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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Israel? Weiß ich Bescheid!

Zuverlässig findet jedes Jahr in Israel irgendetwas statt, was Europäer scheinbar persönlich betrifft. Warum haben alle so eine klare Meinung zu der Politik des Landes, das ja nicht einmal in unserer Nachbarschaft liegt?

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schnuppe 06.09.2011, 22:25
100. das ist sehr wohl unser Thema

Zitat von jhartmann
In Israel/Palästina wird stinknormaler neoliberaler Neokolonialismus betrieben. "Westliche" Geopolitik mit "westlichen" Mitteln (Geld, Waffen usw.). Da machen "wir" (Politiker nicht nur der Regierungen, Konzerne, Medien, Lobbyisten) "uns unsere" Finger weit, weit mehr und vor allem direkter mit schmutzig als z.B. im Sudan. Außerdem gibt es in Bezug auf den Sudan immerhin internationale Bemühungen zur wenigstens partiellen Problemlösung, was immer man im einzelnen auch von diesen Bemühungen und ihren vorläufigen Resultaten halten mag. In Israel/Palästina dagegen gibt es eine international konzertierte, einseitig parteinehmende (und für beide Seiten mörderische) jahrzehntelange Blockadehaltung. Israel ist ein innen- und europapolitisches Thema!!
Richtig. Solange unsere Regierung, die uns vertritt, sich dort massiv engagiert, auch wenn darüber wenig gesprochen wird, ist es ein Thema, worüber sehr wohl diskutiert werden darf. Wir werden zu Komplizen eines andauernden Unrechts gemacht und geknebelt mit historischer Schuld. Wenn dies kein kontroverses Thema ist, das uns unmittelbar betrifft, welches dann?

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Sozialist 06.09.2011, 22:36
101. Israel und seine Nachbarn

Zitat von johny walker
Auf "blutgetränkten Konzepten" gründen sämtliche Regime in Israels Nachbarschaft, das hat mittlerweile auch der durchschnittliche Medienkonsument in den letzten 6 Monaten mitbekommen. Sie halten sich lieber an Ihre liebgewonnen hohlen Kampfbegriffe - hat wohl etwas mit Ihrer Gesinnung zu tun.
Israels staatliche Nachbarn sind (abgesehen vom Gaza-Streifen und dem Westjordanland) Ägypten, Jordanien, Syrien und Libanon. Das die Assad-Familie eine autoritäre Herrscher-Familie sind, die über Leichen geht, gestehe ich gerne zu. In Ägypten hat sich allerdings eine basisdemokratische Bewegung gegen den früheren Machthaber Mubarak durchgesetzt. Im Libanon gibt es eine parlamentarische Demokratie und aus Jordanien habe ich auch nichts "blutgetränktes" gehört.
Ich weiß allerdings von den neun toten Türken auf der Gaza-Flotille (inklusive UN-Bericht dazu). Ich weiß von kürzlich getöteten, ägyptischen Grenzsoldaten etc.

Das "sämtliche Regime in Israels Nachbarschaft" auf blutgetränkten Konzepten basieren halte ich ebenfalls für ein pauschalisierendes Stereotyp.

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Mononatriumglutamat 06.09.2011, 22:39
102. feine Ironie

Zitat von BMayerL
Was ist die Kernaussage des Artikels? "Wer schlecht über israelische Politik redet hat vermutlich keine Ahnung weil das alles viel zu hoch für ihn ist"? Was für ein Unfug! Wie wäre es, eine brauchbare Diskussion zu führen, wenn einem die Haltungen der Israel-Kritiker nicht passen als mit "Das ist zu komplex und ihr habt ja nur dumme Meinungen die vermutlich antisemitische Wurzeln haben" ins Polemik-Horn zu stoßen? Auch der Verweis auf andere Gebiete ist höchst albern. Erstens tangieren die Geschehnisse um Israel uns sehr direkt, allein dadurch, dass Israel eine (scheinbar privilegierte) Atommacht ist. Zweitens wird es ja wohl genehmigt sein, Frau Sibylle, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, dass gesondert verstehbar ist, ohne sich - z.B. aus Zeitgründen - mit jedem Verbrechen der Zeitgeschichte zu befassen. Mit ihrer Erlaubnis, herzlichen Dank.
Welch feine Ironie, dass Ihr Vorwurf zwar nicht auf den Artikel von Frau Berg zutrifft, dafür aber haargenau auf Ihr eigenes Geschreibsel.

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Meshada 06.09.2011, 22:50
103.

Fakt ist doch, dass die Regierung von Israel *wirklich* einige ziemlich schlechte Entscheidungen getroffen hat. Die Siedlungspolitik ist mit Abstand das Letzte, und moralisch völlig verwerflich.

Fakt ist aber auch, dass das Land ein Existenzrecht hat. Für eine wirkliche Lösung muss die eine Seite aufhören, Israel's Existenzrecht anzuzweifeln - und Israel muss mit klaren Brüchen des Völkerrechts aufhören.

Frau Sibylle hat in sofern Unrecht, da Israel schlicht deshalb so oft in die Medien kommt, da es Weltpolitisch sehr wohl wichtig ist: Die Situation von Israel wirkt sich auf die ganze Region aus, und somit effektiv auch auf uns.

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Mononatriumglutamat 06.09.2011, 22:50
104. Ja, allerdings...

Zitat von Stefan Neudorfer
Das Problem ist doch auch das wir in der BRD eine sehr einseitige Berichterstattung über Israel haben. So wird zum Beispiel nicht berichtet das seit Monaten der Süden von Israel laufend von Raketen aus dem Gaza-Striefen bombadiert wird. Über die Reaktion aus Israel wird dann schon berichtet, aber natürlich ohne alle Hintergründe zu sagen.
Ja. Der waren "Qualitätsmedien" wie "Focus" und "N-TV", als sie titelten: "Israel droht mit Selbstverteidigung". Dass sie sich dabei überhaupt gar nichts gedacht haben, ist noch die mit Abstand wohlwollendste Annahme.

