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S.P.O.N. - Oben und unten: Was heißt "nein"?

Kurz vor einer möglichen Reform des Sexualstrafrechts melden sich einflussreiche Kritiker zu Wort. Dabei offenbaren einige Frauen ein ebenso elendes Frauenbild wie manche Männer.

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QPDO 06.07.2016, 11:03
180.

Seite 36 ... soviele leere Worte für ein Thema, das mir schaudern macht. Insbesondere die Frage, was Mann nun tun soll, wenn seine Frau fragt: "Warum willst du keinen Sex mehr mit mir?" Nur weil der Mann sie nicht mehr mit ehelicher Perseveranz überzeugen will/darf dass neben dem Alltag auch Zeit für Zweisamkeit ist. Oder darf er es? Bzw. wie steht die Sache, wenn bei Ihr die Lust oft erst geweckt werden muss, weil ihr zuviel vom Alltag durch den Kopf schwebt. Ist dann nicht schon der Versuch der Verführung Nötigung ?

Und wie gesagt ... dann die Frage von oben. Irgendwie ist es dann: Wie man es macht macht mans verkehrt.

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volker_motzkus 06.07.2016, 11:15
181. Nein heisst Nein

Sehr geehrte Frau Stokowski,

ich lese gerne Ihre Kolumne. Sie ist durchdacht, klug, redegewandt. Ich lese auch gerne die Kolumne des Herrn Fischer, über dessen Stil man sich sicherlich aufregen kann, wenn man denn will, der aber auch zum Nachdenken anregt.
Ich verstehe diese Ihre Kolumne zum Thema "Nein heisst Nein" aber nicht mehr. Ich zweifele nicht an den guten Absichten der Beteiligten, ALLER BETEILIGTEN, aber das Gegenteil von "gut gemacht" ist "gut gemeint".

Und meiner Meinung nach ist das hier der Fall.
1. Sie postulieren, wie es die allermeisten anderen "Nein heisst Nein" Anhänger und Anhängerinnen tun, eine "Schutzlücke" im Strafrecht im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung vornehmlich, aber nicht nur, der Frau. ANGEBLICH würde das geltende Strafrecht, die §§ 177 - 179 StGB, nicht sämtliche Fälle sexuellen Misbrauchs bzw. sexueller Nötigung erfassen.

Ich teile diese Postulat nicht. Die herrschende Rechtsprechung definiert den Begriff "Gewalt" so weit es eben geht nach verfassungsmäßigen Grundsätzen, vielleicht erinnern Sie sich an die § 240 StGB - Diskussionen in den 80er-Jahren, als es als "Gewalt" definiert wurde, vor der Einfahrt einer US-amerikanischen Kaserne zu sitzen. Bis das BVerfG gesagt hat, so geht das nicht.
Aber in diesem Fall herrscht weitestgehend Einigkeit. Weder "muss die Frau mit dem Tode bedroht werden", noch muss "körperlicher Widerstand" geleistet werden.

Das sage nicht ich, dass sagt der BGH. Fragen Sie einen Anwalt. fragen Sie Herrn Fischer. Fragen Sie einen Richter. Fragen Sie jemanden, der oder die sich im Strafrecht auskennt. Irgendjemanden vom Fach.

Das Strafrecht ist ganz sicher nicht perfekt, aber die immer wieder behauptete "Schutzlücke" GIBT ES NICHT. Man kann sie auch nicht herbeischreiben oder -schreien.

2. Um die nun behauptete "Schutzlücke" zu schliessen, unterstützen Sie einen Gesetzesvorschlag, der handwerkliche Fehler aufweist und der die Situation für die betroffenen nicht besser macht. Beispiel: Derzeit kommt es nicht darauf an, ob der Täter den Willen der Frau erkennen konnte. Nach der "Verbesserung" aber schon. Ich bitte sie wieder: lauben Sie mir nicht, sondern FRAGEN SIE JEMANDEN VOM FACH. Egal wen. So, wie derzeit diskutiert, schafft die "Nein heisst Nein" - Reform mehr Probleme, als sie löst. Und das, was gewollt ist, wird nicht erreicht, im Gegenteil

3. NIEMAND stellt in Abrede, dass die sexuelle Selbstbestimmung aller Menschen ein höchst schützenswertes Gut ist. niemand. Aber der jetzt ausgebrochene Aktionismus hilft den Betroffenen nicht, sondern erweist diesen einen Bärendienst.

