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Sprechen über Rassismus: Wie Worte die Realität verfälschen
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Es sind nicht weiße Dänen, die in Deutschland Opfer von Übergriffen werden - "Ausländerfeindlichkeit" ist deshalb der falsche Begriff. Mit ihm verfestigt man Ausgrenzung.

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interstitial 06.09.2018, 10:02
40.

Zitat von hirlix
Es gibt viel weniger Rassismus gegen Inder, Asiaten oder Südamerikaner, obwohl die auch eine "andere Hautfarbe" haben als die mittel-/nordeuropäischen Bleichgesichter. Teilweise handelt es sich dann auch um Verwechselungen mit Menschen aus den wirklich "unerwünschten" Regionen.
Ich würde ja schreiben: "Selten so gelacht", wenn der Versuch, ihre eigenen Vorurteile zu rechtfertigen nicht so ekelerregend wäre.
Selektive Wahrnehmung at its very best
Lassen sie mich raten: Sie kennen keine Inder und verbringen auch privat im Alltag kaum Zeit mit Indern, Asiaten und Südamerikanern?

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sandow83 06.09.2018, 10:07
41. Vielen Dank

Mir ist schon oft aufgefallen, daß meine türkischstämmigen Kollegen von Ihren "deutschen" Kollegen als Türken bezeichnet werden. Es interessiert auch keinen, ob jene Türkischstämmigen darauf beharren, den deutschen Pass zu besitzen.
Da habe ich immer drauf hingewiesen und die Kollegen darin bestärkt dazu zugehöhren.
So klare Worte, wie Sie sie jetzt gefunden haben, hatte ich dafür leider nicht.
Danke, für diesen geistreichen Beitrag!
Meiner Meinung nach ist jeder deutsch, der sich selbst als deutsch wahrnimmt und das sollte man demjenigen dann auch zugestehen.
Egal, ob er/sie perfektes Deutsch spricht, oder einen deutschen Pass hat.

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cacophonieallergikendes 06.09.2018, 10:12
42.

Zitat von interstitial
Geflüchtete begehen nicht mehr schwere Straftaten als Vergleichsgruppen. Eher sogar weniger.
Da wurde aber in einer Talkshow kürzlich etwas anderes behauptet.
Es wurde gesagt, daß selbst in Verhältnis zu Vergleichsgruppen die Kriminalität höher läge.

Beurteilen kann ich das selbst nicht. Aber auffällig ist, daß meistens gesagt wird, daß junge Männer unabhängig von ihrer Herkunft vergleichsweise krimineller als andere Gruppen sind. Aber die genauen Zahlen und der direkte Vergleich wird bis auf die eine Ausnahme immer ausgelassen.

Letztlich bleibt noch zu sagen, daß es keinen Automatismus der Gruppenzugehörigkeit gibt, der einen kriminell macht. Das ist immer eine Entscheidung.

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remixbeb 06.09.2018, 10:13
43. @hirlix

Glauben Sie mir. Auch diese Nationalitäten sind von Diskriminierung betroffen. Vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie derzeit Geflüchtete. Aber durchaus. Selbst ich (als in Deutschland geborener Halb-Italiener) war in meiner Kindheit und Jugend nicht vor blöden Sprüchen und Ausgrenzung gefeit. Es ist ein Trugschluss zu denken, dass es in dieser Gesinnung "gute und schlechte" Migranten gibt. Das mag für hier und jetzt zum Teil stimmen. Der Kern sind aber Ressentiments gegen alles, was "anders" ist.

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dgross4 06.09.2018, 10:13
44. Gut, aber...

Ich stimme Herrn Langer komplett zu und danke für diesen guten Kommentar. Aber der klassische "Fehler" liegt dann auch bei ihm in den letzten Absätzen: Man benötige eine Definition für ein "Deutsch-Sein" (im Sinne der Inklusion). Auch hier volle Zustimmung, aber gerade eine solche traut sich ja dann niemand hervorzubringen. Und wenn jemand das doch versucht, gibt es fleißig Gegenstimmen, die dann doch immer alles negieren. Denn, soviel muss klar sein, eine Definition, auch wenn sie an den Rändern fluide ist, grenzt immer aus. Inklusion, das Hereinnehmen in ein Innen, bringt immer auch ein Außen und damit Exklusion hervor. Wenn ich von einem Innen spreche, dann grenzt sich davon banalerweise ein Außen ab. Aus diesem Grund geht es weniger darum in der Diskussion, wer zum Innen gehören soll. Das machen wir seit Jahrzehnten und die Diskussion ist auch schon recht weit. Vielmehr muss es heute darum gehen, dass wir uns trauen konkret zu sagen, wenn wir hier nicht haben wollen, wer nicht zum Deutschsein dazugehört. Aber immer wenn das versucht wird, wird geschrien: Diskriminierung. Aus diesem Grunde: Der Beitrag ist gut, klingt aber auch sehr wohlfeil und will sich die Finger schlussendlich nicht "schmutzig" machen (durch Konkretheit).

