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Sprachreform: Weiblich geht die Welt zugrunde
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Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.

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testthewest 08.06.2013, 16:23
40.

Zitat von sysop
Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.
Es ist schon witzig, wie "selektiert" die Wahrnehmung doch sein kann.
Frau Berg, sie sehen also das "Patriarchat" am Ende?

Warum? Weil die feministsische Gesellschaft so exorbitante Gebrutenraten hat und ihre Kultur so dominant ist, dass sie die anderen sicher verdrängen wird?
Merken sie was?

Und dann sprechen sie von Neuerungen und missbrauchen den durch wirklich Neuerungen positiv belegten Begriff.
Dies ist nicht plötzlich eine Erfindung oder Neuerung die irgendetwas bring, wie z.B. Erfindung der Antibiotika oder Einführung einer allgemeinen Krankenkasse.

Nein, es ist einfach nur bekloppt. Aber weil sie glauben, es haben irgendetwas mit "feminin" zu tun, schaltet ihr Hirn ab.
Und nur weil Deutschland nicht jeden Quatsch begeistert mitmacht, ist es also borniert.

Wir haben schon genug "Neuerungen" mitgemacht. Vom Faschismus bis zur Mengenlehre.
Können wir nicht auch mal einen Unsinn auslassen (also vollständig, nicht nur die Hälfte, wie z.B. den Sozialismus)?
Und was ist bitte "Neu" wenn sie das Alte nur umgekehrt machen?
Und was ist bitte daran eine Lösung, wenn man auch einfach einen Herrn mit Professor anreden kann und eine Frau mit Professorin?

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M.Suckow 08.06.2013, 16:30
41. Es ist aber auch kompliziert

Vielen Dank für den Artikel, Frau Berg.

Hoffentlich haben Sie recht damit, dass Geschlecht als vermeintlich essenzielle Kategorie letztlich überwunden werden wird. Was dem entgegensteht ist aber nicht nur die bloße mentale Trägheit, sondern auch die geballte Macht eines essenzialistischen Weltbildes:

Es ist, denke ich, für die meisten Menschen viel einfacher, sich die Welt so vorzustellen, als seien die Kategorien und Konzepte, die wir hier und heute so haben und anwenden, immer schon da gewesen. Es ist so einfach und bequem, sich Geschlechter als massive Blöcke von Eigenschaften vorzustellen - Männer seien so und so, Frauen seien so und so. Männer hätten seit Urzeiten Mammuts gejagt, Frauen hätten das Feuer gehütet (eine Vorstellung, die von der Wissenschaft übrigens längst verworfen wurde).
Viel schwieriger ist es, Geschlechterkategorien und -rollen als historisch gewachsen zu verstehen. Viel schwieriger ist es, zu begreifen, dass die Bedeutungen von "Mann sein" (und "Deutsch sein" und "Protestant sein" und "Weiß sein") durch historische, gesellschaftlich-kulturelle Prozesse entstehen und nicht durch Gott oder Evolution festgelegt sind. Vielleicht versteht man dann auch noch, dass Sprache das entscheidende Medium für diese soziokulturelle Aushandlung von Bedeutungen ist. Zumal Sprache selbst sich ständig verändert.

Wenn man das alles mitgeht, ist es nicht mehr so schwierig, zu verstehen, warum die sprachliche Repräsentation von Frauen so ein wichtiges Thema ist. Die männnliche Mehrzahl ("Professoren" als Bezeichnung für Männer UND Frauen) mag zwar per Definition Frauen umschließen, aber Sprache richtet sich nur bedingt nach Definitionen - es kommt darauf an, wie sie verwendet wird und wie sie verstanden wird. Und in der Praxis schließt der generische maskulinum Frauen nicht mit ein - er macht sie vielmehr unsichtbar. An dieser Stelle treffen sich die Trägheit und das mangelnde Wissen - man hat in der Schule gelernt, dass die männliche Mehrzahl für beide Geschlechter gelte, und nun hält man daran fest und wehrt sich gegen die Veränderung, obwohl es für diese gute Gründe gibt.

