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Spahn bei "Hart aber fair" zu Organspenden: "Ja, das ist ein Eingriff in die Freiheit
WDR/Oliver Ziebe

Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über Jens Spahns Gesetzentwurf zur Organspende. Der Gesundheitsminister saß selbst mit in der Runde - und erklärte, dass es eine Verpflichtung gebe, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

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ulrich.boche 02.04.2019, 10:58
80. Gerechte Lösung

Eine gerechte Lösung wäre folgende: braucht ein Kranker, der eingetragener Organspender ist, ein Spenderorgan, kommt er oben in die Warteliste. Einer, der nicht als Organspender oder als Verweigerer eingetragen ist, kommt ans Ende der Warteliste. Jeder kann selbst entscheiden.

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m.s.schneider 02.04.2019, 11:03
81.

Es wäre unter Umständen, die gar nicht so sehr herbeikonstruiert werden müssten*, schlicht der Raub von Organen, der an Sterbenden, d.h. noch Lebenden, begangen würde. Als den Folgen des Raubes stürben diese Menschen. Die Organe würden kommerziell weiterverarbeitet. Geld ist eine ziemlich niedriges Motiv. Also hätten wir hier einen Raubmord. Nur leiderleider könnte es hier per Gesetz keine Klage und ebenso per Gesetz keinen Nachweis geben. So'n Pech. Wer Konjunktive findet, darf sie beachten.

* Blöde Situation aber auch. Da ist einer auf dem Weg zum Amt, um seinen Widerspruch zu erklären. Alleinstehend, manchmal einsam, aber ein Guter. Nur ist da diese verflixte Kreuzung und dort dann dieser verflixte Laster. Er auf seinem Fahrrad muss geradeaus, der Laster zieht totbewinkelt rechts herum und der Helm war doch neu! half aber nichts. Oder vielleicht war es auch ein anderer, der von nichts wusste. Oder einer, der dachte, es betrifft ihn nicht. Oder einer, der ungeliebt und doch vertrauensselig ist, der zwar eine Familie hat, doch Liebe? Oder wieder einer, der alles hat: keinen Widerspruch und zuvor schon den Spendeausweis; und der zusammen mit dem, der auf dem Weg zum Amt war, vom Laster zermalmt wird und sein letzter Gedanke und Wille ist: Nein! Ich will doch nicht! Auch über den den Mantel des Schweigens. Alles nur Fiktion, nicht wahr? Und natürlich völlig unmöglich und wenn, dann doch so unwahrscheinlich und wenn doch ein wenig wahrscheinlich, dann doch nötig.

Aber ganz egal, welche der Lösungen am Ende durchkommt: Was der Staat am Ende haben wird, ist die größte und fetteste Datenerbank, die es jemals in diesem Land gegeben hat. Eine Volkszählung ohne Volkszählung. Und was man alles angeben musste! Alter, Blutgruppe, Gesundheitsstand, Vorerkrankungen, Name, Wohnort, Beruf sowieso. Na! Vielleicht noch einen klitzekleinen Fingerabdruck oder ein DNA-Pröbchen? Nein, auf keinen Fall, nichts davon! Vielleicht nur dies und das später mal das andere? Nein, nie! Echt nie und auch von keinem anderen? Nein, nie, und jetzt schweigen Sie, oder wollen Sie etwa, dass allein Ihretwegen dies und das und jenes auch noch?! Bin ja schon still....

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fillthegap 02.04.2019, 11:08
82.

ich habe im Zuge dieser Diskussion meinen Spenderausweis zerrissen und werde auf jeden Fall widersprechen. Und es gibt wahrlich dringendere Probleme im Gesundheitswesen als dieses, es sind lediglich ein paar tausend Menschen mit diesem zugegeben finalen Problem. Aber es wird nichts gegen Krankenhauskeime getan, es gibt tausende Tote an Krankheiten, deren Behandlung sich für das System nicht lohnen. Gleichzeitig sperrt sich der Staat gegen Organzüchtung, bremst jegliche Innovation in der BRD mit ethisch/religiösen Vorbehalten. Aber in einem Land mit dieser Geschichte darf man Menschen wieder ihrer Grundrechte berauben.

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noch_ein_forenposter 02.04.2019, 11:12
83. Prima

Zitat von ulrich.boche
Eine gerechte Lösung wäre folgende: braucht ein Kranker, der eingetragener Organspender ist, ein Spenderorgan, kommt er oben in die Warteliste. Einer, der nicht als Organspender oder als Verweigerer eingetragen ist, kommt ans Ende der Warteliste. Jeder kann selbst entscheiden.
Sind Sie Skifahrer? Dann zahlen Sie ihr gebrochenes Bein auch selbst, schließlich sind Sie absichtlich ein unnötiges Risiko eingegangen. Das kann man endlos fortsetzen und ist nicht zielführend.

Es geht hier nicht um Gerechtigkeit sondern darum, dass eine freiwillige Spende zu einer Standard- Verfügbarkeit wird, der man aktiv widersprechen muss. Das geht nicht und wird hoffentlich nach hinten losgehen. Was passiert eigentlich, wenn die Datenbank nicht verfügbar oder gehackt ist? Nein, Spender soll nur derjenige sein, der aktiv zugestimmt hat. Das schließt auch ein, sich nicht entscheiden zu müssen.

Naja, falls das so beschlossen wird, kassiert das BVG das sowieso wieder.