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allanclarke 06.09.2018, 10:15
45. Stringenz

Präzise formulieren? Gerne. Dann aber stringent: Ich bin ideologiekritisch und damit auch religionskritisch, nicht islamophob oder gar rassistisch.

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radius21 06.09.2018, 10:15
46. So ist es

Wir brauchen heute eine offene Diskussion darüber, was es heutzutage heißt, deutsch zu sein. Es sollte eine Einladung an alle die Deutschland leben ergehen, sich in daran zu beteiligen. Unser Land braucht ein neues Selbstverständnis und gemeinsame Werte und Rituale, welche die Nation zusammenhalten, eine gelebte Normalität in unserem faktischen Einwanderungsland. Deutschland hat zusammen mit den Zuwanderern viel erreicht. Lasst uns darauf ein wenig Stolz sein, gemeinsam mit allen, die dafür geackert haben.

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Blickensdörfer 06.09.2018, 10:22
47. "Andorra-Effekt" Sprache

Die Verbreitung sprach-unlogischer Aussagen, der Bezeichnung von Worten als Begriffe, die beliebig verstanden werden können und als Begriffe in Aussagen verwendet werden hatten und haben diesen "Effekt", dass sie allgemein als richtig, sprach-logisch verstanden und verwendet werden. Es herrscht damit ein Verständnis, mit dem das Denken und Verstehen beherrscht wird.

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albrechtreith 06.09.2018, 10:23
48. DU siehst was DU willst

Lebe seit 50 Jahren als Deutscher in Norwegen und werde manchmal von Norwegern gefragt: Bist du denn nun ein Norweger oder ein Deutscher?
Laechelnd schaue ich dem frager in die augen und antworte ihm: Das entscheidest NUR DU.
Alle verstehen meine unerwartet ernste antwort und ihre implikation und manche laecheln unsicher und verlegen.

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Matsemitsu 06.09.2018, 10:26
49. Ebenso unpräzise Alternative

Es ist richtig, dass Sprache Wirklichkeit schafft. Von "Fremdenfeindlichkeit" allerdings ausgerechnet auf "Rassismus" umzuschwenken ist ebenso unpräzise, da, wie die Wissenschaft längst etabliert hat, dass es keine Menschenrassen gibt. Der ideologische Kern des rassischen Denkens ist es ja, basierend auf rein äußerlichen Merkmalen wie Hautfarbe Ableitungen zu treffen bzgl. der Kultur des Betreffenden, und mit derart kategorisierten Stereotypen soziale Hierarchien zu erstellen und erhalten. Dazu sind die rassischen Kategorien allerdings enorm breit gefasst und daher völlig ungeeignet, tatsächliche kulturelle Unterschiede abzubilden. Z.B. kann es gar keine "schwarze Kultur" geben, da Menschen dunkler Hautfarbe überall auf der Welt leben und zwar in völlig unterschiedlichen Kulturen. Sprich: das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Die Auseinandersetzung in Deutschland findet nicht primär an dieser Linie statt, sondern eher an ethnischen. Wenn wir anfangen, den Begriff "Rassismus" unreflektiert zu verwenden, wenn es um Konflikte geht, die überwiegend Menschen aus dem Nahen und Mittleren Osten betreffen, verfestigen wir damit nur die Idee, dass es sich bei diesen Menschen um "das Andere" handelt. Während das Wort "Fremdenfeindlichkeit" (xenophobia) allerdings nur genau darauf abzielt, nämlich eine Ablehnung dessen, was als andersartig EMPFUNDEN wird (und nicht etwa bezeichnen will, dass jemand nicht zu einer nationalen Kultur oder Gesellschaft gehöre), macht der Rassismus-Begriff eine scheinbar biologische Tatsache daraus, dass jemand aus Syrien, Irak, der Türkei, "eben anders" sei.

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