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SPD-Krise: Warum Olaf Scholz noch da ist
REUTERS

Die siechende SPD kritisieren? Macht keinen Spaß mehr. Eins aber noch: Dass in der Politik Frauen in ausweglosen Situationen an die Macht dürfen, während Männer an ihren Posten kleben, entlarvt eine sexistische Doppelmoral.

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decathlone 04.06.2019, 23:20
140. Eine etwas dünne Argumentationslinie...

Ich kann nicht so richtig erkennen, wie sie die 30 Jahre Zuchthaus für Olaf Scholz zusammenkriegen. Die Punkte, die sie vorbringen sind alle nicht stichhaltig. Wenn sie ihm was vorwerfen wollen, dann seine Planlosigkeit im Vorfeld und nach den Hamburger Gipfelkrawallen (und wie er Merkel (huch, eine Frau!) da auf den Leim gekrochen ist...). Am Ende stand er da ja auch als der einzig Dumme da. Dass er eine Schlaftablette ist, ist nicht strafbar. Aber jetzt zur Rücktrittsforderung: dass die Chefin/der Chef den Hut nimmt, wenns nicht mehr geht, ist normal, aber auch noch den Rücktritt aller Stellvertreter zu fordern, ist doch ein wenig zu viel. Im SPD-Parteivorstand gibt es ein Dutzend Stellvertreter, damit jeder Flügel, die Länder etc. vertreten sein können. Da sitzen dann auch Leute drin, die vielleicht mit dem Kurs nicht einverstanden waren. Andrea Nahles hat ihr Schicksal mit der GroKo verknüpft, deren vehemente Fürsprecherin sie war. Und sie versprach, die Partei könne unter ihrer Führung trotz Teilnahme an der Groko regenerieren. Das Gegenteil ist eingetreten und jetzt geht's um die Existenz. Deswegen ist sie zurückgetreten und nicht weil sie eine Frau ist... Die Groko war ein Riesenfehler. In der Groko hat die SPD ihr letztes Herzblut hergegeben, um eine gewisse andere Dame, die 'nichts falsch gemacht hat' und 'gegen deren Willen die SPD nichts durchgebracht hat' im Amt zu halten. Auch wenn sich die Regierung nur noch so dahinschleppt... Ist das alles schon vergessen???

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spiegelneuronen 04.06.2019, 23:33
141. Gesetz / Prinzip gegen Olaf Scholz

Es gibt längst ein gültiges Gesetz, das klar gegen Olaf Scholz spricht.
Völlig geschlechtsunabhängig und allseits bekannt.
Es stammt von Immanuel Kant und es handelt sich dabei um den kategorischen Imparativ.

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Immanuel K. 04.06.2019, 23:34
142. Ich glaube...

...nicht, dass es typisch weiblich ist, nach einem Desaster, dass man auf Grund seiner Position zu verantworten hat, zurückzutreten - sondern das zeigt bestenfalls eine innere Klarheit (siehe Willy Brandt). Ich bin mir nicht sicher, dass sich Männer mehr erlauben dürfen - sie erlauben sich einfach mehr... Frau Nahles, hat sich in meinen Augen auch selber zum Opfer gemacht, in dem sie eine unangebrachte Kindergarten-Tanten-Attitüde pflegte, die ihre Inhalte in den Hintergrund drängte - ich fand die in ihrer Rolle lächerlich.
Dass Olaf Scholz immer noch zu den drei beliebtesten deutschen Politikern zählt, hat m. E. nichts mit irgendeinem Männer-/Frauending zu tun, sondern ausschließlich mit der deutschen Wählerschaft: bei Kohl hieß es "Aussitzen", bei Merkel heißt es "Stillhalten/Nichtstun" und bei Scholz ist es eben das "Sich-in-der-zweiten-Reihe-halten"... Diese Verhaltensweisen werden vom deutschen Wähler goutiert.

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huba1004 05.06.2019, 00:13
143. Ach Margarete,...

...endlich auch schon begriffen, warum man vom „Scholzomat“ spricht?

Und wenn Politiker zu Fragerunden laden ist das „kostenlosen Input zu allerlei Themen abholen“?

