Forum: Kultur
S.P.O.N. - Der Kritiker: Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen

Das langjährige Miteinander von Demokratie und Kapitalismus hat sich als Trugbild offenbart. Die EU mit ihren demokratischen Defiziten ist vor allem eine technokratische Utopie. Und die Tragödie an der gegenwärtigen Krise ist, dass sie nichts an dieser Fehlkonstruktion ändern wird.

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piiter 04.11.2011, 16:33
30. Wundert sich da ein Linkskapitalist ?

Zitat von sysop
Das langjährige Miteinander von Demokratie und Kapitalismus hat sich als Trugbild offenbart. /0,1518,795735,00.html[/url]
Der gute Mann scheint Null Ahnung von Geschichte zu haben.
Kapitalismus und Demokratie stehen sich per se erst einmal feindlich gegenüber, man lese Marx und die übrigen VordemokratischerKapitalismusphilosophen.

Der Druck der Geschichte, es gibt geschichtlich gesehen nie eine lange MonoPolphase, bewirkte dann die Entstehung des Gegenkapitalismusentwurfes, des sozialistischen Experimentes, welches aber ziemlich bald von Stalin abgewürgt wurde.
Trotzdem, die Konkurrenz war da und zwang zum handeln, zur Demokratie.
Tja, bis es irgendwann einmal vorbei war mit der Konkurrenz, die Gewinne wieder reicher sprudelten und die Welt wieder Mono war (bitte kein Wort von China als Gegenentwurf, China ist purer Kapitalismus, nix Anderes, all diese Neophilosophen, die Marx und seine Geselschaftsanalyse ignorieren, sie werden vergessen sein).
Die demokratische Scheinblüte durfte wieder eingezogen werden. Das chinesische Vorbild des puren, des reinen Kapitalismus lockt doch zu sehr.

... aber wie gesagt, Geschichte mag keine MonoPole, das gibt Hoffnung.

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pfeifffer 04.11.2011, 16:35
31. -,-

"und in der Zwischenzeit hatten wir völlig verpasst, dass wir unsere eigene Form des Shanghai-Kapitalismus längst hatten."
Aber im Shanghai-Kapitalismus schmeckt wenigstens das Essen besser als im Manchester-II-Kapitalismus, oder wie man das, was wir zur Zeit haben, nennen will.

"Die Mächtigen schonen die Großbanken"
- aktuelle SPON-Schlagzeile, wer's jetzt noch nicht sieht, wird's wohl nimmer mehr begreifen.
Das war's.
Alle Macht geht von den Großbanken aus.

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E.Cartman 04.11.2011, 16:41
32. ...

Zitat von prefec2
Die Griechen sind pleite. Sarkozy und Merkel würden das aber gerne so behandelt wissen, dass die Griechen drin bleiben und Italien und Portugal nicht mehr so sehr unter Druck stehen. Nun ist es so, dass in Griechenland bereits über das letzt halbe Jahr die.....
Das stimmt zwar alles soweit, aber warum sind jetzt Merkel und Sarkozy Schuld, wenn sie Papandreou sagen, dass der andere Zonk wirklich der andere Zonk ist, und daraufhin dessen Leute meutern? Was sonst hätten sie ihm denn sagen sollen?

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roterschwadron 04.11.2011, 16:46
33. Wohin wollen wir?

Zitat von E.Cartman
Okay. Ich bin nicht Ihrer Meinung, also bin ich kein Demokrat.
Das haben Sie gesagt. Ich widerspreche nicht. Auch wenn ich dann für Sie vielleicht auch kein Demokrat bin.
Zitat von E.Cartman
Wenn ich jemandem Geld gebe, damit er bei mir einkauft, damit ich beschäftigt bin, habe ich ihm Waren geschenkt. Der Konsum den Sie beschreiben sollte in Deutschland stattfinden, was nebenher auch unsere westlichen Partner fordern. Natürlich müsste man dafür von der Angebotspolitik wegkommen, aber das gehört hier nicht zum Thema.
Gerade das, worum es "offiziell" nicht geht, ist das Thema. Es ist ein Krieg im Gange. Ein - bisher - kalter Bürgerkrieg. Wie der geschätzte Autor hier schon angedeutet hat. Und die Sprache ist eine der Hauptwaffen auf den medialen Geschütztürmen der abendländischen Konsumgesellschaft. Es geht um die zentrale Frage, wie die Zinsfrüchte der Realwirtschaft unter den verschiedenen Bevökerungsgruppen aufzuteilen sind: wieviel vom gesamtwirtschaftlichen Kuchen sollen die Kapitalbesitzer abbekommen - und wieviel diejenigen, die nur ihre Arbeit verkaufen. Wieviel soll dem immer größer werdenden Rest der nichtarbeitenden Menschen zustehen? Das ganze Gerede um das "liebe Geld" ist dagegen nur Verschleierung.

