Gesundheitsstatus aus, aber verabschieden wir uns deshalb alle sofort vom Solidaritätsgedanken? Soll ich einem nicht sesshaften Alkoholiker keine 5 Euro mehr geben dürfen, damit er sich eine warme Mahlzeit leisten kann? Wer will das denn bitte reglementieren, wahlweise verpflichtend machen oder mir verbieten?

Empathie ist etwas Wertvolles, Schönes, eine hehre Charaktereigenschaft - aber die kann man eben nicht erzwingen, so wie Herr Spahn sich das vielleicht bürokratisch vorstellen mag.

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SNA 02.04.2019, 10:41
76. Maximalbehandlung und Organspende

Meine Bedenken gehen nur in eine Richtung. Was ist mit Menschen, die eine Maximalbehandlung ablehnen, aber Ihre Spendenbereitschaft erklärt haben. Lässt man wirklich zu, dass hier die Organe nach und nach zu funktionieren aufhören? Wird man den Wunsch auf Unterlassen von Ernährung durch Magensonde respektieren? Mit anderen Worten: Führt das Interesse an den wertvollen Organen nicht dazu, dass der Wunsch nach würdevollem Sterbenlassen wirklich respektiert wird? Oder wird man nicht versuchen, das, was so wertvoll ist, so lange in vivo zu erhalten, wie es möglich ist?

Mal ehrlich!

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SNA 02.04.2019, 10:47
77. Der übersehene Widerspruch

... und was ist, wenn der Widerspruch übersehen wird? Dann ist ein Nein kein Nein mehr. Ich weiß, es soll ein Register geben. Wie sicher wird das gegen Ausfall geschützt sein?

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bert1966 02.04.2019, 10:53
78.

Zitat von ureg
Es ist hier in den Kommentaren schon so viel Richtiges und Gutes für beide Positionen geschrieben worden. Ich vermisse nur den Aspekt des Hirntodes. Ist der Mensch ein Gehirn mit angehängtem Ersatzteillager? Unstrittig ist ja, dass nur Organe entnommen werden können, die noch leben. Auch wenn die Zeit nach einem (im Zusammenhang der Organtransplantation erst erfundenen) "Hirntod" sicher für den Körper des noch lebenden Menschen sehr begrenzt ist, ist es Zeit. Wenn wir geboren werden, fangen wir an zu sterben. Wer will den wirklich die Zeitspanne bestimmen, die wir noch leben dürfen?. Anstatt sich über die (immer noch) Lebenden als Herrscher über Leben und Tod aufzuspielen sollte die Politik sich besser um die Vermeidung des menschengemachten Todes (verhungernde Kinder auf dieser Erde, ertrinkende Menschen im Mittelmeer, wegen fehlendem Tempolimit Sterbende auf den Autobahnen und und und..) kümmern
Mich persönlich (ich sagte schon: ich habe einen Organspendeausweis) interessiert gar nicht so sehr die "scharfe Grenze zwischen Leben und Tod", die ja vornehmlich die Juristen fordern, weil der Lebende in unserer Gesellschaft fundamental andere Rechte genießt, als der Tote. Ich spendete sogar bereits ein Organ, wenn meine Gesundheitslage sicher unumkehrbar hoffnungslos und der sichere Tod (der medizinisch wohl mehr ein Prozess als ein Zeitpunkt ist) so unabänderlich wäre, dass alle weiteren Abläufe mein "Mensch sein" sicher ausschlössen. Ich bin sogar überzeugt, dass der Hirntod mindestens diesen Zustand und sogar noch eine Sicherheitsreserve darüber hinaus einschließt und meinen bereits vollzogenen Tod als Individuum nur noch bestätigt.

Einen Haufen funktionierender Organe zusammenzuflicken macht aus dem traurigen Ergebnis eben keinen Menschen.

Mir geht es hier mehr um den respektlosen Übergriff des Staates auf die Überreste meines Seins, um Totenruhe, Würde des Verstorbenen, die einfach genommen wird, wenn der Tote nicht rechtzeitig widerspricht. Das ist ein Verstoß gegen das GG Artikel 1.

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estark 02.04.2019, 10:56
79. Am Bett des Sterbenden

Zitat von tankgirl34
Es ist nahezu unmöglich, sich in die Situation hineinzuversetzen, ein hirntoter Sterbender zu sein. Was würde ich in so einer Situation wollen? Möchte man lieber der Natur seinen Lauf lassen und in Ruhe sterben - oder möchte man seinen sterbenden Körper zur Verfügung stellen? Jeder will leben. Die Vorstellung, dass Ärzte den gesamten Körper ausschlachten, empfinden sehr viele Menschen als Horrorvorstellung. Es löst Panik aus. Und das IST auch ein brachialer, ein sehr blutiger operativer Vorgang. Das wird natürlich gern verschwiegen. Es fehlen Informationen, um wirklich entscheiden zu können, ob man das von sich selbst oder von Familienangehörigen möchte, etwa die Blutigkeit des Eingriffs. Oder Antworten auf Fragen, die einem niemand verlässlich beantworten kann - etwa, was mit der Seele eines Menschen passiert, in dem Moment, in dem wir Sterbende sind. Eine Freundin und ihre Mutter wurden im OP Saal am Bett ihres sterbenden Vaters massiv von den Ärzten unter Druck, gesetzt, einer Organspende zuzustimmen. Der Vater hatte zu Lebzeiten einer Organspende aus religiösen Gründen ausdrücklich widersprochen.
befragt zu werden löst die neue Regelung nicht. Nur statt der Frage, ob eine Zustimmung vorliegt oder eine Ablehnung ändert sich.

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