Forum: Kultur
Sprachpflege an Schulen: Österreich kämpft gegen deutschländisches Deutsch
Corbis

Das Wiener Bildungsministerium will die Heimatsprache vor dem Aussterben retten. Lehrer werden ermutigt, im Unterricht Austriazismen zu verwenden. Die Devise: Schlagobers statt Sahne.

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heinz.pohl 07.06.2014, 19:00
170. Sehr oberflächlich!

Dieser Beitrag ist sehr ungenau und oberflächlich. Wer sich näher informieren will:
http://members.chello.at/heinz.pohl/OesterrDeutsch.htm
Das Wort „hochdeutsch“ bezeichnet die deutsche Sprache schlechthin, im Gegensatz zum Niederdeutschen, aus dem das Niederländische hervorgegangen ist. Auch Bairisch, Alemannisch, Sächsisch usw. sind „hochdeutsch“, Sie meinen wohl „standarddeutsch“ – und österreichisches Deutsch ist Standard und kein Dialekt, keine Sonderform gegenüber dem Duden. Die Unterschiede zwischen Duden und Österreichischem Wörterbuch sind in Bezug auf das Sprachmaterial minimal, der Hauptunterschied zwischen beiden besteht darin, dass „Austriazismen“ im Duden mit Zusätzen wie „österr“, „bayr. u. österr.“ sowie „landsch[aftlich], bes. österr.“ markiert werden, während es im Österreichischen Wörterbuch umgekehrt ist: die v.a. in Deutschland üblichen Wörter werden mit Zusätzen wie „D“ oder „bes[onders] D“ gekennzeichnet. Es mag sein, dass die Duden-Benutzer solche Zusätze als Abweichung von der Norm auffassen, was jedoch nicht gerechtfertigt ist, zumal beide Nachschlagewerke umgangssprachliche und dialektale Ausdrucksweisen deutlich als solche markieren.
Unpassend ist in Ihrer Umfrage "Woas ned. I red boarisch": die meisten Österreicher sprechen einen bairischen Dialekt (mehr als im Freistaat Bayern!), aber die Norm ist die gleiche wie in Bayern und im süddeutschen Raum, abgesehen von einigen Wörtern (meist aus der Amts- und Küchensprache).

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e-hugo 07.06.2014, 21:14
171. Praga Caput Regni

Zitat von RobinB
Ein *wenig* Kultur? So wie Mozart, Haydn, Schubert, Mahler, Berg, Schönberg, Czerny, Strauss, Webern zum Beispiel? Oder doch lieber Autoren wie Thomas Bernhard, Ingeborg Bachmann, Friedrich Torberg, Nestroy, Horvath, Kafka, Rilke? Oder vielleicht Maler: Schiele, Klimt, Hundertwasser, Nitsch... Man sollte nicht vergessen, dass Wien hunderte Jahre lang das kulturelle Zentrum der deutschsprachigen Welt war, zu Zeiten, als die Preussen noch im Schlamm gewühlt haben.

Czerny (hört sich aber fix nach Ungarn an), Horvath (der von der Herkunft Ungar war und eingedeutscht wurde), Kafka? ist das nicht doch etwas imperialistisch, einen Juden, der sich selbst als deutsch/tschechisch fühlte (Deutsch ist meine Muttersprache, aber das Tschechische geht mir zu Herzen) und der in der Hauptstadt des Böhmischen Königreichs, Prag, lebte, nun einfach für Österreich zu vereinnahmen? Als er noch lebendig war, mochte Österreich ihn jedenfalls nicht besonders. Johann Nestroy? Zweiter Name Nepomuk (tschechisch), Anerkennung fand er aber erst als er ans -Achtung- Deutsche Theater in Amsterdam, Niederlande wechselte. Viele weitere haben ihre Namen auch eingedeutscht, weil Österreicher sie zu Lebzeiten jedenfalls als Kroaten, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Ukrainer und und und nicht anerkannt hätten....Wenn man die alle abzieht......wieviel original Österreicher bleiben dann da noch übrig?
Und jetzt reklamieren Sie die die Österreich mit ihrer ursprünglichen Herkunft nie wollte, als Österreicher.......

