Forum: Kultur
S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Der Fluch des Schwarms

Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!

Seite 3 von 9
BkyThatcher 17.12.2011, 19:22
20. Schlecht geschlafen?

Zitat von sysop
Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!
Schlecht geschlafen Frau Berg? Aber sie brauchen doch gar nicht den Gleichschaltungshammer herauszuholen. Ihre Individualität wird sicherlich nicht in der Trivialität des Kollektivismus untergehen. Also: Alle Kraft zusammennehmen, gegen den Strom schwimmen, auch wenn der Durchschnitt so massenhaft daherkommt und sich einfach nicht bewegen will, so wie sie es selbst wollen. Oder haben sie etwa Angst davor, dass die Komplexität des Kollektivs ihnen die Trivialität ihrer Individualität offenbart? Nein, sie doch nicht! Sie sind auf der Achse des Guten. Der Kapitalismus ist nicht böse. Die Welt wird nicht untergehen. Lesen sie ihr Horoskop für das nächste Jahr. Sie werden reich und viel Glück in der Liebe haben. Glauben sie daran, wie andere Menschen an Gott glauben und glücklich dabei sind. Sie werden sehen, dass es funktioniert. Und wenn es nicht klappen sollten, dann waren es eben diese mental Gleichgeschalteten im Kapitalismus oder der kollektivistische Druck, der so groß ist, dass der Deckel vom Dampfkochtopf in die Luft fliegt.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Ylex 17.12.2011, 19:25
21. Wie Blitze in die trägen Hirne

Gerade sehe ich links, dass Frau Berg auch eine Internet-Schreibschule betreibt, hmh... Zitat: „Da schlingern sie wieder mit rotweintrunkenen Gesichtern durch die Kaufhäuser, schwitzen, fallen auf die Straße, da ist es zu kalt, Viren ziehen ihre Kreise, hämmernder Kopfschmerz, Überforderung. Scheißkapitalismus.“

Ja, doch, eine sehr lebendige Schreibe, da wird einem nach drei Sätzen schwarz vor Augen, man spürt förmlich das Stakkato auf dem stylishen Keyboard, die Inbrunst des fieberhaften Formulierens, die Wörter müssen raus, die Sätze einschlagen wie Blitze in die trägen Hirne, überfallartig fallen Frau Berg die Erkenntnisse in den Rücken – natürlich: Scheißkapitalismus, muss sofort eingehämmert werden, und Scheißkommunismus, alles das gleiche, alles Gleichmacherei sowieso – dabei sind die Menschen so verschieden, der eine so, der andere so, so oder so ist das nämlich, und dann noch diese Scheißmittelmäßigkeit, die stört Frau Berg am meisten, man könnte sie hassen, diese mediokren Menschenmassen, diese kümmerlich-komfortablen Konformisten mit Intelligenzquotienten knapp über dem eines Border-Collies, diese ohrverstöpselten Opportunisten, die im Sound ihrer Mp3-Player sinnentleert vor sich hin glotzen, heimlich onanieren und dabei Smarties einwerfen, diese humanoiden Correctness-Kakerlaken im Kaufhof-Outfit – ein einziger Frust für intelligenzverknäuelte Individuen mit Anspruch auf Selbstverwirklichung, für die Sucher nach einem Leben über dem Durchschnitt, für die Flüchter der statistischen Signifikanz, in der auch sie unterzugehen drohen: Das Leben ist kein Krampf, es ist ein Kampf, ein gewagtes Hangeln nach dem Höherem – schon wenige Zentimeter bringen das Gefühl des Schwebens in der Bodenlosigkeit.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
peter78 17.12.2011, 21:13
22. Schwarmintelligenz? Keine Ahnung, obs sowas gibt.

Aber SchwarmDUMMHEIT gibts in beliebiger Menge; da bin ich mir ganz sicher; man muss sich nur umschauen, an was die Menschen alles so treiben...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
jetzt:hördochauf 17.12.2011, 21:13
23. Wenn die Tage kürzer werden....

Zitat von sysop
Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!
Wenn die Tage kürzer werden und man anfängt auf gut die hälfte des Lebens zurück zu blicken - spätestens dann sollte man anerkennen, dass der Mangel an Gerechtigkeit vielleicht das Übel ist, aber viel verhängnisvoller die Täuschung ist:

Was als Wert noch hoch gehalten wird ist der ausgeträumte Traum vergangener Zeiten, der nicht erlebt werden kann, nicht gelebt werden soll.

Natürlich kennt auch der Kapitalismus seine Norm von Gerechtigkeit - so wenig objektivierbar soetwas auch sein kann - so offensichtlich ist doch wem er gerecht wird.
Das mag ein universelles Problem aller Systeme sein - verwerflich wird es wenn der Ungerechtigkeit sich die Lüge hinzugesellt.

Wenn ein Kind geboren wird war die Welt schon immer da - und welchen Platz es für begrenzte Zeit einnehmen wird, welche Erfahrungen es macht darüer entscheiden Herkunft, Glück und eigene Entscheidungen.

Die Täuschung besteht heute darin den Einfluss dieser Elemente in ihrer Gewichtung notorisch falsch darzustellen.

