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S.P.O.N. - Fragen Sie Frau Sibylle: Wenn schon sterben, dann vorher bitte leben

Wann wird Sie der Tod ereilen? Und wie? Haben Sie auch immer schön gesund gelebt vorher? Was mich das angeht? Alles! Denn der Gesundheitsterror wird immer stärker: Der Zustand des Körpers ist der Verantwortung des Einzelnen entzogen und der kollektiven Verantwortung zugeführt worden.

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hasenfuss27 17.03.2012, 17:07
10.

Zitat von yogibimbi
Na, da haben wir sie doch wieder, die gesellschaftliche Zwangsjacke. Das kann es nicht sein. Da müssen wir halt differenzieren (siehe meinen Beitrag weiter oben). Wer ungesund sein will, muss es sich leisten können. Dann kann jeder so sterben wie er will, und wir müssen nicht wieder ("typisch deutsch") alles über einen Kamm barbieren und mit dem nackten Finger auf angezogene Menschen zeigen.
Nein... hier muss garnichts differenziert werden...
Warum bitte soll ich dafür zahlen, dass sie sich beim Joggen das Fussgelenk brechen oder beim Fussball das Kreuzband abreissen...

Die Gemeischaft hat eben nicht nur das zu tahlen, was Ihnen nutzt, sondern auch das was andere für angebracht halten...

Ansonsten können wir diesen Solidarpakt gleich aufkündigen...

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Kommentarschreiber 17.03.2012, 17:09
11. Was ist daran verwerflich?

Zitat von wika
Das Zitat ist an sich die zutreffendste Feststellung in dem Artikel. Nur leider haben wir mal wieder die Rechnung ohne das System gemacht. man gibt sich größte Mühe bei der Normierung der Menschen und die weiteren Regulierungen möglichst schleichend herbeizuführen, dass die Betroffenen den Entzug von freiheitlichen rechten nicht so sehr wahrnehmen … sie Frosch und heißes Wasser … und es gibt doch glatt Leute und Nutznießer die hoffen, dass die Menschen die Erhitzung nicht bemerken. Faktisch haben wir heute die Situation, dass der Mensch ugs. auch als Humankapital bezeichnet, mehr oder minder zum reinen Konsumgut des Kapitals verkommt … so eine Art Nutzvieh, wo man dann Wirtschaftlichkeitsberechnungen anstellt, wie dies für Maschinen üblich ist. Und solange man die Köpfe der Menschen noch mit dem Müll der GEZahlt Sender füllen kann, wird dies wohl auch noch eine Weile so weitergehen. Die einzige Frage ist, wacht der Mensch erst dann auf wenn er vollständig reguliert und es zu spät ist, oder gibt es eine Chance das Rad vorher wieder zurückzudrehen. Diese Frage muss sich wohl jeder selbst stellen und für sich beantworten. Die Zeichen stehen schlecht, die aktuelle Politik zeigt dass die Sozialstaatlichkeit für Banken und Konzerne den Vorrang vor den Menschen hat. Das Humankapital als nachwachsender Rohstoff in Hülle und Fülle verfügbar ist und wie ein Wegwerfartikel behandelt werden kann. Jetzt fehlt uns nur noch die gesetzliche Verankerung im Staatswesen wonach der … dann erst sind wir perfekt (am Ende).
Was spricht eigentlich dagegen, den Menschen und seine Gesundheit als wertvoll und erhaltenswert zu betrachten? Und warum soll eine wirtschaftliche Betrachtungsweise da irgendwie verwerflich sein? Ist doch in Ordnung, einmal darauf hinzuweisen, dass z.B. mit einem täglichen Spaziergang oder ein wenig Sport (Kosten = 0), wahrscheinlich auf lange Sicht sehr viele Ressourcen der Medizin für Sinnvolleres verwendet werden können, als den Folgeerscheinungen von Bewegungsmangel. Warum ist es in irgendeiner Weise unmenschlich, unnötige Volkskrankheiten vermeiden zu wollen. Gerade wo sie doch auf Banken etc. schimpfen, sollte Ihnen einleuchten, dass die Kosten privaten Vergnügens (ungesunde Lebensweise) ja eben nicht auf die Allgemeinheit (in Form höherer allgemeiner Ausgaben für die Gesundheitsversorgung) abgewälzt werden sollen!

