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S.P.O.N. - Der Kritiker: Schieß Dir den Weg frei, Burroughs!

Immer auf der Suche nach der "Magic Bullet": Seine ganz eigene Utopie ließ sich William Burroughs nicht durch Sachzwänge vernageln, mit Heroin, Morphium und*ungebremstem Eroberungswillen*stieß er in neue Welten vor. Liebeserklärung an einen intellektuellen Revolverhelden.

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J-Créme 20.01.2012, 12:56
1. Einer der größten Dichter

Zitat von sysop
Immer auf der Suche nach der "Magic Bullet": Seine ganz eigene Utopie ließ sich William Burroughs nicht durch Sachzwänge vernageln, mit Heroin, Morphium und*ungebremstem Eroberungswillen*stieß er in neue Welten vor. Liebeserklärung an einen intellektuellen Revolverhelden.
Danke für den Artikel. Die Anregung, William S. Burroughs wieder zu lesen, kommt gerade richtig für mich. Burroughs hat mich vor nun schon fast 40 Jahren sehr beeinflusst; er steht im Bücherregal seitdem immer an der besten Stelle in Augenhöhe. Burroughs lesen und Miles Davis entdecken, das war schon echt cool damals.

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Absurdistan-Veteran 20.01.2012, 13:12
2. Gedankenexperiment

Man stelle sich eine Figur wie Burroughs einmal in der heutigen Zeit vor, etwa als deutscher Schriftsteller im Jahre 2012. Waffenbesitz und Drogenbesitz jeglicher Art eingeschlossen. Er würde vermutlich, nach entsprechender Begutachtung/Aburteilung in irgendeiner staatlichen Einrichtung versauern (ohne Freigang) und wäre "sozial neutralisiert". Moderne Zeiten.

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ra-live 20.01.2012, 14:38
3. nee, ich kann Herrn Diez nicht zustimmen

Also, ich finde, er ist mehr ein Zerstörer als ein Held. Hat sich selbst zerstört, seine Frau umgebracht, den Erzählfluss mit dieser blöden Cut Up Technik zerstört. Was bleibt sind Effekthascherei und Berichte aus einer ganz und gar kaputten Innenwelt, auf die ich echt keinen Bock hab. Ich mag diese ganzen Typen nicht wie z.B. Bukowski oder z.T. auch Henry Miller, die nur als Guckloch für eine seelische Abgründigkeit fungieren, die uns Normalos halt unbekannt ist. Mir fehlt da jegliche Sehnsucht nach dieser Welt Und für große Erzählkunst oder Poesie reicht das einfach nicht. Da lese ich doch lieber die 13 1/2Leben des Kaptän Blaubär von Walter Moers. Das ist echt coole Fantasie.

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Absurdistan-Veteran 20.01.2012, 15:14
4. Sehnsucht

Zitat von ra-live
Mir fehlt da jegliche Sehnsucht nach dieser Welt.
Darum geht es garnicht. Diese Welt kommt vielleicht zu Ihnen, ohne daß Sie das jemals gewollt haben.

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cogitoergobum 20.01.2012, 15:20
5. Tragische Komiker

Zitat von sysop
Immer auf der Suche nach der "Magic Bullet": Seine ganz eigene Utopie ließ sich William Burroughs nicht durch Sachzwänge vernageln, mit Heroin, Morphium und*ungebremstem Eroberungswillen*stieß er in neue Welten vor. Liebeserklärung an einen intellektuellen Revolverhelden.
Wenn ich mir heute Filmaufnahmen mit Interviews aus den 60iger und 70iger Jahren anschaue – ob Politiker oder solche die es werden wollten – dann sehe ich in ihren Gesichtern sofort die Verstellung und die geistige Geiselnahme. Das ist sehr viel Peinliches, Erbärmliches und Lustiges dabei. Heute ist das nicht anders. Mit Burroughs ist das nicht viel anders.

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dr. phibes 20.01.2012, 15:32
6. Moers

Zitat von ra-live
Da lese ich doch lieber die 13 1/2Leben des Kaptän Blaubär von Walter Moers. Das ist echt coole Fantasie.
Moers ist eine gute Empfehlung:

Schöner Drogen mit dem kleinen Arschloch
(aus "Schöner Leben mit dem kleinen Arschloch" von Walter Moers)
Wie die populärsten Drogen wirken; wie man ihre Wirkung mit billgsten Mitteln simuliert; was man nach Genuß tun kann und welche Musik man dabei hört.
Ist eben netter als Burroughs :)
Man kann auch beide mögen.