Das hilflose Gefühl unbändiger Ungerechtigkeit entsteht im wiederspruch demokratischer Verfasstheit und Kapitalistischer Ordnung:

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, wird dieser Widerspruch in der 'Leistungsgesellschaft' - durch die Haftung des Individuums für Glück und Unglück, für Erfolg und Misserfolg aufgelöst. Das macht diese Kombination so erfolgreich. Nur so versucht jedes Rädchen sich ständig schneller zu drehen - ohne darauf zu achten wirklich vorwärts zu kommen - die Drehzahl wird meist niemals reichen.

Der Satz: "Wer nicht arbeitet soll nicht essen" findet heute noch genügend Zuspruch - und kennt heute wie vor 100 oder 1000 Jahren die strukturell gleichen Ausnahmen.

Ungerecht ist heute in erster Linie was früher als Schicksal hinzunehmen war als Gerechtigkeit zu verkaufen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
favela lynch 17.12.2011, 21:23
24. Homo novus

Zitat von sysop
Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!
Von oben beklagt sich das Unten leicht - insbesondere wenn man mit dem nur minimal Angehoben sein karges Brot verdienen muss. Ein homo novus. Typisch ostdeutsch. Völlig unfähig zu Esprit und Galanterie.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ich2011 17.12.2011, 23:03
25. Ich möchte nicht

Zitat von sysop
Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!
von der Schwarmintelligenz Angelamerkeldieterbohlentilschweiger regiert werden. Werde ich aber doch. Um mich von dem Irrsinn frei zu kaufen habe ich gern noch ein paar Euro übrig für einen Privatkredit zwecks Entfernung des Prolltatoos an seiner Gattin für den großen bösen Wulff (zu einem extrem günstigen Zinssatz). Gerechtigkeit war im vorigen Jahrhundert; jetzt haben wir Castingwahn, und da siegt derdiedas, wo am besten geschminkt ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
bomdia 17.12.2011, 23:39
26. Ein bißchen ist es ja leider schon so aber dennoch

werde ich vermutlich auch morgen noch über Ihren Satz

- bald wird der Bürger Ausstellungen zeitgenössischer Kunst kuratieren ("Kann weg") -

schmunzeln.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
sugarplumfairy 18.12.2011, 01:09
27.

Zitat von sysop
Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!
Es war noch nie so unangenehm, nicht dem Konsens zu entsprechen, wie heute.

Ich habe eigentlich eher den Eindruck, dass es jenseits all der vielen unternehmensinterner Minidiktaturen, in denen man sich nicht mucksen darf, eigentlich keine Sau interessiert, ob irgendwer irgendeinem Konsens entspricht oder auch nicht. Im Gegenteil - überall nur Beliebigkeitsgefasel der Preislage "Na ja, ich hab halt meine Meinung, und du hast deine Meinung." Die Überzeugungen sind weniger gleichgeschaltet als vielmehr bedeutungslos.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
diedahinten 18.12.2011, 05:44
28.

Zitat von sysop
Die soziale Spaltung in Deutschland schreitet voran. Lohnt es sich da noch, an Gerechtigkeit zu glauben? Keinesfalls, aber an die mentale Gleichschaltung im Kapitalismus - darauf können Sie sich verlassen!
Ohje, jemand der sich für intellektuell hält, weil er zufällig eine öffentliche Stimme ergattert hat, will anderen vorschreiben, was sie zu mögen haben und prangert dies zugleich im selben Atemzug an. Das Individuum entscheidet, was gefällt, nicht der Künstler. Schwer verdauliche Wahrheit, ist es doch die Einsicht, dass die Einzigartigkeit der eigenen Kunst auch nur einzigartig einem selbst gefällt. Vielleicht ein bisschen weniger geheuchelte Kunst, dafür ein bisschen mehr ansprechende Unterhaltung, dann klappts auch mit dem Publikum. Wer glaubt, die zumeist nichtsaussagende moderne Kunst mit ihrer anstrengenden Forderung nach sinnentleerter Grübelei weltfremder Ideen müsse einem Volk, dass zunehmend von Existenznöten getrieben wird wichtiger sein als die bitter notwendige Erholung vom Stress der Existenzsicherung um diesen Kampf am nächsten Tag wieder aufnehmen zu können - der ist noch nicht in der Realität angelangt. Wer es sich leisten kann, dieser sinnbefreiten Beschäftigungsmaßnahme namens moderne Kunst nachzugehen hat wohl sonst keine Probleme und täte gut daran, kleine Brötchen zu backen, statt permanent zu verlangen wie ein Genie angehimmelt zu werden von jenen, die mit dieser unsäglichen Zeitverschwendung weder etwas anfangen, noch davon ihre Familie ernähren können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
steveable 18.12.2011, 06:16
29. Sozialstaat

Zitat: Aber uns hat ja keiner Gerechtigkeit versprochen. Das war nicht die Vereinbarung, die bei Geburt unterschrieben wurde, und seltsam, dass Menschen immer so laut nach ihr rufen. Es gibt keine Gerechtigkeit, schon weil sie für jeden anders aussähe. Zitat Ende.

Nun mal langsam..In der Verfassung bzw. im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist der Sozialstaat verankert. Und wie ich neulich in den Medien hörte, kann selbst mit einer zweidrittel-Mehrheit im Bundestag dies nicht geändert werden.

Warum schreiben Sie dann in Ihrem Artikel soetwas?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 3 von 9