Forum: Kultur
S.P.O.N. - Der Kritiker: Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen

Das langjährige Miteinander von Demokratie und Kapitalismus hat sich als Trugbild offenbart. Die EU mit ihren demokratischen Defiziten ist vor allem eine technokratische Utopie. Und die Tragödie an der gegenwärtigen Krise ist, dass sie nichts an dieser Fehlkonstruktion ändern wird.

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Dartaen 04.11.2011, 13:54
1. Unverständlich

"Die historische Zäsur dieser Woche war ja, dass die langjährige Ehe zwischen Demokratie und Kapitalismus sich mit einem Mal als Schimäre offenbarte."

Was haben denn die Ereignisse dieser Woche mit dem "Kapitalismus" zu tun? Dieses Wort scheint ein Sammelbegriff für alles zu sein, was schiefläuft. Selbst dann, wenn es sich eher in der politischen Sphäre abspielt.

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Pethab 04.11.2011, 14:01
2. Holla

Zitat von sysop
Das langjährige Miteinander von Demokratie und Kapitalismus hat sich als Trugbild offenbart. Die EU mit ihren demokratischen Defiziten ist vor allem eine technokratische Utopie. Und die Tragödie an der gegenwärtigen Krise ist, dass sie nichts an dieser Fehlkonstruktion ändern wird.
Ist das jetzt ein vorsichtiger Versuch vom Spiegel sich der Realität anzunähern. Passt blos auf das ihr da nicht einige Werbeanzeigenkunden verliert.

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thomas bode 04.11.2011, 14:10
3. Technokratisches Konstrukt, Kopfgeburt

Die Eu wandelt sich nun vermutlich allgemein in der Wahrnehmung, weg von einem verheissungsvollen Zukunftsprojekt, hin zu einem knarrenden Konstrukt, das alle Aufmerksamkeit verlangt, und alles bedroht.
Das liegt an der mangelnden Weisheit derjenigen die sich mit ihr vermutlich ein Denkmal setzen wollten, mit den besten Absichten, natürlich.
Die Welt ist sehr komplex, aber unsere größten Staatenlenker aller Zeiten, von Schmidt bis Merkel, reden sie sich simpel, mit Schlagworten wie "Fällt der Euro..".
Und sie glauben dass einfache Rezepte funktionieren, die sie ersonnen haben. Das ist Hybris. Und es ist übrigens Schwachsinn Europa zu einem Block schmieden zu wollen um in einem phantasierten Kampf der Giganten mit China und USA zu ringen. Aufgrund der irrigen Meinung, "wir" müssten "groß" sein. Neuseeland, Kanada, Australien sind nicht groß, juckt das irgendjemanden? Geht es den Leuten schlechter als in den großen USA?
Ein Europa der Nationen und Regionen, dezentral und friedlich, soldiarisch natürlich in erfassbaren Bezugsgrößen, Familie, Gemeinde, Nation...das funktioniert.

Zuerst hätte jedenfalls viel mehr politische Angleichung der Nationen wachsen müssen, DANN hätte man langsam die Eurozone erweitern können. Die Realität wurde teilweise ausgeblendet, die Finanzwelt, die kulturellen Unterschiede.
Jetzt, Augen zu und durch, ein vereinigtes Europa durchzupeitschen, nur als verzweifelter Versuch Finanzprobleme zu lösen, ist abenteuerlich. Die Menschen werden da nicht mitspielen.

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habnixsagnix 04.11.2011, 14:12
4. 42

Dieser wunderbare aber in seiner schrecklichen Wahrheit beängstigende Artikel gibt mir ein winziges bisschen Hoffnung.

Hoffnung darauf das mehr Menschen den drastischen Verfall demokratischer Werte erkennen, mehr Menschen sehen das unsere, aber auch in den anderen EU-Staaten, Politiker nur noch Marionetten sind.

Und eben Hoffnung das der Spiegel nicht endgültig auf "BLÖD Zeitung" Niveau herabsinkt.

Danke, Herr Diez

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schamanka 04.11.2011, 14:12
5. Gefällt mir.