Es geht nicht ums Geld, weil man Geld nicht essen und auch sonst nichts damit anfangen kann. Der wichtigste Zweck des Geldes ist inzwischen gerade die Verschleierung der durch Geld geschaffenen und umkämpften Machtverhältnisse.


Zitat von E.Cartman
Jetzt haben Sie in Ihrem ganzen langen Beitrag mit keinem Wort erklärt, worin nun der undemokratische Zwang durch Merkel und Sarkozy bestand. Für jemanden der Ihre Schafsherde verlassen will, und nicht etwa mehr konsumieren, dürfte die Einstellung der Hilfskredite doch keine Drohung sein?
Nun, manches wäre leichter zu verstehen, wenn es auch eine ernsthafte Diskussion darüber gäbe, in Europa die Drachme als gemeinsame Währung einzuführen. Natürlich müssten die anderen Länder Griechenland gegenüber ehrlich sein und nicht ihre Bilanz dahingehend schönen, daß sie z.B. menschliche Werte wie Freizeit, stressarme Lebensweise, gesittete Umgangsformen und eine lebenswerte Natur nur augenscheinlich achten, sondern stattdessen in Wirklichkeit den Profit voranstellen und diese Einstellung dann Griechenland aufdrängen. Wenn das fleissige Strebertum in Deutschland und Frankreich überhand nimmt, würde die Drachme ganz schön unter Druck geraten, nicht wahr? Sehen Sie jetzt den undemokratischen Aspekt? Nein? Dann glauben Sie anscheinend auch, daß das deutsche Grundgesetz nur ein Witz ist und die Masse der fleissigen Bevölkerung automatisch Recht hat?

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Blickensdörfer 04.11.2011, 16:47
34. "Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen"

Ein guter Artikel für ein Weiterdenken!
Der Mensch lebt zwar nicht nur "von Bildern und Gefühlen", aber es sind diese, die ohne Mühe als Wirklichkeit verstanden werden. Insbesondere dann, wenn eine scheinbare Mehrheit erklärt oder vom herrschenden Verständnis erklärt
bekommt, sie seien Wirklichkeit, ob sie wirklich sind, oder nicht. Ein Leichtes, so das Verstehen zu beherrschen, weil insbesondere "Bilder und Gefühle" - was sie bedeuten - beliebig verstanden werden können.
Hin und wieder wird gefragt:"Demokratie?", "Kapitalismus?", weil das herrschende Verständnis davon, und nicht nur davon, sie/es in mannigfachen Bildern erklärt.
"Das Ende der Demokratie, wie wir sie kennen", diese Einsicht, mit dem bisherigen herrschenden Verständnis, ist es nicht mehr zu vertshen, diese Einsicht ist ein erster Schritt dazu, sich von diesem herrschenden Verständnis, von dieser Herrschaft über das Verstehen, zu befreien. Ohne Mühen des Denkens, ist das allerdinsg nicht möglich.

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Hook_ 04.11.2011, 16:48
35. Schwer zu verstehen?

Zitat von RioTokio
Haben Sie verstanden was der Mann sagen will? Irgendetwas mit Kapitalismus und Demokratie und Theater...
Wir haben sehr wohl verstanden was der Mann sagen will, machen Sie sich da mal keine Sorgen.

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RobertSchuman 04.11.2011, 16:55
36. "This time is different"

Wie oft ich in meinem noch jungen Leben gehört habe, dass der Kapitalismus am Ende ist, dass der Westen am Ende ist, dass wir alle am Ende sind und natürlich darf auch nie der unterdrückte Bürger fehlen dem die Rechte genommen werden.
Irgendjemand scheint den Journalisten die Fähigkeit genommen zu haben zwischen Regel und System, zwischen Krise und Revolution, zwischen politischem Wechsel und Sturm im Wasserglas zu unterscheiden.

Und die seit neuestem als Allheilmittel verkauften direktdemokratischen Elemente der Volksabstimmungen und Volksbefragungen werden uns auch nicht helfen.
Schmidt hatte Recht: Demokratie ist überbewertet.
Unsere Welt braucht Regeln die das Handeln im öffentlichen Interesse sicherstellen. Die Mehrheit der Deutschen versteht die aktuelle Krise nicht. Sie darüber abstimmen zu lassen hat demnach keinen Sinn.