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General_Turgidson 20.01.2012, 15:54
7. Toller Typ

Was für ein Klasse Typ!
Gut, er hat mindestens 2 Menschen abgeschlachtet, seinen Kumpel und seine Frau. Aber wer wird denn mit Erbsenzählen anfangen, wenn der Mann doch sonst weltanschaulich so Klasse beieinander war ??

Man muß schon unterscheiden zwischen seinen Bagatelldelikten, und den wirklichen Verbrechen unserer Zeit.
Wie zum Beispiel das bescheißen bei einer Doktorarbeit.
Monstern die zu so etwas fähig sind, würde kein noch so gutes Buch in den Kreis gefeierter Gutmenschen zurückverhelfen.

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Spiegelkritikus 20.01.2012, 15:57
8. Ein bedeutender amerikanischer Schriftsteller

Zitat von sysop
Immer auf der Suche nach der "Magic Bullet": Seine ganz eigene Utopie ließ sich William Burroughs nicht durch Sachzwänge vernageln, mit Heroin, Morphium und*ungebremstem Eroberungswillen*stieß er in neue Welten vor. Liebeserklärung an einen intellektuellen Revolverhelden.
Ich begann die Lektüre dieser kurzen Hommage an Burroughs mit der Frage, ob wenigstens dieser Text ohne Bezugnahme auf Wulff auskommt. Doch nein, der Name taucht natürlich auf im "öden Wulffland". Aber Spatz beiseite: Burroughs war kein echter Revolverheld, sonst hätte er auch im Suff den Apfel auf dem Kopf seiner Frau getroffen wie weiland Wilhelm Tell, der freilich den Vorteil hatte, nüchtern zu sein. Als Amerikaner war er eben fasziniert von Waffen, frontier und Freiheit haben dort eine lange stolze Tradition, die wenigen Nachfahren der einstigen Indianer können ein Lied davon singen und auch ein Hero wie Bush hat noch mutig Politik in diesem Sinne gemacht!

Burroughs war vor allem ein nach Vitalität und Erfahrung hungernder Mensch, der ruhelos umherwanderte, sein Leben mit allerlei Drogen zu verdichten suchte und das Erlebte als Schriftsteller verarbeitete. Freiheit spielte in der Tat eine zentrale Rolle bei all seinem Tun. Gleichzeitig lernte er früh die Kehrseiten einer fast grenzenlosen Freiheit kennen: Die Krankheit seines durch Drogensucht überfordeten Körpers und die Reaktionen einer von Law-and-order-Mentalität geprägten US-Gesellschaft, die ihn auch zwangen, nach Entdeckung seines Cannabis-Anbaus von Texas nach Mexico zu fliehen.

Dennoch ist er wie sein Kollege Kerouac ein wichtiger Vertreter der Beat-Generation, die Amerika und auch Europa nachhaltig verändert hat. Der damalige Wille zur Veränderung und Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse, zu mehr Freiheit und Menschlichkeit, zu Ehrlichkeit und Spontanität, zu Kreativität und Exstase sollte heute zu neuem Leben erweckt werden, damit die zerstörerische lebensfeindliche Unkultur von Geld und Profit friedlich überwunden werden kann!

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primemover 20.01.2012, 16:32
9. ochnööö....

.....Herr Diez.
Der gute William war so ziemlich alles was Sie nicht sind und nie sein
werden: lebendig!
Ihn nur auf seine Drogensucht zu reduzieren, wird ihn in keinster Weise
gerecht.
Mit all seinen persönlichen Defiziten, war er vor allem ein mutiger Mann.
Er tauchte tief ein in ein leben, ohne Fallschirm und doppelten Boden,
dass den Apfeltorte und Rotwein-trinkenden im Lieblingssessel-sitzenden "Kritiker" viel zu gefährlich anmuten würde.
Aus dem sicheren Versteck, mit Herzklopfen, einen seiner Romane
zu konsumieren dafür reicht es wohl grade noch für diese Bubis....

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