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theslime 17.03.2012, 17:10
12.

Zitat von Don Lucio
Es ist wohlfeil und billig, zu fordern, der Einzelne möge frei sein in seiner / ihrer Entscheidung für eine beliebig ungesunde Lebensweise. Es ist egoistisch, sich gegen den Druck des "Kollektivs" zu wehren, der einem bestimmte Regeln einer gesunden Lebensführung bzw. Ernährung aufzwingen will. Ja, ich bin Mitglied dieses "Kollektivs" und ich bestehe auf der Einhaltung der anerkannten Regeln zu einer gesunden Lebensführung, weil ich - indirekt über meine Mitgliedschaft des Kollektivs - die Folgekosten zu tragen habe, die zwangsläufig entstehen, wenn andere Kollektiv-Mitgieder sich mit süßen Torten und fetten McDoof-Burgern vollstopfen und beim stundenlangen Abhängen vor der Glotze ihren Resthunger mit Kartoffelchips und Schokolade betäuben. So einfach ist das: Freiheit will ich gern jedem gewähren, auch die Freiheit zu sterben wie er/sie es möchte, aber bitte nur im Gesamtpaket, enthaltend die Freiheit, die selbst verursachten Kosten auch selbt zu begleichen.
Ein Kollektiv ist genau das Gegenteil von dem was sie beschreiben, nämlich, dass jeder in letzter Konsequenz sich selbst überlassen wird.

Wohlfeil hingegen ist es, ein so simplfiziertes Weltbild wie Ihres (0 Summenspiel auf Individualbasis) am zeitgeistigsten Trend der gerade herumgeistert auszurichten.
Denken Sie doch mal etwas weiter und richten sie Ihre Forderungen ins Allgemeine... und was sehen sie?
Ein vorgesellschaftlicher Zustand, aber nicht bedingt durch äußere Einflüsse der Natur, sondern inneren Zwang des "Kollektivs", der dann gerne mal als unveränderlich erklärt wird.
Habe die Ehre.

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yogibimbi 17.03.2012, 17:14
13. das versteht sich von selbst

Zitat von hasenfuss27
Im gegenzug erwarte ich natürlich auch, dass sie für Ihre Sportbedingten Verletzungen und deren Folgen selbst gerade stehen... War ja schliesslich Ihre Entscheidung, Sport zu treiben... Sie sehen, die Grenzen sind fliessend und keineswegs so starr, wie sie das annehmen...
was unterstellen Sie mir denn da? Wenn die Statistik die unterschiedlichen Kosten ausrechnet, die ein Mensch mit einem bestimmten Satz an Eigenschaften im Gesundheitssystem verursacht, dann sind darin _alle_ Kosten einbezogen, auch die Verletzungen. Allerdings ist die einzige Verletzung, die bei mir in den letzten zehn Jahren, einer Behandlung bedurfte, ein Bänderriss im Knöchel gewesen, das waren auch nur die Kosten für den Transport und das Röntgen und so Pi mal Daumen 250 Euro. Da kostet meine Versicherung an sich schon mehr im Monat.
Die Statistik ist doch ursachenagnostisch, die sieht nur, wer womit wieviele Kosten verursacht und berechnet danach den Satz.

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yogibimbi 17.03.2012, 17:19
14.