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bert1966 02.04.2019, 11:16
84.

Zitat von ulrich.boche
Eine gerechte Lösung wäre folgende: braucht ein Kranker, der eingetragener Organspender ist, ein Spenderorgan, kommt er oben in die Warteliste. Einer, der nicht als Organspender oder als Verweigerer eingetragen ist, kommt ans Ende der Warteliste. Jeder kann selbst entscheiden.
Eine gerechte Lösung wäre: wer ein Organ spendet tut etwas Gutes und genügt sich moralisch damit selbst, "die Gesellschaft" hat keinerlei Anteil daran oder Anspruch darauf.

Wer diesen Vorgang beobachtet empfindet vielleicht tiefen Respekt vor diesem Akt der Nächstenliebe und fühlt sich möglicherweise sogar veranlasst, darüber nachzudenken und es dem Spender nachzutun. Das muss genügen.

Wer an diesem Vorgang nicht unmittelbar beteiligt ist, der hält sich zurück und versucht nicht, für sich irgendeinen pseudomoralischen Sekundärnutzen aus der edlen Tat eines Anderen zu ziehen (und sei es, indem er meint, die Vergabe von Organen nach irgendwelchen kruden "Gerechtigkeitsprinzipien" sortieren zu müssen).

Jeder kann Spender werden, darin liegt Gerechtigkeit genug!

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Pocillator 02.04.2019, 11:28
85. Vorschlag zur Güte

Die Pharmaindustrie gibt an, wie viele Transplantationen sie im Jahr benötigt, damit sich die Aufrechterhaltung der entsprechenden Abteilungen lohnt und Produktionskosten und Entwicklungskosten angemessen bezahlt werden. Ähnliches, könnten Kliniken, die transplantieren, ja auch dokumentieren. Dann wüsste man, wie viele Organentnahmen man im Jahr benötigt und könnte die Gesetze entsprechend gestalten und planen.
Letztlich ist die ökonomische Seite die ausschlaggebende.
Geburten liegen einer Gesellschaft naturgemäß weitaus weniger am Herzen als zu Tranplantierende.
Aufgrund des Fallpauschalensystems zahlen Krankenhäuser bei jeder Geburt zu. Folge: Geburtsstationen schließen, keine Geburten mehr am Sonntag, mehr Kaiserschnitte, Medikamente, die den "Akt" der Geburt beschleunigen und damit kostensenkend wirken.

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polza_mancini 02.04.2019, 11:33
86. Wow,

Zitat von m.s.schneider
Es wäre unter Umständen, die gar nicht so sehr herbeikonstruiert werden müssten*, schlicht der Raub von Organen, der an Sterbenden, d.h. noch Lebenden, begangen würde. Als den Folgen des Raubes stürben diese Menschen. Die Organe würden kommerziell weiterverarbeitet. Geld ist eine ziemlich niedriges Motiv. Also hätten wir hier einen Raubmord. Nur leiderleider könnte es hier per Gesetz keine Klage und ebenso per Gesetz keinen Nachweis geben. So'n Pech. Wer Konjunktive findet, darf sie beachten. ...
ich kann mich gerade nicht entscheiden, ob in Ihrem Beitrag die unterirdischen juristischen Ausführungen (Raubmord, brillant!), die herzerweichende Kreuzungs-Story oder Ihre Daten-Paranoia einen Preis verdienen. Was machen wir denn, wenn der Alleinstehende, der Einsame, der Gute, auf dem Weg zum Ausfüllen des Spenderausweises von eben jenem Lastwagen totbewinkelt dem Schöpfer vorgestellt wird - und sein letzter Gedanke war: Ja! Jens" Ich will doch spenden!...? Und warum zum Teufel sollte ein Register meinen Beruf dokumentieren? Weil das Unfallopfer darauf besteht, nur Germanisten-Herzen oder Juristen-Lebern zu bekommen (schlechte Wahl i.ü.). Es geht hier darum, dass die Deutschein einfach ihren A... nicht hochbekommen, sich mit dem Thema zu befassen und es dringend nötig war, dass die Sache überhaupt thematisiert wird, weil sonst weiter Menschen unnötig sterben.

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gg0815 02.04.2019, 11:37
87. cool

hab nicht viel zu sagen nur dies: Ich habe noch nie so viele wirklich sachliche gute Kommentare unter einem Beitrag gesehen. Das sollte Schule machen.

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Auggie Smith 02.04.2019, 11:40
88.

Das ganze Leben besteht aus Wiederspruchsklauseln und macht einen großen Anteil im Verwaltungsrecht aus. Ein juristischer Anachronismus ist eine Widerspruchslösung deshalb eben nicht!

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hamock 02.04.2019, 11:42
89. Freiwillig auf jeden Fall, unter Zwang auf keinen Fall.

Ich habe einen Organspenderausweis, es ist total unproblematisch so was auszufüllen und immer dabei zu haben. Ich finde, jeder sollte einen haben. Organspenden sind richtig und wichtig. Vielleicht wäre die Übernahme der Beerdigungskosten für Organspender durch den Staat ein Anreiz, mehr Leute dazu zu bringen.
Aber wenn mein Körper von der deutschen Verwaltung nicht mehr als Spende sondern als Entnahmestation eingestuft wird, dann werd ich ihn wohl zerreissen und immer widersprechen.

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