Die weibliche Mehrzahl an der Uni Leipzig ist keine ideale Lösung, da sie letztlich ebensowenig geschlechterneutral ist als die männliche Mehrzahl (vielleicht sogar in der Praxis noch weniger neutral ist). Das wissen aber auch die Beteiligten. Ich vermute, es ging vielmehr darum, die Debatte durch Kontroverse zu fördern. Es ging wohl auch darum, mal zu zeigen, wie sich für viele Frauen die männliche Mehrzahl anfühlt: sie fühlen sich von ihr nicht repräsentiert. Genausowenig wie sich viele Männer von der weiblichen Mehrzahl repräsentiert fühlen.

Ich zweifle daran, dass geschlechterneutrale Sprache sich durchsetzen kann, ohne dass sich das Verhältnis gegenüber Sprache und Kategorien insgesamt ändert. Aber vielleicht überschätze ich da auch die Tiefe, in der die Debatte geführt wird. Vielleicht strömt nach und nach der Anspruch auf Geschlechterneutralität auch so lange von den Unis in die Welt, bis sich neuere Generationen einfach daran gewöhnen und ihn für normal halten (und, leider, dann wieder verteidigen werden, falls es mal wieder etwas Neues gibt).

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Auggie Smith 08.06.2013, 16:32
42. Frau Berg,

darf ich Brüderin zu Ihnen sagen?

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_muskote 08.06.2013, 16:34
43.

„Dass es keinen Unterschied zwischen Männern, Frauen oder auch Menschen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig wissen, gibt, das werden wir genauso lernen wie vieles andere. “

Und DAS ist eben NICHT wahr. Da können sich die Genderisten und Feministinnen auf den Kopf stellen.

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lordhannes456 08.06.2013, 16:35
44.

Ich bin ein aufgeklärter mensch, sogar verfechter einer gesetzlichen frauenquote, aber ich denke in letzter zeit hat sich ein "rechter" flügel in der frauenbewegung gebildet denen es nicht mehr um gleichstellung sondern um besserstellung geht. Schließlich sieht man keine frauen für die rechte von vätern kampfen oder häusliche gewalt gegen männer ,was in der gesellschaft immernoch als nicht existent abgetan wird.

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cartwright58 08.06.2013, 16:37
45. Quark!

Zitat von sysop
Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.
Und zudem inkonsequent. Wenn schon, dann bitte in allen Bereichen die weibliche Form einführen. Bspw. Strafgesetzbuch:

"§ 211

Mord
(1) Die Mörderin wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe bestraft.
(2) Mörderin ist, wer
aus Mordlust, zur Befriedigung des Geschlechtstriebs, aus Habgier oder sonst aus niedrigen Beweggründen,
heimtückisch oder grausam oder mit gemeingefährlichen Mitteln oder
um eine andere Straftat zu ermöglichen oder zu verdecken,
eine Menschin tötet."

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sagenwirmalso 08.06.2013, 16:38
46. 345345

Zitat von Atheist_Crusader
Ich frage mich eher: Wieso muss man den grammatikalischen Genus mit dem biologischen Geschlecht gleichsetzen? Wieso muss man im Kampf für die Gleichberechtigung Fronten eröffnen wo keine sind? Gibt es wirklich Frauen, die Wörter lesen wie "Lehrergewerkschaft" oder "Bürgerbefragung" und sich ernsthaft denken "Och, da fühle ich mich aber ausgegrenzt!". Gibt es Jemanden der sagt "Ich brauche einen Arzt!" und der dann mit "Ich sagt ARZT, nicht ÄRZTIN!" kommt, wenn besagte medizinische Fachkraft kein Y-Chromosom hat?.............................................. ....
gute Frage. Und die Antwort ist, es wird Geld damit verdient. Und gar nicht schlecht. Das ist nicht die ganze Antwort, aber ein zunehmender Teil dieser.

Mal ne Gegenfrage: Angenommen, Sie wären in einer Bewegung, die sich der Beseitigung irgend eines Misstandes verschrieben hat, in gut bezahlter Position. Sie kämpfen also für die Beseitigung des Unbills, wissen aber, eigentlich müssten Sie sich, wenn es weitgehend beseitigt ist, eine andere Aufgabe suchen. Weiterhin wüssten Sie, daß die anderen Mißstände auch schon ihre Vorkämpfer hätten, Sie würden also nicht als Hauptamtlicher wieder anfangen, sonder ehrenamtlich. Oder in die Wirtschaft, da ist der Wind aber deutlich rauer.
Mal ehrlich, würden Sie nicht auch wieder besseren Wissens Genus und Sexus verwechseln? Für Geld?

