Forum: Kultur
S.P.O.N. - Der Kritiker: Brei und Sülze

Schauen Sie mal, dann verstehen Sie nichts: Gerade jetzt in Krisenzeiten müssten ARD und ZDF Stellung zum Weltgeschehen beziehen und Widersprüche deutlich machen. Stattdessen verharren "heute" und "Tagesschau" in Nachrichtenroutine.

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coyote38 13.07.2012, 17:04
1. Mit Beispiel voran ...

Ich warte auch bei den PRINTmedien (z.B. dem SPIEGEL) seit MONATEN auf eine inhaltlich-kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen der Zeit.
Ich kann mich NICHT erinnern, dass ich hier (oder auch auf dem Cover des Wochenmagazins am Kiosk) JEMALS eine Schlagzeile "Mit dem ESM in die EU-Diktatur - Verliert Deutschland die Demokratie ?" gelesen hätte.
Ansonsten ist es nämlich nicht zu erklären, dass die große Masse der Menschen noch IMMER keine Ahnung davon hat, was unsere Volksvertreter zur Zeit versuchen.
"Tagesschau" und "heute" für die mangenlnde Information der Menschen und journalistischen "Einheitsbrei" anzuklagen, ist zu dünn, wenn man selbst nicht mit kritisch-investigativem Journalismus vorangeht.
Mein Gott, das waren noch Zeiten, als Zeitungen sich trauten, die "Pentagon Papers" zu veröffentlichen. Heute verschenken unsere Politiker die Demokratie und niemand hat auch nur das Rückgrat, die entsprechenden Vertragstexte abzudrucken und Stellung dazu zu beziehen.

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miss_moffett 13.07.2012, 17:08
2.

Zitat von sysop
Schauen Sie mal, dann verstehen Sie nichts: Gerade jetzt in Krisenzeiten müssten ARD und ZDF Stellung zum Weltgeschehen beziehen und Widersprüche deutlich machen. Stattdessen verharren "heute" und "Tagesschau" in Nachrichtenroutine.
Fernsehnachrichten von Praktikanten in schlampigem Deutsch?
Das bieten die Privaten doch zur genüge.
Informationen zum Weltgeschehen in 15 Minuten reichen mir.
Die Meinung der Vorleser dazu interessiert mich nicht.
Sonst verkommen diese Nachrichtensendungen irgendwann zur parteiischen Wahlsendung (je nachdem wer gerade vorliest) oder zur Sendung mit einer nackten Mausi auf Malle-Animationsniveau.

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spon-facebook-10000385159 13.07.2012, 17:40
3. optional

Ich schätze es sehr, wenn ich nicht von einem Standesbeamten getraut werde, der mir um den Hals fällt und mich umarmt und in Tränen vor Rührung ausbricht, weil er so glücklich ist, auch einen Pfarrer, dem bei einer Trauerfeier die Stimme versagt und der heulend in der Sakristei verschwindet, ist mir lästig. Und ich sehe absichtlich keine Nachrichten im Privatfernsehen, weil ich die Vermengung von Nachrichten, Meinung und Kommerz nicht ausstehen kann. Die Mischung hat etwas sehr Manipulatives, dem wir uns alle nicht entziehen können. Deshalb danke ARD und ZDF, dass Ihr Euch bemüht, dieses säuberlich zu trennen. Selbst wenn es kein Müll sein sollte, was Ihr berichtet.

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gonzago.mabuse 13.07.2012, 17:40
4. aber aber aber

Zitat von coyote38
Ich warte auch bei den PRINTmedien (z.B. dem SPIEGEL) seit MONATEN auf eine inhaltlich-kritische Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen der Zeit. Ich kann mich NICHT erinnern, dass ich hier (oder auch auf dem Cover des Wochenmagazins am Kiosk) JEMALS eine Schlagzeile "Mit dem ESM in die EU-Diktatur - Verliert Deutschland die Demokratie ?" gelesen hätte. Ansonsten ist es nämlich nicht zu erklären, dass die große Masse der Menschen noch IMMER keine Ahnung davon hat, was unsere Volksvertreter zur Zeit versuchen.
das können sie nicht erwarten, wo es doch wichtige/drängende themen wie antimaterie gibt, welche dringend mal wieder populärwissenschaftlich abgehandelt werden mussten.