Zitat von Dartaen
Was haben denn die Ereignisse dieser Woche mit dem "Kapitalismus" zu tun? Dieses Wort scheint ein Sammelbegriff für alles zu sein, was schiefläuft.
Ich finde die Idee echt gut, dass Finanzmärkte nichts mit Kapital zu tun hätten. Gefällt mir wirklich.

Daran, dass nicht mehr "Kommunismus" der Sammelbegriff sein soll für alles, was vor 1989 schieflief, bei den andern selbstredend, wird man sich aber sicher nicht gewöhnen können.

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Metternich 04.11.2011, 14:16
6. seltsam

Herrn Diez´ Texte wirken stets altklug und blasiert und seltsam undurchsichtig. Was will uns der Mann eigentlich immer mitteilen? (Ich wollte nun nicht unhöflicherweise von eloquent geschwätzigem Stuß reden)

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Pileus 04.11.2011, 14:22
7. Aus der Seele gesprochen!

Das hätt ich nun wirklich nicht gedacht, dass mir ein SPON-Autor nochmal so aus der Seele sprechen würde wie in diesem äußerst trefflich ausgearbeiteten Kommentar zur Lage des comatösen Patienten "Demokratie" ...

Weiter so - und wenigstens ein klitzekleiner Anfang ist getan, den verheerenden Entwicklungen der aufstrebenden EU-Diktatur endlich entgegenzuwirken. Und nur darin, im Entgegenwirken, könnte sich mit etwas Glück noch ein matter Hoffnungsschimmer für uns und die uns folgenden Generationen entzünden.

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roterschwadron 04.11.2011, 14:28
8. Beitrag lesen (0,50 Euro) - J/N?

Zitat von Pethab
Ist das jetzt ein vorsichtiger Versuch vom Spiegel sich der Realität anzunähern. Passt blos auf das ihr da nicht einige Werbeanzeigenkunden verliert.
Eine kluge Bemerkung! Zu einer drohenden Realität, in der die Kultur des Internet-Schmarotzens einer demokratischen Leserschaft gewichen sein wird, für die sich journalistische Leistung wieder lohnen soll...

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schamanka 04.11.2011, 14:29
9. Gefällt mir auch.

Zitat von sysop
Das langjährige Miteinander von Demokratie und Kapitalismus hat sich als Trugbild offenbart. Die EU mit ihren demokratischen Defiziten ist vor allem eine technokratische Utopie. Und die Tragödie an der gegenwärtigen Krise ist, dass sie nichts an dieser Fehlkonstruktion ändern wird.
Nichts gegen S.P.O.N., solange er solche Artikel ins Netz stellt. Gut geschrieben, schön locker, schön richtig, auch ein bisschen originell - nur: Die Idee an sich ist so originell ja nun wahrhaftig nicht. Und das Entsetzen dürfte arg gespielt und nur der Aufhänger für einen schönen Artikel sein. Da hat schon ein Karl Marx an dem Duo von Demokratie und Kapitalismus rumgemeckert, und über seinen Schatten springen kann dieses Duo nun mal nicht. Dieser Schatten besteht aus "Sachzwängen". Auf dem Markt gelten die Gesetze des Marktes, und ist der Markt kapitalistisch, gelten die Zwänge des Kapitalmarktes. Andere Antworten findet niemand. Man kann versuchen, den Markt gegen den Widerstand seiner Hauptprotagonisten zu reformieren. Aber die Demokratie spielt in einer anderen Liga.

Man sollte nur mal überlegen, wie Parlamentsgequassel und Lobbygerangel als Postulat von Volldemokratie überhaupt außerhalb eines Treibhauses funktionieren soll, wie es uns die Nachkriegsentwicklung in Deutschland glücklicherweise beschert hat. Kommt ein Krieg, kommt ein Asteroid, kommt eine Krise - peng! So hat auch der Mord an Gadhaffi funktioniert. Die "Demokratie" wird bestenfalls nachgeliefert. Allerdings machen das Zeitgeschichtsideologie und Mainstreamkultur nur, wenn ihre Vertreter sich wieder in einem Treibhaus-Sessel zurücklehnen können wie Guido Knoop oder Spielberg. Griechenland wird jedenfalls nicht so bald eine Nachlieferung erleben.

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