Forum: Kultur
Stars und Sucht: Tödliches Spiel mit dem Rausch

Ihr früher Tod schockiert die Musikwelt. Doch die britische Soulsängerin Amy Winehouse ist nicht die Erste, die der Sucht zum Opfer fällt - und wird kaum die Letzte sein: Musik, Kunst und Drogen sind seit langem unzertrennlich.

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Lottofreak 25.07.2011, 12:47
120. Dieser Spruch ist mehr als wahr

[QUOTE=Faramir;8354622] Denn man sieht nur die im Lichte, die im Dunkeln sieht man nicht.
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Mich stört ehrlich gesagt die Heroisierung und öffentliche Bestürzung von prominenten Drogentoten. Eher sollte man das Managementumfeld kritisieren daß dem Treiben ihres Stars so tatenlos zusieht und mit den publiciztyträchtigen Schlagzeilen von Exzessen ihre Plattenverkäufe noch anheizen bis es zu spät ist.Das Musikbuisness ist ein möderisch brutales Geschäft wo Menschen verheizt werden- Hauptsache die Kasse stimmt.
Amy W. war eine "Polidoxe Userin" und somit weitaus gefährderter wie ihre überlebenden alten Zeigenossen wie ein Keith Richards,Clapton.Jonny Winter u.v.a.
Alle wussten es, niemand hat was getan.

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loeweneule 25.07.2011, 12:56
121. nee

Zitat von sverris
Ja, die enthemmenden Wirkungen, wenn das leere Blatt leer bleibt, muss die Pulle her.
Ja, bedröhnt schreibt es sich leichter. Ob aber auch besser? Man sollte es sich im nüchternen Zustand dann doch noch mal durchlesen. Nicht jeder ist ein Goethe, von dem des Satz kolportiert wird: "Andere schlafen ihren Rausch aus, ich schreibe ihn nieder."

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Gaztelupe 25.07.2011, 13:32
122. Amy

Zitat von sysop
Mit dem Album "Back to Black" schrieb sie Musikgeschichte, mit öffentlichen Exzessen wurde sie zur tragischen Figur: Amy Winehouse war eine der schillerndsten Figuren der Popmusik. Sie wurde zum Opfer einer Industrie, die mehr von ihr verlangte, als sie leisten konnte.
Wie bitter es manchmal ist recht zu behalten. Vor ein, zwei Jahren gab ich am Biertisch – ja, es ging unter anderem auch über Hendrix, Joplin, Cobain – die Prognose ab: Amy wird's nicht schaffen. Nicht Frau Winehouse, nicht Amy Winehouse – Amy. Drogenkonsum schafft Vertrautheit über die Szene hinaus, die Rock'n'Roll-Family wird nicht durch das Blut geeint, sondern durch die Substanzen, die ihm zugesetzt werden und es schließlich zum finalen Stillstand bringen ...

Und nun ist sie tatsächlich gestorben, banal und wahrscheinlich würdeloser als nötig. Nicht, daß ich tatsächlich Fan war; ich hielt die Winehouse-Songs für ganz okay, ein paar für exzellent, wenn auch schnell klar wurde, wie sehr da produktionsseitig immer wieder dieselbe Masche gestrickt wurde. Die gewünschte, selbstredend antikommerzielle Authentizität lieferte dann eben das wilde Drumherum, das ja bloß ein Drogenexzeß war; oder vielmehr ohne ihn kaum jemanden hinter dem Ofen hervorgelockt hätte. Gute Songs, viel Erfolg, noch mehr Drogen – ein Klischee nach einem halben Jahrhundert Popkultur.

Einen Zusammenhang mit Kreativität und dem häufig verhängnisvollen Drang zu bewußtseinsverändernden Mixturen scheint es zu geben; übrigens nicht nur in der Musikszene, in der gesamten Medienwelt konsumiert sich ein locker verteilter Kader von Säufern, Sniefern und Drückern durch die Tage und Nächte.

Typisch dabei die Legendenbildung um Drogenkonsum und kreativen Output: Führt sich ein Musiker regelmäßig gewisse Pülverchen, Kräuter oder Flüssigkeiten zu, so wird sein Werk respektvoll als »unter Drogeneinfluß« geadelt – obwohl Autorenschaft und das umsetzende Musizieren fast immer eine eher nüchterne Angelegenheit sind; man könnte auch harte Arbeit dazu sagen. Und doch schlägt sich die Droge im Werk nieder, in der Verbindung von Kunst und Künstler, was eine ganz bestimmte Saite bei den Fans anschlägt. Amy ist dafür das beste Beispiel. Nicht so sehr als Rebellin wider die Vernunft, sondern als Dissidentin der kollektiven Kontrolle. Ein Song wie »Rehab« gewinnt durch die trotzige Antisozialität an Wirkung, durch die wissende Unvernunft, durch das Bekenntnis zum Dämon, das jede Therapie scheitern lassen muß. Einer tatsächlich oder eingebildet nüchternen Amy hätte man das nicht abgenommen.