Zitat von prüderiegegner
Frau Berg, Spaß am Leben funktioniert nur, solange man fit und gesund ist. Der Erkenntnis, daß man am Leben, solange man gesund und fit ist, auch eine Menge Spaß haben kann, verweigern Sie sich offenbar hartnäckigst. Warum nur? MfG
Das ist jetzt aber mal wieder Scheuklappensichtweise. Jeder soll nach seiner eigenen Façon glücklich werden. Das geht auch wunderbar ohne Sport, was soll den dieses blöde "nur" und so wirre Worte wie "verweigern"? Es soll halt nur jeder das zahlen, was seinem Verhalten angemessen ist und da sollten die Raucher dann halt mehr in die Versicherung zahlen müssen. Aber Sport vorschreiben bringt doch nix. Es gibt durchaus Leute, die bewegen sich keinen Schritt zuviel, rauchen, saufen, und sind mit 70 fit wie ein Turnschuh. Das ist halt die Ungerechtigkeit des Lebens / der Statistik, und der kann man sich nicht verweigern.

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caecilia_metella 17.03.2012, 17:20
15. Übertrieben

"Der Zustand des Körpers ist der Verantwortung des Einzelnen entzogen und der kollektiven Verantwortung zugeführt worden."

Wieso das? Vielleicht sind Sie zu viel in Medien zu Hause, Frau Sibylle, um das wirklich beurteilen zu können.
Nicht jeder Mensch muss sich ständig von jeglichem derzeit modernem dringenden Bedürfnis berieseln lassen.
Dass z.B. Mediziner auch Geldverdiener sind, ist ebenfalls bekannt. Mit jedem gesundeten Patienten verlieren sie auch einen Kunden. Deshalb müssen sie also ein Interesse daran haben, sich die Kundschaft immer gegenseitig zu vermitteln.
Aber nicht jeder Mensch begibt sich öfter in diese Mühle von Arbeitsgeilen (oder doch Geldgierigen?) als unbedingt notwendig.

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theslime 17.03.2012, 17:28
16.

Raucher sterben außerdem früher, zahlen extra Steuern, schaffen extra Umsätze. Entlasten durch ihr früheres und kürzeres Sterben die Gesundheits- und Pflegeversicherung und das Rentensystem. Wo tauchen all diese Faktoren in dem schwachsinnigen Fordern nach "Versicherungsgerechtigkeit" auf?

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Spiegelkritikus 17.03.2012, 17:30
17. Das Leben ist tödlich

Zitat von sysop
Wann wird Sie der Tod ereilen? Und wie? Haben Sie auch immer schön gesund gelebt vorher? Was mich das angeht? Alles! Denn der Gesundheitsterror wird immer stärker: Der Zustand des Körpers ist der Verantwortung des Einzelnen entzogen und der kollektiven Verantwortung zugeführt worden.
Nun, die staatlichen Imperative an den perfekten deutschen Untertan sind heutzutage recht widersprüchlich Einerseits soll er im Interesse seiner Arbeitskraft möglichst gesund leben und auch noch mit 67 volle Leistung liefern, andererseits ist wegen der Rentenproblematik ein frühzeitiges Ableben durchaus erwünscht bzw. volkswirtschaftlich indiziert. Im Idealfall ackert der Bürger bis zur Verrentung, um dann unverzüglich in die Kiste zu springen.

Nicht immer freilich gehorcht das menschliche Gesellschaftstier diesen Anforderungen. Mitunter entwickelt er eine Art subversives Eigenleben, das sich staatlichen Vorgaben mehr oder weniger entzieht.
Dieses Phänomen lässt sich bevorzugt bei (Polit-) Beamten beobachten, die partout nicht von ihren schönen Pensionen lassen können, kerngesund leben und uralt werden. In diesen saturierten Fällen ist die Motivation, dem Tod so lange wie möglich ein Schnippchen zu schlagen zwar verständlich, für das Gemeinwohl bzw. die Staatskassen jedoch irgendwann tödlich.