Ein kulturelles Zentrum? Ich darf mal lachen? Das war eigentlich Prag, nicht Wien. Dass Wien zur Hauptstadt des -Achtung- deutschen Reiches mutierte, lag wie die Macht von Preußen an Soldaten. Denn bis die Habsburger sich den deutschen Kaiserthron kauften, war Prag der absolute Stern am Himmel des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Praga Caput Regni. Kulturhauptstadt blieb es noch Jahrhunderte länger.

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RobinB 09.06.2014, 11:38
172.

Zitat von e-hugo
Czerny (hört sich aber fix nach Ungarn an), Horvath (der von der Herkunft Ungar war und eingedeutscht wurde), Kafka? ist das nicht doch etwas imperialistisch, einen Juden, der sich selbst als deutsch/tschechisch fühlte (Deutsch ist meine Muttersprache, aber das Tschechische geht mir zu Herzen) und der in der Hauptstadt des Böhmischen Königreichs, Prag, lebte, nun einfach für Österreich zu vereinnahmen? Als er noch lebendig war, mochte Österreich ihn jedenfalls nicht besonders. Johann Nestroy? Zweiter Name Nepomuk (tschechisch), Anerkennung fand er aber erst als er ans -Achtung- Deutsche Theater in Amsterdam, Niederlande wechselte. Viele weitere haben ihre Namen auch eingedeutscht, weil Österreicher sie zu Lebzeiten jedenfalls als Kroaten, Tschechen, Slowaken, Ungarn, Ukrainer und und und nicht anerkannt hätten....Wenn man die alle abzieht......wieviel original Österreicher bleiben dann da noch übrig? Und jetzt reklamieren Sie die die Österreich mit ihrer ursprünglichen Herkunft nie wollte, als Österreicher....... Ein kulturelles Zentrum? Ich darf mal lachen? Das war eigentlich Prag, nicht Wien. Dass Wien zur Hauptstadt des -Achtung- deutschen Reiches mutierte, lag wie die Macht von Preußen an Soldaten. Denn bis die Habsburger sich den deutschen Kaiserthron kauften, war Prag der absolute Stern am Himmel des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Praga Caput Regni. Kulturhauptstadt blieb es noch Jahrhunderte länger.
Leute, die, wie Horvath oder Kafka, in deutscher Sprache geschrieben haben, haben sich auch der deutschsprachigen Kultur zugehörig gefühlt. Sicher nicht der ungarischen oder tschechischen. Ob man sie daher als Deutsche oder Österreicher bezeichnet, ist letztendlich Frage verschiedener Auslegungen, die man aus heutiger Sicht (!) treffen muss. Aus damaliger Sicht ergeben sie keinen Sinn.

Schon gar nicht, wenn der Sinn dieser Zuprdnungen nur darin besteht, festzustellen, wer kulturell "den Größten" hat. Dann ist sie nur noch Unfug.

Klar war Prag Kaiserstadt und war (und ist) ein wichtiges kulturelles Zentrum. Aber der Vergleich mit Wien ist, vor allem ab dem 18. Jahrhundert einfach nicht mehr zutreffend. Allein schon in der Bevölkerungszahl spiegelt sich das eindeutig wider: Wien wurde im 19. Jhd zur Millionenstadt, während Prag sich zwischen ein- und zweihunderttausend Einwohnern bewegte. Es tut mir leid, aber das ist einfach so. Die heutige Referenzbühne im deutschen Sprachraum ist übrigens auch das Burgtheater in Wien.

Und nein, ich bin kein Österreicher, wie schon an anderer Stelle angemerkt...

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McKlugscheiss 09.06.2014, 15:39
173. Die falschen gefragt

Zitat von milli47
Ja ich gebe Ihnen recht, wir sprechen anders als vor 100 Jahren und trotzdem gibt es für mich keine Tomaten, sondern Paradeiser. Ich habe oft mit unseren australischen Freunden, die auch einige Worte Deutsch sprechen darüber diskutiert. Und sie haben verstanden, dass es bei uns Kasten und nicht Schrank, Sessel und nicht Stuhl, Erdapfel und nicht Kartoffel heisst. Sie fanden es auch gut, wenn wir unsere eigenen Ausdrücke behalten. Und ich werde es weiter pflegen und im Gasthaus oder Beisl (nicht Kneipe) Paradeis- oder Erdäpfelsalat bestelle. Oder Karfiol und nicht Blumenkohl esse.
Man muss den Versuch so anordnen, dass das Ergebnis herauskommt, dass man sich wünscht... So auch hier.