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Dio_genes 13.07.2012, 18:03
5. Tagesschau

Jaa, seriös ist das Staatsfernsehen. Das ist seine Stärke. Langweilig ist es aber auch. Das ist gar nicht gut.

Ich bin - wie die meisten hier - permanent am Weltgeschehen interessiert. Was gibt es Neues aus Deutschland, Europa, dem außereuropäischen Ausland z. B. aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur?

Hier könnte man vieles und interessantes berichten. Selbst in der kurzen Zeit von 15 Minuten. Und wenn es nur kurz angerissen wird (um es an anderer Stelle im Programm ausführlicher zu behandeln).

Leider gelingt das dem Staatsfernsehen tatsächlich nicht. Und so schalten zwar noch die Leute routinemäßig ein, aber ich ertappe mich immer öfter, dass ich nebenbei anderes mache oder aus dem Zimmer gehe.

Viele sehen sich das auch gar nicht mehr an. Geschweige denn, dass man bildungsferne Schichten mit der langweiligen Routine (jede Sendung ist fast identisch - selbst die "Nachrichten" die gebracht werden) locken könnte.

Immer die gleichen Bilder, immer die gleichen Berichte. Seit Wochen werden jeden Tag die Türme der spanischen "Bankia" gezeigt. Inszenierte Bilder, Händeschütteln, freundlich in die Kamera lächeln...

Selbst die Kriegsberichterstattung ist immer gleich.

Wen interessiert die fünfhundertfüntzigste Friedenskonferenz zwischen Israel und Palästina, wenn man weiß, dass es fruchtlos ist und in ein paar Wochen die fünfhunderteinundfünfzigste folgt?

Wenn über Jahre jeden Tag eine Autobombe im Irak gezündet wird, ist das dann noch eine Nachricht?

Leider stumpft man ab wenn man die Tagesschau sieht und verzehrt nebenbei gelangweilt sein Abendbrot.

Da sehe ich lieber den Weltspiegel. Da berühren einen noch die Schicksale, weil die empathischer aufbereitet sind.

Bei den normalen Nachrichten sieht man die üblichen Bilder (ein zerstörtes Gebäude und nimmt die Zahl der Toten nur als Zahl wahr). Leider ist das so.

Also ja! Die Tagesschau-Macher sollten sich endlich mal bemühen und interessanter werden (ohne an Niveau und Objektivität zu verlieren).

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loeweneule 13.07.2012, 18:37
6.

Zitat von gonzago.mabuse
das können sie nicht erwarten, wo es doch wichtige/drängende themen wie antimaterie gibt, welche dringend mal wieder populärwissenschaftlich abgehandelt werden mussten.
Wo kann man das Thema nachlesen bzw. drüber hören & sehen? Interessiert mich brennend, auch wenn ich gar nicht weiß, was Antimaterie eigentlich ist. Sowas wie dieses Gotteskaffeeteilchen?

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loeweneule 13.07.2012, 18:40
7.

Zitat von Dio_genes
Jaa, seriös ist das Staatsfernsehen. Das ist seine Stärke. Langweilig ist es aber auch. Das ist gar nicht gut. Ich bin - wie die meisten hier - permanent am Weltgeschehen interessiert. Was gibt es Neues aus Deutschland, Europa, dem außereuropäischen Ausland z. B. aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur? [...] Da sehe ich lieber den Weltspiegel. Da berühren einen noch die Schicksale, weil die empathischer aufbereitet sind.
"Weltspiegel" schätze ich ebenso wie Sie und aus den gleichen Gründen. Ist aber auch böses "Staatsfernsehen", das sollte nicht unerwähnt bleiben.

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Spiegelkritikus 13.07.2012, 19:10
8. Es braucht viel mehr objektivierte, kritische Bericherstattung und Diskussion

Zitat von sysop
Schauen Sie mal, dann verstehen Sie nichts: Gerade jetzt in Krisenzeiten müssten ARD und ZDF Stellung zum Weltgeschehen beziehen und Widersprüche deutlich machen. Stattdessen verharren "heute" und "Tagesschau" in Nachrichtenroutine.
Lieber Herr Diez, ich gebe Ihnen recht, ARD und ZDF müssten detaillierter Stellung beziehen und komplexe Sachverhalte besser und häufiger erklären. Allerdings muss das ausserhalb von "Tagesschau" oder "Heute" geschehen, einfach weil die Zeit nicht reichen würde.