4. Aber die Frage, die ich gerne beantwortet hätte, ist:
WARUM wurde der Vorwurf der Vergewaltigung bzw. sexuellen Nötigung im ersten Verfahren nicht bestätigt? Hat das Gericht die Tatsachen (Beweise) angemessen gewürdigt? Wie kam das Gericht zu dieser Einschätzung?
Darüber kann und soll man streiten. Da können wir durchaus anderer Meinung sein.
Aber ein Schlachtruf "Nein heisst Nein", der die gesetzeslage nicht verbessert, sondern
sogar noch verschlimmert, hilft niemandem. Am allerwenigstens den Opfern von sexuellem Missbrauch.

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andreasbln 06.07.2016, 11:18
182. künstliche stilisierte Debatte

natürlich wäre es wünschenswert, wenn Sexualdelikte besser geahndet werden könnten. Natürlich ist ein Nein ein Nein. Wobei wir alle mit diversen Filmen und Schmachtfetzen sozialisiert wurden, in denen der Held die Frau ansichreißt, sie sich erst wehrt und sich dann doch in seinen Armen hingibt. Super.... das ist das Bild war immer transportiert. Ob es was mit der Wahrheit zu tun hat, kann ich nicht beurteilen. Sache von Soziologen. Aber es geht - bei Delikten in der Ehe oder wie bei Gina-Lisa bei bestehenden Sexualkontakten, die vielleicht einvernehmlich begonnen, aber dann eine Grenze überschreiten wo man aussteigen will, um Sexualität, die nicht immer mit ganz rationalen Mitteln greifbar ist. Es kann mir niemand erzhählen, dass er oder sie im Akt immer den Verstand auf Empfang hat. Das ist und wird ein Dilemma bleiben, das mit der besten Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht zu lösen sein wird. Es wird immer Fälle geben, wo jemand Opfer ist oder sich als Opfer fühlt, dies die Gesellschaft und das Recht anders sieht.

Die Vielzahl der nicht geahndeten Taten liegt im doch - und das schreibt auch der Kommentar - an der Beweislage. Die wird sich auch durch eine Änderung des Sexualstrafrechts nicht ändern lassen. Eine Art Beweislastumkehr - wie auch teilweise gefordert - wird es wohl kaum geben. Ich weiß auch keine Lösung dafür, dass die Opfer umhinkämen, für sie entwürdigenden Prozeduren über sich ergehen zu lassen, um den Beweis führen zu können. Die Gesellschaft kann aber im geschützten Interesse des Beschuldigten, auf diese Anforderungen nicht verzichten.

Die Gesellschaft tut sich zu Recht schwer damit, dass es viele Opfer gibt, denen keine Genugtuung widerfährt. Aber das lässt sich - gerade im Beziehungsumfeld bzw. bei Delikten aus dem sozialen Umfeld kaum vermeiden.

PS. Die Aussagen von dem Richter gehen natürlich gar nicht, aber sie sind nicht der Kern des Problems oder der Debatte. Die liegt doch bei der Frage, ob die Verschärfung auch die erhofften Resultate erzielt oder nur ein Papiertiger bleiben kann (siehe Beweislageproblem)

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xilraf 06.07.2016, 11:33
183.

Wieder eine exzellente Kolumne von Margarete Stokowski. Danke dafür!

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Ed Roxter 06.07.2016, 11:37
184.

Besser hätte ich es nicht auf den Punkt bringen können. Auch ich habe einigen von Frau Stokowskis Kolumnen eifrig nickend beipflichten können, und wie vorher in diesem Thread schon einmal erwähnt, verstehe ich, warum man bei Fischers Ausführungen, die sicherlich einen ordentlichen Schuss Polemik beinhalten, das Gefühl bekommen kann, er diffamiere...aber seine fachlichen Ausführungen zu dem Thema hat er mehrfach und wohl argumentiert auf den Punkt gebracht, und bei allen Kommentaren, die sich derzeit auf seine Kolumnen beziehen und diese kritisieren, vermisse ich (wie auch in dieser hier) schmerzlich, dass hierauf Bezug genommen wird.

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KV491 06.07.2016, 11:45
185.

Ich glaube, "TeamGinaLisa" hat ein Kampagnenproblem, dass immer mehr auf das gesamte Anliegen durchschlägt.