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produster 04.11.2011, 16:58
37. Gegenwehr

Herr Dietz beschreibt die Emotionen, die das Euro- und Finanzdesaster in ihm auslösen und die, für mich jedenfalls, absolut nachvollziehbar sind. Emotionen zu beschreiben heißt unter seriösen Journalisten natürlich, sich angreifbar zu machen. In dem unglaublichen Wust an Information und Desinformation, Meinung und Manipulation, die wir dieser Tage erleben, versuchen die Medien meist, sich an irgendwelchen Zahlen, Statistiken, Fachmeinungen, Berechnungen, Analysen etc. zu klammern, die, wie uns die Geschehnisse zeigen, oft genug reine Luftnummern sind: nämlich unzutreffend, unbewiesen, spekulativ, manipulativ und/oder schlicht falsch. Die letzten Monate muten an wie ein Roulettespiel ohne Limit, bei dem die Spieler nach irgendwelchen kruden, garantierten Gewinn versprechenden Systemen spielen. Dabei ist jedem klar: am Ende gewinnt doch nur die Bank. Um z.B. zu begreifen, dass es langfristig irrsinnig ist, Schulden durch neue Schulden zu bekämpfen, muss man echt kein Wirtschaftswissenschaftler sein. Trotzdem oder gerade deshalb werden die banalsten Dinge mit einer brachialen Flut von technokratischer Verwirr- Rhetorik überzogen, Spekulationen und Hoffnungen als Tatsachen verkauft, Widersprüche durch unendliche Wiederholung glattgebügelt und konsumierbar gemacht. Jeder einigermaßen aufmerksame Zeitgenosse KANN da nur noch zweifeln. Was mit Herrn Dietz und vielen anderen, mit denen ich spreche, gerade passiert ist ein Akt der berechtigten Gegenwehr: der Gegenwehr gegen die Monströsität der falschen Lehren und Behauptungen, der Gegenwehr gegen die intellektuelle Entmündigung, die gesunden Menschenverstand diffamiert und deformiert, und des Widerstandes gegen radikal undemokratische und intransparente Entscheidungen, deren einziger Sinn es ist, einen von innen zerfasernden Status Quo aufrecht zu erhalten. Ich finde es richtig, sich abzuwenden von den offiziellen Verlautbarungen, und ich finde es legitim, in sich hinein zu horchen und das, was einem als täglicher Mainstream- Brei serviert wird, sorgfältig zu überprüfen. Das einen dabei ein unbestimmtes Grausen und zugleich ein diffuses Gefühl der Ohnmacht überkommen kann, sollte einen nicht davon abhalten, dies der Umwelt kund zu tun, auch wenn diese Gefühle nicht, wie in Polit-Talkshow- Manier, von angeblich "harten Fakten" unterfüttert sind. Von da her finde ich die "emotionalen" Einwendungen des Herrn Dietz, die sich gegen eine Übermacht angeblich analtisch/sachlicher Artikel behaupten muss, absolut berechtigt.

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almabu! 04.11.2011, 17:05
38. Das Beste seit langem in SPON!

Zitat von Metternich
Herrn Diez´ Texte wirken stets altklug und blasiert und seltsam undurchsichtig. Was will uns der Mann eigentlich immer mitteilen? (Ich wollte nun nicht unhöflicherweise von eloquent geschwätzigem Stuß reden)
Nicht nur ein schöner, sondern auch ein richtiger und guter Artikel! So einen habe ich – ehrlicherweise gesagt – nicht mehr in SPON erwartet nach den letzten Neocon-Jahren in SPON!

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n.faltermeier 04.11.2011, 17:06
39. wie bitte?

Zitat von sysop
Das langjährige Miteinander von Demokratie und Kapitalismus hat sich als Trugbild offenbart.
Das Gegenteil ist der Fall: Der Kapitalismus ist die einzige Wirtschaftsform, in der die Demokratie überlebensfähig ist, da er in seinen individualistischen Grundzügen demokratisch ist!
Als Beweis genügt ein Blick in die (Wirtschafts-)Geschichte: Es war nicht das Verlangen der Menschen nach Freiheit, das den Kommunismus in die Knie gezwungen hat, sondern das Bedürfnis der Menschen nach materiellem Wohlstand.
Was wir jetzt bekommen, ist nicht das Ende der Demokratie, sondern die Rechnung für die Fehler der Europa-Träumer der 90er-Jahre, allen voran Helmut Kohl, sehenden Auges marode Volkswirtschaften in eine Währungsunion aufgenommen haben.

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