Forum: Kultur
Spritpreis-Debatte bei Jauch: Abgewürgt im Gasometer
DPA

Wer trägt die Schuld an den explodierenden Spritpreisen? Bei Günther Jauchs Talkrunde sollte nach den Verantwortlichen gefahndet werden. Stattdessen gab es allerlei Redebeiträge zum Thema Autofahren. Einzige Erkenntnis: die Benzin-Debatte ist zutiefst verlogen.

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The Captain 02.04.2012, 09:42
80. Kaufkraft "inflationsbereinigt"

Zitat von maco
Falsch - er hat ja schon gekauft: Benzin. Wofür er sein Geld ausgibt, ist doch egal - ob er nun Benzin davon kauft oder ins Kino geht. Ausgegeben ist es so oder so, irgendjemand verdient daran, es werden Steuern vom Staat kassiert (insofern ist es sogar besser, man gibt das Geld für Benzin aus - da bekommt das Gemeinwesen nämlich mehr von ab). Wo also ist das Problem? Die Kaufkraft sinkt keinesfalls - nur die Entscheidungsfreiheit, wo man diese einsetzt.
Das ist so nicht ganz richtig.
Die Preiserhöhung beim Sprit sorgt dafür, dass ich nicht MEHR erwerben kann mit meinem Geld, sondern weniger. Ich kaufe ja nicht MEHR Sprit - sondern bekomme nur die gleiche Menge.

Effektiv: die Kaufkraft muss immer inflationsbereinigt sehen - und die Spritpreiserhöhung hat nichts mit der Inflation zu tun. Wenn ich 2% mehr Lohn bekomme im Jahr und die Preise um 2% ansteigen, bleibt die Kaufkraft gleich. Steigen die Preise um 2%, habe ich aber keine Lohnerhöhung bekommen, sinkt meine Kaufkraft. Bekomme ich eine Lohnerhöhung von 4%, aber die Preise steigen nur um 2%, steigt meine Kaufkraft.

Spritpreise sind aber nicht allein durch die Inflation bedingt, sondern auch durch andere Faktoren. Und die reduzieren meine effektive Kaufkraft.

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mr.andersson 02.04.2012, 09:47
81. Titel

Zitat von sysop
Doch genau das ist der Punkt. Denn so lange Spritspar-Modelle wie zum Beispiel der Lupo 3 L, der mit drei Litern Benzin auf hundert Kilometern auskommt, Ladenhüter bleiben (auch darüber wird in der Runde gesprochen), stattdessen aber große SUV mit durstigen Motoren der Renner sind, ist der Sprit noch nicht teuer genug. Das aber traute sich bei Jauch niemand zu sagen.[/url]
Diese Aussage aus dem Text ist mal wieder Blödsinn Deluxe, aber schön populistisch.

Ich habe kleine Kinder, wohne abseits und bin somit auf ein Auto angewiesen und finanziell in der Lage ein "grosses böses schweres" Auto zu bezahlen. Wenn ich meine Kinder zum Wohle der Umwelt in einen Lupo setze und da knallt ein SUV bei einem Unfall rein, dann sind meine Kinder eher hin, als wenn ein Lupo gegen meinen SUV knallt. Also fahre ich den SUV. Mal davon abgesehen, dass ich in einem Lupo einfach nicht 4 Personen inklusive gerummel reinbekomme, wenns mal ne längere Strecke ist und der Kofferraum zugepackt wird.

Spritsparen ist gut und schön und wichtig, aber einen grossen Wagen ausschliesslich auf seinen höheren Verbrauch zu reduzieren ist auch nicht der wahre Jakob.

Und ganz ehrlich, für die meisten Menschen ist der Spritpreis doch auch nur so ein Ablenkungsaufreger. Die Mehrheit der bürger fährt wohl kaum mehr als 25.000 km im Jahr. Macht bei 8 Litern verbauch 2000 Liter Sprit. Sind bei 1,70 pro Liter 3.400 Euro im Jahr und bei 1,50 pro Liter dann 3.000, also "gerade mal" 33 Euro im Monat weniger. Wer aber von uns glaubt ernsthaft, dass die politik oder Preisvergleich oder sonstwas den Spritpreis nochmal um 20 Cent senkt? Wir reden hier also davon, dass der durchschnittsmensch mit allem was an Massnahmen da ist am vielleicht bestenfalls 10 Euro im Monat spart. 10 Euro sind natürlich auch Geld, aber mit dem benötigten Aufwand kann ich die an anderer Stelle sicher einfacher generieren. Und wenn man einfach TÜV/Au ein Jahr länger gültig lässt.

