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Sprechen über Rassismus: Wie Worte die Realität verfälschen
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Es sind nicht weiße Dänen, die in Deutschland Opfer von Übergriffen werden - "Ausländerfeindlichkeit" ist deshalb der falsche Begriff. Mit ihm verfestigt man Ausgrenzung.

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gruebi01 06.09.2018, 09:36
30. Völlig richtig und jahrzehntelang tabu in deutschen Medien

Es ist völlig richtig, von Rassismus in Deutschland zu sprechen und das wurde viele Jahre in den deutschen Medien peinlichst vermieden. Rassismus gab es ja nur in den USA bzw. in den Südstaaten.

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dehnübung 06.09.2018, 09:36
31. Die Mutter aller Probleme

Sind Menschen, die Hilfe von anderen Menschen bekommen, jedoch diese Hilfe nicht wertschätzen, sondern sich mit allen Tricks ungerechtfertigte Vorteile verschaffen, die Kultur der Helfenden nicht anerkennen, sich nicht versuchen anzupassen, sondern im Gegenteil, Gewalt gegen die helfenden Menschen ausüben, insbesondere gegen Schwächere, nämlich Frauen.
Es gab in Chemnitz ein Plakat:
"Nehmt Migranten die Messer weg, oder wir nehmen euch eure Ämter"
Wer zu spät aufwacht, den bestraft das Leben.

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Martin H. 06.09.2018, 09:36
32. Appell ist richtig

Der Appell zu einem differenzierterer Umgang mit den Begrifflichkeiten ist richtig. Ich glaube aber, dass es schwer ist, ein "Deutsch-Sein", das heute eben noch immer allzu häufig entlang der ethnischen Herkunft oder Religion (und Kultur) bestimmt wird, gesellschaftlich in eine "inklusive Definition" umzudeuten. Dazu ist das "Deutsch-Sein", das zu anderen Ethnien, Religionen und Kulturen abgrenzt, noch zu sehr in unserer Lebenswirklichkeit verankert. Der Mensch neigt leider zu Verpauschalisierungen.

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regentrude 06.09.2018, 09:41
33. Wie war das noch mit der klaren Wortwahl?

Zitat von spon-facebook-1716829589
Trotz vererbbarer äußerlicher Unterschiede sind wir alle Menschen der selben Rasse.
In der Tierart Mensch gibt es also nur _eine_ Rasse? Wie heißt die denn? Mensch? --- Vielleicht sollte man erstmal Rasse definieren.

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interstitial 06.09.2018, 09:43
34. großartig

Danke, ein wichtiger und sehr guter Artikel, der das Denken klärt.
Danke vor allem für die klare Ansage, dass es sich hier um Rassismus handelt. Beim Wort " Rassismus" denkt man immer an Stacheldraht, Peitschen und Erschießungskommandos, und verdrängt dabei geflissentlich, dass Rassismus viel, viel früher beginnt: Im diffusen Gefühl, dass jemand "fremd" ist (und daher bleibt, siehe Andorra), weil er zu einer "anderen" Gruppe gehört; d.h., wenn übernommene, von außen pauschal zugeschriebene Merkmale und Eigenschaften die Wahrnehmung der Person überdecken. Weil man "ja weiss, wie DIE sind".
Wichtig, aber auch sehr beunruhigend, aber gerade darum noch wichtiger ist die Beobachtung, dass Rassismus in Deutschland noch viel verbreiteter ist, als wahrgenommen wird: Nicht nur die, die ihn offen ausleben, auch die, die ihn beobachten und kommentieren, und sogar die, die gegen ihn agieren, benutzen offensichtlich rassistische Denkmuster. Klingt erstmal paradox und verstörend, ist aber glaube ich leider tatsächlich wahr. Wer das nicht wahrhaben will, möge mal in ein wirklich weltoffenes Land fahren, der Unterschied fällt auf.
Deutschland hat ein enormes gesellschaftliches Problem mit weitverbreitetem, tief verwurzeltem Rassismus. Und das tragische, und ein wirklich pragmatischer Grund, dagegen etwas zu tun, ist, dass viele Probleme mit/durch "gescheiterte Integration", "Migration", "kulturelle Inkompatibilität" letzten Endes vor allem durch eine Ursache hervorgerrufen werden: Den tiefsitzenden, allgemeinen Rassismus der einheimischen Bevölkerung. Das will natürlich keiner hören, vor allem nicht die Gegendemonstranten, die sich "für die armen Fremden" engagieren, aber dieser Eindruck drängt sich mir seit mindestens 20 Jahren zunehmend auf. Stadtverwaltungen drängen Einwanderer nach Herkunft sortiert in die gleichen schäbigen Wohnblocks und schaffen damit problematische, stigmatisierte Getthos: self-fulfilling prophesies. Arbeitgeber begegnen ambitionierten Bewerbern "südländischen Typs" so lange abschätzig und von oben runter, bis diese tatsächlich schlecht motiviert, frustriert und leicht gekränkt sind: self-fulfilling prophesies. Und, und, und, und, und.......