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BMayerL 06.09.2011, 22:54
105. Ach ja?

Zitat von Mononatriumglutamat
Welch feine Ironie, dass Ihr Vorwurf zwar nicht auf den Artikel von Frau Berg zutrifft, dafür aber haargenau auf Ihr eigenes Geschreibsel.
Dürfte ich den Herrn Einzeiler um eine wohlgeschätzte Erläuterung bitten, welchen "Vorwurf" er denn in meinem "Geschreibsel" meint und wie er seinen bissigen Kommentar begründen kann?

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rumsfallera 06.09.2011, 22:54
106. Kleines Land aber Nabel der ECHTEN freien Welt.

Israel ist die Kriegsfront gegen den Islam. Nennen Sie es von mir aus "Islamismus". Wenn man im Westen schon, um des Friedens willen, Muslime von Islamisten unterscheidet, seien Sie sich bewusst, weltweit gibt es dann mehr Islamisten als Muslime. Terror-Islamisten sind natürlich nur etwa ein Prozent.

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Mononatriumglutamat 06.09.2011, 23:02
107. Tja...

Zitat von lomexx
Und was ist eigentlich, wenn jemand nach persönlicher Inaugenscheinnahme zu dem Schluss kommt, dass die israelische Siedlungspolitik nicht immer nur koscher ist?
Dann ist diese Politik immer noch nur ein winzig kleiner, minimaler Teil eines viel komplizierteren Gesamtkontext, ohne dessen Berücksichtigung sie sich nicht einmal ansatzweise sachlich beurteilen lässt.

Um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: gerade bei diesem Thema Siedlungspolitik sollte jeder, der sich ein Urteil darüber leistet, unbedingt wissen, warum und seit wann Ostjerusalem, Samaria und Galiläa (also das so genannte "Westjordanland") überhaupt "judenrein" sind. Na, Hand auf's Herz: wissen Sie das, ohne nachzuschlagen?

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schnuppe 06.09.2011, 23:03
108. jaja aber ganz ganz dolle.

Zitat von rumsfallera
Israel ist die Kriegsfront gegen den Islam. Nennen Sie es von mir aus "Islamismus". Wenn man im Westen schon, um des Friedens willen, Muslime von Islamisten unterscheidet, seien Sie sich bewusst, weltweit gibt es dann mehr Islamisten als Muslime. Terror-Islamisten sind natürlich nur etwa ein Prozent.
Der israelische Staat wird selbst von Fundamentalisten beherrscht und gestaltet, die die Demokratie, Menschenrechte und Friedensverträge missachten. Wahrlich keine Front, die irgendwas verteidigen kann, woran mir gelegen ist.

Und wenn Sie um Land bestohlene palästinensische Hirten und Olivenbauern als Islamisten diffamieren müssen, dann haben Sie wohl vom Propagandaköder ein bisschen zuviel genascht.

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Mononatriumglutamat 06.09.2011, 23:18
109. Mitdenken!

Zitat von Duzend
Wir getroffenen Hunde sollten uns also allesamt mal bitte schleunigst per Auslandsaufenthalt ins Bild setzen, bevor wir urteilen.
Dazu braucht es keinen Auslandsaufenthalt. Es würde schon ausreichen, sich die israelische Position unvoreingenommen anzuhören und darüber nachzudenken, bevor man sich ein Urteil bildet.

Zitat von Duzend
Will sagen: Wie bodenlos und unhaltbar ist denn eigentlich die Unterstellung, dass der Sache der Juden in dieser Welt nicht automatisch am besten damit gedient ist, alles gutzuheissen, was Zionisten proklamieren, und dass selbst Zionisten in ihren Anliegen zu bestärken, nicht heissen muss, die halsbrecherischen Unterfangen des ultra-orthodoxen Bevölkerungsanteils für richtig zu befinden?
Wenn Sie doch nur verstünden, dass es keinen homogenen "ultra-orthodoxen Bevölkerungsanteil" gibt. Die Orthodoxen sind untereinander extrem zersplittert -- vergleichen Sie mal Neturei Karta, die Kahane-Bewegungen und Degel haTora.

Zitat von Duzend
Wenn aus EU-Geldern Infrastruktur-Projekte in Palästina gefördert werden und diese Infrastruktur dann Monate später von israelischen Kampfhubschraubern und Artilleriegeschossen zerstört wird, dann muss ein europäischer Steuerzahler dazu eine Meinung haben dürfen, auch ohen im Geschosshagel gewesen zu sein.
Da wäre doch mindestens mal eine ernsthafte Fragestellung angebracht, warum die Israelis das machen, bevor man sich eine Meinung dazu bildet und sie öffentlich herumposaunt.

Zitat von Duzend
Und ausserdem: Statistisch vergelten die israelischen (IDF) Streitkräfte jeden getöteten Israeli zehnfach oder höher.
Abgesehen davon, dass ich das Aufrechnen von Opfern perfide und pervers finde, liegt das daran, dass die Israelis sehr viel für den Schutz ihrer Bürger tun, während die Feinde ihre Bevölkerung als Märtyrer, menschliche Schutzschilde und als Propagandamaterial mißbrauchen -- um damit Leute zu beeindrucken, die genauso naiv "denken" wie Sie. Wie Sie selbst demonstrieren, ist diese Bauernfänger-Propaganda ja auch sehr erfolgreich.

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