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papayu 02.04.2012, 09:47
82. Kleinwagen

Zitat von The Captain
Naja. 140,- Euro sind 140,- Euro. Für "Normalverdiener" (lies: frühere Geringverdiener) ist das durchaus eine spürbare Menge Geld. Ich bring mal ein Beispiel an: Hans M. ist "Normalverdiener" mit einem Netto von 1500,- Euro pro Monat. Der tägliche Arbeitsweg beträgt 50km (gesamt, beide Richtungen). Es handelt sich um einen gemischten Arbeitsweg, also Stadtverkehr mit Ampeln und Landstraße. Fahrzeug: ein Kleinwagen, der Spritverbrauch wird mit 6 - 8l auf 100km angegeben, ich rechne mal mit dem schlechteren Wert (der auch idealisiert ist und in der Realität selten erreicht wird). Bei einem Arbeitsweg von 50km am Tag verfährt Hans M. ca 4l Sprit. Das Arbeitsjahr hat ca 230 Arbeitstage (21 x 12 - 22), d.h. Hand muss mit einem Spritverbrauch von 920l allein für die Fahrerei rechnen. Ein Anstieg um durchschnittlich 10 Cent zum Vorjahr bedeuten Mehrausgaben von 92 Euro - allein für den Arbeitsweg. Da sind andere Fahrten nicht mit eingerechnet. Die 92 Euro werden aber nirgendwo kompensiert: weder durch eine Lohnerhöhung noch durch andere Einnahmen, d.h. das Geld fehlt in der Kasse. Zwar kann Hans M. über die Steuererklärung Geld zurückbekommen (Kilometerkostenpauschale), aber auch diese Rückzahlung kompensiert die 92 Euro nicht aus. Kurzum: Hans M. hat 92 Euro weniger Geld in der Tasche, seine Kaufkraft sinkt um jenen Betrag. Und das ist NUR die Erhöhung! Die tatsächlichen Spritkosten belaufen sich bei durchschnittlich 1,68 Euro / Super auf ca. 1545,60 Euro - also etwas mehr als das Nettomonatsgehalt im Beispiel. Man muss sich das vorstellen: allein damit Hans M. arbeiten gehen kann, muss er Benzin in Höhe eines Monatsgehaltes erwerben - und das Jahr für Jahr. Dazu kommen noch sonstige Unterhaltskosten für das KFZ - je nach Modell, Baujahr, Verbrauch und Reparaturanfälligkeit, nicht zu vergessen den Wertverlust des KFZ können noch bis zu 3 weitere Monatsgehälter (Neuwagen) an Kosten entstehen. 4 von 12 Nettomonatsgehältern landen bei Hans M. im Auto. Nur mal so zum Nachdenken. Jede Benzinpreiserhöhung ist schmerzvoll - leider kann man wohl kaum aufs Auto verzichten, außer man nimmt die deutlich längeren Wegezeiten in Kauf, die Fahrten mit Bus und Bahn mit sich bringen.
Hans M wird sich doch nicht die Bloesse geben, oder ist er ein Vernunfmensch?
Vor einigen Jahren kannte ich einen Fernfahrer, so um die 50, der war von Sonntagabend bis Samstagfrueh auf dem Bock. Eines Tages, Sam-
tags stieg er in seinen Kleinwagen und traf auf seinen Chef.
" Verdienst Du eigentlich nicht genug bei mir, dass Du jetzt Klein-
wagen fahren musst?" " Nein Chef, ich seh nur nicht ein, warum ich ein groesseres Auto fahren soll. Ich wohne ca 15 km weg von hier.
Da komm ich auf nicht einmal 200 km pro Monat und das vertraegt ein groesseres Auto nicht."

Solche Leute gibt es auch, sind aber am Aussterben.

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ginfizz53 02.04.2012, 09:48
83. entschuldigung, A66, morgens ? da...

Zitat von fatherted98
... Wenn ich auf der A66 morgens gen Frankfurt fahre und bei erlaubten Tempo 100 ungefähr 3/4 aller Automobilisten mit geschätzten 140-180 an mir vorbeizischen kann es noch nicht so schlimm sein mit dem Spritrpreis...gewachsen ist.
... war wohl ich dabei, bei den überholern...
achten sie beim nächsten mal auf einen schwaarzen pontiac firebird mit 3,6 liter-maschine...
winken sie mir dann mal zu...
keine angst, ich schubse keinen von der fahrbahn. schon lange nicht mehr...

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The Captain 02.04.2012, 09:49
84. SUV-Debatte.

Zitat von endbenutzer
Sie wollen jetzt doch nicht ernsthaft behaupten, ein VW-Tuareg, Porsche Cheyenne oder sonstiges in dieser Liga verbraucht in der Stadt annähernd genauso viel wie ein Kleinwagen. Geht’s noch?
Die SUV-Fans versuchen doch seit Jahren, die Dinger zu legitimieren. Fakt ist aber, dass diese Monsterfahrzeuge eigentlich keiner braucht. Zu groß und zu schwer und unpraktisch bei den Parklücken im Stadtverkehr. Manche Gasse ist zu schmal für solche Vehikel.