Und warum gibt's eigentlich zu Kevin Kühnert eine Verlinkung im Text, zu Sawsan Chebli im gleichen Absatz aber keine? Sind Frauen in der Politik vielleicht nicht verlinkungswürdig?

Von allen Blickwinkeln, die das Drama der SPD eröffnet, ist „Geschlecht“ der mit Abstand uninteressanteste.

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paul_krug 05.06.2019, 03:35
144. Wo Feminismus und Faschismus Ähnlichkeiten haben

Wenn man nichts anderes hat, auf das man sich berufen kann, ist es das Land, die nationale Identität.
Traurig eigentlich... wenn es nicht so grässlich wäre, was das Ergebnis ist.
Wenn man nichts anderes hat, auf das man sich berufen kann, ist es wohl das "Frau-sein" in einem so gemeinen Land wie Deutschland, wo Frauen an allen Ecken unterdrückt werden....
Das Ergebnis sind immer wieder feministisch geprägte Artikel, wie dieser, wo eine "Mann-Frau-Betrachtung" überhaupt nichts verloren hat. Nahles wäre als weibliche oder männliche Variante einfach nicht tragbar, in einer
Medienwelt, in der persönliche Schwächen in der Außenwirkung einfach brutal aufgedeckt werden. Denn machen wir uns nichts vor, mit Stil und Habitus ala "Pipi-Langstrumpf-Singen" und "Lauter-Polter-Art" kommt man nicht weit, von daher ist es schon verwunderlich, wie weit sie damit gekommen ist.

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Findail 05.06.2019, 06:57
145. Frauen treten zurück, Männer kleben!

Sehr richtig. Ich habe nur die Rücktritte von Frau von der Leyen und AKK verpasst, aber ausgehend von den Thesen im Artikel oben müssen diese eigentlich schon lange erfolgt sein.
Und man sollte mal die Tatsachen beachten: Andrea Nahles ist nicht zurückgetreten, weil sie Verantwortung übernommen hat. Sie hat keine Fehler eingeräumt und Konsequenzen gezogen. Nach den jüngsten Wahlniederlagen war es ihre erste Reaktion, sich zur vorgezogenen Neuwahlen als Fraktionsvorsitzende zu stellen. Nicht, um sich damit zurückzuziehen, sondern um sich damit bestätigen zu lassen und jede weitere Diskussion um ihre Person vorerst zu beenden.
Erst als sie erkannte, dass diese Taktik scheitern würde, schmiss sie hin. Nicht als Rücktritt, sondern um der Abwahl zuvorzukommen. Genau das war, netter verklausuliert, ihre Begründung. Von Verantwortung übernehmen war da nämlich nichts zu hören, nur von fehlendem Rückhalt - fast schon klagen.
Nee, Frau Stokowski, einen Rücktritt aus Verantwortungsgefühl hätte ich respektiert, da hätte ich dann auch zugestimmt. Aber das passt nicht zum Sachverhalt von Frau Nahles.

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ralph.sauer 05.06.2019, 08:39
146. Wieso wird alles immer auf das Geschlecht reduziert

Es ist kaum mehr zu ertragen, dass alles ausschließlich auf das Geschlecht reduziert wird. Ich war immer der Auffassung, dass das Ziel sein muss, dass es auf das Geschlecht gerade nicht ankommt. Das Gegenteil scheint aber der Fall zu sein. Mittlerweile ist das Geschlecht der primäre Anknüpfungspunkt für alles. Männer und Frauen und i.ü. auch das Dritte Geschlecht müssen Chancengleichheit haben - das bedeutet, es müssen geschlechtsspezifische Nachteile durch gesellschaftliche und politische Maßnahmen reduziert werden. Dazu gehört aber nicht, dass im Ergebnis immer alles gleich sein muss - sondern, dass niemand auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel durch sein Geschlecht Nachteile erfährt. Wenn aber Posten nur noch nach Proporz von Herkunft, Geschlecht o.ä. und unter Zurückstellung der Qualifikation vergeben werden, kann nichts Vernünftiges dabei herauskommen. Es kommt doch am Ende darauf an, was jemand kann und nicht welches Geschlecht vorliegt.

