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Streit über Identitätspolitik: Und wo stehst du?
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Diskussionen über Indianer-Faschingskostüme und Gendersternchen werden mittlerweile hochaggressiv geführt. Das Buch "Trigger Warnung" analysiert aktuelle Identitätspolitik - und will verhärtete Fronten wieder aufbrechen.

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bestrosi 26.05.2019, 09:04
1. ich sehe kein Problem

Jeder ist für seine Identität selbst verantwortlich, nicht die Gesellschaft. Ständiges Beleidigtsein hilft da nicht weiter.

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geri&freki 26.05.2019, 09:08
2. Parallel-Welten

Wenn man diesen Beitrag, gespickt mit einer Unzahl bislang völlig unbekannter Termini, so liest, kommt man um die Überzeugung nicht umhin, dass es abseits unseres Alltages irgendwo ein Parallel-Universisum geben muss.

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archi47 26.05.2019, 09:10
3. Ich verstehe diese Entwicklung nicht

Oberstes Gebot sollte doch Toleranz und die Akzeptanz des Anderen sein. So wie er ist. Jeder hat eine eigene Agenda von Geburt an. Teils genetisch, teils Elternerziehung, teils Umwelt und die gemeinschaftliche Sozialisation in Freundeskreis, Kindergarten, Schule und Beruf, Kultur und Organisation.

Muß man das den Splitter im Auge des Anderen suchen?
Ich will gar nicht unterstellen, dass ein Balken im eigenen Auge lauert, obwohl mir manch einseitige Weltsicht so vorkommt.

Ist es nicht so, dass die jeweils eigene Identidät sich doch subjektiv unterscheiden muß und dass es für die eigene Entwicklung gut sein kann, wenn es so ist?
Kann es das friedenstiftend und sinnstiftend sein, sich in Gruppen zusammen zu schließen, um die eigene "richtige" Sichtweise gegen die "falsche" der Anderen durchzusetzen?

Da wächst wieder zunehmend in Teilen eine Generation heran, die sehr selbstbezogen Probleme sieht, die nicht der Rede wert sind. Gemessen an denen, die wir wirklich haben und die auf uns zukommen werden. Manch einer, der um sein Überleben kämpft, wird dann auch noch via (a)soziale Medien damit beglückt und bedrängt.
Wenn es denn Privatsache wäre und bliebe, dann wäre es ja gut.
Aber es wird zur "Glaubensfrage" hochstilisiert.
Wie von früher bis in die Jetztzeit der Glauben, wo sich jede Gruppe ihr eigenes "Herrgottle" gebaut hat, welches natürlich nur in ihr Schächtele paßt und welches natürlich nur das einzig richtige ist.
Anscheinend können viele nicht anders. Wer keine anderen Sorgen einsieht, der macht sich diese.
Wenn die Religion kognitiv überwunden scheint, dann muß ein Substitut her ...

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Milkyslice 26.05.2019, 09:30
4. Identitätspolitik sorgt für das was sie bekämpfen will

Das Ziel sollte es immer sein das jeder machen und lassen kann was er will solange es im Gesetzlichen Rahmen ist.
Zu oft driftet die Identitätpolitik selbst in Rassismus, Antisemitismus, Sexismus und all die anderen Buzzwörter ab.
Ein überaus großer Schutz oder Förderung von Minderheiten kommt meist mit Diskriminierung anderer einher. Es geht soweit das diese Leute Minderheiten als schwächere, leistungsunfähigere Menschen ansehen die selbst keine Stimme erheben können. Gutgemeinter Rassismus .
Man kann soweit links driften das man rechts wieder rauskommt.

Am besten war der Aufruf von Melissa Milano aufgrund eines Abtreibungsgesetzes keinen Sex mehr mit von männlichen Partnern zu haben - exakt das was Abtreibungsgegner immer gesagt haben (davon ab das es eh nur die betreffen würden die wahrscheinlich Abtreibung befürworten).

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marenghi 26.05.2019, 09:41
5. Fakten und Demokratie statt Ideologie und Agression 1

Anscheinend - ich habe das Buch nicht gelesen, kann mich also täuschen - gehen dessen Autoren aber immer noch von der Prämise aus, eine - übrigens völlig undemokratische und sich der gleichen agressiven Mitteln bedienende Identitätspolitik (IP) wie die patriarchalische autoritäre Politik, die sie eigentlich bekämpfen will - sei prinzipiell sinnvoll, weil sie ja vermeintlich für einige Erfolge gesorgt hat. Warum sie das nicht ist, haben mittlerweile schon genügend Staatsrechtler, Philosophen, Politikwissenschaftler usw ausgeführt. Auch kann bezweifelt werden, dass es speziell eine IP war, anstatt eine demokratische, von Wissenschaft und Konsens getriebene gesellschaftliche Entwicklung, die sich natürlich die Fragen nach Gerechtigkeit stellt und Fortschritte erzeugt - aber halt nicht im framework von IP.