Wenn ich Australier frage, quasi die Österreicher des englischen Sprachraums, kommt natürlich das Ergebnis heraus, das ich mir wünsche. Vielleicht sollte die das gleiche mal Menschen Fragen, die in der Nähe von Oxford in England aufgewachsen sind?

Generell denke ich, dass jede Region ihre Dialekte und Regionalismen pflegen sollte. Das ist ein Teil der kulturellen Vielfalt, die es zu erhalten gilt. (Das ist zum Beispiel in Norddeutschland in den letzten Jahrzehnten sträflich vernachlässigt worden.)

Bei aller Folklore ist Sprache aber meiner Meinung nach in erster Linie ein Kommunikationsmittel. Wer nicht in der Lage ist, sich der Standardsprache zu bedienen, wenn es gefragt ist - wie beispielsweise Herr Schäuble oder Herr Löw - erscheint weniger intelligent, als er eigentlich ist. Und das ist nach meiner Wahrnehmung meistens bei Süddeutschen den Fall. (Über Österreicher kann ich hier nichts sagen, die kenne ich in erster Linie als Wirte und Skiliftbediener.)

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praktisch 11.11.2014, 19:24
174. Hochdeutsch ist ungefährlich...

...und wird auch von den deutschen Touristen verstanden. Lächerlich sind die Anglizismen, besonders in Tirol. Da gibt es keinen Skiverleih sondern Ski rente, Winterrunning und jede Menge Fun.
Noch vor Kurzem gab es Fremdenzimmer und ein Fremdenverkehrsamt. Na, die Ösis wollen eben nicht mehr fremdeln.

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spon-facebook-10000816123 23.12.2014, 11:17
175. Super!

Gute Entscheidung unserer östlichen Nachbaren!

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willy_duschka 11.11.2018, 14:26
176. Find ich gut!

Als eifriger Verfechter der österreichischen Sprache finde ich einerseits die Diskussion gut und anderseits, dass jetzt in unseren Breiten (wieder) mehr Wert auf unsere Sprache gelegt wird. Ihr Deutschen habt Eure Ausdrücke, die Schweizer ihre und wir unsere auch. Warum muss alles ein "leckerer" Einheitsbrei sein? Mich ärgert, dass deutsche Germanisten alles andere als Dialekt abtun!

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Felicity Autrehomme 21.02.2019, 01:31
177. Ja es Rehrattler es! Lassts lieber Nöstlinger lesen!

Ein Memory mit Hochdeutsch, Schwiezerdütsch und Österreichisch? Dann verstehen die Kinder nachher alle drei Varietäten, das ist doch fein! Zu dumm, dass man ihnen zwei Drittel der Wörter, die man ihnen damit beibringt, gleich wieder verbietet. "Schaut mal, net alle sagen Paradeiser, die Piefkes sagen Tomaten, aber des dürfts ihr net sagen!". Merkt Ihr, wie paradox und absurd das ist?
Wenn man, will, dass Kinder österreichische Ausdrücke lernen, muss man ihnen halt österreichische Bücher zu lesen geben. Christine Nöstlinger zum Beispiel. Die sollte man auch deutschen Kindern nicht vorenthalten.
Österreichische Volkslieder singen wär auch nicht schlecht, gerade mit Grundschulkindern, die vielleicht noch keine vorgefertigte Meinung von allem haben und noch offen sind für die Welt.
Und da viele Eltern ihre Kinder fernsehen lassen - wie wärs damit, hauptsächlich Kinderserien auf Österreichisch laufen zu lassen / ggf. neue zu produzieren, falls die vorhandenen nicht reichen? Und außer den Lehrern auch die Fernsehleute zu ermutigen, Austriazismen zu verwenden? Selbst synchronisieren, wie oben vorgeschlagen, wär auch keine üble Idee. Alles besser als der erhobene Zeigefinger, denn der sorgt dafür, dass Kinder die österreichische Varietät als etwas Aufgezwungenes, Unnatürliches empfinden, so wie es momentan leider in Irland mit der irischen Sprache passiert.

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