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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Die Letzten ihrer Art

Auf einem Fest des Hanser Verlags standen sie beisammen, saßen am Boden, rauchten, tranken, freuten sich an Manuskripten: Die Vertreter einer versinkenden Welt der Bücher, die mehr sind als Bestseller und Stapelware. Prost auf den Untergang!

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kolloq 13.10.2012, 11:50
20. Schöner Text,

guter Text. Würde am liebsten beim Lesen ständig zustimmen. Aber dann fällt mir ein: eigentlich ist dieser Text nur so etwas wie eine Altersangabe.

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Whitejack 13.10.2012, 12:13
21.

Zitat von sysop
Auf einem Fest des Hanser Verlags standen sie beisammen, saßen am Boden, rauchten, tranken, freuten sich an Manuskripten: Die Vertreter einer versinkenden Welt der Bücher, die mehr sind als Bestseller und Stapelware. Prost auf den Untergang!
Ich könnte der Kolumne zustimmen, wenn das Problem darin bestünde, dass nicht mehr gelesen wird. Aber es wird ja lediglich ANDERS gelesen. Genauso könnte man den Untergang der Blümchentapete beweinen, oder der Anlasserkurbel. Davon geht die Welt nicht unter, die Wände zeigen nicht den kalten Backstein, und die Autos springen auch noch an.

Und war es früher wirklich soviel anders? Wieviele gute Bücher gab es in den Jahren von 1950-1970? Oder von 1800-1900? Zwanzig? Fünfzig? Hundert? Teilen Sie das mal durch die Anzahl der Jahre. Wenn die Menschheit nicht einen gewaltigen Kreativitätsschub erlitten hat, dann sind ein bis zwei gute Bücher im Jahr der Regelfall.

Heute werden lediglich viel mehr Bücher geschrieben, und in diesem ganzen Bücherhaufen gehen die Schmuckstücke leichter verloren. Zudem gibt es diese spezifisch deutsche Erfolgsformel, nach der exzessiv betriebener innerer Monolog, gepaart mit Nazizeit-Aufarbeitungsliteratur, der beste Weg zu öffentlicher Anerkennung ist.

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BettyB. 13.10.2012, 12:16
22. Toller Text...

Man sollte aber nicht ganz vergessen, dass Lesende immer eine Minderheit waren und die Leser von guten Büchern erst recht. Und ist es nicht eigentlich so, dass mit neuen Techniken immer mehr Menschen den Zugang zur Weltkultur haben?

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neuronensalat 13.10.2012, 12:17
23. Danke!

Ein, wie so oft, sehr schöner Beitrag von Frau Sibylle.
Erinnert mich daran, wie alt ich mir oft vorkomme, wenn ich im Zug mit einem Buch da sitze, umgeben von Menschen, die auf Bildschirme schauen.

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kannmanauchsosehen 13.10.2012, 12:23
24. Alberne Larmoyanz

Zitat von sysop
Auf einem Fest des Hanser Verlags standen sie beisammen, saßen am Boden, rauchten, tranken, freuten sich an Manuskripten: Die Vertreter einer versinkenden Welt der Bücher, die mehr sind als Bestseller und Stapelware. Prost auf den Untergang!
Alberne Larmoyanz

Naja, jede Gesellschaft hat so ihre Pessimisten, die in weinerlichen Worten irgendeiner guten alten Zeit nachtrauern - ich kenne da sogar ein paar antike Texte - u.a. von Sokrates über die "Jugend von heute" - vom Feinsten! Von promovierten Lektoren nachgelesener Schund wurde schon früher gedruckt, hervorragende Schriftsteller hatten auch früher teilweise zu kämpfen, in einer schon immer kommerziellen Verlagswelt zu bestehen.

Ach ja, die Verfechter der Handschrift haben wahrscheinlich den Buchdruck verflucht, Kirchenfürsten den Gebrauch von Musikinstrumenten beim Gottesdienst bekämpft, Segelschiffsromantiker die Dampfschifffahrt, Schallplattenliebhaber die CD, Bücherleser das Fernsehen, Fernsehgucker das Internet, ... und Frau Berg ist eben schon in jungen Jahren sehr alt geworden.