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catweezle 08.06.2013, 16:43
47. Welch' evolutionärer Fortschritt!

Zitat von sysop
Die Republik droht zu kollabieren. Warum? Männliche Lehrende werden in Leipzig künftig Professorin genannt. Hier zeigt sich das Grundprinzip der menschlichen Empörung: Erst schimpfen, dann hinnehmen - und auf gar keinen Fall nachdenken.
Statt alle Professoren "Herr / Frau Professor" zu nennen heißen nun alle Professoren an der UNi Leipzig "Herr / Frau Professorin". Yep - das ist Fortschritt, das ist ein evolutionärer Schritt hin zur Gleichberechtigung.

Kleiner Tipp - das kann nur der Anfang sein. Es gibt noch so viel männlich Dominiertes in unserer Sprache - als nächstes sollte aus "der Idiot" ein(e) "die Idiot" gemacht werden.

Liebe Uni Leipzig - ich freue mich zu sehen, dass meine Steuergelder in der Forschung und Lehrer wirklich zukunftsweisend eingesetzt werden.
Interessieren würde mich, wie viel Geld die Umstellung dieser genialen Idee auf Briefköpfen, Datenbanken etc. kostet.

Ich erlaube mir persönlich aber auch weiterhin "Frau Professor" zu sagen.

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jürgenstock 08.06.2013, 16:44
48. Ein Minimum an Verständnis von Sprache ...

... könnte nicht schaden. Man kann vom grammatischen Geschlecht eines Wortes nicht auf das biologische Geschlecht des Bezeichneten schließen. Es sei denn, man nähme an, alle Enten sein weiblichen oder alle Adler männlichen Geschlechts – allerdings gäbe es dann keine Enten und Adler (mehr). Und für alle, die das nicht ganz verstanden haben sollten: „des Bezeichneten“ im vorangehenden Satz ist der Genitiv des Wortes „das Bezeichnete“, also grammatisch Neutrum, nicht Femininum, nicht Maskulinum. Man kann das Bezeichnete und seine sprachliche Bezeichnung in keiner Weise gleichsetzten.
Und dass man vom grammatischen Geschlecht von einzelner Wörter auf Herrschaftsverhältnisse schließen könne, ist auch eine Fehlinterpretation, und zwar eine gewollte. Herrschaftsverhältnisse werden aber auch in Sprachen ausgedrückt wie dem Englischen, das kein grammatisches Geschlecht kennt. Warum wird in dieser Diskussion denn nicht konsequenterweise die allgemeine „Ver-das-sung“ gefordert, also allen Substantiven das grammatische Geschlecht Neutrum zuzuordnen: das Frau, das Mann, das Person, das Professor, das Sonne, das Mond … Wären dann Herrschaftsverhältnisse aus dem Sprache und dem Welt verbannt (es heißt ja jetzt „das“ Sprache, also im Dativ „dem“, ebenso „das“ Welt im Nominativ, ergo im Dativ „dem“ Welt)? Wohl kaum. Wenn man die Verdassung nicht will, will vielleicht jemand wenigstens Artikel 62 Grundgesetz ändern, so dass es heißt: „Die Bundesregierung besteht aus der Bundeskanzlerin und aus den Bundesministerinnen.“ (und damit das Land vollends der Lächerlichkeit preisgeben)? Wer bietet mehr? Herrschaftsverhältnisse ändert man so nicht.

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MatthiasHub 08.06.2013, 16:45
49.

Der Streit um das -in ist zu einem zentralen Brennpunkt der deutschen Gesellschaft geworden. Während andere Länder sich Sorgen machen um Klimawandel, Waffenmissbrauch, Verarmung usw. kämpfen wir um 2 Buchstaben. Es ist ja nicht so hätten Frauen nicht schon längst die gleichen Rechte wie Männer, außer vielleicht im Stehen pinkeln das Privileg werden wir nie aufgeben XD
Ernsthaft, wen interressierts?

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