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happyrocker 05.06.2019, 09:05
147. Sehr gerne

wird auch bei Frauen, nachdem vor ihnen etliche Männer den Karren vor die Wand gefahren haben, enttäuscht festgestellt "Die konnte es auch nicht besser". Warum sollte sie auch? Aber die Einstellung "Wenn schon eine Frau in diese Position kommt, muss sie mindestens zaubern können oder allermindestens besser sein als alle Männer in vergleichbaren Positionen zuvor" sitzt tief. Von Zeiten, in denen Frauen genau so schlecht wie Männer sein dürfen, ohne dass die Ursache dafür zuerst in ihrem Geschlecht verortet wird, sind wir noch weit entfern.

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im_ernst_56 05.06.2019, 09:10
148.

Zitat von Findail
Sehr richtig. Ich habe nur die Rücktritte von Frau von der Leyen und AKK verpasst, aber ausgehend von den Thesen im Artikel oben müssen diese eigentlich schon lange erfolgt sein. Und man sollte mal die Tatsachen beachten: Andrea Nahles ist nicht zurückgetreten, weil sie Verantwortung übernommen hat. Sie hat keine Fehler eingeräumt und Konsequenzen gezogen. Nach den jüngsten Wahlniederlagen war es ihre erste Reaktion, sich zur vorgezogenen Neuwahlen als Fraktionsvorsitzende zu stellen. Nicht, um sich damit zurückzuziehen, sondern um sich damit bestätigen zu lassen und jede weitere Diskussion um ihre Person vorerst zu beenden. Erst als sie erkannte, dass diese Taktik scheitern würde, schmiss sie hin. Nicht als Rücktritt, sondern um der Abwahl zuvorzukommen. Genau das war, netter verklausuliert, ihre Begründung. Von Verantwortung übernehmen war da nämlich nichts zu hören, nur von fehlendem Rückhalt - fast schon klagen. Nee, Frau Stokowski, einen Rücktritt aus Verantwortungsgefühl hätte ich respektiert, da hätte ich dann auch zugestimmt. Aber das passt nicht zum Sachverhalt von Frau Nahles.
Es geht in der Kolumne nicht wirklich um Andrea Nahles und ihren Rücktritt. Das ist nur der Aufhänger. Es geht um Olaf Scholz und darum, dass er aus der Politik verschwinden sollte, nachdem er sich bei dem Treffen im April 2019, an dem die Kolumnistin teilgenommen hat, gegenüber feministischen Themen eher gelangweilt gezeigt haben soll. Die Kolumnistin mag Herrn Scholz nicht ("Charisma eines Sparkassendirektors kurz vor Feierabend"). Den Rücktritt von Frau Nahles zwei Monate später als Folge der sehr schlechten Wahlergebnisse bei der EU-Wahl und der Landtagswahl In Bremen ist dann die Gelegenheit, kräftig gegen Herrn Scholz zu poltern, zumal es natürlich ärgerlich ist, dass Herr Scholz im Politbarometer immer noch unter den beliebtesten Politkern geführt wird. Dass Herr Scholz der letzte SPD-Politker ist, der für die SPD eine absolute Mehrheit geholt hat, was vielleicht erklären würde, warum die Sicht der Umfrageteilnehmer auf Herrn Scholz anders ist, als die Sicht der Kolumnistin, wird dann eben nicht erwähnt.

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urbanism 05.06.2019, 09:27
149. Frau Nahles war sicherlich "der Mann" in der Partei

Frau Nahles ist m.E. wirklich an sich selbst gescheitert. Sie war sicherlich "der Mann" in der Partei, zumindest mit ihrem Auftreten, aber sie war auch mit der großen Politik überfordert. Siehe z.B. den Fall Maaßen.
Herr Scholz steht für das Sinnbild welches die SPD nach außen projiziert. Er ist jemand, der eigentlich selbst nicht weiß warum er eigentlich die Position innehat die er gerade ausübt und warum er überhaupt in der SPD ist. Deswegen führt er auch so fleißig die Politik von Herrn Schäuble weiter. Wahrscheinlich könnte man ihn überall hinstellen ohne dass er in irgendeiner Form auffallen würde. Er gehört zu den Leuten die Räume betreten oder verlassen und niemand bekommt etwas davon mit.

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