Zweiter Punkt, der mit IP als einer Ideologie zusammenhängt: Wie alle Ideologien ist sie nicht evidenzbasiert, sie verlässt den Boden der Tatsachen zugunsten von willkürlich gesetzten ideologischen Axiomen, zB "alle Menschen sind gleich", einer falschen emprischen Aussage, (anstatt "gleichwertig", einer ethisch-moralischen). Das wird an vielen Beispielen deutlich: In der Genderdebatte mit dem Irrtum, alle Geschlechtsunterschiede, auch abseits körperlicher Art, seien AUSSCHLIESSLICH umweltbedingt. Wir haben tonnenweise wissenschaftliche Evidenz aus empirischen Natur- und Sozialwissenschaften (vs größtenteils nicht-empirischen, theoretischen Genderwissenschaften), dass dem nicht so ist. Beispielsweise: Je GRÖSSER die gender equality, desto GRÖSSER die Geschlechtsunterschiede in Persönlichkeitseigenschaften und Berufswahl - das gender equality paradox. https://en.wikipedia[Punkt]org/wiki/Gender-equality_paradox
Bei der Forderung nach "Triggerwarnungen" und Viktimisierungswahn, bei dem die bis dato wenige Forschung dazu deutlich zeigt, dass sie kontraproduktiv sind für Nicht-Erkrankte - und Erkrankte ganz andere Hilfe brauchen.
Triggerwarnungen sind nämlich Teil eines concept creep https://science.sciencemag[Punkt]org/content/360/6396/1465 - auch das eine in Experimenten belegtes Phänomen - das ohne Reflektion und Achtung gemeinschaftlicher gesetzter Definitionen dazu führt, dass, wenn Rassimus, Sexismus, Gewalt, Viktimisierung objektiv weniger wird, sie automatisch immer weiter ausgedehnt werden. Bis hin dazu, dass Leute violette Punkte als grün (!), neutrale Gesichter als agressiv, http://www.danielgilbert[Punkt]com/LEVARI2018COMPLETE.pdf und Fragen nach der Herkunft IMMER AUSCHLIESSLICH als (wenn es nicht "zugegeben" wird, dann als "verdeckten, unbewussten") Rassismus bezeichnen. Der in uns stecke, weil unser aller Vorfahren, weiße Missionare, auch Leute (PoC) ausfragten. Sowas druckt tatsächlich eine (ehemals?) seriöse Tageszeitung ab www.zeit [Punkt] de/campus/2019-02/herkunft-identitaet-diskriminierung-rassismus-selbstbestimmung

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marenghi 26.05.2019, 09:43
6. Fakten und Demokratie statt Ideologie und Agression 2

Als letztes Beispiel Transgenderpolitik im Sport, bei der man einfach behauptet, es gäbe nach einer vom IOC nicht-empirisch, ad hoc gesetzten Testosterongrenze von 10mmol/l in KEINER SPORTART KEINE Leistungspotentialunterschiede mehr zwischen male to female-Transgender und cis-Frauen - und deshalb sollten erstere in der Frauenkategorie starten dürfen.
Nein, wir müssen gemeinsam der ideologischen IP eine Absage erteilen und stattdessen eine Sozial- und Gesellschaftspolitik weiter vorantreiben, die uns schon einige Fortschritte gebracht hat ohne in die Abgründe einer Ideologie zu fallen. Dazu brauchen wir - wie auch in anderen Themenfeldern der Politik - dringend mehr demokratisch legitimierte Entscheidungen aufgrund von Wissen über tatsächliche Fakten, über Evidenz. Anstatt undemokratisch und agressiv durchgepeitschte Ideologien einer radikalen Minderheit (sic!) und Kurzschlussemotionen. Packen wirs an!

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arvenfoerster 26.05.2019, 09:45
7. Problem der Radikalität

Das zentrale Problem ist nicht das der Identität. Das zentrale Problem liegt in der Radikalität des Diskurses. Wer eine Gesellschaft und ihre Sprache in kurzer Zeit, revolutionär ändern möchte, wird dabei ebenso die Gegenposition radikalisieren. Es ist ein einfaches physikalisches Axiom: Jede Kraft erzeugt eine Gegenkraft, jeder Druck erzeugt einen Gegendruck. Auf die Gesellschaft übertragen bedeutet dieses Axiom nichts anderes, als das Radikalität immer mit dem Verzicht auf Wirkung einhergeht. Wer gesellschaftliche Verhältnisse ändern möchte, ob in der Sprache, Geschlechterrollen oder in irgendeinem anderen Politikfeld, muss das evolutionär anstreben oder er wird scheitern.

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David_K_79 26.05.2019, 09:55
8. Der Autor irrt, wir befinden uns in der Filterblase

Die "Aggression" rührt eben daraus, dass diese Themen ausschließlich in der linken Filterblase diskutiert werden. Und sobald sie diese verlässt, reagiert die normale Bevölkerung mit Unverständnis, weil die Ideen mitunter grotesk sind. Einfacher Test: Wenn das Gendersternchen in der Bevölkerung akzeptiert wäre, warum liest man es dann nicht selbst in linken Mainstreammedien?

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theuwe 26.05.2019, 10:22
9. Kontraproduktive Diskussionen

Was ich in meinem Umfeld feststelle ist, dass die zuweilen bizarr ausufernden Gender-Diskussionen dazu führen, dass selbst absolut lockere, aufgeschlossene und liberale Typen inzwischen beginnen den Kopf zu schütteln und eher konservativer werden. Der harten Kern der engstirnigen Intoleranten fühlt sich dagegen in seinen Vorurteilen und Denkschablonen eher noch bestätigt und poltert jetzt ganz offen los

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