Forum: Kultur
Stammtisch für feine Herren: Hier Genie, da Genitalien
Getty Images

Mit den vielen feministischen Debatten wächst die Panik mancher Männer, die Kontrolle zu verlieren. Zu viel weibliche Sexualität, zu viele Vulven - das fürchten rechte wie auch linke Intellektuelle.

Seite 10 von 10
Bondurant 20.03.2019, 15:40
90.

Zitat von vera gehlkiel
Mal eine ganz praktische Erwiderung: ich hab die zahlreichen Männer meines Lebens nie mit irgendwas "verschont", ob Menstruation, Zwischenblutung, Gynaekologenbefund und Anatomieexkurs am realen Objekt. Und keiner hat deswegen je aufgehört, mir notfalls bis zum Laestigwerden nachzulaufen.
darauf kann man auch nur ganz praktisch erwidern: für jeden Topf gibt es einen Deckel. Altes Sprichwort. Außerdem sollten Sie mal darüber nachdenken, ob das "Nachlaufen" wegen oder trotz Ihres hier geschilderten Verhaltens stattgefunden hat. Das meine ich ganz ernst; jedem Erwachsenen ist bekannt, dass man bei Partnerschaften immer auch etwas in Kauf nehmen muss, was man lieber anders hätte. Die Frage ist dann immer, wie sehr man das andere haben möchte.

Beitrag melden
TLB 20.03.2019, 15:50
91.

Zitat von shekina_niko
Weshalb sollten sich Liebende nicht gegenseitig ermutigen? So habe ich das nämlich gemeint. Wenn eine Frau sich ihrer Sexualität und ihres Wohlbefindens annimmt , wäre es ein Zeichen der Zuneigung sie dabei zu unterstützen statt sich davon irritieren zu lassen oder darüber herzuziehen, wie es Zizek und manche Kommentarschreiber tun.
Natürlich sollen sich Liebende sich gegenseitig ermutigen und unterstützen. Aber das sollte doch selbstlos geschehen.

Beitrag melden
Monty76 20.03.2019, 15:57
92.

[Zitat]"In 20 amerikanischen Staaten haben wir Gesetze, die die ausdrückliche Zustimmung zu Sex regeln." Ja, grausame Zeiten, in denen man Leute nicht ungefragt vögeln darf.[Zitat Ende] Ich bin mir nicht sicher, ob Sie die Aussage extra falsch verstehen wollen oder es einfach nicht schaffen, über Ihren Tellerrand zu gucken.
In dieser Form ist allerdings Ihr Text insgesamt geschrieben und zwar nicht nur einseitig oder verkürzend sondern teils sinnentfremdend, wenn Sie sich auf Äußerungen Dritter (Männer) beziehen.
[Zitat:] Anstelle dessen soll die Vulva für Frauen zurückerobert werden, in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen." Die Frauen wollen sich also die Vulva zurückerobern und das ist natürlich frech ohne Ende. [Zitat Ende] Wieder: Die Aussage müssten Sie eigentlich als Ganzes lesen und daher auch den Zusatz "in all jener Komplexität, die frei ist von sexistischen Mythen". Betrauert wird mit der Aussage offensichtlich die Entmythifiztierung des Sexuellen. Sie dagegen hauen mit dem Holzhammer auf den ersten Teilsatz. Wieder: Sinnentfremdend. Ist das so Ihr Stil? (Verstehen Sie auch längere Sätze?)

[Zitat] "So verschieden Zizek und Peterson auf den ersten Blick wirken - hier der Star der Linken, da der Star der Rechten -, so nah sind sie sich in der Panik (...) [Zitat Ende] Sie sitzen hier einem Irrtum auf, da Sie sich offenbar die politische Ausrichtung in einer Geraden vorstellen, an deren Endpunkten die jeweiligen Extreme sitzen. Das ist falsch, vielmehr handelt es sich um eine Kreis, in welchem links- und rechtsextreme Positionen sich wieder in vielen Punkten annähern.
Dass Ehepartner von Genies sich nicht wohl an der Seite ihrer Partner gefühlt haben, ist erschütternd, ich frage mich allerdings, was das mit der Genderfrage zu tun hat? Anders herum ist das nicht möglich, es gibt keine schwierigen Frauen, an deren Seite sich der Mann unwohl fühlt? Dass Genies auch gerne als sozial besonders schwierig und auffällig gelten, macht das Beispiel nur noch wertloser.

Beitrag melden
bbuchtaleck 20.03.2019, 16:29
93. Falsch und falscher?

Wenn ich Zizek richtig verstehe (vielen Dank für die Links in den Kommentaren), dann geht es darum, dass die Vulva durch die zunehmende Präsenz entmystifiziert und somit erotisch unwirksam wird. Diese Furcht halte ich für Unsinn.

Wenn ich Stokowski richtig verstehe, dann geht es ihr weniger darum, für eine freie, gleichberechtigte Sexualität einzutreten (was vollkommen förderungswürdig ist) und mehr darum, Zizek Misogynie vorzuwerfen, wozu z.B. der Vergleich mit Peterson beiträgt (wobei laut anderen Kommentatoren Stokowski Peterson falsch darstellt, um ihre eigene Argumentation zu befördern).

Es geht also nicht um die Sache, sondern um eine Person. So schreibt Zizek zwar etwas meiner Meinung nach falsches, aber Frau Stokowski hängt sich daran nicht auf, um es richtig zu stellen, sondern um Zizek zu beleidigen. Das scheint mir der größere Unsinn zu sein.

