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S.P.O.N. - Der Kritiker: Durchs wilde Ironiestan

Dieser Tage wird ausgiebig der Triumphzug Karl Mays gefeiert - getarnt mit etwas Ironie. Dabei stellte Albert Camus in einer erst jetzt veröffentlichten Abhandlung klar, dass richtig verstandene Ironie immer der Aufklärung dient.

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glen13 30.03.2012, 13:28
1.

"Und wenn heute alle groß Karl May feiern? Dann weiß ich, warum ich Karl May nie mochte."
Mochten Sie seine Bücher nicht, ihn nicht oder beide nicht?

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chrrot 30.03.2012, 13:41
2. Hä?

Zitat von sysop
Dieser Tage wird ausgiebig der Triumphzug Karl Mays gefeiert - getarnt mit etwas Ironie. Dabei stellte Albert Camus in einer erst jetzt veröffentlichten Abhandlung klar, dass richtig verstandene Ironie immer der Aufklärung dient.
Ganz ehrlich, ich verstehe nicht, was mir der Autor mit seinem Text sagen will. Vielleicht fängt er nochmal von vorne an, und hält sich an Camus: KLARHEIT!

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Augustusrex 30.03.2012, 14:25
3. Falscher Freund

Zitat von sysop
Dieser Tage wird ausgiebig der Triumphzug Karl Mays gefeiert - getarnt mit etwas Ironie. Dabei stellte Albert Camus in einer erst jetzt veröffentlichten Abhandlung klar, dass richtig verstandene Ironie immer der Aufklärung dient.
Sie wissen schon was medizinisch ein "Falscher Freund" ist?
Eine Blähung die nicht ganz trocken war.
So erscheint mir auch der Kommentar, nämlich ein wenig intelektuell verbrämter Dünpfiff.

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pylas 30.03.2012, 14:26
4.

Die Fragestellung, ob Ironie ein Mittel der Aufklärung ist, finde ich schon interessant und nachdenkenswert. Schadet oder nutzt es einer Diskussion, wenn man Ironie einsetzt? Oft wird darauf ja der Vorwurf der Unernsthaftigkeit erhoben. Für mich ist Ironie eine entzaubernde Gegenwaffe zum Pathos.

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Spiegelkritikus 30.03.2012, 16:01
5.

Zitat von sysop
Dieser Tage wird ausgiebig der Triumphzug Karl Mays gefeiert - getarnt mit etwas Ironie. Dabei stellte Albert Camus in einer erst jetzt veröffentlichten Abhandlung klar, dass richtig verstandene Ironie immer der Aufklärung dient. .... Ist Ironie eine Waffe der Starken oder der Schwachen, ist sie ein Mittel der Wahrheit oder der Lüge, ist Ironie gut oder schlecht? ...... Klarheit, Widerspruch, Ironie und Eigensinn. "Der Eigensinn ist dabei die wichtigste Tugend", schreibt Camus, das Paradox sei dabei, dass gerade der Eigensinn zu mehr "Objektivität und Toleranz" führt.
Herr Diez kapriziert sich wieder mal auf den Eigensinn, was diesmal freilich zu Lasten der Klarheit geht. Ob alle Leser das mit Toleranz quittieren, sei dahingestellt.

Wie jeder gute Philosoph stellt Camus die richtigen Fragen im Zusammenhang mit Ironie. Sie kann natürlich von den Schwachen als Waffe eingesetzt werden. Zudem zielt sie auf Wahrheit und ist auch gut, sofern sie verstanden wird. Ironie funktioniert nur, wenn der Sprecher bzw. Autor und Empfänger bzw, Publikum sich mittels gemeinsamen Wissens und Erwartungen verstehen. Ist diese Voraussetzung erfüllt, kann der Sprecher sich scheinbar verstellen, das Gegenteil vom eigentlich Gemeinten äussern und wird trotzdem so verstanden, wie er es intendiert.

Kommerziell abverlangte und eingesetzte Ironie verbraucht sich mit der Zeit, so wie bei Harald Schmidt. Sie kommt am besten an, wenn sie spontan und intuitiv wirkt, andernfalls kann amn sich wohl tatsächlich in einer "Hölle der Ironie" gefangen fühlen.

Falls Herr Diez doch mal ein Buch von Karl May lesen sollte, wird er auch bei diesem Ironie feststellen können. Ergiebiger sind freilich Klassiker seit der Antike!

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petit_fleur 30.03.2012, 17:19
6. Weder, noch , samt, und sonders.

Zitat von glen13
"Und wenn heute alle groß Karl May feiern? Dann weiß ich, warum ich Karl May nie mochte." Mochten Sie seine Bücher nicht, ihn nicht oder beide nicht?
Was hat der Camus unter meiner Bettdecke mit Taschenlampe und geklauter Batterie vor 74 Jahren zu tun? Wer ist der, der einen 10jährigen Zappelphillip um den Schlaf bringt. Was ist denn unironisch an Hadschi Halef Omar... wenn der Junge alle Bände verschlingt und doch nicht dem Geheimnis dieser Verarschung durch Karlchen auf die Spur kommt. Genial und fast so erfolgreich wie Steve Jobs.