Es gibt ja durchaus Sendungen, die um kritische Berichterstattung bemüht sind, auch wenn alles im systemisch vorgesehenen Rahmen bleibt (Hart aber Fair, Kontraste, Weltspiegel, PlusMinus usw.).

Und damit sind wir schon beim entscheidenden Punkt: Der subjektive Grundansatz der Berichterstattung. Das beginnt bei der Themenwahl und hört bei einer ganz bestimmten Herangehens-, Betachtungs- und Wiedergabeweise auf. Dieses selektive Procedere resultiert aus hintergründigen Interessen, die bewusst oder auch unbewusst umgesetzt werden. Über allem schwebt die Erfordernis bzw. der verinnerlichte Anspruch von Systemkonformität. Exakt das macht aber gerade bei der komplexen Finanzkrise eine objektivierte Berichterstattung weitgehend unmöglich.

Gerade in Deutschland ist die Bereitschaft zur Anpassung, zum Nichtauffallen und Sichwegducken, traditionell besonders ausgeprägt. Das ist nicht nur typisch für unsere bürgerlichen Einheitsparteien, deren Parlamentarier und Spitzenpolitiker, sondern strahlt auch weit in die Medien und die Gesamtgesellschaft aus. Der typische deutsche Michel würde sich erst zum Demonstrieren auf die Strasse trauen, wenn er unmittelbar selbst von politischen (Fehl-) Entscheidungen betroffen ist - und zwar existentiell heftig. Vorher passiert gar nichts ausser privat schimpfen und sich ärgern.

Die de Facto herrschenden Finanz- und Wirtschaftseliten nutzen die Trägheit und Ighnoranz weiter Bevölkerungsteile, um Mainstream-Politik und -Medien in ihrem Sinne zu beeinflussen. Eine für sie negative Berichterstattung bzw. Aufklärung der Bevölkerung wird bei den zentralen Informations- und Propagandakanälen erst gar nicht geduldet.

Diese Situation ist natürlich prekär und kann dazu führen, dass ein Volk mehrheitlich ins offene Messer rennt, ohne es zu wissen. Merkel geniesst beispielsweise beste Umfragewerte, die Bürger vertrauen ihr, obwohl die wenigsten ihre Europolitik verstehen oder mit Begriffen wie ESM, Eurobonds oder Fikalpakt etwas anfangen können. Sie verlassen sich auf eingängige Aussagen wie "Deutschland geht es gut" oder "Stirbt der Euro, stirbt Europa" usw., die regelmässig von den Systemmedien kolportiert werden. Insbesondere die Boulevard-Medien waschen vielen Bürgern ständig den Kopf.

Objektivierte, kritische Aufklärung findet heute zu einem guten Teil in Internet-Foren und -Blogs statt und erreicht damit leider nur einen kleinen, mehr oder weniger gebildeten und informierten Teil der bevölkerung. Das sollte sich ändern, auch im Interesse der Demokratie!

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Dio_genes 13.07.2012, 19:47
9. Staatsfernsehen

Zitat von loeweneule
"Weltspiegel" schätze ich ebenso wie Sie und aus den gleichen Gründen. Ist aber auch böses "Staatsfernsehen", das sollte nicht unerwähnt bleiben.
Ich habe nichts gegen Staatsfernsehen, sofern dort gutes, niveauvolles und intelligentes Programm gezeigt wird. Von mir auch hier und dort unterhaltsame Sendungen.

Allerdings würde ein Sender ausreichen - wenn man die ganzen Doppelberichterstattungen streichen würde und gnadenlos entrümpeln würde. Quasi das Beste aus ARD, ZDF, Phönix, 3Sat, Arte und ZDF Neo in einem Sender vereinigt. Dafür würde man gerne bezahlen.

Statt dessen sinkt das Niveau bei ARD und ZDF und senden beide das Gleiche. Zudem steigen die Kosten - nicht nur wegen der vielen neuen Sender und den teuren Preisen für Sportübertragungen und eingekauften Promi-Quotenkiller.

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