Beitrag melden
phg2 20.03.2019, 16:31
94.

Zitat von vera gehlkiel
Egal, ob Gefühle, Denkweisen oder Affektionen: nichts geht jemals, ohne dass man seine eigene Geschichte begreift. Diese ist unvermeidlich das Skript, anhand dessen wir gelernte Schauspieler improvisieren. Und es gilt das alte Wort des anscheinend auch zeitweise ziemlichen Machos Max Frisch, der sinngemäß formulierte: wer keine Rolle (mehr) spielen will (darf), der spielt für die Welt auch keine Rolle. Ist folglich als Person gelöscht. Das wollen Frauen schon lange ändern, aber die bisher nur männlichen Drehbuchschreiber besetzen uns Frauen einfach weiterhin als Statisten in der Deko. Als Kleiderständer, dekorative Lampen, Waschmaschinen undsoweiter. Damit muss einfach mal Schluss sein, im ganz allgemeinen Interesse. Es geht also nicht um die Reduktion auf den berühmten kleinen Unterschied. Ganz im Gegenteil um die Eroberung der Weltgeschichte der Frau. Und deshalb ist Feminismus auch kein Antipode des Maskulinismus, sondern letzteres nur ein preisreduzierter Abklatsch des ersteren.
Aber ich denke schon, dass der Maskulinismus (unter dem auch nicht allzu maskuline Männer schon immer gelitten haben) vor dem Feminismus da war und da passt das mit dem Abklatsch (zeitlich) eher nicht.
Wobei, eher ernsthaft, das Ziel doch nicht sein kann eine Vorherrschaft durch eine andere zu ersetzen. Da kommt nachher noch der "Testosteronvorteil" des Mannes wieder zum Vorschein und der ganze Quatsch geht von vorne los.

Beitrag melden
dvs 20.03.2019, 16:44
95. Kontrolle von wem über wen?

Da ich mich nun als Mann outen muss, der solche Geschlechtsgenossen, die im Ernst von "dem Mysterium weiblicher Sexualität" und ähnlichen Wortschöpfungen reden, als reichlich albern und verstiegen wahrnimmt - ich selber finde Genitalien als solche eher langweilig -, kann ich auch gleich sagen, dass ich die Flut von Veröffentlichungen zu allen Aspekten weiblicher Körperöffnungen und Flüssigkeitsabsonderungen eher langweilig und wenig bildend finde. Bei manchen denkt man auch an Freud, der Verlust der Scham ist ein Zeichen des ...

Aber die Frage der Kontrolle ist hoch interessant, den das Vorzeigen der eigenen Genitalien, wie es weibliche Autorinnen momentan praktizieren, unterstreicht hier wie auch sonst im Tierreich wohl Macht- und Platzanspruch der Autorin.

Allerdings bin ich der Meinung, dass das ein rein innergeschlechtlicher Machtkampf ist, der mich als Mann überhaupt nicht betrifft.

Beitrag melden
shekina_niko 20.03.2019, 17:03
96.

Zitat von TLB
Natürlich sollen sich Liebende sich gegenseitig ermutigen und unterstützen. Aber das sollte doch selbstlos geschehen.
Ich habe keineswegs behauptet, dass diese Ermutigung erfolgen sollte, _weil_ letztendlich etwas für den Mann rausspringen kann.

Aber die Freude daran, wenn die Partnerin etwas für sich gewinnt, und das wiederum positive Auswirkungen auf die gemeinsame Sexualität hat, steht mit Selbstlosigkeit in keinem Widerspruch.

Beitrag melden
santoku03 20.03.2019, 17:21
97.

Keine der mir bekannten Frauen macht sich wegen dieses Kokolores einen Kopf. Das sind alles gestandene, selbstbewusste Frauen, viele davon so wie ich im Feminismus der 1970/80er Jahre sozialisiert. Die schmunzeln nur.

Beitrag melden
Schartin Mulz 20.03.2019, 17:25
98. Wann haben Sie zuletzt einen Film gesehen?

Zitat von vera gehlkiel
Egal, ob Gefühle, Denkweisen oder Affektionen: nichts geht jemals, ohne dass man seine eigene Geschichte begreift. Diese ist unvermeidlich das Skript, anhand dessen wir gelernte Schauspieler improvisieren. Und es gilt das alte Wort des anscheinend auch zeitweise ziemlichen Machos Max Frisch, der sinngemäß formulierte: wer keine Rolle (mehr) spielen will (darf), der spielt für die Welt auch keine Rolle. Ist folglich als Person gelöscht. Das wollen Frauen schon lange ändern, aber die bisher nur männlichen Drehbuchschreiber besetzen uns Frauen einfach weiterhin als Statisten in der Deko. Als Kleiderständer, dekorative Lampen, Waschmaschinen undsoweiter. Damit muss einfach mal Schluss sein, im ganz allgemeinen Interesse. Es geht also nicht um die Reduktion auf den berühmten kleinen Unterschied. Ganz im Gegenteil um die Eroberung der Weltgeschichte der Frau. Und deshalb ist Feminismus auch kein Antipode des Maskulinismus, sondern letzteres nur ein preisreduzierter Abklatsch des ersteren.
Ich habe jetzt schon soviele Filme gesehen, in den Frauen die Hauptrolle spielen, dass ich Ihre Einschätzung nicht annähernd nachvollziehen kann.
Es gibt auch immer mehr Drehbuchautorinnen.
Die großartigen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte können die immer größer werdende Wut des Feminsimus auf Männer nicht rational erklären.

Beitrag melden
Seite 10 von 10
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!