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kosaptes 06.09.2018, 09:44
35. Eher

Wir haben eher zu viel political correctness und nicht zu wenig.
Wir haben eher zu viele die jede Gelegenheit nutzen um strittige Belehrungen zu postulieren. Das mag auch ein Problem des Missbrauchs sein, aber es ist wohl auch das Problem einer unkritischen Übernahme eines Begriffs der zurecht nicht vermittelbar ist.

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interstitial 06.09.2018, 09:49
36.

Zitat von C.Rainers
Mal ein Beispiel: Anfang der Neunziger war ich mal im Urlaub auf Kuba. Mit uns im Hotel war auch ein farbiger Hamburger. Sprach deutschh ohne Akzent. War zwar ein wenig reserviert uns gegenüber,aber na jaa. Wir waren gerade auf Kuba und lernten schwarze Kubaner kennen, da wandelte sich dieser Hamburger zu einem Rassisten. Auf einmal hing der nur noch mit farbigen .......
Ja, klar. Und? Rechtfertigt oder entschuldigt das irgendwas? Weil es "natürlich" ist? Infantizid, Vergewaltigung und Koprophagie gibt es "in der Natur" auch. Sollte man das in zivilisierten Gesellschaften also hinnehmen müssen?
Andersrum: Gerade das sollte ein Ansporn sein, immer dagegen anzugehen, auch und gerade bei sich selber, eben weil man weiss, dass der Keim immer da ist. Zivilisation hat die Funktion (in meinen Augen), dass immer größere Gesellschaften immer stabiler und freidlicher miteinander leben können, und insofern MUSS sie teilweise "gegen die Natur des Menschen" gehen. Das ist ihr Zweck. Vor allem und gerade im Bezug auf Rassismus.

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Kurt S. 06.09.2018, 09:50
37. Guter Anstoss zur Diskussion

In der Tat fällt auch mir auf, dass die Sprache sehr oft unpräzise genutzt wird. Fast immer mit dem Ziel seine eigene Position wichtiger/erklärbarer erscheinen zu lassen.
In diesem Fall bin ich mit der Argumentation von Herrn Langer nicht einverstanden. Und hier kann ich aus Erfahrung sprechen.
Ich kam als Spätaussiedler Anfang der 90er im Zuge der Umverteilung für ein Jahr nach Sachsen. Was ich dort teilweise erlebte, reichte von Reserviertheit über Ausgrenzung bis hin zu Diskriminierung / verbalen Anfeindungen. Dies vor allem von Mitschülern, was aber sicherlich eine latente Grundhaltung in den Familien wiederspiegelte. Da ich nicht zu einer "visible minority" gehöre, ist der Begriff "Fremdenfeindlichkeit" tatsächlich der richtige und nicht der Rassismus, welcher nur einen Aspekt abdeckt. Im Chemnitzer Vorfall wurden Menschen die sichtbar "anders" den Angreifern erschienen Opfer, was in der Tat rassistisch ist. Die darunterliegende Grundhaltung ist aber viel umfassender und lehnt all das ab, was den Menschen fremd erscheint.
Die Diskussion zur Versachlichung der Sprache finde ich aber sehr wichtig, weite Teile der Politik über Parteigrenzen hinweg aber auch viele Journalisten missachten das MMN, was letztlich zur Verrohung der Sprache führen muss.

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interstitial 06.09.2018, 09:58
38.

Zitat von stoffel99
Die präzise Wortwahl ist entscheidend. Da haben Sie völlig recht. Diese kommt nämlich aktuell bei so vielem zu kurz. Dies trifft auf den von Ihnen geschilderten Bezug ebenso zu, wie z.B. auf die häufig falsche Verwendung des Begriffes des "Toleranz". Wenn jemand z.B. die aktuelle Flüchtlingspolitik für falsch hält, im Umgang sich mit Geflüchteten genauso ......
Geflüchtete begehen nicht mehr schwere Straftaten als Vergleichsgruppen. Eher sogar weniger. Von Geflüchteten begangene Straftaten werden aber weit überproportional wahrgenommen, und verschleiern dabei den "ganz normalen" Hintergrundlevel, etwa an Körperverletzungen und Vergewaltigungen, den man geflissentlich ignoriert, aber im Falle von "fremden" Straftätern hat man einen Aufhänger, warum diese Straftat ja "wieder mal" nicht "von uns" begangen wurde, weil es eine Erwartungshaltung bestätigt und zur eigenen Narrative passt, und dabei hilft, zu verdrängen, wieviele Straftaten in dieser Zeit tatsächlich "von uns" begangen wurden, pro tausend Einwohner.
Kleine Anekdote: Als meine Klassenkameradin (Gymnasium) nach Hause kam, fand sie ihre Mutter in der Küche, die von ihrem Lebensgefährten mit einem Stuhlbein erschlagen worden war. Stand nie in der Zeitung, nicht mal lokal.

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ClausB 06.09.2018, 10:01
39. Oh !

Das ist mal wieder einer der (seltenen) Beiträge auf SPON, dem ich ohne wenn und aber zustimmen kann.
Große Klasse, Herr Langer !

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