Sie hat sich mit den Drogen umgebracht. So wie es aussieht, ohne besonderen Grund. Jedenfalls wurde sie nicht dazu getrieben. Sie hat sich nicht für Tugend, nicht für eine fremdbestimmte, gar nachhaltige Form des Lebens entschieden, sondern für ihre.

Und das ist eine kurze.

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Gaztelupe 25.07.2011, 14:32
123. ...

Zitat von Lottofreak
[...] Eher sollte man das Managementumfeld kritisieren daß dem Treiben ihres Stars so tatenlos zusieht und mit den publiciztyträchtigen Schlagzeilen von Exzessen ihre Plattenverkäufe noch anheizen bis es zu spät ist.Das Musikbuisness ist ein möderisch brutales Geschäft wo Menschen verheizt werden- Hauptsache die Kasse stimmt. [...]
Die Musikindustrie ist kein Therapiezentrum. Sie lebt von erfolgreichen Songs, nicht vom Drogenkonsum der Vertragskünstler. Im Gegenteil ist sie nicht dran interessiert, wenn Stars wie Winehouse ausgebuht werden, wenn sie auf Tournee rauschbedingt nicht performen – das ist nämlich schlecht für's Geschäft.

Nicht jeder Star ist drogensüchtig, nicht jeder Drogensüchtige ein Star. In der Szene werden viele Drogen vertrieben, die Labels spielen teilweise mit und schauen weg, aber längst nicht mehr so blauäugig wie früher; man ist professioneller geworden.

Klar macht man auch Verträge, die Künstler längerfristig an ein Label binden und somit einen gewissen Leistungsdruck ausüben – wie jeder beschissene Vertrag in jeder Branche das tut. In der Regel wird mit Popstars allerdings sehr tolerant umgegangen. Einen gewissen Lotterbonus genießt so gut wie jeder, dessen Verkäufe stimmen. Das wissen sie alle, von Prince bis George Michael – und beschweren sich trotzdem, für jede Menge Kohle auch entsprechend Geldwertes, wie vertraglich vereinbart, liefern zu müssen. Ich habe dafür kein Verständnis, auf so hohem Niveau gelingt mir das Jammern einfach nicht.

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SURE 25.07.2011, 17:30
124. ...........

Zitat von Coolhapp
Das ist nun immer eine Sache des Geschmacks und der persönlichen Wahrnehmung. Ich für meinen Teil finde der Vergleich passt perfekt...in meinen Augen haben alle 3 kein überragendes Format in ihrem Leben erreicht, auch wenn ich mir Winehouse von den Genannten noch am ehesten anhören möchte, aber wie gesagt...alles reine Geschmackssache.
Ne, Geschmack hat da gar nichts mit zu tun. Ein Hendrix hat Generationen bewegt und ganzen Musikergeneration als inspiratives Vorbild gedient.
Ähnlich wie Pablo Casals, von einer ganzen Generation Cellisten als einer der Vorreiter zur Weiterbildung empfunden wurde.Frau Winehouse war gut, passte in die Zeit hatte ne klasse Stimme und kam beim Mainstreampublikum gut an.
Was will man mehr in Zeiten des Kommerzes. Da wird jetzt jede Bettwanze interviewt in London um mit der Dame Geld zu verdienen, irgendwie ekelhaft.
Komische Welt.

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k999 25.07.2011, 18:11
125. Es sind nicht immer nur die anderen Schuld...

Alle, die hier über den ach so schlimmen Leistungsdruck schreiben: Druck machen tut sich letztlich jeder selbst. Das gilt für "Stars" ebenso, wie für den normalen Angestellten. Wer sich selbst ins Hamsterrad stellt und versucht, so schnell es geht zu laufen, um vor den Kollegen die Nase vorn zu haben, darf sich nicht wundern, wenn ihm irgendwann die Puste ausgeht.

Ich kenne Leute, die sich so in ihren Job reingekniet haben, das sie quasi von ihrem Chef gezwungen wurden, etwas kürzer zu treten, da offensichtlich war, das das direkt in den Zusammenbruch führt. Aber auch in weniger offensichtlichen Fällen ist der Burn-Out oft auch nur eine Zeitfrage - nur mit dem Nachteil, das diese Obsessiven ihren Kollegen durch ihre Arbeitswut die Messlatte erst mal ziemlich hoch legen und diese sich dann gezwungen fühlen, mitzuziehen, selbst wenn das körperlich und geistig auf Dauer überhaupt nicht geht.