Das Argument mit dem Spritverbrauch ist wohl mehr als daneben: im Stadtverkehr is JEDES Fahrzeug mehr oder weniger ein Spritfresser, wobei kleinere Fahrzeuge mit geringeren PS-Zahlen eindeutig effektiver sind. Ein 2-Tonnen Fahrzeug mit 160 PS braucht beim Stop-and-go Verkehr deutlich MEHR Sprit als ein 1-Tonnen Fahrzeug mit 80 PS. Das sagt schon die Physik: verbrennt der SUV etwa den Sprit mit doppelter Effizienz? Genau DAS behaupten die SUV-Fans, wenn sie sagen, ihre Fahrzeuge verbrauchen nur wenig mehr als ein Kleinwagen.

Physikalisch unmöglich.
Aber das ist ja sowieso fast eine religiöse Debatte.

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anbue 02.04.2012, 09:51
85. Danke,

Zitat von sponner_hoch2
Tatsächlich? Also 186.000 EUR Umsatz gemacht? Oder (darauf läßt der Satzbau schließen) will uns der Autor hier etwa sagen, dass der Herr Hirsch mit Benzin 66.000 EUR Deckungsbeitrag erwirtschaftet hat? Wie auch immer, vielleicht bin ich damit ja altmodisch, aber ich erwarte mir von einem (selbsternannten) Qualitätsmedium wie dem Spiegel doch, dass seine Journalisten in der Lage sind, halbwegs verständlich und richtig zu schreiben.
und ich dachte mal wieder, nur mir ginge es so. Kam der Beitrag eigentlich aus der Kultur- oder der Wirtschaftsredaktion ?

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Sharoun 02.04.2012, 09:52
86. "Warum nur ist Benzin so teuer?"

Das wird durch den Markt reguliert; trotz hohen Steueranteils hat das Gemeinwesen -also die Öffentlichkeit- nicht wirklich Einfluß auf die Preisgestaltung.
Die Frage muß doch wohl eher lauten: warum wurden und werden keine oder längst nicht ausreichende öffentliche Alternativen angeboten - deren Preise dann gerne reguliert werden dürfen, um Mobilität als solches erschwinglich zu halten?

Warum setzt die öffentliche Hand nicht alles daran, eine Mobilitäts-Grundversorgung durch öffentlichen Personennah- und Fernverkehr sicherzustellen - und erst danach -gewissermaßen als Ergänzung/ Luxus- den MIV zu ermöglichen?
Stattdessen wird dem Auto das Primat eingeräumt - und der Bürger damit den willkürlichen Preisschwankungen ausgesetzt (was übrigens den Bürger zwar stört, ihn aber nicht grundsätzlich am gegenwärtigen Modell zweifeln läßt).

Sollte der Staat seinen Steueranteil am Benzinpreis vermindern, ändert das nichts an der Anfälligkeit des Spritpreises für Preissprünge aus Profitgründen; diese Debatte werden wir so also nicht mehr los.

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drserotonin 02.04.2012, 09:52
87.

Zitat von wowiku
Jammern auf hohem Niveau. Ich möchte den Normalverdiener sehen, der 60 000 verdient. Also ist das das Jammern um den "bescheidenen" Gewinn blödsinnig. Und die Pacht im gleichem Atemzuge gegenüber zustellen ist auch Quatsch. Richtig ist, so noch spritfressenden Fahrzeuge gekauft werden , ist der Preis immer noch zu niedrig. Lieber jetzt mehr bezahlen., als unseren Enkeln und Kindern nichts zu hinterlassen.
Zuhören hilft: 60 kEuro "Gewinn" (hätte man besser Ertrag genannt) stehen die mehrfach erwähnten Pachtkosten von 120 kEuro p.a. gegenüber - macht einen Verlust von 60 kEuro, der durch Upselling ausgeglichen werden muss ...

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labudaw 02.04.2012, 09:53
88. Mr. Allesklug sollte mal an einem Modell aufzeigen, wo die Menscheheit ohne

Zitat von -volver-
Bitte wie? Welche Partei wählen Sie denn? Was diese Sendung betrifft, so verhält es sich bei Günther Jauch wie bei all den anderen Talkshows. Es wird viel geredet, und am Ende ist man gewiss nicht schlauer. .....
die Mobilität wäre, die wir heute haben.
Dann könnte er garantiert nicht in einem TV-Talk so einen Schmarrn erzählen.

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Andreas-Schindler 02.04.2012, 09:54
89. Suv

Zitat von endbenutzer
Sie wollen jetzt doch nicht ernsthaft behaupten, ein VW-Tuareg, Porsche Cheyenne oder sonstiges in dieser Liga verbraucht in der Stadt annähernd genauso viel wie ein Kleinwagen. Geht’s noch?
Ein Arbeitskollege fährt ein VW-SUV TDI. Er fährt seit paar Wochen auf dem Weg zur Arbeit immer hinter LKWs im Windschatten hinterher. Der Verbrauch hat sich halbiert, nur die Fahrzeit hat sich dafür fast verdoppelt.

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