Der Fall wurde adoptiert, gerade weil mit dem Äußeren von Frau L. und dem von ihr behaupteten Tathergang so viele Klischees und Bilder bedient werden, auf allen Seiten. Damit wurde aber das Risiko eingegangen, dass ausgerechnet die Befürchtungen der Gegner der "Nein heißt nein"-Kampagne sich bewahrheiten, nämlich wenn Frau L. gelogen haben sollte.

Das ist IMO nämlich die Pointe: Frau L. kann mit Körper und Klamotten tun was sie will und sie kann natürlich jederzeit "nein" sagen, wie jede/r andere auch. Aber sie darf nicht vor Gericht lügen. Dieser Vorwurf steht aber im Raum. "TeamGinaLisa" tut so, als würde es die Freiheit zum gefahrlosen B(l)usentragen und um die Häuser ziehen verteidigen, aber was rüber kommt ist: "Eine Frau kann prinzipiell vor Gericht nicht lügen, das Recht ist dementsprechend zu gestalten."

Alle Diskussionsteilnehmer/innen sollten IMO jetzt erstmal Urteil und Begründung abwarten. Danach lässt sich vielleicht besser entscheiden, ob ausgerechnet dieser Fall dazu taugt, Prinzipielles zu verhandeln.

Die Möglichkeit, den Vorwurf einer Lüge nicht belastbar prüfen zu können, gibt es immer. Das wird nicht die Regel sein, aber auch nie ganz auszuschließen.

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vera gehlkiel 06.07.2016, 11:51
186.

Zitat von advocatus diaboĺi
Warum wird eigentlich von einer Frau verlangt, dass sie verbal gegen die Verletzung ihrer Selbstbestimmung vorgehen muss. Soll sie denn in einer vollen S-Bahn alle zwei Minuten Nein, Nein rufen, damit ihr niemand an das Hinterteil fasst? In den USA ist man weiter. Nur ein eindeutiges JA verhindert die Strafbarkeit, und das JA kann auch an Bedinungen geknüpft werden wie in Schweden z.B., dass der Partner ein Kondom benutzt, wenn nicht, dann ist es eine Vergewaltigung, siehe Julian Assange. In den Unis werden die Studenten verpfichtet, ein einvernehmliches Formular vor jede sexuellen Betätigung zu unteschreiben. Soll die Frau formell weniger geschützt werden als der Kauf eines Gebrauchtwages? Warum lehnen die Frauen diese diskriminierede Nein ist Nein Reform nicht ab?
Wieso wird eigentlich von Männern nicht verlangt, ihre Pfoten einfach vom Hintern einer Frau zu lassen, ohne dass diese erst einen Ganzkörperschleier tragen muss? Haben denen ihre Mütter nicht beigebracht, wie man sich in der Öffentlichkeit benimmt, oder wo soll das Problem liegen? Also ich ruf bestimmt nicht mit Piepsstimmchen "nein, nein", wenn sie meinen Hintern unerlaubt anfassen, aber sie können fest damit rechnen, dass sie eine Woche lang intensive Kühlung da unten benötigen werden, und geraume Weile nur noch wie John Wayne einherschreiten, das kann ich ihnen schriftlich vorab geben! Und mir ist ziemlich egal, ob sie mich anzeigen, die Kohle ist mir das auf jeden Fall wert!

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Toleranter Demokrat 06.07.2016, 12:03
187.

Sehr geehrte Frau Stokowski
Ich finde es fair von Ihnen, dass Sie den Artikel des Herrn Fischer verlinkt haben. So kann jeder Leser Ihrer Kolumne feststellen, dass der bitter-süße Sarkasmus des Herrn Fischer viel besser als der Ihre ist (und den Sarkasmus in Ihren Kolumnen finde ich schon sehr gut!). Was allerdings auch ersichtlich ist: Inhaltlich können Sie Herrn Fischer das Wasser erst recht nicht reichen. Gegen seine Argumente wirken Ihre Argumente zu dem Thema populistisch und plump.

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gg0815 06.07.2016, 12:13
188. traurig

traurig mit anzusehen wie unsere Gesellschaft sich darin ergeht neue Feindbilder zu schaffen, alte zu verstärken und sich selbst zu radikalisieren.
Nichts anderes passiert auch in diesem Artikel. Nichts anderes in den Verschärfungen diverser Gesetze.

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