Also Leute: Denkt daran, das ihr nur ein Leben habt und das das zu kurz ist, es euch oder anderen durch selbst auferlegten Leistungsdruck zur Hölle zu machen. Die Leistungsfähigkeit ist beschränkt und niemand kann permanent auf 150% laufen. Besser nur 80% geben, dann hat man Reserven für den Notfall und es lebt sich viel besser.

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RogerRabit1962 25.07.2011, 18:50
126.

Zitat von F10.2
Rauschmittel fräsen neue Bahnen in die Synapsen... Endorphine Straßen und dopamine Wege, die vorher so - warum auch immer - nicht erlebbar waren und generieren Euphorie, "Gut drauf sein", intensives Erleben , aber auch Schmerz und Trauer auf einem anderem Level.. Das möchte "man " wiederholen, vervielfachen, intensivieren. Nachvollziehbar! So entstehen stoffgebundene Süchte und der Zug fährt irgendwann in die entgegengesetzte Richtung.... Die Crux ist nun, daß der Abhängige, Konsument meint OHNE die Rauschmittel dieses Erleben nicht mehr zu erfahren, diesen Zugang in die Gefühlswelt, einer gewisse Enthemmung, dieses emotionale Meer und Mehr. Das Gegenteil ist der Fall! Ist dieses Erleben von Gefühlen erstmal "freigeschaltet", lebt es sich -nach Konsumende - intensiver, realer, konkreter, fühlbarer und man kann diese sogar mit anderen Leuten teilen, die nicht den gleichen Promille, Koks oder Dreiblatt-Level haben.. So hat die Abstinenz einen deutlichen Mehrwert für den EX-Süchtigen, verliert den Grauschleier der Langeweile, die (vielleicht?) abschreckende Gedanken an Konformität, das Fehlen von Kicks... Und...... wird auch durch gebetsmühlenartige Wiederholung nicht richtiger.. Die "lebenslange Krankheit" nur ein schlecht gemachter A (nonyme)A (lkoholiker)-Fake, damit die Leute lebenslang in diese Gruppen rennen? Was beim "Trockenem Alkoholiker" ja noch(?) teilweise funktioniert, dem Betroffenem Anerkennung bringt, ob der erreichten Abstinenz und das Mitgefühl einiger, sowie das Suhlen in einer Opferrolle ("Ich ging durch die Suchthölle"), funktioniert aber nicht immer.. Schon mal vom nikotinabhängigen Ex- Raucher gehört? Eben! Dass ein Ex-abhängig konsumierender bei erneuten Konsum wieder süchtig/krank wird ist unbestritten, er ist es jedoch bei Abstinenz nicht! Ich wollte -nach meiner Suchterkrankung - ein MEHR haben. Ein Mehr an Dingen über die die Suchterkrankung einen subjektiven Schleier gezogen hatte. Mehr fühlen, mehr lachen, mehr powern, mehr leisten, mehr sexeln, mehr chillen..Da hindert eine Krankheit nur.. Und kommen Sie mir nicht mit der "Anerkannten Expertenmeinung". Ich bin auch Experte..ich bin anderer Meinung. Vielleicht ist´s aber auch nur ein Streit um des Kaiser´s Bart. U.K. Initiator und Leiter des Selbsthilfeprojektes CliC - Clean ist Cool Ex-User, Ex Alkoholiker, Ex -Polytox, Ex- Betroffener, Ex - Abhängiger, Ex - Süchtiger ==>

Die grosse Gefahr ist, dass man durch eigenes Erleben denkt, sein Wissen auf Andere projezieren zu können.
Dadurch, dass Sie eine oder auch multiple Süchte momentan im Griff haben, können Sie nicht unterstellen, dass Ihr Weg derjenige ist, der hilfreich für andere sein kann.

Viele Wege können aus einer Sucht führen. Viele aber auch in neue oder andere Süchte.