Wie auch immer, unser Leben ist bei objektiver Betrachtung herzlich kurz und nicht selten beschissen wie eine Hühnerleiter. Das sollte uns Menschen zur Bescheidenheit und Mitmenschlichkeit gemahnen, wir sitzen letztlich alle im gleichen Boot. Da ist es völlig unsinnig, grosse Reichtümer und Macht auf Kosten anderer Menschen anzuhäufen, was in unseren kapitalistischen Gesellschaften leider nur allzu häufig der Fall ist.

Was uns Menschen in Wirklichkeit miteinander verbindet ist unendlich viel mehr, als das, was uns vermeintlich voneinander trennt - gerade auch der Tod!

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#Nachgedacht 17.03.2012, 17:43
18. Schon da

Zitat von wika
.......Die Zeichen stehen schlecht, die aktuelle Politik zeigt dass die Sozialstaatlichkeit für Banken und Konzerne den Vorrang vor den Menschen hat. Das Humankapital als nachwachsender Rohstoff in Hülle und Fülle verfügbar ist und wie ein Wegwerfartikel behandelt werden kann. Jetzt fehlt uns nur noch die gesetzliche Verankerung im Staatswesen wonach der( )Staat (die Wirtschaft) einen Anspruch auf „Sozialverträgliches Frühableben“ gegenüber den Menschen durchsetzt die „unwirtschaftlich“ sind … dann erst sind wir perfekt (am Ende).
Hat er doch schon, H-IV, fInanzgesteuerte Gesundheitsreform, Rente mit 67 und belegt durch die Ergebnisse einer Studie in der nachgewiesen werden konnte, das wer arm ist eine kürzere Lebenserwartung hat. Alles fast perfekt nur manch Gierhals geht das noch zu langsam.
Daher hat man inzwischen das Ziel des SGB neu formuliert, es geht nicht mehr um Hilfe zur Selbsthilfe, sondern um Eigenverantwortung und damit die nicht in die falsche Richtung geht werden in der Praxis absichtlich Fehler gemacht, die man dann sanktionieren kann und die Gerichstbarkeit so verlangsamt und erschwert das sie dem eigentlichen Ziel nicht zu sehr im Wege steht.
Es gibt aber noch Reserven. Die FDP wählen, damit die medizinische Versorgung stärker der "Leistungselite" zu kommt.
Konzentration der H-IV Empfänger in der Nähe von Endlagern und Atomkraftwerken. (Nieman will einen Gau!) und den Rest macht dann die Lebensmittelindustrie und die Inflation.

Und wenn die heute in der Mitte lebenden dann merken...... könnte es längst zu spät sein.
#Nachgedacht
Ich hoffe die Korrektur bei der URL ist ok

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salamicus 17.03.2012, 17:45
19. Gut gelernt.

Zitat von prüderiegegner
Frau Berg, Spaß am Leben funktioniert nur, solange man fit und gesund ist. Der Erkenntnis, daß man am Leben, solange man gesund und fit ist, auch eine Menge Spaß haben kann, verweigern Sie sich offenbar hartnäckigst. Warum nur? MfG
Es wird Zeit, Kierkegaard und ja auch Heideggers Sein und Zeit wieder einmal zu lesen. Wir wurden ja alle nicht gefragt, ob wir geboren werden wollen. Da fällt mir Gottfried Benn ein: "Auch ein gesundes Leben führt zu einem kranken Tod." Fassen wir zusammen: wir sind "in die Welt geworfen worden (nicht selten als "Unfall", Anm. von mir), und unser Sein ist ein Sein zum Tode." (Heidegger). Aber nun müssen wir uns auch noch dafür bedanken und artig sein und gesund leben, zumindest nach der aktuellen Ideologie (ein Sartre *mit* filterloser Zigarette ist mir sympathischer als irgendein Gesundheits-Talib, der das Sein und das Nichts nicht einmal korrekt buchstabieren kann...). Aber nur zu: manche *brauchen* Sport, andere Ziggis oder Whisky, wieder andere Bücher.
Lasst die Leute doch einfach das von ihnen unbestelltes Leben irgendwie rumkriegen.

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