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W. Robert 30.03.2012, 18:54
7. Blutsbrüder?

Es ist schon erstaunlich, dass Herr Diez das Thema Ironie gerade an den beiden (zweifellos recht verschiedenen) pazifistischen Autoren Camus und May festmachen will, die nicht gerade zu den Humoristen in der Literatur zählen, zumindest nicht freiwillig, soweit es May betrifft.-)
Ironie ist übrigens ein Mittel zur Enttarnung, nicht der Tarnung. Und Hofnarr Harald Schmidt ist kein gutes Beispiel für Ironie, weil er eben den meist zynischen, opportunistisch kalkulierten „Humor“ seiner Gag-Schreiber transportiert. Und auch Camus muss widersprochen werden: Eigensinn ist eher der Kollege der Subjektivität als jener der Objektivität. Und Ironie ist weder „links“ noch „rechts“, noch ein Instrument der „Aufklärung“, trotz zweifellos aufklärerischer Ambition. Das ist alles relativ kompliziert.

„Eine in dogmatischem Ton vorgebrachte Wahrheit wird in neun von zehn Fällen zensuriert. Wird die gleiche Wahrheit witzig formuliert, entgeht sie in fünf von zehn Fällen der Zensur.“
(Camus)
Klarheit, Ironie, Verweigerung und Hartnäckigkeit | TheoBlog
Da hat sich wenig verändert. Nachdenklich stimmt allerdings, dass Camus diese Worte 1939 verfasst hat, und wir offensichtlich keinen Schritt weiter gekommen sind, jeder „erfahrene“ Forist wird das bestätigen.-)

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Spiegelkritikus 30.03.2012, 20:23
8. Die gesellschaftlichen Verhältnisse sind entscheidend

Zitat von W. Robert
..... Und auch Camus muss widersprochen werden: Eigensinn ist eher der Kollege der Subjektivität als jener der Objektivität. Und Ironie ist weder „links“ noch „rechts“, noch ein Instrument der „Aufklärung“, trotz zweifellos aufklärerischer Ambition. Das ist alles relativ kompliziert. ......
Ja und nein. Wenn wir von einer relativ freien, offenen Gesellschaft ausgehen, wie wir sie heute haben, ist Eigensinn in der Tat "eher der Kollege der Subjektivität als jener der Objektivität". Haben wir jedoch wie Camus seinerzeit totalitäre Verhältnisse im kritischen Blick, kann der Eigensinn bzw. das abweichende Denken emanzipatorisch und objektiviernd wirken. Exakt darauf zielt die Aussage von Camus.

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wolfthom 31.03.2012, 23:01
9. Gutes Verhältnis Indianer und deutsche Siedler mancherorts

Zitat von glen13
"Und wenn heute alle groß Karl May feiern? Dann weiß ich, warum ich Karl May nie mochte." Mochten Sie seine Bücher nicht, ihn nicht oder beide nicht?
Über Karl May wie im Compact Magazin von Jürgen Elsässer geschrieben.

Zu Karl May: Er war ein großer Spinner, Pazifist, Anhänger von Bertha v. Suttner usw.

In COMPACT 2/2012 wird ausführlich referiert, was Karl May über die mexikanische Revolution (Benito Juarez etc.) geschrieben hat.

Utz Anhalt hat sich in seiner Dissertation mit Karl May ausführlich auseinandergesetzt, unter der Frage nach dem romantischen Bild vom anderen und bei seinen Freundschaften und der Recherche bei den Apachen hat er erfahren, dass er bei den amerikanischen Natives sehr beliebt ist, weil er ein positives Bild von Indianern entwarf, als die in Arizona an der nächsten Ponderosa-Pine aufgehängt wurden. Insbesondere hat die Beziehung zwischen Cochise und Leutnant Beckwood wohl das Vorbild für Winnetou und Old Shatterhand gegeben.

Karl May

COMPACT 3/2012 ist da: “Liebesgrüße aus Moskau”

COMPACT 3/2012 ist da: “Liebesgrüße aus Moskau” « Jürgen Elsässers COMPACT-Blog

Der Friedenskämpfer



Wie der amerikanische Kapitalismus zu uns kam



Zeit-Fragen > 2012 > Nr.13 vom 26.3.2012 > Wie der amerikanische Kapitalismus zu uns kam


Wie der amerikanische Kapitalismus zu uns kam



Die Probleme sind systemischer Natur

Der amerikanische Kapitalismus zeichnet sich in erster Linie durch kurzfristiges Renditedenken mit maximaler Gewinnausschüttung (Quartalsdividende, exorbitante Boni) aus, während Risikoüberlegungen, Vorsichtsprinzip, staatliche Regulierungen (statt Schutz der Volkswirtschaft, Cassis-de-Dijon-Prinzip und Kapitalverkehrsfreiheit), moralische und soziale Anliegen (Sozialversicherungen, Gesundheitswesen, Volksbildung, Direkte Demokratie) oder Umweltschutz (Gentech, Patent auf Leben, CO2) zurückgedrängt oder ganz ausgeblendet werden.

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