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ALG III 25.07.2011, 19:37
127. Soul

Zitat von Gaztelupe
Wie bitter es manchmal ist recht zu behalten. Vor ein, zwei Jahren gab ich am Biertisch – ja, es ging unter anderem auch über Hendrix, Joplin, Cobain – die Prognose ab: Amy wird's nicht schaffen. Nicht Frau Winehouse, nicht Amy Winehouse – Amy. Drogenkonsum schafft Vertrautheit über die Szene hinaus, die Rock'n'Roll-Family wird nicht durch das Blut geeint, sondern durch die Substanzen, die ihm zugesetzt werden und es schließlich zum finalen Stillstand bringen ... Und nun ist sie tatsächlich gestorben, banal und wahrscheinlich würdeloser als nötig. Nicht, daß ich tatsächlich Fan war; ich hielt die Winehouse-Songs für ganz okay, ein paar für exzellent, wenn auch schnell klar wurde, wie sehr da produktionsseitig immer wieder dieselbe Masche gestrickt wurde. Die gewünschte, selbstredend antikommerzielle Authentizität lieferte dann eben das wilde Drumherum, das ja bloß ein Drogenexzeß war; oder vielmehr ohne ihn kaum jemanden hinter dem Ofen hervorgelockt hätte. Gute Songs, viel Erfolg, noch mehr Drogen – ein Klischee nach einem halben Jahrhundert Popkultur. Einen Zusammenhang mit Kreativität und dem häufig verhängnisvollen Drang zu bewußtseinsverändernden Mixturen scheint es zu geben; übrigens nicht nur in der Musikszene, in der gesamten Medienwelt konsumiert sich ein locker verteilter Kader von Säufern, Sniefern und Drückern durch die Tage und Nächte. Typisch dabei die Legendenbildung um Drogenkonsum und kreativen Output: Führt sich ein Musiker regelmäßig gewisse Pülverchen, Kräuter oder Flüssigkeiten zu, so wird sein Werk respektvoll als »unter Drogeneinfluß« geadelt – obwohl Autorenschaft und das umsetzende Musizieren fast immer eine eher nüchterne Angelegenheit sind; man könnte auch harte Arbeit dazu sagen. Und doch schlägt sich die Droge im Werk nieder, in der Verbindung von Kunst und Künstler, was eine ganz bestimmte Saite bei den Fans anschlägt. Amy ist dafür das beste Beispiel. Nicht so sehr als Rebellin wider die Vernunft, sondern als Dissidentin der kollektiven Kontrolle. Ein Song wie »Rehab« gewinnt durch die trotzige Antisozialität an Wirkung, durch die wissende Unvernunft, durch das Bekenntnis zum Dämon, das jede Therapie scheitern lassen muß. Einer tatsächlich oder eingebildet nüchternen Amy hätte man das nicht abgenommen. Sie hat sich mit den Drogen umgebracht. So wie es aussieht, ohne besonderen Grund. Jedenfalls wurde sie nicht dazu getrieben. Sie hat sich nicht für Tugend, nicht für eine fremdbestimmte, gar nachhaltige Form des Lebens entschieden, sondern für ihre. Und das ist eine kurze.
Pardon, aber ich finde ihren Tod nicht banal und schon gar nicht würdelos. Ihr Tod ist stimmig. Sie hat ihr Werk und ihr Leben (ich betrachte beides als Gesamtkunstwerk) durch ihren Drogentod sozusagen abgerundet.

Eine Frau, die so emotional ist, die den Soul aus tiefster Seele singt, die sich in Männer verliebt, die nichts Gutes bedeuten (Blake und Pete Doherty), die den Tod mit jeder Faser ihres Wesens herausfordert, ihn zärtlich umschlingt und mit ihm Tango tanzt, muss früh sterben - am besten mit 27 -, wenn sie nicht umsonst gelebt haben will. Und das wollte Amy bestimmt nicht.

Ich behalte sie als eine beeindruckende Persönlichkeit im Gedächtnis, gerade wegen ihrer "trotzigen Antisozialität" - ein sehr guter Ausdruck von Ihnen!

Mormonen können keinen Soul singen. Das war schon immer meine Meinung.

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Gaztelupe 25.07.2011, 20:21
128. ...

Zitat von ALG III
, aber ich finde ihren Tod nicht und schon gar nicht . [...]
Ich meinte eher die Umstände des Todes, die ich befürchte. Das frühe Ableben selbst ist wohl der Rock'n'Roll-Tod, wie ihn schon andere gestorben sind.

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ALG III 25.07.2011, 20:59
129. Sie war allein, als sie es tat.

Zitat von Gaztelupe
Ich meinte eher die Umstände des Todes, die ich befürchte. Das frühe Ableben selbst ist wohl der Rock'n'Roll-Tod, wie ihn schon andere gestorben sind.
Der Tod ist ein interessantes Thema. Wann sind die Umstände alltäglich, wann sind sie es nicht? Amy soll im Bett gestorben sein. Banal. Achill starb im Kampfgetümmel. Heroisch.

Wäre Amy vor laufender Kamera von der Bühne gekippt, während sie sang: Rehab No No No, dann wäre ihr Tod medienwirksam gewesen.

Ich finde ihr einsames Sterben romantisch.

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