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Sprachreform: Weiblich geht die Welt zugrunde
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Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.

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sappelkopp 08.06.2013, 15:18
1. Was ist denn an der Idee der Leipziger neu?

Zitat von sysop
Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.
Die Gemeinde Hasloh in Schleswig-Holstein macht das seit vielen, vielen Jahren, ich meine seit den 90ern des vergangenen Jahrhunderts. Dort steht im Vorwort der Satzung:
"Die Regelungen in der Hauptsatzung beziehen sich gleichermaßen auf Männer und Frauen. Es wird die weibliche Sprachform verwendet. Die männliche Sprachform gilt somit entsprechend."

Da regt sich kein noch so konservativer Bürger drüber auf. Und auch kein Mann fühlt sich diskriminiert.

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Jaques 08.06.2013, 15:21
2. Bravo, Frau Berg!

Das, was in Ihrem Kommentar zu lesen war, hat mir gut gefallen. Ich habe vor Jahren mal in einer Gotttesdienstpredigt konsequent feminisiert, da hat dann hinterher ein anderer Pastor nur schüchtern gefragt "Hast Du nicht was vergessen?" - das war alles. Allerdings ist zu konstatieren, dass der Maskulinismus tief sitzt. Aber Leipzig war schon immer ein Hort der Wissenschaft, das wird schon. Mal sehen, wie weit der Leuchtturm leuchtet.
Beste Grüße, Jaques

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Seraphan 08.06.2013, 15:23
3.

Zitat von sysop
Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.
Warum sollte es vollkommen Stulle sein, wenn männliche Lehrende Professorin genannt werden, wenn es scheinbar vorher nicht Stulle gewesen ist, dass weibliche Lehrende Professorin genannt wurden?

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teach78 08.06.2013, 15:26
4. kopfschüttel

Als der einzige Student meines Jahrgangs, der bei einer der führenden gender-studies-Professorinnen des Landes - Frau Prof. Dr. Beate Neumeier - an der Uni Köln sein Erstes Staatsexamen abgelegt hat, der dauernd seinem Schulleiter auf die Nerven geht, weil er zu faul ist, statt Lehrkräfte Lehrerinnen und Lehrer oder Kolleginnen und Kollegen zu schreiben, der im Alltäglichen stets auch bei Elterngesprächen um die korrekte Ansprache bemüht ist... in all diesen Gebieten und aus den oben genannten Gründen muss ich sagen, dass ich für die Einführung eines GleichstellungsbeauftragtEN in allen Schulen und öffentlichen Einrichtungen und privaten Unternehmen, sollte sich die Leipziger Regelung durchsetzen

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NightToOblivion 08.06.2013, 15:27
5. Graue Theorie

Wen interessierten solche Regeln? Richtig, niemanden. Bei offiziellen Anlässen wird man Hr. Professorin sagen, es wird ein paar politisch Korrekte geben, aber sonst?
Auch heute nennen sich Fachgesundheits- und Krankenpfleger selbst Krankenschwester und Pfleger. Nicht weil sie Antifemministisch sind, sondern weil es einfach Umgangssprache ist.
Es ist vollkommen egal wie die offizielle Ansprache ist. Das ist auch echte Fortschritt, wenn es egal ist und niemand kümmert.

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r_snyder 08.06.2013, 15:29
6. Ja wenn das so einfach geht

daß einer willkürlich die deutsche Sprache "reformiert", im Alleingang, dann heißt für mich in Zukunft die ehem. Universität Leipzig eben "der Universitäter Leipzig". Männlich, als Ausgleich.
Jetzt kann auch jeder seine eigene deutsche Sprache erfinden. Dann ist auch endlich Schluß mit all den überlieferten, überholten "Dingen", die man immer schon so gemacht hat.

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Leser222 08.06.2013, 15:31
7. Sprache per Dekret ist ein Zeichen von Diktaturen

Natürlich kann man per Dekret die Sprache verändern. Diktaturen machen das seit ehedem, egal ob von rechts oder links. Das sollte man bedenken bei Geistesblitzen wie dem des Herrn Professorin.

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twister-at 08.06.2013, 15:34
8. Echtes Engagement statt Symbolpolitik

Die Kritik an der "sind wir nicht alle Professorinnen"-Regelung ist aber keineswegs auf ein "wurde immer so gemacht" begrenzt, auch nicht in den Kommentaren. Es gab weitere Kritikpunkte:
a) auch wenn Sprache sich verändert, so wird hier schlichtweg an der Sprache herumgepfuscht, ohne dass es einen triftigen Grund gibt
b) die Sprachveränderungen sind Symbolpolitik, sie dienen letztendlich auch dem "Ätsch, jetzt seid ihr dran"-Denken (ersichtlich aus vielen Begründungen bzw. Kommentaren von Gender-Experten hierzu, die sagen: tja, jetzt sehen die Männer mal, wie das ist) - es ist also eher Trotz und Vergeltungsdenken denn ein wirkliches Engagement
c) die Sprachveränderungen sind Symbolpolitik weil sie letztendlich an der Gesamtheit der Probleme nichts verändern, sondern durch ihre Absurdität bzw. ihre Angreifbarkeit dem Genderismus/dem Kampf gegen den Sexismus einen Bärendienst erweisen

Gegen Sexismus angehen?
Auf jeden Fall - bitte auch auf beiden Seiten, also auch "unser Menü speziell für Frauen" oder "Harte Kerle kaufen" kritisieren. Und bitte auch unterscheiden zwischen Diskriminierung, zwischen gefühlter Beleidigung usw. Sonst wird es nämlich so unübersichtlich, dass niemandem geholfen wird.

Hier verweise ich dann auf das Sexismusbeispiel "der Sportlehrer hat unserer Tochter gesagt, sie soll bei ihrer Figur einen Sport-BH tragen", was imho sehr viel darüber aussagt, wie die Debatte derzeit geführt wird.

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twaddi 08.06.2013, 15:36
9.

Es ist doch angeblich egal, und wir Frauen sollen uns doch nicht so aufregen, welcher Plural gebraucht wird. Aber warum regen sich jetzt die Männer so auf? Sie wissen doch, dass sie mitgemeint sind!

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