Ich habe eine Idee: Vielleicht sollte sie ja mal mit Kollegen Sascha Lobo "brainstormen", vielleicht finden sie ja neue Ausdrucksformen für Literatur, die anspruchsvoll und modern zugleich sind.

Zudem finde ich, dass es noch nie einfacher war, ein Buch herauszubringen. Einfach schreiben, nachlesen lassen und bei irgendeiner "book-on-demand" Firma drucken lassen, dann gibt's die ISBN Nummer gleich dazu und ein listing bei Amazon, wenn man das wünscht. Finde ich nun wieder Klasse.

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tinosaurus 13.10.2012, 12:30
25. optional

"Menschen wie Bücherregale", nicht schlecht. Ich finde die meisten Beiträge von Ihnen wie auch die Bücher lesenswert.

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dämonstrant 13.10.2012, 12:32
26. Im Lungensanatorium in Davos..

Zitat von waldlergeist
Ja, ein Hauch von "Zauberberg" weht durch den Artikel. Der Abgesang einer längst verflossenen Epoche. Als Leser noch lesen wollten und Schreiber noch schreiben konnten. Und jetzt wird der geneigte Autor gequält, fast vorgeführt. Wie kann sich der Leser das nur erlauben? Wie wäre es mit neuen Ideen und - bis dahin - einem Antidepressivum? Für den Autor - nicht den Leser.
...werden die alle landen, wenn sie so weiter qualmen. :-)

"..„.. und man Veränderungen begrüßen muss, weil die Alternative Altersstarrsinn wäre..." Ja, was wäre der Samstag ohne die Kolumne von Sibylle Berg.

Welch Zufall, just heut Morgen stand
ich so vor meiner Bücherwand,
mit Tablett- PC in der Hand
und dachte mir: "Wie intressant,
dass wohl in ein paar Jahren schon
nicht Enkel, Tochter oder Sohn
mit diesen Schätzen sich befassen.“

Das Lesen werden sie nicht lassen,
jedoch das Medium vergeht,
In dem noch heut das Wissen steht.

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DerSponner 13.10.2012, 12:58
27. Dünkel

Ich hätte auch gerne die Zeit, 10 Jahre nur an einem Gedicht zu arbeiten. Woher nimmt Frau Berg diesen Anspruch? Schriftsteller sind halt was besseres, nicht wahr?

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irreal 13.10.2012, 13:01
28. Liebe Sybille Berg,

Zitat von sysop
Auf einem Fest des Hanser Verlags standen sie beisammen, saßen am Boden, rauchten, tranken, freuten sich an Manuskripten: Die Vertreter einer versinkenden Welt der Bücher, die mehr sind als Bestseller und Stapelware. Prost auf den Untergang!
die Letzten sterben aus, genau. Dies ist aber in allen Bereichen vorfindbar zur Zeit. Weil es geht nicht um die Letzten, sondern um die VIELFALT in allen Bereichen und die stirbt zur Zeit, weil die EINFALT immer mehr Raum gewinnt und zwar in allen Bereichen des Lebens eines menschen.

Vertrauen Sie darauf, es wird sich wieder umkehren, weil wenn die Letzten aussterben, dann beginnt die wahr geistige Wende und dann wird neues erschaffen werden, weil der Mensch vielfältig ist und EINFALT nicht überleben kann.

Schauen Sie in die Geschichte der letzten Jahrtausende und dann wissen Sie, die Vielfalt holt sich ihren Platz zurück.

Ich hoffe inständig dass es diesmal unblutig passiert. Das endlich die Vernunft siegt.

Liebe Grüße Ihnen

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spon-facebook-10000251172 13.10.2012, 13:10
29. Bitte mehr!

Hallo Frau Sibylle,
zu gern hätte ich mit Ihnen - auf dem Boden sitzend und rauchend - melancholische Gedanken ausgetauscht: bitte bleiben Sie Ihren treuen Fans noch lange erhalten! Mit tiefem Dank für Ihre wunderbare "Schreibe"!

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